Vorwurf der steuerlichen Liebhaberei

Moderator: FDR-Team

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StAr9094
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Vorwurf der steuerlichen Liebhaberei

Beitrag von StAr9094 »

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich habe mal wieder ein Fallbeispiel, das mir trotz einiger Recherche noch Kopfzerbrechen bereitet.

Protagonisten sind wie immer A und B, diesmal beide männlich ;-) wobei B erst später relevant wird.

Person A macht als abhängig Beschäftigter seit 4 Jahren berufsfremde Fortbildungskosten und Fachliteratur steuerlich geltend und plant, sich langfristig selbständig zu machen. Es ist davon auszugehen, dass bereits beim letztjährigen Lohnsteuerjahresausgleich die Ankündigung der Prüfung auf steuerliche Liebhaberei gemacht wurde.

A erhielt nun vor der diesjährigen Abrechnung die Aufforderung auf Vorlage eines Businessplans und weiterer Unterlagen, die eine Gewinnerzielungsabsicht erkennen lassen.

Welche Möglichkeiten hat A, der Nachprüfung der vorjährigen Steuererklärungen zu entgehen? Es wird derzeit kein Gewerbe betrieben, dies kann aber angemeldet werden und würde der Kleinunternehmerregelung unterliegen.

Hätte A die Fortbildungskosten auch steuerlich geltend machen dürfen, sofern der in der gleichen Branche tätige B ihn (nicht)selbständig beschäftigen würde?

Würden im schlimmsten Fall alle dem Nachprüfungsvorbehalt unterliegenden Erklärungen zur Berechnung der potentiellen Steuerzahllast zugrunde gelegt werden oder möglicherweise nur das/die letzte/n zwei Jahr/e, seit dem Vorwurf der steuerlichen Liebhaberei?

Über Antworten würde ich mich sehr freuen :-)

Einen schönen Abend noch...

towel day
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Re: Vorwurf der steuerlichen Liebhaberei

Beitrag von towel day »

StAr9094 hat geschrieben:Welche Möglichkeiten hat A, der Nachprüfung der vorjährigen Steuererklärungen zu entgehen?
Gar keine. Gegen eine Überprüfung durch das FA kann man sich i.d.R. nicht wehren. A kann nur dafür sorgen, dass die Überprüfung nicht zu einem für ihn nachteiligen Ergebnis führt. Er muß darlegen, dass keine Liebhaberei vorliegt, z.B. durch einen entsprechenden Businessplan. Details lassen sich hier aber nicht beurteilen.
Würden im schlimmsten Fall alle dem Nachprüfungsvorbehalt unterliegenden Erklärungen zur Berechnung der potentiellen Steuerzahllast zugrunde gelegt
Ja. soweit nicht verjährt, was hier nicht der Fall sein dürfte.
Gruß

towel day

bavarian tax collector
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Re: Vorwurf der steuerlichen Liebhaberei

Beitrag von bavarian tax collector »

towel day hat geschrieben:
Würden im schlimmsten Fall alle dem Nachprüfungsvorbehalt unterliegenden Erklärungen zur Berechnung der potentiellen Steuerzahllast zugrunde gelegt
Ja. soweit nicht verjährt, was hier nicht der Fall sein dürfte.
Nein, nicht unbedingt!

Zusätzlich zu Verlusten muss eine private Mitveranlassung gegeben sein. Bei jedem Gewerbebetrieb ist grundsätzlich von der Totalgewinnerzielungsabsicht auszugehen. Anlaufverluste sind daher im Normalfall zu gewähren. Erst wenn nach einer gewissen Zeit Verluste weiter in Kauf genommen werden, ohne Massnahmen zu treffen, diese zu "verhindern", wird die Hinnahme der Verluste zur privaten Mitveranlassung!

Anders sieht es nur aus, wenn der Betrieb an sich bereits eine starke Nähe zum privaten Lebensumfeld hat (z.B. Pferdezucht, Reiseliteratur, etc.).

Hier dürfte das Problem sein, dass eben bisher noch kein Gewerbe ausgeübt wird! Nur die Absicht (vielleicht!) irgendwann einmal ein Gewerbe auszuüben reicht für den vorweggenommenen BA-Abzug nicht aus. Aber auch hier stellt sich für das FA natürlich die Frage, ab wann die Absicht nicht mehr konkret vorlag!

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StAr9094
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Beitrag von StAr9094 »

Vielen Dank für die hilfreichen Antworten.

A wird nun die vom FA geforderten Unterlagen einreichen - er beabsichtigt nach wie vor, sein Gewerbe auszuüben, muss jedoch bis er dies hauptberuflich rentabel gestalten kann viele sehr teure Kurse absolvieren, die ihn entsprechend qualifizieren.

Die weite zeitliche Ausdehnung hat nichts damit zu tun, dass er BA strecken und steuerlich geltend machen möchte, sondern hängt einfach mit der geringen Anzahl an seriösen bzw. anerkannten Veranstaltern zusammen, deren Kurse häufig Monate im Voraus ausgebucht sind.

Könnte A denn nun mit der Anmeldung eines "richtigen" Gewerbes (kein Kleinunternehmen) seiner Gewinnerzielungsabsicht mehr Nachdruck verleihen? Wie sieht es mit freiberuflichen Tätigkeiten (Coach, Berater etc) aus?

bavarian tax collector
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Beitrag von bavarian tax collector »

StAr9094 hat geschrieben: Könnte A denn nun mit der Anmeldung eines "richtigen" Gewerbes (kein Kleinunternehmen) seiner Gewinnerzielungsabsicht mehr Nachdruck verleihen? Wie sieht es mit freiberuflichen Tätigkeiten (Coach, Berater etc) aus?
Eine Gewerbeanmeldung ändert grundsätzlich an der derzeitigen Situation nichts, wenn das Gewerbe dann nicht auch ausgeübt wird!

Solange die beabsichtigte Tätigkeit zu den freien Berufen gehört, wäre eine solche (Gewerbe-)Anmeldung nicht notwendig.

Schildern Sie die Situation dem FA! Das FA wird sich jedoch, auch wenn es momentan die Kosten anerkennt, alle künftigen Bescheide vorläufig erlassen.

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StAr9094
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Beitrag von StAr9094 »

Hallo taxpert,

danke für die Antwort ;-)

Das Gewerbe WIRD bereits jetzt ausgeübt, wegen der geringen Umsätze bzw. Einkünfte allerdings unter Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung, da die teuren Seminare derzeit noch alles schlucken und effektiv nix übrig bleibt.

StAr9094
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Beitrag von StAr9094 »

Hallo zusammen,

inzwischen wurden dem Finanzamt alle geforderten Unterlagen zur Verfügung gestellt und A und seine "Mitstreiter" waren zuversichtlich, alle verfügbaren Hebel in Bewegung gesetzt zu haben um den Vorwurf der Liebhaberei entkräften zu können.

Diese Annahme war allerdings weit gefehlt, denn mit Datum von gestern fordert das Finanzamt alle für 2005 bis 2008 geleisteten Steuerrückzahlungen zurück.

Wie sollte die weitere Vorgehensweise jetzt sein?

A bekam den Rat, einen Fachanwalt für Steuerrecht zu konsultieren, allerdings bleibt abzuklären, ob die RS-Versicherung (Standard) für Grenzfälle, die in den Bereich der selbständigen Tätigkeit übergehen, eintreten wird.

Würde es Sinn machen, eventuell einen Steuerberater zu konsultieren und mittels dessen Stellungnahme einen weiteren Versuch zu starten, zu demonstrieren dass der Vorwurf der Steuerliebhaberei unbegründet ist?

Freue mich über jede kleine Information :-)

Freundliche Grüße

StAr9094

funny
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Beitrag von funny »

Hallo,

gegen die Bescheide kann Einspruch mit entsprechender Begründung (diese kann auch nachgereicht werden) eingelegt werden und die Mithilfe eines Steuerberaters ist sicherlich eine sehr gute Idee.
Lieben Gruss
funny
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Raiden
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Beitrag von Raiden »

Sie sollten ab jetzt Ihre Antworten beim Fachmann suchen, nicht im Forum!

Ob StB oder Fachanwalt ist m.E. Geschmacksache. Vor den Finanzgerichten darf Sie sowohl der eine, als auch der andere vertreten.
MfG Raiden

Niveau ist keine Handcreme

StAr9094
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Beitrag von StAr9094 »

Ah, dass beide einen vertreten dürfen ist gut zu wissen.

Vielen Dank für die Stellungnahmen. Ich werde weiter berichten, da ich davon ausgehe, dass es bei den Summen um die es geht weiterhin spannend bleiben wird.

Im Moment geht die Tendenz zunächst hin zum Gespräch mit dem Steuerberater, allerdings haben die aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage derzeit enorm viel zu tun und es ist kaum ein Termin zu bekommen, da scheinbar jeder Steuern sparen möchte.

Auf jeden Fall ließe sich dann aber in der Zwischenzeit klären, ob die RS-Versicherung einsteht, sofern es um einen Streitfall im teils gewerblichen Bereich geht.

Dankeseh wie gesagt für die Hilfe, ich freue mich aber auch über weitere Stellungnahmen, vielleicht hat ja jemand schon von einem ähnlichen Fall gehört.

Freundliche Grüße...

bavarian tax collector
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Beitrag von bavarian tax collector »

Bitte nicht vergessen: Einspruchsfrist ist eine Ausschlußfrist!

Also auf jeden Fall bereits jetzt gegen die geänderten Bescheide Einspruch einlegen! Geht formlos und vorerst auch ohne Begründung!

Wäre blöd wenn Einspruch bereits wegen Verfristung abgelehnt würde, weil amn so viel um die Ohren hatte!

taxpert
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Beitrag von bavarian tax collector »

Bitte nicht vergessen: Einspruchsfrist ist eine Ausschlußfrist!

Also auf jeden Fall bereits jetzt gegen die geänderten Bescheide Einspruch einlegen! Geht formlos und vorerst auch ohne Begründung!

Wäre blöd wenn Einspruch bereits wegen Verfristung abgelehnt würde, weil amn so viel um die Ohren hatte!

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StAr9094
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Beitrag von StAr9094 »

Danke für den netten Ratschlag!!

Sobald die Rechtsschutz ihr okay gegeben hat, geht's (voraussichtlich morgen schon) direkt zum Fachanwalt für Steuer(straf)recht.

Ich werde berichten, sobald ich mehr weiß....

schönen Tag,

StAr9094

StAr9094
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Beitrag von StAr9094 »

A hat sich inzwischen an den Steuerberater gewandt und ihm alle Unterlagen überlassen.

Die Rechtsschutzversicherung würde die Kosten für das Einspruchs-/Klageverfahren gegen die 2008er Steuer übernehmen, nicht aber für die vorhergehenden Jahre.

Inzwischen hat die Versicherung aber aus Kulanzgründen und 34jähriger Mitgliedschaft zugesagt, die Kosten für das gesamte Verfahren zu übernehmen.

Dies war zum Zeitpunkt der StBer-Konsultation noch nicht bekannt, so dass dieser das Angebot machte, A ggfs. vor Gericht zu vertreten, da dies bei weitem günstiger und nicht vom Streitwert abhängig sei. A hat dem nun so zugestimmt und immer noch den Joker Rechtsanwalt im Ärmel.

Den Einspruch wollte der StBer noch heute einlegen und hat bereits mit dem FA telefoniert. Das ganze wird aber noch schriftlich nachgereicht natürlich.

So, das war's erstmal an Neuigkeiten...demnächst dann wieder in diesem Kino :lol:

Viele Grüße!

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