RA unehrlich ?

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jo-student
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RA unehrlich ?

Beitrag von jo-student » 29.04.18, 18:13

habe eine bekannte RAin gebeten mir einen formlosen Antrag für einen Teilerbschein zu formulieren, der keinen anwaltlichen Charakter haben sollte. Es war keine Beratung etc. notwenig bzw. wurde auch nicht erbracht, da mir diesen Hinweis ca. 2 Jahre vorher, der von mir aufgesuchte Fachanwalt für Erbrecht gegeben hat, bzw. auch das Nachlassgericht. Die Unterlagen von dem RA für Erbrecht habe ich ihr dummerweise zum kopieren gegeben, incl. seiner Rechnung für Beratung.
Ich bekam dann per Mail von ihr einen Entwurf, der erste Teil incl. der Punktion gegoogelt, der zweite Teil, indem man Miterben, Erbquote etc. nennt, total fehlerhaft. Anliegend war eine Rechnung ( ca. 220,-- €) die ich dummerweise auch sofort zahlte. Die RAin bestätigte zweimal, das sie den Eindruck hatte das es mir emotional, und seelisch bei unserem Treffen nicht gut ging. Daher vielleicht mein Verhalten !?
Als mir dann dämmerte das ich da ja wohl über den Tisch gezogen wurde, meinte die RAin, sie hätte schließlich eine Beratung erbracht, und hatte die Frechheit, mir mitzuteilen, das sie aus Kulanzgründen auf eine höhere Rechnung verzichtet hat, ihr Ausgangspunkt war da die von mir errechnete Erbquote.
Ist so ein Verhalten nicht sittenwidrig und ist man dem wirklich hilflos ausgeliefert?

eigentlich bin ich davon ausgegangen, das RA korrekt arbeiten müssten?

Name4711
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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von Name4711 » 29.04.18, 18:36

:lachen: Das schöne am Anwaltsberuf ist ja wohl, dass wenn man "guten Tag" sagt, schon min. 290,-€ netto fällig werden. Wo ist denn da jetzt das Problem?

FelixSt
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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von FelixSt » 29.04.18, 18:42

jo-student, suchen Sie jetzt einen Schuldigen dafür, dass Sie sich dumm verhalten haben?! Das müssen Sie schon mit sich selbst ausmachen.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

Jutta
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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von Jutta » 29.04.18, 19:29

Nur, dass ich es richtig verstehe? Man erwartet, dass ein Anwalt, weil man ihn auch privat kennt, einen Brief fr umsonst schreibt/schreiben lässt und beschwert sich dann, dass einem die Erstberatungsgebühr in Rechnung gestellt wird (statt der üblichen viel höheren Gebühren)?
Und wo ist der RA jetzt unehrlich? Hat er vorher versprochen, dass er es umsonst macht? Wieviele Bekannte hat der RA denn?

Es gibt Theorien, dass jeder jeden auf der Welt kennt über maximal 6 oder 7 Bekannte. Kann ein RA dann überhaupt noch leben ?

:roll: 8)
Gruß
Jutta

Nordlicht14
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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von Nordlicht14 » 29.04.18, 22:52

Wieso „über den Tisch gezogen“? Wieso „unehrlich gearbeitet“?

Die Anwältin hatte einen Auftrag bekommen, das Geschäft des Auftraggebers zu bearbeiten - nämlich einen Antrag auf einen Teilerbschein zu erstellen/formulieren. Dies ist das Betreiben des Geschäfts des Auftraggebers. Dies löst die sog. Geschäftsgebühr aus, die sich nach dem Gegenstandswert der Sache richter.
Wenn die Anwältin dann lediglich aus Kulanz die Beratungsgebühr erhoben hat, sollte man sich dafür bedanken und nicht meckern.
Beratung ist im übrigen nach § 34 RVG rechtliche Auskunft oder rechtliche Empfehlung. Eine rechtliche Auskunft ist es nun mit Sicherheit, wenn man den Antrag für den Auftraggeber formuliert.
Es kommt auch nicht darauf an, ob man schon mal woanders sich Beratung geholt hatte, deshalb fällt die Gebühr für Beratung bei einem Folge-Anwalt nicht weg. Das bedeutet lediglich, dass man zwei Anwälte beauftragt hatte, die man beide bezahlen muss.

Ebenso hat die private Bekanntschaft nun absolut nichts mit dem Auftragsverhältnis zu tun und erfolgt deshalb Rechtsdienstleistung nicht kostenlos. Diese Erwartungshaltung ist absurd.
Zuletzt geändert von Nordlicht14 am 29.04.18, 23:20, insgesamt 1-mal geändert.

FM
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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von FM » 29.04.18, 23:11

jo-student hat geschrieben: Die RAin bestätigte zweimal, das sie den Eindruck hatte das es mir emotional, und seelisch bei unserem Treffen nicht gut ging.
Wenn das ein Grund wäre nicht bezahlen zu müssen, könnten Ärzte nur noch gesunde Patienten behandeln.

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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von Nordlicht14 » 29.04.18, 23:21

Richtig. Und alle Psychotherapeuten und Psychiater in Deutschland müssten dann kostenlos jeden Klienten behandeln.

jo-student
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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von jo-student » 21.05.18, 11:09

oh, oh,
wer fühlt sich denn da auf die Füsse getreten.?
Ich meine das aus meiner Frage ganz klar hervorging, dass es nicht darum ging einen Antrag zu erstellen, sondern ein formloses Schreiben zu erstellen, welches leider so in die "Hose" ging das es nicht verwertet werden konnte.
Entschuldigung, wenn ich von einem RA eine gewisssenhafte, korrekte Arbeitsweise erwartet habe.
Natürlich war ich dumm das ich die Rechnung sofort gezahlt habe.
ABER, RA vertreten doch auch bestimmt Mandanten die auf sittenwidriges Handeln anderer Leute reingefallen sind? Dann aber selber solche Situationen ausnutzen! Aber es scheint ja auf Verständnis hier zu stossen!
Außerdem war es auch nie Thema das ich die Hilfe bei dem Verfassen des Schreibens umsonst wollte.
Sollten RA nicht vorher die Kosten mit einem Mandanten besprechen?

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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von Tastenspitz » 21.05.18, 11:19

jo-student hat geschrieben:wer fühlt sich denn da auf die Füsse getreten.?
Sie?
jo-student hat geschrieben:ein formloses Schreiben
....welches einen Zweck hatte. Nämlich etwas zu bewirken. Oder haben sie nur "Liebe Grüße" versenden lassen?
jo-student hat geschrieben:das es nicht verwertet werden konnte.
Warum? Wenn formelle Fehler drin waren konnte man die doch ausräumen.
jo-student hat geschrieben:Sollten RA nicht vorher die Kosten mit einem Mandanten besprechen?
Sollten vielleicht. Müssen? Nein.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

SusanneBerlin
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Re: RA unehrlich ?

Beitrag von SusanneBerlin » 21.05.18, 12:25

ABER, RA vertreten doch auch bestimmt Mandanten die auf sittenwidriges Handeln anderer Leute reingefallen sind? Dann aber selber solche Situationen ausnutzen! Aber es scheint ja auf Verständnis hier zu stossen!
Was ist daran sittenwidrig, einen Auftrag anzunehmen und dafür die geringstmögliche gesetzliche Gebühr dafür zu berechnen?
Die RAin bestätigte zweimal, das sie den Eindruck hatte das es mir emotional, und seelisch bei unserem Treffen nicht gut ging.
Ja und? Wollen Sie eine Sittenwidrigkeit aus dem Umstand herleiten, dass es Ihnen bei der Beauftragung der Anwältin "emotional und seelisch nicht gut ging"?
Viele Mandanten, die zum Anwalt kommen sind emotional "durch den Wind" und erhoffen sich vom Anwalt Beratung und Unterstützung in einem aufwühlenden Rechtsstreit oder einer unklaren Situation. Soll der Anwalt die alle nach Hause schicken und nur emotional ausgeglichene Klienten annehmen, die ein Rechtsstreit kalt lässt?
Ich meine das aus meiner Frage ganz klar hervorging, dass es nicht darum ging einen Antrag zu erstellen, sondern ein formloses Schreiben zu erstellen, welches leider so in die "Hose" ging das es nicht verwertet werden konnte.
Sie wollten einen Antrag auf einen Teilerbschein stellen. Ob man das "formlos" oder "ohne anwaltlichen Charakter" formuliert ändert nichts daran, dass es sich um einen Antrag handelt und dass ein (Teil-)Erbschein nur auf Antrag ausgestellt wird.

Wenn man als Mandant erkennt, dass der Anwalt das Schreiben fehlerhaft verfasst hat, dann kann man den Anwalt zur Nachbesserung auffordern. Das geht auch, wenn man die Rechnung schon bezahlt hat. Vermutlich haben Sie darauf verzichtet weil Sie selber in der Lage waren, das Schreiben bezüglich der Miterben und Ihrer Erbquote zu korrigieren. Der Verzicht auf Nachbesserung lässt aber den Honoraranspruch des Anwalts nicht verfallen.
Sollten RA nicht vorher die Kosten mit einem Mandanten besprechen?
Anwälte werden nach der gesetzlichen Gebührenordnung bezahlt, wenn sie mit dem Mandanten keine anderslautende Vereinbarung treffen. Der Mandant sollte davon ausgehen, dass es etwas kostet einen Anwalt oder eine Anwältin aufzusuchen. Ein Mandant, der wissen will, wie hoch dieses "etwas" sein wird, sollte der nicht den Anwalt vorher fragen?
Grüße, Susanne

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