Widerruf der Anwaltszulassung - Schadensersatzpflicht?

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hobbyjurist
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Widerruf der Anwaltszulassung - Schadensersatzpflicht?

Beitrag von hobbyjurist » 11.01.18, 19:52

Hallo zusammen,

kann sich ein Anwalt schadensersatzpflichtig machen, wenn er wegen Veruntreuung von Mandantengeldern seine Zulassung als Anwalt verliert und andere Mandanten in bereits anhängigen Verfahren vor Gericht nicht mehr vertreten darf?

Folgender hypothetische Fall soll die Problematik veranschaulichen:

Mandantin M (M wie Mauerblümchen) ist entsetzt, weil sie von ihren Eltern enterbt wurde. Ihr Bruder Alleinerbe F (F wie Feind) soll ihr wenigstens den Pflichtteil zahlen. Feind macht seinem Namen alle Ehre und zahlt nicht einmal die Hälfte des geforderten Betrages. Also wendet sich Mauerblümchen an Rechtsanwalt Dr. H (H wie Habgier), der bevorzugt Erbrechtsmandate übernimmt und sich auch im Baurecht auskennt, die streitbefangene Nachlassimmobilie wohl richtig beurteilen kann.

Mauerblümchen beauftragt Dr. Habgier, der umgehend Pflichtteilsklage beim LG einreicht. Natürlich macht auch Dr. Habgier seinem Namen alle Ehre und verlangt einen ordentlichen Honorarvorschuss. Nun zieht sich das Verfahren in die Länge, weil sich die Bewertung der Nachlass(Schrott)immobilie als überaus schwierig erweist.

Rechtsanwalt Dr. Habgier verdient zwar mehrere tausend Euro im Monat mit seiner Kanzlei, das reicht ihm aber für seinen gehobenen Lebensstil nicht aus. Weil drei seiner fünf Eigentumswohnungen noch nicht völlig schuldenfrei sind und er keine Abstriche an seinem Lebensstil vornehmen möchte, sucht er nach zusätzlichen Finanzquellen. Da bieten manche Mandate Gelegenheiten, denen Dr. Habgier nicht widerstehen kann. Bevorzugt gehandicapte Mandanten (z. B. in Übersee lebende Mandanten, die Dr. Habgier mit der Geltendmachung von erbrechtlichen Ansprüchen beauftragt haben, weil sie aufgrund von Sprachbarrieren und hohem Alter bzw. Erkrankungen nicht selbst aktiv werden können) bekommen die von Dr. Habgier im Mandatenauftrag vereinnahmten Gelder nicht ausgekehrt und werden mit immer neuen Ausreden vertröstet oder es wird erst gar nicht geantwortet.

Das geht zwar eine Zeit lang gut, aber dann bekommt die Rechtsanwaltskammer Wind davon und beginnt mit Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft kommt mit Durchsuchungsbeschluss für die Kanzlei von Dr. Habgier hinzu. Da die Beweislast erdrückend ist, wird schon vor dem Abschluss des Strafprozesses Dr. Habgier die weitere Ausübung seiner anwaltlichen Tätigkeit untersagt.

Dass sich Dr. Habgier gegenüber den durch Untreuehandlungen geschädigten Mandanten schadensersatzpflichtig gemacht hat, dürfte außer Frage stehen. Wie sieht es aber mit Mauerblümchen aus, die nicht durch die Untreuehandlungen direkt geschädigt wurde, sondern sich aufgrund des Widerrufs der Anwaltszulassung von Dr. Habgier während des laufenden Zivilrechtsstreit nun einen neuen Rechtsanwalt suchen muss, was zusätzliche Kosten für Mauerblümchen verursacht?

Dr. Habgier könnte sich ja auf den Standpunkt stellen, dass die vereinnahmte Verfahrens- und Terminsgebühr durch Klageerhebung und Teilnahme an der Hauptverhandlung ihm in jedem Fall zusteht und er ihr nichts zurückzahlen muss.

Mauerblümchen wird argumentieren, dass sie aufgrund schuldhaftem und strafbarem Verhalten von Dr. Habgier sich einen neuen Rechtsanwalt nehmen muss, was zusätzliche Kosten für sie bedeutet.

Hat Mauerblümchen Anspruch auf Schadensersatz?

Jdepp
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Re: Widerruf der Anwaltszulassung - Schadensersatzpflicht?

Beitrag von Jdepp » 11.01.18, 20:44

Schauen Sie sich zunächst mal § 55 Abs. 5 BRAO an.

truther
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Re: Widerruf der Anwaltszulassung - Schadensersatzpflicht?

Beitrag von truther » 12.02.18, 22:05

@hobbyjurist: Es war eine Freude, Ihre Fallbeschreibung zu lesen! Bitte verfassen Sie mehr (fiktive) Fragestellungen in diesem Stil :)

Leider kann ich zu Ihrer Fragestellung direkt nichts beitragen, sondern nur meine persönliche Meinung zu etwaig folgenden Antworten äußern:
Meiner Ansicht nach gilt speziell im Forum Anwaltshaftung - wie mir scheint auch im Forum Polizeirecht - gerne das Prinzip des "Gegenteil-Tages".
D.h. Antworten, die sie erhalten, müssen Sie wie Positionen eines gegnerischen Anwalts verstehen, der alles, was sie vorbringen, zu entkräften sucht.
Sie erfahren durch die Antworten weniger neutrale Antworten auf (schwierige) Rechtsfragen, sondern eher Argumentationsbeispiele des gegnerischen Anwalts im Falle eines tatsächlichen Rechtsstreits.

Ich wünsche Ihnen alles Gute :)

RGSilberer
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Re: Widerruf der Anwaltszulassung - Schadensersatzpflicht?

Beitrag von RGSilberer » 16.02.18, 17:26

hobbyjurist hat geschrieben:
Hat Mauerblümchen Anspruch auf Schadensersatz?
Wird denn bei Dr. Habgier am Ende des Verfahrens noch etwas zu holen sein?
Oder bleibt man auch noch auf den Kosten für eine Schadenerstzklage sitzen?

Diese Frage sollte man sich stellen, bevor weitere Kosten mit einem Schadenersatzanspruch erzeugt werden.

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