Wohnsitz im Ausland - Immobilienerwerb in D - Steuer ?

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Wohnsitz im Ausland - Immobilienerwerb in D - Steuer ?

Beitrag von Newbie »

Hallo zusammen,

folgendes fiktives Szenario:

- Geschwister A und B
- A ist beruflich bedingt in den USA und wird dort auch die nächsten 5 Jahre bleiben. Wohnsitz in D besteht nicht mehr, wurde beim Umzug abgemeldet. A ist max. 1 mal im Jahr für eine Woche in D um Freunde und Familie zu besuchen. Steuererklärung wird in den USA abgegeben.
- B möchte ein älteres EFH zur kompletten Eigennutzung erwerben. Kaufpreis ist nicht sehr hoch (strukturschwache Gegend), Vermögen des B reicht dennoch nicht ganz aus, so dass A einen kleinen Teil dazu gibt.
- B schlägt nun vor, dass A und B gemeinsam hälftig als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen werden. Die Nutzung wird aber ausschließlich von B erfolgen, Abschluss eines Mietvertrages zwischen A und B über den dann hälftigen Anteil von A soll nicht erfolgen.
Auch werden A keine Räumlichkeiten zur Nutzung während eventueller Besuche in D zur Verfügung gestellt. A hält sich grundsätzlich bei den Eltern auf, wenn A kurz Deutschland besucht.

Frage: Würde A durch den hälftigen Miteigentumsanteil beschränkt steuerpflichtig in D ?

Besten Dank schon jetzt für alle hilfreichen Antworten.

Liebe Grüße

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bavarian tax collector
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Re: Wohnsitz im Ausland - Immobilienerwerb in D - Steuer ?

Beitrag von bavarian tax collector »

Für die beschränkte Steuerpflicht sind Einkünfte im Sinne des §49 EStG notwendig. Einkünfte liegen im geschilderten Fall offenbar nicht vor, so dass eine beschränkte Steuerpflicht nicht vorliegt.

Das reine (Teil-)Eigentum an einer Immobilie führt nicht zur beschränkten Steuerpflicht im Sinne des EStG. Jedoch ist in diesem Fall auch A Schuldner der GrESt und der GrSt!

taxpert
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Re: Wohnsitz im Ausland - Immobilienerwerb in D - Steuer ?

Beitrag von Newbie »

Guten Abend taxpert,

herzlichen Dank für die sehr hilfreiche Antwort auf meine Frage.
Der Hinweis auf Grunderwerbssteuer und Grundsteuer war gut und bereitet
auch keine Probleme bzw. war klar.

A war sich eben nicht sicher, inwieweit das FA nicht sagen könnte, dass A ja
theoretisch jederzeit Zugang zur Immobilie hätte und man davon ausgehen könnte,
dass A sie ja auch nutzt usw. Im Hinterkopf hatte A auch die seinerzeitige Geschichte eines
prominenten Ex-Tennisspielers, dem steuerrechtlich die ETW seiner Schwester zum Verhängnis wurde,
die er bei gelegentlich in München nutzte. Da blieb bei A eben irgendwie hängen, dass nach Abmeldung aus D steuerrechtlich
nicht nur die 183-Tage-Regel bei der Steuerpflicht eine Rolle spielt.

Nochmals ganz lieben Dank und eine gute Nacht wünscht

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hambre
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Re: Wohnsitz im Ausland - Immobilienerwerb in D - Steuer ?

Beitrag von hambre »

Wenn es darum geht, die Zahlung von A abzusichern, dann kann man das besser über die Eintragung einer Grundschuld zu Gunsten von A machen.

Die Eintragung von A als Miteigentümer führt vor allem dazu, dass A ein erhebliches Mitspracherecht erhält. Außerdem wird A darüber an Wertänderungen beteiligt, sie sowohl in die eine als auch in die andere Richtung gehen können.
Da blieb bei A eben irgendwie hängen, dass nach Abmeldung aus D steuerrechtlich
nicht nur die 183-Tage-Regel bei der Steuerpflicht eine Rolle spielt.
Die 183-Tage Regelung wird ohnehin weit überbewertet. Es handelt sich um eine Spezialregelung, die nur in wenigen Fällen anwendbar ist. Unabhängig von der 183-Tage-Regelung und auch ohne Wohnsitz in Deutschland entsteht in fast allen Fällen eine Steuerpflicht in Deutschland, wenn hier Einkünfte erzielt werden. Das kann im konkreten Fall passieren, wenn:
- B an A Zinsen oder Miete dafür zahlt, dass er das Geld von A bekommen hat
- Das Haus in weniger als 10 Jahren wieder verkauft wird und dabei ein Gewinn erzielt wurde

Newbie
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Re: Wohnsitz im Ausland - Immobilienerwerb in D - Steuer ?

Beitrag von Newbie »

Hallo hambre,

auch Ihnen ganz herzlichen Dank für die ergänzenden Infos.
A wird weder Zinsen verlangen, noch anderweitig Einkünfte aus der Immo
beziehen.

Dass eventuelle Wertminderungen oder Steigerungen auftreten, ist soweit klar. Ein Weiterverkauf innerhalb der nächsten
10 Jahre ist nicht angedacht. In erster Linie dient die überschaubare Immobilie dazu B, der unfallbedingt dauerhaftberwerbsunfähig ist,
eine gesicherte Wohnsituation in der direkten Nachbarschaft der restlichen Familienmitglieder zu schaffen.
Das Angebot war im Prinzip Zufall, da die Immobilie aufgrund der sehr geringen Grundstücksgröße für andere Interessenten sehr uninteressant ist. Für B ist aber gerade dies aufgrund seiner körperlichen Eingeschränktheit von Vorteil, da sich der Bewirtschaftungsaufwand in Grenzen hält. Da der Immobilienerwerb auch nicht fremdfinanziert werden muss, sind die Unterhaltskosten für B momentan deutlich niedriger als die Kaltmiete der derzeitigen 2-Zimmerwohnung von B.

Nochmals ganz herzlichen Dank für die Rückmeldungen hier !

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