Wenn eine Kanzlei das Mandat kündigt

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edo
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Wenn eine Kanzlei das Mandat kündigt

Beitrag von edo » 15.02.16, 16:15

Ein Rechtssuchender wendet sich an eine Kanzlei mit ca. 15 Rechtsanwälten.
Bei der telefonischen Kontaktaufnahme fragt er, ob die Kanzlei eine Rechtssache übernehmen könne, die sich gegen eine ortsansässige Firma richtet.
Dies wird bejaht und es wird ein Termin bei einem Fachanwalt der Kanzlei vereinbart.

Der Fall wird bei diesem Termin besprochen, der Rechtsanwalt nimmt das Mandat an und lässt eine Vollmacht unterschreiben.
Bei diesem Termin wiederholt der Anwalt, dass einem Rechtsstreit mit dieser Firma nichts im Wege stehe.

Nach einer Woche erhält der Mandant eine schriftliche Mitteilung der Kanzlei, der Fall könne aus "kanzleiinternen Gründen", die mit dem Mandanten aber nichts zu tun habe, doch nicht übernommen werden.

Ist eine solche Absage juristisch korrekt?

Nordlicht14
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Re: Wenn eine Kanzlei das Mandat kündigt

Beitrag von Nordlicht14 » 15.02.16, 16:25

Das ist korrekt.

Ein Anwalt kann die Übernahme eines Mandats ohne Angabe von Gründen ablehnen unverzüglich beziehungsweise er kann ein laufendes Mandat auch ohnehin jederzeit kündigen. Dies dafür nur nicht zu Unzeit tun (etwa einen Tag vor der Verhandlung), es sei denn, der Mandant hat einen Grund und Vertragsverstoß gegeben.

Die nicht Annahme des Mandats beziehungsweise sofortige wieder Kündigung ist damit korrekt und in Ordnung. Gründer muss ein Anwalt dafür nicht angeben.

Die Kanzlei interne Gründe können alles mögliche sein: entweder wird der Gegner regelmäßig vertreten, in anderen Sachen, so dass es unschön ist, gegen den eigenen Mandanten vor zu gehen; es kann auch sein, dass der Streitwert zu niedrig ist, oder das sonstige organisatorische Vorgaben gegen das Mandat intern sprechen.

mwjm
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Re: Wenn eine Kanzlei das Mandat kündigt

Beitrag von mwjm » 12.03.16, 18:24

Nordlicht hat natürlich Recht! Allerdings stellt sich die Frage, ob die "Nichtannahme", die eigentlich eine Kündigung ist, wirklich unverzüglich im Sinne des Gesetzes erklärt wurde. Immerhin haben Sie ja schon Tatsachen offenbart, die der Verschwiegenheit unterfallen.
Falsche Urteile sind schlimm. Schlimmer sind Anwälte, die das nicht erkennen.

Nordlicht14
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Re: Wenn eine Kanzlei das Mandat kündigt

Beitrag von Nordlicht14 » 12.03.16, 18:35

Diese Frage stellt sich hier nicht, da der Anwalt sowohl die Nichtannahme des Mandats in die Vertretung nach der Erstdurchsicht gleichermaßen erklären kann, wie er auch ein angenommenes Mandat wieder kündigen kann.
Die Frage stellt sich lediglich, was und ob er abrechnen kann. Wenn er die Vertretung nicht übernimmt, kann er jene natürlich nicht abrechnen, nur die Erstberatung.

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