[KB] Kindergeld - Kinderfreibetrag

Moderator: FDR-Team

*P*
Topicstarter

[KB] Kindergeld - Kinderfreibetrag

Beitrag von *P* »

Durch Vorgaben des Bundesverfassungsgericht wurde der § 31 EStG eingeführt, der besagt, dass bei der Veranlagung zur Einkommensteuer zu prüfen ist, ob für die steuerliche Freistellung eines Einkommensbetrags in Höhe des Existenzminiums des Kindes das erhaltene Kindergeld ausreichend ist oder der Kinderfreibetrag zu gewähren ist.

Da der Gesetzestext des § 31 EStG schwer verständlich ist, folgen hier einige Ausführungen, das Ganze nennt sich Günstiger-Prüfung.

Im § 32 Abs. 6 EStG wird dem Steuerpflichtigen zunächst ein Freibetrag in Höhe von 1.824 € für das sächliche Existenzminimum eines Kindes gewährt, zusätzlich ein Freibetrag in Höhe von 1.080 € für den Betreuungs- und Erziehungsbedarf eines Kindes, zusammen also 2.904 €.
Dieser Betrag ist aber nur bei allein zu veranlagenden Steuerpflichtigen (Einzelveranlagung oder getrennte Veranlagung) anzuwenden, bei einer Zusammenveranlagung (aber auch, wenn der andere Elternteil verstorben ist) verdoppelt sich der Betrag auf 5.808 €.

Im folgenden Beispiel gehen wir von einer Zusammenveranlagung aus, es wird zur Verdeutlichung mit fiktiven Zahlen gerechnet:


zu versteuerndes Einkommen ohne Kinderfreibeträge: 40.000 € => Einkommensteuer 10.000 €
zu versteuerndes Einkommen mit Kinderfreibeträge: 34.182 € => Einkommensteuer 8.500 €

So, wie man an dem Beispiel sieht, würde man durch den Kinderfreibetrag 1.500 € Steuern weniger zahlen.
Da man aber 1.848 € Kindergeld bekommen hat, ist das Kindergeld günstiger, die Kinderfreibeträge wirken sich nicht aus und kommen nicht zur Anwendung.

Nächstes Beispiel:
zu versteuerndes Einkommen ohne Knderfreibeträge: 100.000 € => Einkommensteuer 40.000 €
zu versteuerndes Einkommen mit Kinderfreibeträge: 94.192 € => Einkommensteuer 38.000 €

In diesem Beispiel spart man durch den Kinderfreibetrag Steuern in Höhe von 2.000 €.
Da man aber nur 1.848 € Kindergeld erhalten hat, ist nun der Kinderfreibetrag günstiger und kommt damit zur Anwendung.
Allerdings wird jetzt das erhaltene Kindergeld der Einkommensteuer wieder hinzugerechnet, da man ansonsten Kindergeld und Kinderfreibetrag erhalten würde.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich der Kinderfreibetrag erst bei höheren Einkommen auswirkt, das ist aber die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts.

Hat sich beim ersten Kind der Kinderfreibetrag ausgewirkt, ist beim zweiten Kind nun vom niedrigeren zu versteuernden Einkommen, im obigen Beispiel von 94.192 €, auszugehen und es beginnt eine neue Günstiger-Prüfung.
Bei zwei oder mehr Kindern darf man also nicht von Beginn an von zwei oder mehr Kinderfreibeträgen ausgehen, sondern die Günstiger-Prüfung ist für jedes Kind einzeln vom jeweiligen niedrigeren zu versteuernden Einkommen erneut durchzuführen.
Dadurch kann beispielsweise für das erste Kind der Kinderfreitrag günstiger sein, für alle anderen Kinder aber "nur" das Kindergeld.

Die Kinder sind dabei in der Reihenfolge ihres Geburtsdatums zu berücksichtigen (das älteste zuerst). Daher ist es auch notwendig, dass die Kinder in der "richtigen" Reihenfolge in der Steuererklärung angegeben werden.
Dieses kann sich dann auswirken, wenn Kinder vorhanden sind, die von einem anderen Elternteil abstammen. Das sind sozusagen "halbe" Kinder, das Kindergeld wird für die Berechnung nur mit 924 € angesetzt und der Kinderfreibetrag mit 2.904 €.

Die Günstiger-Prüfung wird vom Finanzamt immer mit dem tatsächlichen Anspruch auf Kindergeld berechnet, es spielt dabei keine Rolle, ob man das Kindergeld tatsächlich erhalten hat.
Ansonsten könnte man das Kindergeld nachträglich beantragen und hätte somit eine doppelte Vergünstigung.

Ergänzend sei gesagt:
1. Bei der Berechnung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags wird der Kinderfreibetrag nach § 51a Abs. 2 EStG immer abgezogen, egal, ob er sich bei der Einkommensteuer ausgewirkt hat oder nicht.
2. Das Kindergeld hat die Wirkung einer Vorauszahlung, bei festzusetzenden Vorauszahlungen wird also der Kinderfreibetrag nicht berücksichtigt.
3. Kinder auf der Lohnsteuerkarte wirken sich daher auch nur auf vom Arbeitgeber einzubehaltene Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag aus, die vom Arbeitgeber einzubehaltene Lohnsteuer ändert sich nicht.
4. Bei der Lohnsteuerklassenkombination IV / IV werden auf beiden Lohnsteuerkarten die Kinder eingetragen, jedes "volle" Kind mit dem Zähler 1,0, jedes "halbe" Kind mit dem Zähler 0,5. Bei der Lohnsteuerklassenkombination III / V werden die Kinder nur auf der Lohnsteuerkarte mit Steuerklasse III eingetragen.
Zuletzt geändert von *P* am 14.05.07, 17:16, insgesamt 4-mal geändert.

Hans-Christian
Topicstarter

Re: Kindergeld - Kinderfreibetrag

Beitrag von Hans-Christian »

Petz hat geschrieben: ich beabsichtige folgenden Beitrag in die Knowledge Base einzustellen ..
Mit welcher Zielstellung? Sozusagen warum?

Mein Standpunkt:

Kinderfreibetrag dient nur den Besserverdienenden und schafft noch mehr soziale Ungerechtigkeit.

Der Gesetzgeber zielt aber genau in diese Richtung.
Siehe Elterngeld,
siehe Prozeßkostenhilfeänderung,
siehe beabsichtigte Besteuerung der Kapitalerträge, ...

das wäre also eine politische Diskussion.

Oder geht es nur um eine verwaltungstechnische/organisatorische Vereinfachung zu Gunsten wiederum der Besserverdiener?

*P*
Topicstarter

Re: Kindergeld - Kinderfreibetrag

Beitrag von *P* »

Hans-Christian hat geschrieben:Mit welcher Zielstellung? Sozusagen warum?
Einfach nur als Erläuerung, was es damit auf sich hat.

Und als Hilfestellung für Fragende, die sich wundern, warum ihnen kein KFB gewährt wurde.


In den politischen Ansichten mag man durchaus differenzierter Ansicht sein, ich bin übrigens der gleichen Meinung.

Aber das Thema ist gegessen, das hat das BVerfG nunmal so entschieden und wäre ggfs. ein Thema für das Forum "Verfassungsrecht".

*Clematis*
Topicstarter

Beitrag von *Clematis* »

Ich würde noch die Auswirkungen der Eintragung von Kindern auf der Lohnsteuerkarte aufnehmen!

Des weiteren ist mE noch ganz wichtig, dass in der Günstiger-Prüfung nicht mit dem tatsächlich erhaltenen KuGe, sonder mit dem KiGE-ANSPRUCH gerechnet wird!

*P*
Topicstarter

Beitrag von *P* »

Danke, gute Idee.

schon erledigt.

Saxoflyer
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Beitrag von Saxoflyer »

Aber das Thema ist gegessen, das hat das BVerfG nunmal so entschieden und wäre ggfs. ein Thema für das Forum "Verfassungsrecht"
dann frage ich mich aber warum der BFH das Verfahren III B 176/06 zur Entscheidung angenommen hat, indem es um eine Erhöhung des Kindergeldes auf 265 EUR geht aufgrund der Ungleichbehandlung zwischen KFB und KiGeld?

Die Entscheidungen der Vorjahre sind eindeutig und diese wird wohl auch eindeutig zu Lasten des Steuerzahlers ausfallen, aber eine Erwähnung sollte das anhängige Verfahren zumindest finden.

Gruß
Sven
Lieber sich das Hirn verrenken
als dem Finanzamt was zu schenken

*P*
Topicstarter

Beitrag von *P* »

Saxoflyer hat geschrieben:dann frage ich mich aber warum der BFH das Verfahren III B 176/06 zur Entscheidung angenommen hat, indem es um eine Erhöhung des Kindergeldes auf 265 EUR geht aufgrund der Ungleichbehandlung zwischen KFB und KiGeld?
Ja, das ist aber ein anderes Problem.

Der BFH kann doch annehmen, was er will.........

§ 31
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Beitrag von § 31 »

Saxoflyer hat geschrieben: dann frage ich mich aber warum der BFH das Verfahren III B 176/06 zur Entscheidung angenommen hat, indem es um eine Erhöhung des Kindergeldes auf 265 EUR geht aufgrund der Ungleichbehandlung zwischen KFB und KiGeld?
Wieso zur Entscheidung angenommen? Die NZB ist nach meinem Kenntnisstand bereits mit Beschluss vom 14.02.2007 vom BFH abgeschmettert worden.

*P*
Topicstarter

[ KB ] Kindergeld - Kinderfreibetrag

Beitrag von *P* »

Kategorie: Steuerrecht
Typ: Text

Name des Artikels: Kindergeld - Kinderfreibetrag
Autor: Petz
Beschreibung: auch bekannt als "Günstiger-Prüfung"

>>den ganzen Artikel lesen

*Clematis*
Topicstarter

Beitrag von *Clematis* »

Ist gut geworden, Glückwunsch!

Mir ist noch eine Kleinigkeit eingefallen, ich weiss aber nicht, ob das nicht den Rahmen sprengt und ob man überhaupt noch was ändern kann?!

Und zwar die Problematik bei getrennten Elternteilen-Ansatz des halben KiGe bei dem Elternteil, bei dem das Kind lebt, obwohl dieser Elternteil das KiGe nicht ausbeazhlt bekommt wg Anrechnung auf den Kindesunterhalt!

*P*
Topicstarter

Beitrag von *P* »

Hallo Clematis,

hatte ich mir auch überlegt, aber irgendwann sprengt die Vielfalt wirklich den Rahmen.

Eigentlich wollte ich nur die Günstiger-Prüfung einigermaßen verständlich darstellen, aber es lässt sich kaum vermeiden, dass man irgendwann zu dem Thema "Kinder im Einkommensteuerrecht" abwandert.

Vielleicht wäre das ja eine Idee, wenn Sie einen KB-Beitrag über Kinder im Steuerrecht schreiben ?????

Ich traue mich nicht, man muss sich nur mal den Anwendungserlass zum Kindergeld angucken..... :shock:

Aber über weitere Anregungen würde ich mich freuen.....


Gruß

der Petz

*Clematis*
Topicstarter

Beitrag von *Clematis* »

Hm, ja, an sich keine dumme Idee.
Zur Günstiger-Prüfung gehört nun mein Hinweis auf getrennt lebende Ehegatten wirklich nicht, das stimmt...

Ich werde mal drüber nachdenken.

Eventuell könnten wir das ja gemeinsam machen, das Thema ist schliesslich gut umfangreich?!

*P*
Topicstarter

Beitrag von *P* »

*Clematis* hat geschrieben:Eventuell könnten wir das ja gemeinsam machen, das Thema ist schliesslich gut umfangreich?!
Kein Problem.

Aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass es einfacher ist, den Anwendungserlass hier zu verlinken :wink:

Nun gut, ich warte dann mal auf den Anfang....... :lol:

*Clematis*
Topicstarter

Beitrag von *Clematis* »

Hat das noch etwas Zeit?
Meine rechte Hand befindet sich derzeit in einer Schiene, und so einen Text einhändig zu schreiben ist nicht witzig! :oops:

steph72
noch neu hier
Beiträge: 4
Registriert: 09.05.07, 10:13

Beitrag von steph72 »

@Petz:

richtig, aber richtig "lustig" wird es erst, wenn das Kind beim Bund ist/war, denn hier sind sich Gesetzgeber und Rechtsprechung ja nie einig gewesen...

siehe auch das neue Urteil: http://www.gabler-steuern.de/2007/05/23 ... ii-r-2306/

oder http://www.steuerlinks.de/bfh-iiir-23-06.html

Gruß
Steph

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