Anwalt handelt nicht im Sinne des Mandanten

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Nillonde
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Anwalt handelt nicht im Sinne des Mandanten

Beitrag von Nillonde » 28.01.16, 17:48

Ich weiß gar nicht ob ich in dem Unterforum richtig bin, falls nicht: Bitte entsprechend verschieben, war nicht beabsichtigt!

Um folgendes geht es, ist eine längere Geschichte in der es um eine Person aus meinem näheren Umkreis geht.

Person A. wird von seinem alten AG auf Schadensersatz verklagt. Es gibt eine Einigung die vorsieht dass der Beklagte, sprich Person A. an den AG 60 000€ in Raten zu zahlen hat, kommt er dieser Ratenzahlung nicht nach, erhöht sich die Summe auf 120 000€

Person A. hat sich nach dem Gerichtstermin leider um die Sache nicht gekümmert und auf seinen Anwalt vertraut. Also abgewartet bis er was schriftliches hat um dann die Ratenzahlung zu beginnen. Der Anwalt hat sich nie gemeldet. In der Zwischenzeit verstrich die Frist und die Summe erhöhte sich auf 120 000€.
Dass Person A. zu einem gewissen Maß da selber dran Schuld ist, ist klar. Er hätte da auch mal nachhaken müssen. Zudem müsste das Urteil/Einigung doch auch direkt zugestellt worden sein, oder? Ich bin nun nicht so ganz in der Materie, aber als ich vor 10 Jahren mit meinem AG wegen Lohnausfall vor Gericht war, gab es auch eine Einigung und das Urteil wurde direkt an mich zugestellt und einmal an meinen Anwalt. Zudem hat mein Anwalt mich damals auch zusätzlich über den Eingang des Gerichtsschreibens bei ihm benachrichtigt.
Der Anwalt von Person A. sagt bis heute ihm sei nie ein Schreiben vom Gericht zugegangen, was laut Gericht nicht stimmt.
Das ist die Vorgeschichte zu dem, was mich aktuell bewogen hat hier zu schreiben.

Da die 120 000€ nicht aufzubringen waren, ist Person A. in die Privatinsolvenz gegangen. Mit dem selben Anwalt.
Laut diesem hat sich keiner der angeschriebenen Gläubiger bei ihm gemeldet. Es wurde zwischenzeitlich immer mal wieder nachgefragt ob es Neuigkeiten gäbe, ob Briefe gekommen wären: nichts.
Nun, wo die Privatinsolvenz eigentlich unter Dach und Fach ist, das Haus versteigert usw. rief gestern die Insolvenzverwalterin an und meinte von o.g. besagtem Arbeitgeber gäbe es einen Einspruch dass die Schuld nach Ende der Wohlverhaltensphase nicht gelöscht werden darf aufgrund dass die Schuld aus vorsätzlichen Delikten resultieren würde. Dagegen hätte Person A. innerhalb einer Frist Einspruch einlegen müssen. Person A. nebst Ehepartner fiel gestern aus allen Wolken. Die wussten nichts davon. Der Brief sei an den Anwalt gegangen.
Dieser stellte sich gestern doof und meinte er habe nie was bekommen.

Die Insolvenzverwalterin hat die Unterlagen die ihr vorlagen in Kopie direkt an Person A. geschickt aus denen nun heute hervor geht dass der Anwalt sehr wohl ein Schreiben bekommen hat. Auf erneute Konfrontation mit diesen Informationen, meinte der Anwalt heute nur er habe damit ja nichts zu tun gehabt, er hätte die Insolvenzunterlagen nur bei Gericht abgegeben, mit dem restlichen Insolvenzkram habe er nichts zu tun und er wisse gar nicht was man denn nun von ihm wolle.
Er ist offiziell beim Gericht als gesetzlicher Vertreter für diese Insolvenz gemeldet und steht auch in allen entsprechenden Schreiben als Anwalt drin.


So.. das ist, vereinfacht geschrieben, das was ich weiß. Unterlagen habe ich nun selbst keine gesichtet. Aber mir kommt das ganze spanisch vor. Wenn ich mir einen Anwalt nehme, dann vertraue ich doch darauf dass der meine Interessen vertritt. Dafür bekommt er doch Geld!
Und selbst wenn er diese Interessen nicht mehr vertritt oder vertreten will, sollte bzw. muss er das dann nicht offiziell abgeben und auch alles was er noch an Unterlagen hat an Person A. bzw. den neuen Anwalt geben?
Das kann doch nicht sein dass ein Anwalt ein wichtiges Schreiben versacken lässt nach dem Motto "Is mir egal, geht mich nichts an..." oder sehe ich das nun falsch?

Wie kann denn Person A. nun weiter vorgehen?

Fenchel
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Re: Anwalt handelt nicht im Sinne des Mandanten

Beitrag von Fenchel » 22.02.16, 20:58

Hallo,

so wie ich das verstanden habe, sind die Insolvenzunterlagen abgegeben worden,ohne das Ihr Anwalt sich bei Ihnen vorab gemeldet hat oder Ihnen die unterlagen auch als Kopie zugeteilt hatte.

Wenn Sie ihrem Anwalt nicht mehr vertrauen können,weil er Sie nicht versteht, oder im Alleingang handelt ohnen es mit Ihnen zu vereinbaren, dann wechseln sie ihren Anwalt, oder reden mit Ihr darüber, so das die Anwältin nicht verärgert ist und Sie nicht mehr vertreten möchte.

Holen Sie sich die Kopien der unterlagen, dort, wo Sie abgegeben worden sind.

emhxfb
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Re: Anwalt handelt nicht im Sinne des Mandanten

Beitrag von emhxfb » 10.03.16, 21:35

Ich glaube das war keine Antwort die dem Fragesteller hilft.

Folgende Information ist mir eindeutig bekannt:
Wenn die Briefe/Schreiben bei dem Anwalt per Brief ohne Einschreiben eingegangen sind, dann ist das rechtlich überhaupt nicht nach zu weisen. Der Anwalt könnte rein technisch betrachtet jeden Brief ohne Einschreiben direkt in den Schredder werfen. Keiner kann dem Anwalt nachweisen, dass er diesen Brief erhalten hat.
Briefe per Einwurf-Einschreiben sind etwas besser aber da gilt nur der Eingang des Briefes, nicht der Inhalt. Könnte auch ein weißes Blatt papier im Brief gelegene haben.
Deswegen Tipp wenn man etwas von Relevanz verschickt: Entweder persönlich unter Zeugen abgeben und am besten das ganze filmen oder noch besser per gerichtliche Zustellung versenden. Kostet ca 15€ aber dann ist nachweislich der Inhalt beim Empfänger eingegangen.

Es gibt Leute, die verschicken deren Geburtstagseinladungen aus Spaß per persönlicher, gerichtlicher Zustellung.


Für eurem Fall gilt: Die Gegenpartei sollte nachweisen, dass der Inhalt des Briefes wirklich beim Anwalt eingegangen ist. Kann sie das nicht, dann ist das auch vor Gericht nicht standhaft.
Beim Fall mit den 60000€->120000€ - konnte die gegnerische Partei nachweisen, dass Sie per gerichtliche Zustellung das beim Anwalt eingegangen ist? Wenn nein, dann ist zu sagen "Schreiben ist nicht eingegangen, bitte nennen Sie mir ein Datum ab wann die Frist beginnt".
Wenn die gegnerische Partei dennoch auf 120000 pocht, dann sollte sie den eingang nachweisen.

Das selbe gilt auch jetzt. Eine Frist beginnt zu gelten ab Eingang. Wenn der Eingang nicht nachgewiesen werden kann, dann hat die Frist nicht begonnen. Ihr habt eine Kopie der angeblich beim Anwalt eingegangenen Schreibens bekommen. Erst jetzt ist das Schreiben bei euch eingegangen. Also jetzt schnell danach handeln und alles ist in Ordnung.

Und man sollte sich schon einen brauchbaren Anwalt nehmen :roll:

webelch
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Re: Anwalt handelt nicht im Sinne des Mandanten

Beitrag von webelch » 10.03.16, 22:46

emhxfb hat geschrieben:Für eurem Fall gilt: Die Gegenpartei sollte nachweisen, dass der Inhalt des Briefes wirklich beim Anwalt eingegangen ist. Kann sie das nicht, dann ist das auch vor Gericht nicht standhaft.
Das ist aber dünnes Eis...

Name4711
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Re: Anwalt handelt nicht im Sinne des Mandanten

Beitrag von Name4711 » 11.03.16, 08:49

emhxfb hat geschrieben:
Und man sollte sich schon einen brauchbaren Anwalt nehmen :roll:
:mrgreen: Deswegen mach ich mich hier ständig so unbeliebt...

"Nein Her Richter, mir ist kein Brief zugegangen - ich schwör!" :devil:

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