Weisungsgebundenheit eines Anwalts

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Etienne777
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Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Etienne777 » 22.04.18, 10:24

Ein Mandant hat einen Rechtsanwalt mit seiner Vertretung in einem gerichtlichen Verfahren beauftragt. Schließlich landet der Rechtsstreit vor dem OLG. Der Mandant ist aufgrund schwerer Behinderung nicht imstande, zur mündlichen Verhandlung beim sehr weit von seinem Wohnort entfernt gelegenen OLG anzureisen. Das ihm zustehende rechtliche Gehör kann der Mandant jedenfalls mangels Anwesenheit in der Verhandlung nicht persönlich ausüben.

Der Mandant erstellt daher ein Schreiben mit seiner persönlichen Auffassung zur Sach- und Rechtslage und übergibt es seinem Anwalt, verbunden mit dem Auftrag, dieses Schreiben im Rahmen des ihm zu gewährenden rechtlichen Gehörs zusammen mit der Berufungsschrift beim OLG einzureichen. Der Rechtsanwalt lehnt dies ab, weil es sich um einen Anwaltsprozeß handele.

Wie ist die Rechtslage, muß ein Rechtsanwalt einen derartigen Auftrag seines Mandanten ausführen und dessen Schreiben an das OLG reichen?
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Milo
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Milo » 22.04.18, 20:11

Nein. Ein Anwalt ist zwar Dienstleister und seinem Mandanten verpflichtet, aber er ist auch Organ der Rechtspflege. Der Anwaltszwang ab LG aufwärts dient u.a. dazu, den Mandanten vor sich selbst zu schützen und die Justiz vom blödsinnigen Vortrag rechtlicher Laien. Es steht dem Mandanten aber frei, dem Anwalt das Mandat zu kündigen und einen Anwalt zu suchen, der in diesem Punkt schmerzfrei ist.
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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Etienne777
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Etienne777 » 22.04.18, 22:05

Naja ..., es soll auch miese Anwälte geben, ebenso wie juristisch überaus fitte Mandanten. Daher hielte ich es für sinnvoll, es den Prozeßparteien zu überlassen, ob sie sich anwaltlich vertreten lassen möchten oder nicht.

Für den genannten Fall, daß ein Mandant gesundheitlich außerstande ist zu einer mündlichen Verhandlung anzureisen, erhält er im Ergebnis kein rechtliches Gehör, wenn eine Weiterleitung schriftlicher Einlassungen verweigert werden darf. Mandanten hingegen, die an der Verhandlung teilnehmen, dürfen dort sehr wohl ihre Ansichten darlegen. Warum sollte man in dem einen Fall die Mandanten vor sich selbst schützen müssen, in dem anderen aber nicht? Das ist nicht unbedingt schlüssig.
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FM
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von FM » 22.04.18, 23:08

Wenn der Mandant gesundheitlich nicht in der Lage ist, an der Verhandlung teilzunehmen, würde ihm ein Verfahren ohne Anwaltszwang auch nichts helfen.

Zum Vergleich mal die Regelung bei Ärzten: ein Patient ist nicht verpflichtet, den Anordnungen seines Arztes Folge zu leisten. Aber ein Arzt ist auch nicht verpflichtet das zu verordnen, was der Patient gerne möchte.

In beiden Fällen wechselt man dann eben den Dienstleister, wenn man kein Vertrauen mehr in ihn hat. Warum nimmt man sich als Mandant einen Anwalt, für den zutrifft
es soll auch miese Anwälte geben, ebenso wie juristisch überaus fitte Mandanten
?

Gerade der juristisch so begabte Mandant könnte das doch leicht vermeiden.

Etienne777
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Etienne777 » 22.04.18, 23:31

@FM: Wie sich der Anwalt verhält und von welcher Güte seine fachliche Arbeit ist, erfährt der Mandant erst nachdem er das Mandat erteilt und zumindest die Verfahrensgebühr angefallen ist. Ein Wechsel birgt die gleichen Risiken erneut und bringt eine weitere Verfahrensgebühr. Ganz so leicht ist das für die allermeisten Leute nicht, außer sie schwimmen im Geld.

Einen Rechtsanspruch auf die Verordnung eines bestimmten Medikaments gibt es nicht, wohl aber einen verfassungsrechtlich verbrieften Anspruch auf rechtliches Gehör. Wo steht daß das entfällt, nur weil man einen Anwalt bestellt hat? Vielmehr ist auf Antrag (spätestens also dann) auch der Partei das Wort zu erteilen.
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Nordlicht14
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Nordlicht14 » 23.04.18, 01:39

Definitiv nein.

Das rechtliche Gehör wird in Anwaltsprozessen gewahrt durch die schriftsätzlichen Einlassungen des Anwalts der Partei sowie durch dessen mündlichen Vortrag in der Verhandlung.

Wie Milo schon zutreffend darstellte, ist es der Sinn eines Anwaltszangs, dass rechtlich fundierter Vortrag nur geleistet wird von ausgebildeten und niedergelassenen Juristen, und das Gericht ab Landgericht aufwärts nicht mit juristischen Laien-Ansichten gequält wird und der Prozessstoff durch deren oftmals zu ausschweifenden, häufig jedenfalls am rechtlichen Kern der Sache vorbei gehenden Überlegungen, praktisch nie aber juristisch fundierten Auffassungen (Ausnahme: der Mandant ist zugelassener Rechtsanwalt oder Richter - diese aber halten sich selbst, wenn sie in fremden Rechtsgebiet einen Kollegen beauftragt haben, von Rechtsmeinungen fern, da sie wissen, dass sie im fremden Rechtsgebiet genauso Laie sind wie der nicht examinierte Laie) belastet wird und der Prozessstoff nicht verwässert wird.

Wenn der TE meint, einen „miesen“ Anwalt zu haben, muss er den halt wechseln. Die Frage ist halt, ob er fachlich es überhaupt einschätzen kann, ob der „mies“ ist, oder ordentlich durchschnittlich, oder sogar besonders gut. „mies“ ist ein Anwalt mit Sicherheit nicht deshalb, weil er seitenlange Einlassungen des Mandanten prüft, ob darin übernahmefähige Teilinhalte sind, und die Übernahme und juristische Um-Bearbeitung der brauchbaren Teile verweigert, sondern in dem Fall dürfte er eher gut sein.

Der Mandant kann vor allem sogar froh sein, wenn ihm sein „mieser“, offenbar aber ja überdurchschnittlich geduldiger, Anwalt nichtschon bereits wegen der „Weisungserteilung“ zu Nonsens-Rechtsmeinungen das Mandat gekündigt hat, was normalerweise in solchen Fällen sofort auf dem Fuße folgt und auch rechtmässig ist.

Wenn ein Mandant persönlich an der Verhandlung teilnehmen kann, wird ihm ggf eine Anhörung selbst zuteil durch das Gericht - aber nie zu seiner rechtlichen Auffassung vom Stoff, dazu wird NUR seinem Anwalt das Rederecht gewährt, sondern der Mandant als Partei wird NUR zum Sachverhalt ggf angehört, falls es dazu noch etwas aufzuklären gibt, und ansonsten zur Zustimmung oder Ablehnung eines richterlichen Vergleichsvorschlages. Nur dafür wird er persönlich geladen.

Rechtsauffassungen zu äussern ist auch bei Teilnahme an einer Verhandlung nie der Job und die Zuständigkeit des Mandanten als Partei und wird diesem auch nicht vom Gericht gestattet werden.

Wenn dem Mandanten dieses Prozessrecht in Deutschland nicht zusagt, steht es ihm frei, alternativ entweder rasch Jura zu studieren und das Referendariat zu absolvieren und zwei sehr schwere Staatsexamen zu bestehen und einige Jahre Berufspraxis zu leisten und dann seine Prozesse selbst zu führen statt seines „miesen“ Anwalts - oder sich rasch eben zum Bundestagsabgeordneten der Partei seines Vertrauens aufstellen zu lassen bei der nächsten Wahl 2021 und dann rasch eben einen Gesetzesentwurf zu erstellen und zu beantragen, das der Anwaltszwang abgeschafft würde, und er selbst sich vertreten kann. Vielleicht mal bei der FDP versuchen ;)

Berufserfahrene Rechtsanwälte jedenfalls beauftragen auch in eigenen Rechtsangelegenheiten aus fremden Rechtsgebieten stets andere Kollegen und bezahlen diese ordentlich - denn sie wissen, dass sie in fremden Rechtsgebiet genauso einen juristischen Blödsinn beim Gericht vortragen und vor allem den richtigen Vortrag nicht mal erkennen und daher blöderweise unterlassen, wie es dem „rechtlich fitten“ Laien genauso passiert.

Name4711
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Name4711 » 23.04.18, 08:34

Naja, nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Wenn dir der Arzt bei einem gebrochenen linken Bein den rechten Arm eingipst, wird sich schnell ein Kollege finden, der en Irrtum behebt.
Wäre der Arzt Anwalt, würde er sich nach 2 Jahren darauf berufen, dass der rechte Arm doch ganz hervorragend verheilt sei - und darauf bestehen, dass das linke Bein bei der Konsultation noch nicht gebrochen war. Da läge dann die Beweislast beim Patienten.
Scheitert dann der Patient mit Durchsetzung seiner Ansprüche, ist es aber schon wieder kein medizinisches Problem mehr sondern eines der Rechtspflege.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich bei einem Arzt, der schon bei der Behandlung lamentiert, wie schwer doch das Studium war und wie aufreibend das Praktikum - während er mir erklärt, die Schmerzen im Bein kämen vom gebrochenen Arm... da würde ich auch auf den Brustwarzen zur nächstgelegenen Notaufnahme kriechen. :mrgreen:

Name4711
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Name4711 » 23.04.18, 09:07

PS. Wenn man schon vergleichen will, sei an folgenden Umstand erinnert:

Studierte Ärzte und anspruchsvolle medizinische Ausbildungen an Universitäten gibt es schon seit vielen Jahrhunderten - das haben die Bereiche offenkundig gemein.
Für die ärztliche Behandlung kann man aber heute sagen, dass in den meisten Fällen diese bis noch ins 19.Jh hinein diese dem Patienten eher geschadet als genutzt hat.
Da wo schon früh Erfolge zu beobachten sind, waren i.d.R bei Verletzungen Wundärzte am Werke, die von den akademisch gebildeten gelehrten Ärtzen eher verachtet wurden. Hatten die doch keine Ahnung, wie das "Gleichgewicht der Säfte" wieder hergestellt werden kann oder wie man den Patienten professionell vergiftet.

Noch heute schwören viele auf Globili und Homöopathie - wovon man bei aller offenheit zumindest eines behaupten kann: Zumindest zur Zeit der "Erfindung" dieser Methodik, hat sie dem Patienten wohl weniger geschadet als die "klassische" Behandlung :lachen:

Etienne777
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Etienne777 » 23.04.18, 11:38

@Nordlicht14: Deine persönliche Meinung bleibt Dir unbenommen, ich halte es aber in dieser Pauschalität für klar verfehlt, jedem Menschen der kein Jurist ist die Fähigkeit abzusprechen, sich zu juristischen Sachverhalten zu äußern. Vor wenigen Wochen stand ich als Partei und anwaltlich vertreten vor dem LG, dort durfte und habe ich nicht allein zum Sachverhalt vorgetragen, sondern auch umfassend zu meiner Rechtsauffassung. Im Kern ging es um die Frage, ob die Streitparteien eine Rechtsgemeinschaft nach § 741 BGB bilden, oder eine GbR. Während mein Anwalt im Erstgespräch noch in aller Entschiedenheit der Ansicht war, es sei eine GbR, hat er sich später meiner Rechtsauffassung gebeugt und das LG hat sich dieser auch angeschlossen.

Eine Rechtsauffassung kann zutreffend oder unzutreffend sein, das ist aber primär doch keine Frage ob man Jurist ist. Was die beiden Rechtsanwälte der Gegner da abgeliefert haben, war ein Trauerspiel. Die meinten gar, die Rechtsgemeinschaft sei durch eine Kündigung zu beenden, sonderlich viel zur Prozeßqualität scheint deren Ausbildung da nicht beigetragen zu haben.

Das rechtliche Gehör des Mandanten sehe ich gerade nicht gewährleistet, wenn allein der Anwalt darüber befindet, was vorgetragen wird und was nicht. Wäre Deine Rechtsauffassung zutreffend, bedürfte es nicht der zivilprozessualen Regelung, wonach auch der Partei persönlich (auf Antrag) das Wort zu erteilen ist. Daß sich das Wort dann lediglich auf den bloßen SV zu erstrecken habe, ist der ZPO nicht zu entnehmen und mir ist es in der Praxis bislang auch noch nicht passiert, daß sich ein Gericht meinen Ausführungen verschlossen hätte. Verfahren vor den Amtsgerichten und Sozialgerichten führe ich grundsätzlich ohne Anwalt, bisher mit weit überwiegendem Erfolg, obwohl die Gegner immer anwaltlich vertreten waren. Das paßt nicht zu dem Bild das Du skizzierst, auch wenn ich zugestehe, daß es sicherlich in den meisten Fällen so sein mag. Jedoch gibt es eben auch andere Fälle und letztlich muß man eine Person schon anhören, ehe man sich überhaupt ein Urteil darüber erlauben kann, ob das was sie sagt Unsinn sei oder den Prozeßstoff verwässert. Zu unsinnigen Vorträgen sind durchaus auch Juristen in der Lage.
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Nordlicht14 » 23.04.18, 20:55

Das besprechen Sie am besten direkt mit dem Kollegen, den Sie beauftragt haben, ob der Ihren Rechtsvortrag aus der Laiensicht übernimmt und bei Gericht vortragen mag. Aus Anwaltssicht ist dann bei Beharren darauf die Chemie nicht gegeben und das Vertrauensverhältnis gestört. Zudem hat kaum ein ausgelasteter Anwalt für solche Diskussionen mit dem Mandanten Zeit.

Etienne777
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Etienne777 » 23.04.18, 21:55

Nordlicht14 hat geschrieben:Aus Anwaltssicht ist dann bei Beharren darauf die Chemie nicht gegeben und das Vertrauensverhältnis gestört.
Du wirkst in dieser Hinsicht dünnhäutig, kann das sein? Wenn ich jedem meiner Patienten der mit gegoogleter Diagnose in meine Sprechstunde gekommen ist damit gekommen wäre, daß das Vertrauensverhältnis gestört sei, na dann gute Nacht.

Meine ganz persönliche Meinung ist, daß man sich auch als Fachmann auf einem Gebiet etwas zurücknehmen und fremde Gedanken durchaus zulassen und prüfen sollte. Das gilt für Ärzte ebenso, wie für Rechtsanwälte. :wink:
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Nordlicht14
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Nordlicht14 » 24.04.18, 01:02

Ich habe nicht das „Du“ angeboten hier und werde das auch nicht tun in einem Forum gegenüber Fremden.

Ferner: dies ist ein Meinungsforum. Jedem seine Meinung. Sie werden von mir keine Zustimmung zu Ihrer Ansicht finden, auch wenn Sie versuchen, mich genauso zu überreden durch wiederholtes penetrieren derselben, bereits fachlich von mehreren hier widerlegten, Meinung, wie Ihren Anwalt, bei dem Ihnen das ersichtlich auch nicht gelingt.
Wie man am Ausgangsbeitrag der Frage sieht, ebenso an der Antwort von Milo, ist ja erkennbar, dass das wohl die überwiegende Meinung ist.
Ich rede Ärzten auch nie rein als Patient, wie die medizinische Lage sei und die Behandlung erfolgen soll.
Ich finde es völlig absurd, wenn ein Mandant dem Anwalt seine Rechtsmeinung aus der Laiensicht aufzudrängen versucht, auch nur nennt, das ist nicht die Aufgabe des Mandanten und sollte er sich davon fern halten. Solche Mandate lehnt man konsequent ab, bzw beendet sie, wenn schon begonnen.

Es ist ein formaler und von der Rechtsprechung anerkannter Niederlegungsgrund, wenn ein Mandant versucht, dem Anwalt Weisungen erteilen zu wollen/aufzufordern, seine Rechtsmeinung zu übernehmen, ja sogar bei Gericht vorzutragen, wenn diese Rechtsmeinung oder auch seine taktische Vorgehensweise als Forderung Unsinn ist. Das muss sich kein Anwalt bieten lassen und darf niederlegen und beenden, da - wie milo schon erklärte -, der Anwalt Organ der Rechtspflege ist und keinen Nonsens als bezahltes Mietmaul weiter zu plappern hat bei Gericht. Er sollte es auch niederlegen zweckmässigerweise, weil bei querulatorischen Eingaben Ärger am Ende des Prozesses vorprogrammiert ist, wenn der Mandant mit seinen eigenen vom Anwalt übernommenen Ansichten oder Verfahrenstaktiken dann verloren hat.

Er darf mit Recht auch auf seinem guten Ruf achten laut BGH und solches Ansinnen klar ablehnen (oder eben durch Schweigen schlicht zu ignorieren), und bei wiederholter Forderung des Mandanten dann niederlegen.

Das mag bei Ärzten anders sein - es sind aber auch verschiedene Berufe.

Etienne777
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Etienne777 » 24.04.18, 03:12

@Nordlicht14: Es ist in Internetforen gängige Übung, sich zu Duzen, ich nehme zur Kenntnis daß Sie das nicht wünschen und bitte um Entschuldigung dafür, mich der gängigen Praxis bedient zu haben, an die ich mich auch erst gewöhnen mußte.

Woraus Sie allerdings entnehmen, daß ich versucht hätte meinem Anwalt meine Meinung aufzudrängen, ist mir unerklärlich. Vielmehr ging es lediglich um die Frage, ob der Anwalt eine schriftliche Darlegung seines Mandanten mit eben der ganz persönlichen, von mir aus auch laienhaften Sicht des Mandanten wunschgemäß an das Gericht weiterzuleiten hat, oder nicht. Die darin vertretene Meinung oder Rechtsauffassung braucht sich der Anwalt ja nicht zu eigen machen, könnte er aber.

Letzlich geht es also darum, ob der Anwalt die Meinung seines Mandanten faktisch zensieren oder unterdrücken darf und wie das mit dem verfassungsrechtlich garantierten Anspruch des Mandanten auf rechtliches Gehör zu vereinbaren sein soll. Ergeht ein Urteil ohne Gewährung rechtlichen Gehörs, so liegt jedenfalls nach der Rechtsprechung des BGH ein so schwerer Verfahrensmangel vor, daß das Urteil aufgehoben wird.

Man darf getrost unterstellen, daß ein Gericht durchaus in der Lage ist, Einlassungen des Mandanten richtig einzuordnen. Was will der Anwalt denn in einer mündlichen Verhandlung machen, wenn sein Mandant sich dort mündlich äußert? Ihm den Mund zuhalten, weil es ein Anwaltsprozeß ist? Daß ein Anwaltsprozeß ein Anwaltsprozeß ist, wird auch dem Gesetzgeber klar gewesen sein, dennoch hat er eigens für diesen die gesetzliche Regelung geschaffen, daß auch der Partei auf Antrag das Wort zu erteilen ist. Der Anwalt ist nicht die Partei, demnach hat der Gesetzgeber ausdrücklich den Mandanten im Anwaltsprozeß zu auch eigenem Vortrag berechtigen wollen.

Es ist aber interessant zu lesen, daß es augenscheinlich Anwälte gibt, deren Ego es nicht zuläßt, daß ihr Mandant eigene Gedanken einbringt. Um es abschließend aber nochmals klarzustellen, es ging mir nicht darum, daß der Mandant dem Anwalt vorschreibt, was dieser vorzutragen hat. Nur wäre das logische Gegenstück dazu, daß dann auch der Anwalt seinem Mandanten nicht vorschreibt, was dieser persönlich vorträgt, wenn er es vortragen möchte. Das Prozeß- und Kostenrisiko liegt doch ohnehin beim Mandanten und nicht beim Anwalt.

Wenn ich mir von Anderen vorschreiben lassen möchte was ich zu sagen oder nicht zu sagen habe, gehe ich nicht zu einem Anwalt, sondern in die Türkei. :mrgreen:
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Charon-
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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Charon- » 24.04.18, 06:27

Etienne777 hat geschrieben:Was will der Anwalt denn in einer mündlichen Verhandlung machen, wenn sein Mandant sich dort mündlich äußert?
Versuchen, den Mandanten von einigen Äußerungen abzubringen und ggf. direkt das Mandat niederlegen, wenn der Mandant darauf nicht hört. Bei einem Schriftstück ist das anders, wenn der Anwalt es an das Gericht weiterreicht, dann muss er den Eindruck gegen sich gelten lassen, er habe dieses Schreiben (wie es sein gesetzlicher Auftrag ist) geprüft und für richtig befunden (was widerum haftungsrechtliche Folgen hat), er kann nicht im Nachhinein erklären, dass es sich ja "nur um die Meinung seines Mandanten handelte". Wenn er es hingegen an das Gericht sendet mit einem Anschreiben "nachträgliches Schreiben stellt nur die Meinung meines Mandanten dar, die ich nicht teile", wird das Gericht das Schreiben so behandeln, als hätte es dieses direkt von dem Betroffenen erhalten: Vielleicht wird das Schreiben gelesen, Teil des Prozesses wird es dadurch nicht.
Etienne77 hat geschrieben: daß der Mandant dem Anwalt vorschreibt, was dieser vorzutragen hat
Aber genau das ist der Punkt: Der Anwaltsprozess beruht auf eben dem Gedanken, dass nur gelten soll, was der Anwalt vorträgt, gerade um den Laien davor zu schützen etwas zu tun, was seine rechtliche Position schädigt oder ggf. sogar vernichtet. Wenn es dem Betroffenen nicht darauf ankommt, dass das Schreiben prozesswirksam wird, könnte er es ja auch direkt an das Gericht senden.
Etienne77 hat geschrieben:wie das mit dem verfassungsrechtlich garantierten Anspruch des Mandanten auf rechtliches Gehör zu vereinbaren sein soll
Für den verfassungsrechtlichen Anspruch reicht es, wenn der Anwalt sich äußern kann, der Betroffene selber muss nur die Möglichkeit haben, sich zu äußern, er hat keinen Anspruch darauf, direkt gehört zu werden (sonst müsste die Verhandlung im Ausgangsfall in den Räumlichkeiten des Betroffenen stattfinden, um dem Recht des Betroffenen genüge zu tun). Sollte der Anwalt des Betroffenen nicht das nötige Gehör verschaffen, kann der Betroffene den Anwalt wechseln, und die Kosten als Schadensersatz von dem bisherigen Anwalt verlangen.
Um der allgemeinen Sprachverwirrung des Siezens entgegenzuwirken, biete ich jedem Nutzer das dänische Umgangsduzen an.

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Re: Weisungsgebundenheit eines Anwalts

Beitrag von Name4711 » 24.04.18, 06:51

Ich finde es völlig absurd, wenn ein Mandant dem Anwalt seine Rechtsmeinung aus der Laiensicht aufzudrängen versucht, auch nur nennt, das ist nicht die Aufgabe des Mandanten und sollte er sich davon fern halten. Solche Mandate lehnt man konsequent ab, bzw beendet sie, wenn schon begonnen.
Das mag ja anerkannte Rechtsprechung sein - es macht den Vorgang aber nicht weniger absurd.
Der Mandant sucht den Rechtsanwalt auf, weil er sich in seinen Rechten verletzt fühlt. Wie soll der "Fahmann" zu einem vernünftigen Gutachten kommen, wenn der Mandant seine Auffasssung nicht einmal nennen soll?

Das widerspricht jeglicher Logik. Jeder Fachmann ist doch darauf angewiesen, dass sein "Mandant" ihm mitteilt, wo der Schuh drückt. Ob das in Form von Mittteilung von Tatsachen passiert - oder eben durch Meinungen ist dabei doch zunächst einmal unerheblich.

Kommt der Autofahrer in die KFZ-Wekstatt und sagt "mein Anlasser ist kKaputt" - und es stellt sich heraus, die Baterie ist leer, weil die Lichtmaschine im Eimer ist, war der Hinweis auf dn Anlasser zwar eine falsche "Laienvorstellung" aber durchaus hilfreich. Wenn der Fachmann aber dann gleich proklamiert:
Zudem hat kaum ein ausgelasteter Anwalt für solche Diskussionen mit dem Mandanten Zeit.
...und droht das Mandat niederzulegen, ist schon etwas faul im Staate Dänemark.
Zumal die Diagnose weitaus schwieriger ist und vor allem wesentlich weniger belegbar - und ein Reperaturerfolg auch nicht garantiert wird.
Natürlich kann man fest davon ausgehen, dass der Mandant dumm und nicht in der Lage ist seine Geschäfte selbst zu besorgen...

Nur: Was macht man, wenn der Mandant sich zunächst von Anwalt A beraten lässt und später Anwalt B mit der Vertretung beauftragt wird - und das Phänomen zwei Anwälte drei Meinungen auftritt? :lachen:

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