Zeitrahmen für eine Selbstanzeige

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Andokai
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Zeitrahmen für eine Selbstanzeige

Beitrag von Andokai »

Hallo Miteinander,

ich hab mal eine Frage zur Selbstanzeige:

Wie lange zurück kann/muß ich eine Selbstanzeige machen?
Beispiel:
Herr X hat im Jahr 1990 im Lotto 1 Mio. gewonnen.
Die Zinsen, nach Abzug der Zinsabschlagsteuer wurden jedoch nie bei einer Steuererklärung angegeben.
Die ESt 2008 ist eingereicht, aber noch nicht veranlagt. Gehe ich nun bis 1998 oder noch weiter zurück?
Bitte den Rechenweg aufzeichnen. Danke!

Für Eure Antworten vielen Dank.

Andokai

bavarian tax collector
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Beitrag von bavarian tax collector »

Die Selbstanzeige sollte ruhig ALLE Jahre betreffen!

Bei dem zu Grunde liegenden Sachverhalt wird das FA sowieso bis zum frühest möglichen Zeitpunkt zurück ermitteln. Welches Jahr das sein wird, ist letztendlich für die Selbstanzeige nicht relevant, den die Selbstanzeige hat eine STRAF-befreiende, aber keine STEUR-befreiende Wirkung! Und die strafrechtliche Verjährung endet deutlich vor der steuerrechtlichen Verjährung (5 Jahre zu 10 Jahren).

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towel day
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Re: Zeitrahmen für eine Selbstanzeige

Beitrag von towel day »

Andokai hat geschrieben:Wie lange zurück kann/muß ich eine Selbstanzeige machen?
Eine Selbstanzeige gibt man sinnvollerweise für die Jahre ab, die noch nicht von der Strafverfolgungsverjährung erfasst werden. Welche das sind, hängt davon ab, ob und wann die Steuererklärungen abgegeben wurden, wann die Bescheide ergangen sind und nicht zuletzt, um was für Missetaten es sich da eigentlich gehandelt hat. Je nach dem beträgt die Frist 5 oder 10 Jahre. Fraglich ist aber oft, wann die Frist denn zu laufen beginnt. Sowas klärt man im Detail also besser mit jemanden, der sich mit sowas auskennt.

Für die davorliegenden Jahre kommt es auf den Sachverhalt an. Manchmal wird man die Decke über den Kopf ziehen und der Dinge harren, die seitens des FA da kommen, in anderen Fällen erklärt man die Einkünfte für diese Jahre praktischerweise auch gleich mit.
Gruß

towel day

Andokai
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Beitrag von Andokai »

Hallo!

Hmm, nu weiß ich leider auch nicht mehr... Mir gings hauptsächlich um die Berechnung der 10 Jahre.

@ Towel Day: Ich gehe mal von den 10 Jahren aus, da die Zinsen bei dem Kapital schon nicht unerheblich sind.

@ BTC: Soweit klar, interessant ist doch die Berchnung der 10 Jahre. Die Bank würde nämlich für die erneute Ausstellung der Zinsbelege ein richtig gutes Geld verlangen. Nur um dann zu sehen, daß das Finanzamt die "alten" Jahre nicht mehr heranzieht...

Viele Grüße

Andokai

bavarian tax collector
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Beitrag von bavarian tax collector »

Nochmal: die Selbstanzeige schützt vor STRAF-rechtlicher Würdigung, nicht vor STEUER-rechtlicher! Sie hat also nur Auswirkung auf die mögliche Festsetzung eines Bußgeldes!

Die strafrechtliche Verjährung beträgt 5 Jahre. Ich würde, da ich mir hier mit dem Beginn der Verjährungsfrist nicht sicher bin, bis zum Jahr 2000 nacherklären. Die Jahre davor dürften STRAFRECHTLICH verjährt sein, so dass auch ohne Selbstanzeige keine strafrechtliche Verfolgung mehr möglich wäre.

Das FA wird dann ggf. die noch offenen Jahre anfordern. Die steuerrechtliche Verjährung hängt unter anderem davon ab, ob und wenn ja wann die Erklärungen für die alten Jahre abgegeben wurden, §170 Abs.2 AO.

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towel day
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Beitrag von towel day »

Andokai hat geschrieben:Mir gings hauptsächlich um die Berechnung der 10 Jahre.
Und mir ging es darum, dass dieses Forum kaum der richtige Platz sein kann, so ein Problem zu lösen.

Die Verfährungsfrist beginnt mit Beendigung der Tat, also in der Regel die Bekanntgabe der Steuerbescheide. Dazu gab es hier schon mind. einen Thread, müssen Sie mal die Suche bemühen.

Wenn es allerdings wirklich um nicht erklärte Zinseinnahmen geht, dann kann man sich die Spielchen mit dem FA wohl eh sparen und gleich bis zur stl. Festsetzungsverjährung zurück die Einkünfte nacherklären. Die Chancen, dass das FA die tatsächlichen Beträge nicht ermitteln kann, bzw. zu niedrig schätzt, sind hier wohl verschwindend gering.
Gruß

towel day

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