Mandatsentzug in Klagevorbereitung wie vorgehen?

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Black Milk
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Mandatsentzug in Klagevorbereitung wie vorgehen?

Beitrag von Black Milk » 27.01.16, 11:41

Vorab schonmal:
Vielleicht gibt es hier ja einen ernsthaft interessierten Anwalt der sich der Sache annehmen will. Ich habe kein Vertrauen mehr zu meinem derzeitigen Anwalt und möchte ungerne die Klage mit ihm durchführen da ich den Eindruck habe dass er sich nicht wirklich bemüht.


Fall:
Unternehmen A verschickt Ware mit Paketdienstleister im Wert von ca. 500 EUR. Die beiden Pakete verschwinden und der Paketdienstleister kann seit 08/2015 nicht nachweisen wo diese geblieben sind. Nach mehrfacher Aufforderung und Fristsetzung durch A reagiert der Paketdienstleister nicht mehr.

A beauftragt einen Rechtsanwalt der den Beförderer auffordert Erstattung zu leisten.

Der Beförderer lehnt eine Bearbeitung ab mit der Begründung das hier ein Strafverfahren läuft (Warenkreditbetrug) und eine derzeitige Bearbeitung der Reklamation nicht möglich ist.

A findet diese Behauptung irrelevant (Es stimmt das hier Verdacht auf Warenkreditbetrug vorliegt, A hat Anzeige erstattet da der Kunde wahrscheinlich ein Betrüger ist. Nichtsdestotrotz ist der Beförderer hier für den Verbleib der Pakete verantwortlich)

A kontaktiert seinen Rechtsanwalt und sagt das diese Antwort nicht zufriedenstellend ist und dagegen vorgegangen werden müsste. Der Rechtsanwalt reagiert nicht.
Nach einem Monat bittet A seinen Rechtsanwalt höflich innerhalb von 1 Woche weitere Informationen zu dem Fall bereitzustellen. Der Rechtsanwalt meldet sich 5 Tage zu spät und schreibt dass er im Urlaub gewesen sei und das er seine Referendarin beauftragt hat, einen Klageentwurf vorzubereiten, bis nächste Woche.
In der nächsten Woche erfolgt wieder keine Rückmeldung vom Rechtsanwalt.

A ist von der Art der Kommunikation enttäuscht und möchte nun dem Rechtsanwalt das Mandat entziehen, da er auch an der Kompetenz des Anwalts für den Fall zweifelt.


Wie sollte das Mandat am besten entzogen werden? Da ja schon Kosten angefallen sind für die Beauftragung. Diese müssten eigentlich dem Beförderer in Rechnung gestellt werden, da dieser mehrfach im Verzug geraten war. Kosten für den Klageentwurf möchte A hier nicht übernehmen, da hier offensichtlich nur widerwillig gearbeitet wird.

Hat ein Anwalt hier Interesse den Fall zu übernehmen Klage einzureichen!? Oder Ideen dazu wie man nun am besten vorgeht...

Milo
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Re: Mandatsentzug in Klagevorbereitung wie vorgehen?

Beitrag von Milo » 27.01.16, 13:35

Kein Anwalt hat ein großes Interesse, so einen Fall zu bearbeiten, da er für die außergerichtliche Vertretung + Klage + Vertretung im Termin inkl. Auslagen (ohne Fahrt- und Reisekosten) nach RVG 173,45 € netto verdient. Somit arbeitet der Anwalt in so einem Fall ab der zweiten, spätestens dritten Stunde umsonst und darf sich ja noch auf einen Gerichtstermin mit Anreisezeit freuen.

Unabhängig vom Gegenstandswert hat aber ein Anwalt unterschiedliche Prioritäten. Fristgebundene Sachen gehen immer vor. Erst danach werden die lukrativen (böse formuliert) bzw. haftungsträchtigen (nett formuliert) Mandate abgewickelt und ganz zum Schluss kommt das Kleinvieh.

Man kann dem Anwalt einfach einen Zweizeiler schreiben, dass man das Mandat kündigt. Ob die Gegenseite hier schon zur Kostenübernahme verpflichtet ist oder nicht, spielt keine Rolle. Grundsätzlich zahlt der Mandant den Anwalt. Außergerichtliche Kosten müssen als Nebenforderung eingeklagt werden.

Für die außergerichtliche Tätigkeit sind bislang 70,20 € entstanden. Wenn das Mandat endet, bevor die Klage eingereicht wird, der Klageauftrag aber bereits erteilt wurde, erhöhen sich die Kosten auf 95,85 € netto. Der Anwalt wird sicherlich Verständnis dafür haben, wenn dem Mandanten die Klage der Referendarin keine 25 € Wert ist und eine entsprechende Kürzung der Rechnung akzeptieren.

Das Problem bei Anwälten: Die sind ja schon genervt, wenn Gerichte Fristen setzen. Dann kommen noch die Gegenanwälte mit ihren blöden Fristen. Wenn dann noch ein Mandant kommt mit ner 1-Wochenfrist, senkt das wahnsinnig die Motivation, für nahezu nichts zu arbeiten.
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Albert Einstein

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Re: Mandatsentzug in Klagevorbereitung wie vorgehen?

Beitrag von Name4711 » 27.01.16, 14:17

Naja - ganz allgemein zum Thema Anwalt und Mandatsbearbeitung :mrgreen: Bei der Wochenfrist hab ich schon laut gelacht :christmas

Das kennt man so aus der Wirtschaft dass da innerhalb von Wochen etwas passiert - die Juristerei ist diesbezüglich irgendwie weiter und bewegt sich in einer Linie in einer Raum-Zeit, wo am 29.12 so eine Singularität auftritt (wenn der 31. auf einen Sonntag fällt ggf. sogar schon am 28.12 :christmas )

Zügig bedeutet, dass man im schlimmsten fall nach ein paar Monaten ggf. etwas hört - manchmal geht es aber auch schneller...

Problematisch: Einem Anwalt, der immer sofort reagiert würd ich ggf. auch nicht trauen - weiß Gott warum der nix zu tun hat :engel:

Naja und Gebührenordnung: Ist auch so etwas seltsames - bei einem hohen Streitwert müssen die Gebühren so hoch sein, weil man damit ja die geringen Streitwerte mitfinanzieren muss... Looooogisch

Kleiner Haken an der Sache : Wenn Anwalt A die hohen Streitwerte macht und Anwalt B nur die geringen bringt das nix. Kannst du den :ostern: geben...

Aber so san's die Prinzen :lachen:

Black Milk
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Re: Mandatsentzug in Klagevorbereitung wie vorgehen?

Beitrag von Black Milk » 29.01.16, 14:01

Danke für eure Meinungen.

Ich bin allerdings der Meinung dass man als guter Anwalt (genau wie ein guter Einzelhändler bspw.) nicht seine Kunden ausschließlich nach der Profitaussicht priorisieren sollte.
Schließlich kommt ein zufriedener Kunde auch wieder, vielleicht nächstes Mal mit einem lukrativeren Fall.

Als Firma verdienen wir manchmal an einem Kunden auch nur 1,50 EUR. Na und? Behandelt wir diesen dann extra schlechter? Verschicken wir dann sein Paket Tage später weil der Kunde ja im Prinzip eher eine Belastung ist? So einen Ton höre ich bei euren Antworten raus.

Besagter Anwalt wurde übrigens schon dreimal von uns beauftragt. Ich kann die Begründung nicht akzeptieren oder nachvollziehen, dass aufgrund des niedrigen Streitwerts und des entsprechenden Profits für den Anwalt nun möglichst großes Desinteresse gegenüber den Anfragen des Mandanten ausgedrückt werden muss. Oder wie sieht ihr das?

Übrigens zum Thema schnelle Antworten vom Anwalt:
Wir hatten einen Zivilprozess zu Urheberrechtsverletzungen vor dem Landgericht. Es ging um über 40.000 EUR Streitwert.
Unser Anwalt hat immer sofort innerhalb von 1-2 Werktagen reagiert, nicht nur uns gegenüber, nein auf die Gegenseite hagelte es quasi im Wochentakt Abmahnungen. Mit vollem Erfolg.
Das dieser Anwalt nun nicht viel zu tun hatte, war nicht der Grund und trauen würden wir ihm definitiv wieder. Warum? Weil er zuverlässig war und gute Arbeit gemacht hat.
Bei o.g. Anwalt ist es ja vielleicht dem einen oder anderen nach meinen Schilderungen klar, dass dieser Eindruck bis jetzt leider nicht entstehen konnte.

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