RA-Tätigkeit tatsächlich geleistet? Anspruch Durchschriften?

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Haibu
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RA-Tätigkeit tatsächlich geleistet? Anspruch Durchschriften?

Beitrag von Haibu » 24.08.17, 12:54

Guten Tag liebe Forenuserinnen und -user.

Wenn man sich erstmal allein „gegen“ einen Juristen auf dessen Spielfeld begeben muss, dann ist man für jeden Rat dankbar.

Die Vorgeschichte (als konkretes Erlebnis) so kurz wie möglich: Anfang des Jahres habe ich meine Selbständigkeit vorbereitet und wollte mich dabei noch mit zwei älteren Gläubigern einigen (beide saßen mir mit einer Vermögensauskunft im Nacken und hätten mich in der Selbständigkeit blockiert), sprich Ratenzahlung vereinbaren. In gutem Glauben habe ich mich dazu an einen Rechtsanwalt (auf Empfehlung) gewandt, der mir große Hoffnung machte. Ich solle aber nicht nur die beiden wichtigen Gläubiger ins Boot holen, sondern auch die „kleinen“ (also Beträge so bis 120,-). Wäre alles kein Problem, macht er für insgesamt 700,- netto komplett. Und wenn das erledigt ist, kann ich das locker-flockig in Raten zahlen, weil er mich in der Selbständigkeitsstartphase nicht übermäßig belasten wolle. Wohlgemerkt: Eine Privatinsolvenz habe ich trotz Vorschlag kategorisch abgelehnt.
Nachdem ich ihm alle Unterlagen übergeben, zum Teil per Mail nachgeschickt habe, passierte erstmal lange nichts. Irgendwann fragte ich nach, da fiel ihm plötzlich ein, dass die Mail nicht angekommen sei. Einen Tag später dann doch, war im Spamfilter, nach einem Computerwechsel im Büro. Aber nur meine. Er würde jetzt alles erledigen. Es ging nur ersteinmal um die aktuellen Forderungsaufstellungen, noch nicht um einen Vergleich oder ähnliches.
Nachdem wieder einige Zeit nichts passierte, fragte ich wieder nach. Diesmal würde er auf die Antworten warten. Zwei, drei der „kleinen“ Gläubiger hätten geantwortet, die für mich wichtigen noch nicht. Ich solle mich noch zwei Wochen gedulden. Danach wieder nachgefragt, Ergebnis: Die beiden wichtigen Gläubiger hätten nicht geantwortet. Auf meine Nachfrage, ob er jetzt nachhaken würde: Nein, wenn die beim ersten Mal nicht antworten, würden die nicht wollen. Mir bliebe als Ausweg nur die Privatinsolvenz (das war das dritte Mal, dass er diese vorgeschlagen hat). Daraufhin habe ich ihm gesagt (zuvor auch sehr deutlich schriftlich per Mail), dass ich keinesfalls in eine Privatinsolvenz ginge. Ich solle mir das überlegen, was anderes wäre absolut nicht möglich.
Ich habe die beiden Gläubiger dann selbst angeschrieben und innerhalb einer Woche die beiden Forderungsaufstellungen anstandslos in der Post gehabt. Diese habe ich dann einer Sozialberatung mit Schuldnerberatung übergeben. Innerhalb von ein paar Wochen war dann ein Ratenzahlungsplan erstellt und von den Gläubigern genehmigt. Ziel erreicht. Beide Gläubiger-Vertreter (ebenfalls RAe) haben mich schriftlich informiert, dass sie niemals von „meinem“ Rechtsanwalt kontaktiert wurden.

Ihr könnt es euch denken, vor zehn Tagen flatterte eine Rechnung des RA ins Haus, über 700,- netto für die „Vertretung bei der Durchführung eines außergerichtlichen Schuldenbereinigungsversuch“, plus MwSt. plus 20,- Post- und Telekommunikationsentgelte. Kein Ton von der vereinbarten Ratenzahlung.
Ich hoffe, dass ich mich bisher an die Regeln gehalten habe und jetzt auch halte: 
Jetzt ist mein ! Rechtsempfinden, dass der RA eine Rechnung für etwas stellt, was er gar nicht geleistet hat. Die beiden wichtigen Gläubiger wurden nicht angeschrieben, ich hab trotz mehrmaliger Aufforderung keinerlei Durchschriften seiner Schreiben erhalten, ich habe nie eine Schuldenaufstellung gesehen. Von Beginn an hatte ich den Eindruck, dass er gar keine Schuldenbereinigung durchführen, sondern mich in die Insolvenz treiben wollte. Ich war nur zu doof, direkt auch die richtigen Schritte zu tun.

Ist mein Rechtsempfinden da vl. nur allgemeines Rechtsempfinden, aber die gängige Praxis eine andere? Gibt es eventuell Links, die auf ähnliche Fälle verweisen?

Ist ein RA generell verpflichtet, seine Schreiben seinem Mandanten vorzulegen, sozusagen als Arbeitsnachweis? Kann ein RA seine Forderung auch dann aufrecht erhalten, wenn er seine/die abgesprochene Arbeit nicht geleistet hat, bzw. diese Arbeitsnachweise nicht beibringen kann?

Milo
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Re: RA-Tätigkeit tatsächlich geleistet? Anspruch Durchschrif

Beitrag von Milo » 24.08.17, 19:17

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Re: RA-Tätigkeit tatsächlich geleistet? Anspruch Durchschrif

Beitrag von Name4711 » 24.08.17, 20:37

Wieso - ist doch ein ganz anderer Sachverhalt...

Wenn ich beauftrage sich mit A & B um eine Einigung zu bemühen - und die behaupten nichts davon bemerkt zu haben???

Haibu
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Re: RA-Tätigkeit tatsächlich geleistet? Anspruch Durchschrif

Beitrag von Haibu » 25.08.17, 09:49

Also in dem verlinkten Fall/Beispiel finde ich dieses Problem nicht wieder. Es geht doch darum, ob der RA
a) seine Arbeit getan hat/seinen Pflichten nachgekommen ist
und b) wenn nicht, ob der dies dann dennoch in Rechnung stellen darf.

RA behauptet A und B angeschrieben zu haben, ohne dass eine Reaktion von A und B erfolgt. Der Mandat selbst (C?) schreibt A und B an und kommt zum gewünschten Ergebnis. A und B behaupten zudem, das RA sie niemals kontaktiert habe. Warum sollten sie dies tun, wenn es nicht der Wahrheit entspräche? Und dass A und B beide durch einen Irrtum der Post dieselbige nicht erhalten haben ist der Wahrscheinlichkeit nach doch fast auszuschließen.
Und es bleibt die Frage, ob der Mandant einen Anspruch auf eine Durchschrift der Schreiben hat, die versandt worden sein sollen.

Milo
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Re: RA-Tätigkeit tatsächlich geleistet? Anspruch Durchschrif

Beitrag von Milo » 26.08.17, 12:03

Zu Durchschrift: siehe 11 bora
Zum Anspruch auf Vergütung: schon mit dem Auftrag entsteht die pauschale Geschäftsgebühr.
Ob die Zahlung gekürzt oder verweigert werden kann, hängt von 626 BGB ab.

Genau der selbe juristische Sachverhalt. Man muss nur den Lebenssachverhalt auf die rechtlichen Fragen verkürzen.
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Re: RA-Tätigkeit tatsächlich geleistet? Anspruch Durchschrif

Beitrag von Name4711 » 26.08.17, 19:23

Man muss nur den Lebenssachverhalt auf die rechtlichen Fragen verkürzen.
Interessante Formulierung :D

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