Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Moderator: FDR-Team

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durabil
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Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von durabil »

Guten Tag,

wir hatten gestern eine interessante Diskussion in einer fiktiven Fragestellung.

Angenommen, die Rückzahlung eines Darlehns würde vom Gericht angeordnet. Jegliche Verzögerung wird laut Gericht verzinst.
Wenn nun die Gelder letztendlich bezahlt werden, sind einige 100 Euro Zinsen angefallen, die der Schuldner mitüberweist.

Nun war im Freundeskreis die Meinung vorherrschend, diese Einnahmen müsse ein abhängig Beschäftiger nicht versteuert werden, da sie ja bereits versteuert wurden als man das Geld verliehen hat.

Andere Stimmen behaupten, man müsse die Zinsen versteuern als Einnahmen, bzw. Abgeltungssteuer bezahlen.

Ich war jedoch der Meinung, es müssen gar keine Steuern bezahlt werden, da nur Zinseinnahmen aus Bankgeschäften versteuert werden müssen.
Falls doch die Zinsen als Einnahmen versteuert werden müssten, dann auf gar keinen Fall in Form von Abgeltungssteuer, sondern als Einkommen.

Was ist denn nun richtig?
Wir diskutieren uns einen Wolf. :D

Mahnman
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von Mahnman »

Es besteht also ein Darlehen.

Um den Fall zu lösen, hilft das Einkommensteuergesetz.

§ 20 Abs.1 Nr. 7 EStG regelt, dass zu den Einkünften aus Kapitalvermögen auch Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art gehören.

die Zinsen sind m.E. in jedem Fall als solche zu klassifizieren und müssen daher im Rahmen der Einkommensteuererklärung angegeben werden.

Zu versteuern ist nicht das Kapital, sondern nur der Ertrag daraus.
Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.

durabil
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von durabil »

Vielen Dank Mahnman,

nein, es handelt sich nicht um Zinsen, die im Laufe der Jahre auf die geschuldete Summe angefallen sind. Es sind diejenigen Zinsen, die das Gericht angeordnet hatte, für den Fall, dass der Schuldner noch weiter verzögern würde. Die eigentliche Verpflichtung war zinsfrei - über Jahre hinweg.

Wenn diese Zinsen denn nun zur Versteuerung vorgesehen sind, muss es doch in diesen vielen Vordrucken des Finanzamtes eine Möglichkeit geben, das einzufügen?
Wo ist das denn?

:oops:

Tom998
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von Tom998 »

Zeile 16 der Anlage KAP?

Opa
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von Opa »

Nein, eher Zeile 25.
Zinsen aus privaten Darlehen unterliegen nicht der 25%-igen Abgeltungssteuer, sondern müssen mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden. Denn so wie ich die Frage verstanden habe, geht es doch um ein Darlehen zwischen zwei Personen für private Zwecke. Oder? Worum es genau geht, lässt sich aus der Frage nicht erkennen.

Mahnman
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von Mahnman »

Aber doch nur, wenn es nahestende Personen sind, oder?
Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.

durabil
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von durabil »

Vielen Dank für die Einwände.
Aus Interesse am fiktiven Fall habe ich mir besagte Anlage KAP angeschaut.

Was sind denn nahestehende Personen?
Bezeichnet das einen Verwandtschaftsgrad?

Paragraphenreiterin

Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von Paragraphenreiterin »

Guten Tag!

Ich denke, dass mit "nahestehenden Personen" Angehörige im Sinne des § 15 AO gemeint sein könnten.

Allerdings unterliegen die Zinsen schon der Abgeltungssteuer mit 25 %, denn sonst müsste der Darlehensgeber die Zinsen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten behandelt haben (§ 32d Abs. 2 Nr. 1a) EStG).

Insofern ist eine Pflichtveranlagung gem. § 32d Abs. 3 EStG zum Steuersatz von 25 % durchzuführen, da die Kapitalertragsteuer noch nicht abgeführt wurde, weil der Darlehensgeber kein Kreditinstitut, sondern eine Privatperson ist.

Ich würde die Erträge in Zeile 16 der Anlage Kap 2013 eintragen.

Anders würde ich es sehen, wenn es sich bei Darlehensgeber und -nehmer um Angehörige handelt, wobei der eine dem anderen das Darlehen aus betrieblichen Mitteln gewährt hat und die Zinsen bei sich als Betriebsausgaben abgezogen hat.
Dann gilt die Ausnahmeregelung, dass die Zinserträge dem individuellen Steuersatz unterliegen.
Das liegt daran, dass man das spiegelbildlich betrachten möchte, um steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten zu verhindern:
Wenn A (Darlehensgeber) einen Betrieb hat und einen individuellen Steuersatz von 40 % und leiht seiner Frau B (Darlehensnehmer) 10.000 €. Die Frau bekommt monatlich 100 € Zinsen. Dann muss sie 25 € versteuern, wobei er 40 € spart, durch den Betriebsausgabenabzug.
Daher muss sie als nahestehende Person auch zum individuellen Steuersatz versteuern und die Zinsen in Zeile 25 erklären.


Dies war mein erster Beitrag in diesem Forum, bitte haben Sie Nachsicht mit mir, wenn nicht alles ganz verständlich ist. Dann bitte ich um sachliche Kritik.

Mit freundlichen Grüßen,
die Paragraphenreiterin

Ronny1958
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von Ronny1958 »

Hallo,
Dies war mein erster Beitrag in diesem Forum,
Na dann, herzlich willkommen. ;)
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Angehende
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Re: Rückzahlung Schulden aus Privatdarlehn - Zinsen

Beitrag von Angehende »

Klasse Antwort @Paragraphenreiterin. Dem ist nichts hinzuzufügen. Auch meiner Ansicht nach, müssen die Zinsen versteuert werden. Denn eine andere Zuordnung ist nicht möglich.

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