Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

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Schorsch.
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Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Schorsch. » 22.03.16, 17:10

Der Rechtsanwalt übernimmt einen mit Rechtsschutz abgesicherten Fall. Die Rechtsschutz genehmigt nur die Bezahlung eines einzigen Rechtsanwalts. Der Rechtsanwalt arbeitet unzuverlässig, läßt von ihm gesetzte Fristen verstreichen, sichert zu, bestimmte Schreiben anzufertigen, ohne daß er sie anfertigt. Er entschuldigt sich mit Krankheit, von der der Mandant nichts wußte.

Wie kann man da verfahren? Der Rechtsanwalt hat trotz seiner schon bestehenden Erkrankung den Fall angenommen. Und die Rechtsschutz bezahlt keinen anderen Anwalt.
Gruß
Schorsch.

Name4711
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Name4711 » 22.03.16, 20:53

Naja, solange er nur selbstgesetzte Fristen verpasst, ist das ja nicht so schlimm- im Gegenteil , er setzt sogar Fristen, dh. er ist voller Tatendrang und entschuldigt sich sogar...

Ich glaub sie haben da Goldstück und wissen es nur nicht. Wie lange sind sie denn jetzt schon dabei? Ich mein, wenn sie das jetzt am 29 Dezember geschrieben hätten - aber so bleibt ja noch massig Zeit....

Schorsch.
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Schorsch. » 22.03.16, 21:17

Hallo, danke für die Antwort. Ich mußte gerade beim Lesen meinen Kopf langsam seitlich hin und her neigen, und meine Halswirbel knirschten :twisted:

Nun mal im Ernst. Habe ich da ein "Goldstück"?
Gruß
Schorsch.

SusanneBerlin
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von SusanneBerlin » 22.03.16, 21:44

Über welchen Zeitraum seit der Beauftragung reden wir?
Es kann schon vorkommen, dass ein übereifriger RA verspricht, innerhalb von einer Woche tätig zu werden, und dann dauerts doch 4 Wochen, liegt aber immer noch im Rahmen des üblichen.
Grüße, Susanne

Name4711
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Name4711 » 22.03.16, 21:57

Schorsch. hat geschrieben:Hallo, danke für die Antwort. Ich mußte gerade beim Lesen meinen Kopf langsam seitlich hin und her neigen, und meine Halswirbel knirschten :twisted:

Nun mal im Ernst. Habe ich da ein "Goldstück"?
Keine Ahnung. Ich kann nur aus meinen Erfahrungen schöpfen und muss sagen, ich bin heute hoch zufrieden, wenn der Anwalt innerhalb von ein paar Tagen ein Lebenszeichen abgibt und wenn's nur ist, dass er etwas noch nicht gemacht hat, das aber nicht so schlimm ist...

Also ich sag's mal so, man kann da schon Lehrgeld lassen, bis man sich an die Arbeitsweise der Juristen gewöhnt hat, man kommt sich nie wie ein Kunde vor oder so - das kann man wahrscheinlich generell abhaken.

Man hat da wahrscheinlich zunächst eien falsche Vorstellung.

Wenn sie den Anwalt wechseln, kann ihnen das durchaus passieren, das sie an einen geraten, der schlicht gar nicht reagiert...die Gebühren hat er ohnehin ja im Sack, dann wären sie am Ende froh den alten zurück zu bekommen. Hört sich nämlich echt nicht so schlimm an - wenn nicht Jahre dazwischen liegen. Monate sind schon ok, Wochen eine Blitzreaktion :lol:

Schorsch.
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Schorsch. » 22.03.16, 21:59

Ups

in dem Schreiben wurde eine 14 Tage Frist gesetzt. Nun sind 31 Tage seither verstrichen seit dem Eingang des Schreibens bei dem Gegner. Ist denn eine Fristsetzung durch einen Rechtsanwalt f.d.A.?
Gruß
Schorsch.

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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Schorsch. » 22.03.16, 22:02

Man sollte Rechtsanwälte, Steuerberater und ähnliche analog Handwerker bezahlen, denn die bekommen das Geld nur, wenn sie die Leistung erbracht haben. Bei Ärzten ist das ein wenig schwieriger, oder?
Gruß
Schorsch.

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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Name4711 » 22.03.16, 22:09

Schorsch. hat geschrieben:Ups

in dem Schreiben wurde eine 14 Tage Frist gesetzt. Nun sind 31 Tage seither verstrichen seit dem Eingang des Schreibens bei dem Gegner. Ist denn eine Fristsetzung durch einen Rechtsanwalt f.d.A.?
Naja, was soll denn danach passieren?
Klage einreichen? :lachen:
Wie gesagt, schlimmstenfalls in 3 Jahren am 30.12.2019 :lachen:

Naja - im ernst so schnell sind die nicht. Und wenn man sagt, man sollte einen Anwalt wie einen Handwerker bezahlen, kann man schlimmstenfalls mit Reaktionen rechnen, als wenn man in Mekka den koran auf der Kaaba verbrennt, wenn gerade der harte Kern des IS auf der Hadsch ist :christmas

Ok, an alle Spaßbefreiten - Nur fast so wie auf der Hadsch :ironie:

SusanneBerlin
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von SusanneBerlin » 22.03.16, 22:14

Schorsch. hat geschrieben:Ups

in dem Schreiben wurde eine 14 Tage Frist gesetzt. Nun sind 31 Tage seither verstrichen seit dem Eingang des Schreibens bei dem Gegner.
Was kann Ihr Anwalt dafür, wenn der Gegner nicht antwortet? Was haben Sie denn mit Ihrem Anwalt besprochen, wie es weitergeht, wenn der Gegner nicht wie gewünscht reagiert?
Schorsch. hat geschrieben: Ist denn eine Fristsetzung durch einen Rechtsanwalt f.d.A.?
Eine Fristsetzung durch einen Anwalt hat keine größere rechtliche Wirkung, als wenn Sie den Brief selbst geschrieben hätten.
Eine Fristsetzung bedeutet nur: "Mein Mandant wird sich bis zum .... gedulden. Wenn dann (das Geld nicht da ist), überlegt sich mein Mandant was anderes."

Hat der Anwalt in dem Schreiben nicht darauf hingewiesen, welche nachteiligen Folgen es für den Gegner hat, wenn er nicht .... macht? Z. B. dass dann die Klage erhoben wird (von Ihnen).
Grüße, Susanne

Altbauer
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Altbauer » 23.03.16, 10:19

Zitat : "Der Anwalt hat - von ihm selbst gesetzte Fristen - verstreichen lassen"
- Wurde denn schon besprochen , wie nach Fristablauf zu verfahren ist ?

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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Schorsch. » 23.03.16, 10:32

Altbauer hat geschrieben:Zitat : "Der Anwalt hat - von ihm selbst gesetzte Fristen - verstreichen lassen"
- Wurde denn schon besprochen , wie nach Fristablauf zu verfahren ist ?
Ja. Klage.
Gruß
Schorsch.

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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Name4711 » 23.03.16, 11:22

Aja, der hat doch die Klage nicht auf verdacht vorbereitet in der Schublade liegen... Die muss der jetzt erstmal basteln!

Vermutlich liegt das jetz irgendwo im System tatsächlich mit einem Termin zur Wiedervprlage spätestens .....
Ich bin zwar Laie - habe aber den begründeten Verdacht, dass das einzige Kriterium, das da richtig Bewegung hereinbringt ein Termin ist, dessen verstreichen eine Haftung begründen kann.

Wenn jetzt aber ein paar Wochen nix passiert ist das weit weg von unzuverlässig....

Sie können ja mal googeln wielange Anwälte schon etwas unter feuchtem Torf gelagert haben, bis ein Gericht der Meinung war der Anwalt wäre untätig gewesen...

Dann mal googeln was "unverzüglich" bedeuten kann, wenn ein Gericht am zug wäre...

Dann sehen sie ihern 31Tage Anwalt mit gaaanz anderen Augen :ostern:

Schorsch.
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von Schorsch. » 07.04.16, 17:02

So wie der Eindruck nun ist, hat anscheinend ein Rechtsanwalt zwar Drohgebärden in seinen Briefen, doch solche fruchten nicht bei Behörden, gegen die sie gerichtet sind. Warum sollte auch der Leiter einer Behörde, der Fehler in seiner Entscheidung gemacht hat, auf die Drohung eines Rechtsanwalts antworten?

Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung wird es Jahre dauern - dann ist auch die Frage, ob der Leiter des Amtes zur Rechenschaft gezogen wird.

Aber dennoch ist erheblich, daß Rechtsanwälte Fälle übernehmen, wo eine Aussicht auf Erfolg nur dem Anwalt dient, nämlich den Einnahmen. Es ist wirklich gleichzusetzen dem Operationswahn von z.B. Orthopäden, die Knieoperationen vornehmen, weil sie Geld bekommen, obwohl sie nicht nötig gewesen wären.
Gruß
Schorsch.

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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von webelch » 08.04.16, 07:27

Schorsch. hat geschrieben:Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung wird es Jahre dauern - dann ist auch die Frage, ob der Leiter des Amtes zur Rechenschaft gezogen wird.
Entweder will man sein vermeintliches Recht, dann muss man klagen. Oder aber man will es nicht. Waschen ohne nass zu werden ist immer schwierig. Und taugt nicht zum Anwaltsbashing. Der Mandant ist Herr der Auftragslage.

winterspaziergang
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Re: Rechtsanwalt übernimmt Fall, aber arbeitet unzuverlässig

Beitrag von winterspaziergang » 08.04.16, 08:16

Schorsch. hat geschrieben: Aber dennoch ist erheblich, daß Rechtsanwälte Fälle übernehmen, wo eine Aussicht auf Erfolg nur dem Anwalt dient, nämlich den Einnahmen.
Es ist wirklich gleichzusetzen dem Operationswahn von z.B. Orthopäden, die Knieoperationen vornehmen, weil sie Geld bekommen, obwohl sie nicht nötig gewesen wären.
Sachliche Antworten werden regelmäßig dann schwierig, wenn der Stammtisch tagt.
Man sollte Rechtsanwälte, Steuerberater und ähnliche analog Handwerker bezahlen, denn die bekommen das Geld nur, wenn sie die Leistung erbracht haben. Bei Ärzten ist das ein wenig schwieriger, oder?
Nein, auch bei Ärzten ganz leicht. Wir nehmen an: Der Arzt bekommt sein Honorar nur, wenn der Patient gesund wird. Der Patient nimmt seine Medikamente aber nicht regelmäßig ein, "vergisst" sie, setzt sie ab, sobald es ihm etwas besser geht, außerdem kann er vom Rauchen nicht lassen, will es vielleicht auch nicht und mit dem Wort "Gelenk ruhig stellen" kann er trotz mehrfacher Erklärung auch nichts anfangen.
Was sollte der Arzt nun im Gegenzug alles dürfen, um dem Patienten zur Genesung und sich zum Honorar zu bringen? :devil:

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