Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgegeben

Moderator: FDR-Team

Antworten
Riesling
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 106
Registriert: 20.12.05, 21:56

Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgegeben

Beitrag von Riesling » 30.10.18, 15:38

Guten Tag allerseits,
angenommen sei der fiktive Fall des Existenzgründers Adolf Adlon der drei Hotelbetriebe als Einzelunternehmen führt.

Adolf kauft die Betriebe im Jahre 2013 und investiert in den ersten zwei Jahren knapp 500.000 € in die Instandhaltung des Objekts.
Hotelzimmer und Bäder werden erneuert. Durch dei erheblichen Investitonen die er in den ersten Jahre tätigt, wundert sich Adolf nicht,
dass keine bzw. nur wenig Steuerlast anfällt. Zu seiner Überraschung teilt das Steuerbüro im Jahre 2018 mit dass mit einer erheblichen
Steuerzahlung zu rechnen sei, da man bisher (also seit 2013) noch keine Steuererklärung abgegeben habe.

Adolf fragt sich wie es überhaupt möglich ist, über den Zeitraum von über 4 Jahren als Unternehmer keine Steuererklärung abgegeben zu haben?
Wo liegt das Versäumnis? Die nun, über vier jahre aufgestaute Steuerlast liegt bei knapp 200.000 € und droht Adolf trotz sehr gut laufender Geschäfte
zu erdrücken da eine Steuerzahlung zumindest in dieser Höhe nicht eingeplant war.

Vielen Dank im voraus für Meinungen zu diesem fiktiven Fall des Adolf Adlon. Allen einen schönen Tag!
Zuletzt geändert von Riesling am 30.10.18, 17:25, insgesamt 1-mal geändert.
Erst wägen dann wagen,
erst denken dann sagen.

ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4896
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Kleines Unternehmen: 4 jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von ExDevil67 » 30.10.18, 15:45

Also das man 4 Jahre keine Steuererklärung abgibt, kann schon vorkommen. Wenn man sich selber nicht drum kümmert und das Finanzamt einen, warum auch immer, auch nicht auf dem Schirm hat, kann das gehen.

Frage wäre, wann wurde der Steuerberater eingeschaltet und mit welchem Auftrag? 2013 bei Existenzgründung oder jetzt in 2018?

Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1964
Registriert: 22.06.05, 22:24

Re: Kleines Unternehmen: 4 jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von Celestro » 30.10.18, 15:46

wer ist denn "das Steuerbüro" ? Der Steuerberater oder das Finanzamt oder .... ?

Riesling
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 106
Registriert: 20.12.05, 21:56

Re: Kleines Unternehmen: 4 jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von Riesling » 30.10.18, 16:51

Celestro hat geschrieben:wer ist denn "das Steuerbüro" ? Der Steuerberater oder das Finanzamt oder .... ?
Steuerbüro = Steuerberater. Das Finanzamt hätte sich bis heute nicht gemeldet, sagt der Steuerberater.
Der Steuerberater war schon für den Vorbesitzer des Hotels tätig, er beriet auch diesen seit 2004 und begleitete des Übergabeprozess an Adolf Adlon.
Erst wägen dann wagen,
erst denken dann sagen.

winterspaziergang
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6983
Registriert: 16.11.13, 14:23

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von winterspaziergang » 30.10.18, 18:35

Riesling hat geschrieben:Die nun, über vier jahre aufgestaute Steuerlast liegt bei knapp 200.000 € und droht Adolf trotz sehr gut laufender Geschäfte
zu erdrücken da eine Steuerzahlung zumindest in dieser Höhe nicht eingeplant war.
:lol: der ist gut!

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17132
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von FM » 30.10.18, 20:24

Riesling hat geschrieben: Adolf fragt sich wie es überhaupt möglich ist, über den Zeitraum von über 4 Jahren als Unternehmer keine Steuererklärung abgegeben zu haben?
Wo liegt das Versäumnis?
Der Unternehmer selbst wundert sich darüber, dass er keine Steuererklärung abgegeben hat?

Falls er denn die ganze Zeit über einen Steuerberater beauftragt hatte und diesem alle Daten zur Verfügung gestellt hatte, sollte er sich eher über seinen Steuerberater wundern. Sollte der Steuerberater da Mist gebaut haben (was man von hier aus nicht beurteilen kann, es wäre sehr ungewöhnlich, dass ein Steuerberater das einfach vergißt oder keine Lust hat), ist er vielleicht schadensersatzpflichtig. Der Schaden ist aber nicht die Steuernachzahlung, denn etwas später zu bezahlen als eigentlich notwendig ist noch kein Schaden. In Betracht kämen die Säumniszuschläge, abzüglich des Zinsgewinnes.

Hat er denn die Umsatzsteuer wenigstens gezahlt?
Die nun, über vier jahre aufgestaute Steuerlast liegt bei knapp 200.000 € und droht Adolf trotz sehr gut laufender Geschäfte
zu erdrücken da eine Steuerzahlung zumindest in dieser Höhe nicht eingeplant war.
Schlimmstenfalls läßt eben das Finanzamt eines der drei Hotels zwangsversteigern, bei einer Schuld in dieser Größenordnung müßte das ausreichen.

Riesling
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 106
Registriert: 20.12.05, 21:56

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von Riesling » 30.10.18, 23:40

winterspaziergang hat geschrieben:
Riesling hat geschrieben:Die nun, über vier jahre aufgestaute Steuerlast liegt bei knapp 200.000 € und droht Adolf trotz sehr gut laufender Geschäfte
zu erdrücken da eine Steuerzahlung zumindest in dieser Höhe nicht eingeplant war.
:lol: der ist gut!
Adolf fragt wo die Pointe ist?
Erst wägen dann wagen,
erst denken dann sagen.

bavarian tax collector
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1903
Registriert: 30.03.08, 10:36
Wohnort: Bayern

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von bavarian tax collector » 31.10.18, 07:26

Riesling hat geschrieben:Adolf fragt wo die Pointe ist?
Es ist kein Wunder, dass Adolf die Pointe nicht erkennt, denn sonst hätte Adolf die Pointe ja auch nicht frei Haus geliefert!

Es gehört zum Unternehmertum, dass der Unternehmer sich in jeder Hinsicht über die ihm zustehenden rechte und auferlegten Pflichten vollumfänglich, unaufgefordert und selbständig informiert. In Bezug auf das Steuerrecht heißt das, dass neben der hier bereits handelsrechtlich bestehenden Buchhaltungspflicht sowohl die Anmeldung des Gewerbebetriebes (§138 AO) und die Abgabe der jeweiligen Steuererklärungen (§149 AO i.V.m. Einzelsteuergesetzen) unaufgefordert und zuverlässig zu erledigen ist.

Das FA ist in keiner Weise verpflichtet, den Unternehmer über seine rechtlichen Verpflichtungen aufzuklären, ihn an notwendige Erklärungen zu erinnern oder ausstehende Erklärungen anzumahnen! Der "schwarze Peter" liegt hier eindeutig und ausschließlich beim Stpfl.!

Wenn überhaupt, trifft hier ggf. den StB ein (Mit-)Schuld, jedoch nur, wenn und soweit er überhaupt mandatiert war, Steuererklärungen zu erstellen, siehe @FM!
FM hat geschrieben: In Betracht kämen die Säumniszuschläge, abzüglich des Zinsgewinnes.
Ich gehe davon aus, Du meinst Verspätungszuschläge und Zinsen nach §233a AO! Säumniszuschläge sind ja noch gar nicht angefallen!

Durch die Nichtabgabe der Erklärungen ist für die Jahre bis 2016 der Straftatbestand der Steuerhinterziehung bereits vollendet. Die jetzt abgegeben Steuererklärungen stellen daher strafbefreiende Selbstanzeigen im Sinne §371 AO mit allen Folgen und Fallstricken (sieh Uli H.!) dar!

Vielleicht versteht Adolf ja diese Pointe!

taxpert
Your friendly bavarian tax collector

Motto:
"Yeah, I'm the taxman
And you're working for no one but me" (The Beatles, Taxman, Revolver)

"Bitte, Danke und Verzeihung wandern auf die Liste der bedrohten Wörter!"

ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 21893
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von ktown » 31.10.18, 07:48

bavarian tax collector hat geschrieben:Vielleicht versteht Adolf ja diese Pointe!
Ich befürchte nein. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16199
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von SusanneBerlin » 31.10.18, 09:18

Durch dei erheblichen Investitonen die er in den ersten Jahre tätigt, wundert sich Adolf nicht,
dass keine bzw. nur wenig Steuerlast anfällt. Zu seiner Überraschung teilt das Steuerbüro im Jahre 2018 mit dass mit einer erheblichen
Steuerzahlung zu rechnen sei, da man bisher (also seit 2013) noch keine Steuererklärung abgegeben habe.
Anton hat nie einen Steuerbescheid gesehen und daraus schlussfolgert er, dass "keine bzw. wenig Steuerlast anfällt"? Oder wie sonst ist das zu verstehen, dass er sich nicht darüber wundert, dass er keine Steuern zahlt? Bzw. wie kommt er darauf, dass die Steuerlast "wenig" ist, da er an die steuerlichen Aspekte seines Unternehmens 5 Jahre lang keinen Gedanken verschwendet hat?
Grüße, Susanne

Zafilutsche
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5919
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von Zafilutsche » 31.10.18, 09:19

Ich denke, dass das Vertragsverhältnis (so überhaupt eins mal bestanden hat) zw. Unternehmer und Steuerberater unklar war oder schlicht fehlte.
Der Steuerberater hätte für eine Abgabe der Steuererklärung die notwendigen Angaben hierzu benötigt. Er hätte also Informationen vom Auftraggeber/Unternehmer anfordern müssen. (z.B. die Steuernummer/Steuer ID Unterschrift u.v.m)
Hat der Steuerberater die Infos nicht eingeholt, hätte schon im 1. Jahr dem Unternehmer auffallen müssen, dass keine Erklärung an das Finanzamt abgeschickt wurde. Daher glaube ich dass der Ball beim Unternehmer selbst liegen geblieben ist (einschl. der weiteren späteren Versäumnisse)
Da das Thema Unternehmen/Steuerrecht sehr komplex ist und darüber hinaus durch die Rechtsprechung und Änderungen alles sehr fließend ist, sollte man für die Situation so wie geschildert sofort einen wirklich versierten Steuerfachmann hinzu ziehen, der versuchen sollte die festgefahrene Karre aus dem Dreck zu ziehen ohne zusätzliche Schäden dabei anzurichten. Ansonsten nur der Rat: Fortbilden, Fortbilden und nochmals Fortbilden um "Eisberge" rechtzeitig "erkennen" und "umschiffen" zu können.

Riesling
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 106
Registriert: 20.12.05, 21:56

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von Riesling » 05.11.18, 16:10

Zafilutsche hat geschrieben:Ich denke, dass das Vertragsverhältnis (so überhaupt eins mal bestanden hat) zw. Unternehmer und Steuerberater unklar war oder schlicht fehlte.
Der Steuerberater hätte für eine Abgabe der Steuererklärung die notwendigen Angaben hierzu benötigt. Er hätte also Informationen vom Auftraggeber/Unternehmer anfordern müssen. (z.B. die Steuernummer/Steuer ID Unterschrift u.v.m)
Hat der Steuerberater die Infos nicht eingeholt, hätte schon im 1. Jahr dem Unternehmer auffallen müssen, dass keine Erklärung an das Finanzamt abgeschickt wurde.
Das Vertragsverhältnis war recht klar definiert, schließlich arbeitet man bereits seit vielen Jahren zusammen. Die Buchhalterin des Unternehmers hat die Daten per IT Dienstleister XY Monat für Monat an den Steuerberater weitergeleitet. Natürlich liegt die Verantwortung letzten Endes immer beim existenzgründenen Unternehmer, doch wäre es denn wirklich so abwegig davon auszugehen dass wenig bis keine Steuerlast anfällt wenn das Doppelte des Gewinns Jahr für Jahr nachweislich in das Unternehmen investiert wurde?

Ich bedanke mich recht herzlich bei allen für die Gedanken zu diesem fiktivem Fall.
Zuletzt geändert von ktown am 05.11.18, 18:23, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Klarnamen entfernt
Erst wägen dann wagen,
erst denken dann sagen.

Zafilutsche
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5919
Registriert: 24.07.07, 09:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von Zafilutsche » 05.11.18, 16:39

Riesling hat geschrieben:... doch wäre es denn wirklich so abwegig davon auszugehen dass wenig bis keine Steuerlast anfällt wenn das Doppelte des Gewinns Jahr für Jahr nachweislich in das Unternehmen investiert wurde?
Dazu wird es einer Steuererklärung bedürfen einschließlich den "Steuerbescheid"
Woher sollte sonst der Unternehmer wissen, was anerkannt wird/wurde und was nicht.
Also mit dem fehlendem Steuerbescheid hätte spätestens die Warnlampe des Unternehmers leuchten müssen, dass da irgendetwas fehlt. :wink: Aber gleich 4 mal? :oops: (Lag der Unternehmer 4 Jahre im Koma?)

bavarian tax collector
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1903
Registriert: 30.03.08, 10:36
Wohnort: Bayern

Re: Kleines Unternehmen: 4 Jahre keine Steuererklärung abgeg

Beitrag von bavarian tax collector » 06.11.18, 07:19

Riesling hat geschrieben:... doch wäre es denn wirklich so abwegig davon auszugehen dass wenig bis keine Steuerlast anfällt wenn das Doppelte des Gewinns Jahr für Jahr nachweislich in das Unternehmen investiert wurde?
Es zeugt zumindest von einer erschreckenden steuerrechtlichen und auch betriebswirtschaftlichen Naivität, so dass man sich unwillkürlich fragt, wie Gewinne erwirtschaftet werden konnten!

Hier soll sich aber wohl nicht nur der Unternehmer nicht gewundert haben, dass keine Steuer anfällt, auch die Buchhalterin, die vier Jahre lang keine Zahlung von Betriebssteuern gebucht hat und natürlich der StB, der vier Jahre lang die entsprechenden Rückstellungen fort entwickelt haben sich nicht gewundert! Das klingt im möglicherweise anstehenden strafrechtlichen Verfahren SEHR glaubhaft!
Riesling hat geschrieben:Das Vertragsverhältnis war recht klar definiert,
Wirklich? Was hat der StB den in Rechnung gestellt? Buchhaltung? Abschluß/Bilanz? Oder auch Erstellen der Steuererklärungen! Hatte er/sie auch wirklich den Auftrag für die private ESt-Erklärung? Oder vielleicht doch nur für die Betriebssteuern?

Natürlich kann man nur hoffen, dass es sich um einen fiktiven Fall handelt, denn es erscheint unwahrscheinlich, dass eine solch närrisches Dreigestirn in der Lage sein wird, die ausstehenden Steuererklärung so zu erstellen, dass eine strafbefreiende Wirkung eintritt!

Das einzig positive am geschilderten Sachverhalt ist ...
Riesling hat geschrieben:aufgestaute Steuerlast liegt bei knapp 200.000 €
Riesling hat geschrieben:wenn das Doppelte des Gewinns Jahr für Jahr nachweislich in das Unternehmen investiert wurde?
... denn anscheinend hat die Firma dann ja genügend posites Kapital und eine entsprechend geringe Fremdkapitalquote, so dass die Darlehensaufnahme für die sofortige Begleichung der Steuerschuld kein Problem darstellen sollte!

taxpert
Your friendly bavarian tax collector

Motto:
"Yeah, I'm the taxman
And you're working for no one but me" (The Beatles, Taxman, Revolver)

"Bitte, Danke und Verzeihung wandern auf die Liste der bedrohten Wörter!"

Antworten