Vorschuss

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Sam100
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Vorschuss

Beitrag von Sam100 » 28.09.18, 18:41

A hat bei einen Anwalt Akteneinsicht beantragt und ein Schreiben bekommen wo man 300Euo Vorschuss bezahlen soll.

Was heißt Vorschuss, kommt da noch mehr nur wegen dieser Akteneinsicht wenn er nichts weiter machen soll, außer diese Akteneinsicht?

Wie sieht es bei einer Beratungsgebühr aus? Man hat ein Anwalt angerufen um schonmal das Tagebuchzeichen der Polizei gesagt und der beantragt einfach Akteneinsicht.
Man ist dann sofort zu den hin und hat den erstmal gefragt das das soll ohne eine Vollmacht Akteneinsicht zu beantragen?

Der schaut nur blöd und mein er rechnet das als Beratungskosten ab, aber das sieht man nicht ein, da man keine Beratung bekommen hat, sondern man hat nur am Telefon schonmal die Daten durchgegeben ohne Auftrag.

Nordlicht14
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Re: Vorschuss

Beitrag von Nordlicht14 » 29.09.18, 23:45

Wenn er noch keinen Auftrag hatte, nach aussen tätig zu werden > bei der StA die Akteneinsicht zu beantragen, was eine Verteidigeranzeige als bevollmächtigter Verteidiger dort zugleich voraussetzt - war das schwerer Verstoss gegen die Berufsordnung, § 43 a BRAO als sog. unsachliches Verhalten, und dies abzurechnen (ausser als Beratung, die bis zu 321,30€ nach RVG kosten darf, wenn er diese aber auch erteilt hatte), sog strafbare Gebührenüberhebung. Ggf ist die Beratungsgebühr zu bezahlen, wenn Beratung auch erfolgt war etwa zum Ablauf des Verfahrens bei der StA, oder zum Inhalt der Akteneinsicht, im übrigen aber kann wegen der Tätigkeit nach aussen, WENN nicht in dem Telefonat bereits auch der Auftrag womöglich um Akteneinsicht erteilt und darum gebeten wurde, eine Beschwerde bei seiner Kammer eingelegt werden.

Milo
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Re: Vorschuss

Beitrag von Milo » 30.09.18, 20:29

Was soll denn der Anwalt mit dem Tagebuchzeichen, außer Akteneinsicht zur beantragen? Für eine Beratung braucht er das nicht.
Eine Akteneinsicht erhält neben dem Beschuldigten nur der Verteidiger, also beauftragt man mit dem Wunsch nach Akteneinsicht den Anwalt als Verteidiger. Dieser rechnet nach Teil 4 VV Rvg ab. Eine schriftliche Vollmacht ist für einen Vertragsabschluss nicht erforderlich. So geht z.b. 145 a StPO konkret auf Fälle ein, bei denen keine Vollmacht des Verteidigers vorliegt (und trotzdem ein Verteidiger beauftragt ist).

Es scheint Anwälte zu geben, die im Internet die reine Akteneinsicht für eine geringe Pauschale anbieten - meines Erachtens eine bedenkliche Praxis, da sie sich nach außen als Verteidiger aufspielen, im Innenverhältnis zum Mandanten aber genau das ausschließen.

@nordlicht14: die 321,30 sind wohl die 250 gem 34 I 3 RVG zzgl Ausl. und Ust? Ich finde, Beratung und Auslagenpauschale schließen sich aus und ohne Akteneinsicht gibt es kaum mehr zu erzählen, als was in eine reine Erstberatung passt. Da man mit der AE die Vertretung als Verteidiger anzeigt, dürfte man dann schon in der Grundgebühr sein. Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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Nordlicht14
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Re: Vorschuss

Beitrag von Nordlicht14 » 02.10.18, 00:22

Die Auslagenpauschale fällt auch bei der Beratung immer an. Sei es für telefonische Anbahnung, da die Telefonanlagen der Kanzlei dafür benutzt wurden und das Personal eingesetzt war dabei, sei es, bei e-Mail-geführtem Beratungsmandat vor oder nach dem persönlichen Beratungsgespräch. Auch die E-Mail-Kommunikation löst bekanntlich nach dem BGH die Auslagenpauschale aus, da E-Mails nur über den kombinierten Telefon/Internet-Anschluss möglich sind. Es ist also immer auch die Auslagenpauschale dabei.
Ausnahme denkbar, aber selten in der heutigen Zeit, wenn etwa eine reine Allgemein-Anwalts-Laufkanzlei geführt wird, sehr oft aber noch in kleinen Städten u d Orten, wo Mandanten einfach so herein kommen als Laufkundschaft und sich quasi ne Wartenummer geben lassen, wann sie dran sind zur Besprechung, quasi als reines nur-Laden-Geschäft. Dann ist in der Tat keinerlei Telefonanlagen/Mail-Kontakt in der Mandatsabwicklung erfolgt und dann auch keine Auslagenpauschale

Celestro
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Re: Vorschuss

Beitrag von Celestro » 02.10.18, 08:33

Sam100 hat geschrieben:Der schaut nur blöd und mein er rechnet das als Beratungskosten ab, aber das sieht man nicht ein, da man keine Beratung bekommen hat, sondern man hat nur am Telefon schonmal die Daten durchgegeben ohne Auftrag.
Was genau hätte der Anwalt aus diesem Anruf für einen Schluss ziehen sollen ? Das da einfach nur ein Vollhorst anruft, Daten durchgibt und dann die Sache erledigt ist ? Zeitverschwendung ?

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