Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung?

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veul
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Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung?

Beitrag von veul » 04.04.19, 19:14

Hallo,
zum teilweisen Home Office finden sich leider widersprüchliche Angaben.

Ich würde mich somit über einige zielführende Antworten :D oder Links freuen:

Ein Arbeitgeber ermöglicht seinen Beschäftigten die Tätigkeiten in Homeoffice/Home Office auszuführen. Dabei ist eine vollständige Tätigkeit von zu Hause aus allerdings ausgeschlossen.

Der Arbeitnehmer überlegt nun 3 oder 4 Tage der 5-Tage-Arbeitswoche von zu Hause aus zu leisten. Die Einrichtung eines separaten Arbeitszimmers in der Wohnung ist möglich. Die Arbeiten zu Hause oder in der Firma sind vom Niveau identisch.
Der Arbeitgeber würde für die 1 bis 2 Tage allerdings weiter einen Büroplatz vorhalten, den ausschließlich der Arbeitnehmer nutzt .

Der überwiegende Teil der Arbeit würde von zu Hause anfallen. Der Arbeitsplatz zu Hause würde den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung darstellen. Oder??? Falls ja, müssten alle Kosten des Arbeitszimmers in voller Höhe abzugsfähig sein.
Es hängt somit am "Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung". Meinung der "Foristen"?

Mit Dank im Voraus für zielführende Antworten oder Links.

V.

hambre
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von hambre » 04.04.19, 20:28

Falls ja, müssten alle Kosten des Arbeitszimmers in voller Höhe abzugsfähig sein.
Nein, das Arbeitszimmer ist gar nicht absetzbar, da dem AN im Betrieb des AG ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung
Dort steht "gesamt" und nicht "überwiegend"

Hanomag
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von Hanomag » 04.04.19, 21:03

hambre hat geschrieben:Nein, das Arbeitszimmer ist gar nicht absetzbar, da dem AN im Betrieb des AG ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
Da ist der Herausgeber meine Steuerlektüre anderer Ansicht:
Steuertipps der Akadem. Arbeitsgemeinschaft hat geschrieben:Arbeiten Sie ausschließlich am Heimarbeitsplatz und steht Ihnen im Büro des Arbeitgebers kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, liegt hier der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit. Daher können Sie die Kosten Ihres Arbeitszimmers in einem solchen Fall im vollen Umfang als Werbungskosten abziehen.
Arbeiten Sie in gleicher Weise im häuslichen Arbeitszimmer und im Büro des Arbeitgebers, ist die zeitliche Komponente entscheidend. Verbringen Sie mehr Zeit im häuslichen Arbeitszimmer, befindet sich dort der Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit. Dann sind die Kosten voll abzugsfähig. Arbeiten Sie jedoch überwiegend im Büro. können Sie die Kosten Ihres häuslichen Arbeitszimmers nicht als Werbungskosten abziehen. Es sei denn, der Arbeitgeber verbietet es Ihnen, an Homeoffice-Tagen die Büroräume zu nutzen. Dann steht Ihnen effektiv für diese Tage kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Dann können die Kosten bis zum Höchstbetrag von 1.250,– € berücksichtigt werden.
Das gilt auch im Fall von Bereitschaftsdiensten, bei denen Sie Ihren ursprünglichen Arbeitsplatz nicht aufsuchen können. Müssen Sie beispielsweise am Wochenende für Ihren Arbeitgeber erreichbar sein und unter Umständen auf die betrieblichen Abläufe Einfluss nehmen können, haben aber keine Chance die Büroräume zu betreten, ist der beschränkte Abzug der Kosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer möglich (FG München vom 27.8.2016, 15 K 439/15).

veul
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von veul » 04.04.19, 21:22

Vielen Dank.

Auf BFH v. 23.05.2006 - VI R 21/03 BStBl 2006 II S. 600 ist also nicht zu verweisen?:
"Übt ein Steuerpflichtiger nur eine betriebliche oder berufliche Tätigkeit aus, die in qualitativer Hinsicht gleichwertig sowohl im häuslichen Arbeitszimmer als auch am außerhäuslichen Arbeitsort erbracht wird, so liegt der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung dann im häuslichen Arbeitszimmer, wenn der Steuerpflichtige mehr als die Hälfte der Arbeitszeit im häuslichen Arbeitszimmer tätig wird (>BFH-Urteil vom 23. Mai 2006 – VI R 21/03 –, BStBl 2006 II S. 600)."

"Im Streitfall wurde durch Einrichtung eines Telearbeitsplatzes —unter gleichzeitiger Reduzierung betrieblicher Büroflächen und Schreibtische— der betriebliche Arbeitsplatz zeitweise örtlich ausgelagert bzw. das betriebliche Büro ersetzt. Werden in einem solchen Falle gleichartige und damit in qualitativer Hinsicht gleichwertige Arbeitsleistungen (alternierend) an drei Tagen an einem häuslichen Arbeitsplatz und an zwei Tagen im Betrieb des Arbeitgebers erbracht, so kann sich der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung nur im häuslichen Arbeitszimmer befinden. Angesichts dieser qualitativen Wertung kommt —entgegen der Auffassung des FA— die Abzugsbeschränkung nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 Halbsatz 1 EStG, die sich nur an quantitativen Merkmalen (mehr als 50 v.H. der Gesamttätigkeit) orientiert, nicht zur Anwendung."

Edit:
Da war der Vorschreiber schneller :D

windalf
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von windalf » 05.04.19, 07:45

Nein, das Arbeitszimmer ist gar nicht absetzbar, da dem AN im Betrieb des AG ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
Ich erweitere denn Fall mal noch wie folgt. (Arbeitnehmer verbringt nicht überwiegende Zeit im Home Office)

Es gibt x Arbeitnehmer und x-1 Büroplätze. Vergabemodalität ist, wer zuerst kommt sucht sich einen Platz aus. Die Arbeitnehmer stimmen sich ab, welcher Arbeitnehmer Homeoffice machen muss, wenn sonst alle kommen wollten/würden. Homeoffice wird aber eher selten gemacht. Meist wird im Büro gearbeitet...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von veul » 05.04.19, 08:31

Sorry, aber bitte eigenen Beitrag eröffnen. Das Thema ist (nach meiner Ansicht :D ) schon kompliziert genug.

https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/709970/
"Ein Poolarbeitsplatz, bei dem sich acht Großbetriebsprüfer drei Arbeitsplätze für die vor- und nachbereitenden Arbeiten der Prüfungen teilen, steht nicht als anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, wenn er zur Erledigung der Innendienstarbeiten nicht in dem erforderlichen Umfang genutzt werden kann(>BFH-Urteil vom 26. Februar 2014 – VI R 37/13 –, BStBl 2014 IIS. 570)."

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von TidoZett » 05.04.19, 13:35

Das häusliche Arbeitszimmer bildet auch dann den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung, wenn ein Arbeitnehmer wöchentlich an 3 Tagen im Home-Office und an 2 Tagen im Betrieb seines Arbeitgebers tätig ist. Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitnehmer im Home-Office in qualitativer Hinsicht eine gleichwertige Arbeitsleistung erbringt. Der Arbeitnehmer kann dann seine Arbeitszimmerkosten in voller Höhe absetzen. Das gilt auch dann, wenn ihm ein anderer Arbeitsplatz im Betrieb zur Verfügung steht. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Heimarbeitsplatz nicht der Mittelpunkt sein kann, wenn die Arbeiten im Betrieb qualitativ höherwertig sind.

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von Hanomag » 06.04.19, 10:30

TidoZett hat geschrieben: Das gilt auch dann, wenn ihm ein anderer Arbeitsplatz im Betrieb zur Verfügung steht. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Heimarbeitsplatz nicht der Mittelpunkt sein kann, wenn die Arbeiten im Betrieb qualitativ höherwertig sind.
Müsste aber dennoch den Abzug von max. 1.250 € erlauben, zumindest dann, wenn er an den Home-Office-Arbeitstagen nicht ins Büro kann.

windalf
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von windalf » 06.04.19, 20:35

Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitnehmer im Home-Office in qualitativer Hinsicht eine gleichwertige Arbeitsleistung erbringt
Wie darf man sich die Prüfung dieses Punktes in der Praxis vorstellen?
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

veul
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von veul » 07.04.19, 12:55

windalf hat geschrieben:
Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitnehmer im Home-Office in qualitativer Hinsicht eine gleichwertige Arbeitsleistung erbringt
Wie darf man sich die Prüfung dieses Punktes in der Praxis vorstellen?
In der Regel wird es zum HO ja eine Vereinbarung zwischen AG und VN oder eine Betriebsvereinbarung geben. Da könnte z.B. drin stehen, dass nur "vorbereitende Tätigkeiten"/Nebentätigkeiten/untergeordnete Tätigkeiten in HO erfolgen.

Steht in der Vereinbarung aber z.B., dass die Arbeit des AN (zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie) "auch" in HO erfolgen kann, dürfte das "auch" immer eine Gleichwertigkeit suggerieren. Der AG überlässt es dem AN, wo diese Tätigkeit ausführt wird. Der AG differenziert somit nicht zwischen verschiedenen "Arbeitsarten" (untergeordnete T./Haupttätigkeit).

Nutzt der AN z.B. in der Firma entsprechende EDV-Technik und stellt der AG für HO ebenfalls derartige Technik, dürfte das (für mich als logisch denkenden Menschen) auch auf eine Gleichwertigkeit hinweisen. Denn nur mit dieser Technik kann er dann ja gleichwertige Arbeit leisten.

Da sich Angaben aus den Vereinbarungen ergeben können, dürften die wohl als erstes angefordert werden. Hinterfragungen zu benötigten Arbeitsmitteln und ob diese im HO zur Verfügung stehen, wären für mich dann der logische nächste Schritt.

MfG

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von windalf » 08.04.19, 07:34

Steht in der Vereinbarung aber z.B., dass die Arbeit des AN (zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie) "auch" in HO erfolgen kann, dürfte das "auch" immer eine Gleichwertigkeit suggerieren. Der AG überlässt es dem AN, wo diese Tätigkeit ausführt wird. Der AG differenziert somit nicht zwischen verschiedenen "Arbeitsarten" (untergeordnete T./Haupttätigkeit).
Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass in qualitativer Hinsicht eine gleichwertige Arbeitsleistung erbracht wird. Ob das so ist hängt auch stark davon ab, was man so gerade macht. Wenn ich in Ruhe programmieren muss mach ich das immer von zu Hause. Warum? Weil ich da drei 4k Monitore hängen habe und damit in der Lage bin eine qualitativ höhere Arbeitsleistung zu erbringen als wenn ich das aus dem Büro machen würde. Brauche ich Abstimmung mit den Kollegen ist auch jedes Desktop-Sharing-Tool immer schlechter als direkt nebeneinander zu sitzen...
Denn nur mit dieser Technik kann er dann ja gleichwertige Arbeit leisten.
Sorry das ist Blödsinn. Die Arbeit ist nie gleichwertig ob man die im Home Office erbringt oder im Büro. Das ist immer ein bisschen anders...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von Zafilutsche » 08.04.19, 09:02

Wie ist das eigentlich beim HO mit den zahlreichen anderen Faktoren geregelt?
Arbeitszeit, Ergonomie (Bürostühle, Helligkeit/Beleuchtungsstärke, Raumtemperatur, …)?
Kommt da auch mal ein Betriebsarzt/Auditor u.ä. Personenkreise im HO vorbei?
Darf ich als "Privatperson" den Hauseigenen Netzanschluß z.B. für ein Firmeneigenen "VPN" Tunnel nutzen?
Kann das überhaupt alles ohne Gesetzesübertretungen funktionieren?
So angenehm es vielleicht für den AN zu sein scheint, aber so ein paar (auch nicht zuletzt Steuerrechtliche) Fragen bleiben mir
noch. :oops:

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von windalf » 08.04.19, 10:31

Wie ist das eigentlich beim HO mit den zahlreichen anderen Faktoren geregelt?
Arbeitszeit, Ergonomie (Bürostühle, Helligkeit/Beleuchtungsstärke, Raumtemperatur, …)?
Wenn man sich als Firma geschickt anstellt, erlaubt man einfach mobiles Arbeiten. Was der Arbeitnehmer dann damit macht liegt dann bei ihm. Sonst hat man nämlich genau den Mist an der Backe dafür sorgen zu müssen, dass der AN auch zu Hause entsprechend vernünftig eingerichtet ist...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von Zafilutsche » 08.04.19, 10:41

windalf hat geschrieben: Wenn man sich als Firma geschickt anstellt, erlaubt man einfach mobiles Arbeiten. Was der Arbeitnehmer dann damit macht liegt dann bei ihm.
Hm- der AN wird dann einem "Selbstständigen" gleichgestellt? So einfach ist der Unternehmer also raus aus der Verantwortung!
Geniale Idee!

windalf
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von windalf » 08.04.19, 10:52

Hm- der AN wird dann einem "Selbstständigen" gleichgestellt? So einfach ist der Unternehmer also raus aus der Verantwortung!
Geniale Idee!
Wiso gleichgestellt? Der Arbeitgeber erlaubt einfach nur die Option mobiles Arbeiten. Der Arbeitnehmer muss die ja nicht nutzen und kann auch ins Büro fahren, wenn ihm das lieber ist...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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