Semesterbeitrag als Verlustvortrag

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Lars-Daniel
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Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von Lars-Daniel » 07.04.19, 20:49

Hallo zusammen!

Ich sitze derzeit noch an meiner Steuererklärung für 2017. Ich bin Masterstudent und aufgrund meines hohen Alters freiwillig krankenversichert. Ich hatte 2017 Einnahmen aus nicht-selbstständiger Arbeit in Höhe von 6.553 Euro Brutto und 2.000 Euro aus meinem Gewerbe. Zusammen mit den Zahlungen an die Krankenkasse bin ich also im Steuerfreibetrag. Da ich eine Fortbildung im Rahmen eines Masterstudiengangs aufgenommen habe, würde ich die Studiengebühren und Exkursionskosten (Pflichtexkursion) gerne als Verlustvortrag verbuchen.

Doch dazu habe ich eine Frage:
Unsere Uni weist die Beiträge für das Studentenwerk, den AStA und das Semesterticket getrennt aus. Da sich die Semestergrenzen nicht mit den Jahresgrenzen decken, habe ich die Gebühren taggenau aufs Jahr (2017 hatte 365 Tage) umgerechnet:
  • 90 Tage im Wintersemester 2016/2017 (bis 31.03.2017),
  • 183 Tage im Sommersemester 2017 (01.04.2017–30.09.2017),
  • 92 Tage im Wintersemester 2017/2018 (ab 01.01.2017).
Das ergibt dann als Beträge:
  • Studentenwerkanteil: 210 Euro
  • AStA: 28,40 Euro
  • Semesterticket: 200,54 Euro
  • Summe: 438.94 Euro
  • nur Studentenwerkanteil + AStA = 238,40 Euro
Kann ich das Semesterticket wohl voll zu den Ausbildungkosten packen? Sonst wären es ja Fahrten zur Ausbildungsstätte. Da ich leider kein Fahrtenbuch zur Uni führe, kann ich nur schwer nachweisen, wie oft ich zur Uni und zur Bibliothek gefahren bin. Fahrstrecke pro Richtung wären 25 km (ich nutze allerdings den ÖPNV).

Vermutlich zuckt der Sachbearbeiter eh mit den Achseln oder er guckt genau hin, weil ich so spät dran bin.

Beste Grüße
Lars-Daniel

muggl
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von muggl » 07.04.19, 21:03

Verlustvortrag gibt's nur bei negativem zu versteuerndem Einkommen. Das ist nach Sachverhaltsschilderung nicht zu erwarten.

Lars-Daniel
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von Lars-Daniel » 07.04.19, 21:31

muggl hat geschrieben:Verlustvortrag gibt's nur bei negativem zu versteuerndem Einkommen. Das ist nach Sachverhaltsschilderung nicht zu erwarten.
Ach, ich dachte, das wird trotzdem irgendwie vermerkt? Es wird doch Studierenden immer dazu geraten, eine Steuererklärung selbst dann abzugeben, wenn man nur einen geringfügig bezahlten Job hat. Ist das also alles Schmu?

SusanneBerlin
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von SusanneBerlin » 07.04.19, 21:58

Wenn Sie ein Gewerbe betreiben, sind Sie doch ohnehin verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen.

Macht man die Steuererklärung freiwillig, kann sich eine Rückzahlung oder ein Verlustvortrag ergeben.

Nachteilig ist es also in keinem Fall, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben. Kein Schmu.
Grüße, Susanne

Lars-Daniel
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von Lars-Daniel » 07.04.19, 22:28

SusanneBerlin hat geschrieben:Wenn Sie ein Gewerbe betreiben, sind Sie doch ohnehin verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen.
Ja, natürlich. Nur normalerweise habe ich die Semestergebühren immer weggelassen, weil ich weit im Steuerfreibetrag war. Hat mir ja quasi nix gebracht.
SusanneBerlin hat geschrieben:Macht man die Steuererklärung freiwillig, kann sich eine Rückzahlung oder ein Verlustvortrag ergeben.
Habe ich bei der Formulierung vielleicht Verlustfeststellung und Verlustvortrag verwechselt?
SusanneBerlin hat geschrieben:Nachteilig ist es also in keinem Fall, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben. Kein Schmu.
Dann bleibt die ursprüngliche Frage jedoch bestehen, ob das Semesterticket wohl zu den Ausbildungsgebühren zählt. Natürlich nutze ich es auch privat (es ist ausdrücklich dafür zugelassen), jedoch ist es ein Pflichtbeitrag, den man zum Studium leisten muss (Mischkalkulation und Mengenrabatt).

muggl
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von muggl » 08.04.19, 21:24

Eine Verlustfeststellung ist ein Vortrag in das nächste Jahr. Angenommen ihre Einkünfte betragen 8000 Euro. Durch die Ausgaben von Studium ziehen wir davon einfach mal tausend Euro ab. Ergibt noch keine negative Summe. Ergo: Kein Verlust und kein Verlustvortrag. Anders würde das aussehen, wenn sie selbst nichts verdienen neben dem Studium.

Lars-Daniel
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von Lars-Daniel » 09.04.19, 05:32

muggl hat geschrieben:Anders würde das aussehen, wenn sie selbst nichts verdienen neben dem Studium.
MIt anderen Worten: Wenn das Kind reiche Eltern hat, welche das Studium finanzieren und die Wohnung zahlen (oder das Gör noch zuhause wohnt und Kindergeld bis zum Masterabschluss kassiert wird), muss das Kind nicht neben dem Studium arbeiten. Schenkungen von Eltern sind bis 400.000 Euro steuerfrei. Geil ... und alle anderen zahlen drauf.

Es ist also doch Schmu, von dem nur Reiche etwas haben.

muggl
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von muggl » 09.04.19, 06:05

Lars-Daniel hat geschrieben:
muggl hat geschrieben:Anders würde das aussehen, wenn sie selbst nichts verdienen neben dem Studium.
MIt anderen Worten: Wenn das Kind reiche Eltern hat, welche das Studium finanzieren und die Wohnung zahlen (oder das Gör noch zuhause wohnt und Kindergeld bis zum Masterabschluss kassiert wird), muss das Kind nicht neben dem Studium arbeiten. Schenkungen von Eltern sind bis 400.000 Euro steuerfrei. Geil ... und alle anderen zahlen drauf.

Es ist also doch Schmu, von dem nur Reiche etwas haben.
Die Eltern zahlen darauf dann aber auch die entsprechende hohen Steuersätze.

Man hat die Möglichkeit 450 Euro Jobs zu machen oder zb anderweitig steuerfreie Erträge zu erzielen. Wenn sich dann ein negativer Betrag des zu versteuerndem Einkommens ergibt, wäre der Verlust auf Antrag vorzutragen.

SusanneBerlin
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von SusanneBerlin » 09.04.19, 06:50

Lars-Daniel hat geschrieben:
muggl hat geschrieben:Anders würde das aussehen, wenn sie selbst nichts verdienen neben dem Studium.
MIt anderen Worten: Wenn das Kind reiche Eltern hat, welche das Studium finanzieren und die Wohnung zahlen (oder das Gör noch zuhause wohnt und Kindergeld bis zum Masterabschluss kassiert wird), muss das Kind nicht neben dem Studium arbeiten. Schenkungen von Eltern sind bis 400.000 Euro steuerfrei. Geil ... und alle anderen zahlen drauf.

Es ist also doch Schmu, von dem nur Reiche etwas haben.
Die Zahlungen der Eltern an ihre studierenden Kinder sind nicht deswegen steuerfrei für die Kinder weil sie unter dem Schenkungssteuerfreibetrag liegen, sondern weil es Unterhaltszahlungen sind.

Dieses Geld muss auch irgendwo herkommen, ergo zahlt der Elternteil, der seinem Kind das Studium finanziert, für die 1000€ die er seinem Kind monatlich überweist, meistens einen weitaus höheren Einkommensteuersatz als das Kind durch den Verlustvortrag an Steuern einsparen kann. Der Staat verdient also an "den Reichen" weitaus mehr als er den "armen" Studenten, die ihr Studium selbst finanzieren an Steuern abnimmt.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von winterspaziergang » 09.04.19, 06:53

Um den Eindruck des benachteiligt seins, etwas zu mildern ...
Lars-Daniel hat geschrieben: MIt anderen Worten: Wenn das Kind reiche Eltern hat, welche das Studium finanzieren und die Wohnung zahlen
dann haben die Eltern damit auch Ausgaben, nebst ihrem Steueraufkommen, das deutlich höher ist
(oder das Gör noch zuhause wohnt und Kindergeld bis zum Masterabschluss kassiert wird)
,
:roll: Kindergeld ist eine Steuerrückzahlung/Freistellung in Höhe des Existenzminimums des Kindes.
Wer keine oder kaum Steuern zahlt, erhält das sozusagen als Geschenk, aber dann kann man auch nicht von den "Reichen" und "Gören" reden. Wenn das Kind diese Bedingung erfüllt
Ich bin Masterstudent und aufgrund meines hohen Alters freiwillig krankenversichert
gibt es kein "Kindergeld" mehr.
muss das Kind nicht neben dem Studium arbeiten. Schenkungen von Eltern sind bis 400.000 Euro steuerfrei.

genau! das trifft ja auf die meisten Studenten heutzutage auch zu, dass sie regelmäßig bis zu 400 000 euro Geldzuwendung von ihren Eltern erhalten :ironie:
Geil ... und alle anderen zahlen drauf.
kein Grund sich zu beklagen. Bei
Einnahmen aus nicht-selbstständiger Arbeit in Höhe von 6.553 Euro Brutto und 2.000 Euro ,
zahlt man gewiss nicht die Einkommenssteuern, um sich darüber zu beklagen, anderer Leute Leben zu finanzieren
Es ist also doch Schmu, von dem nur Reiche etwas haben
Es gibt zwischen Arm und Reich, also Eltern, die nichts haben oder einfach mal so bis zu 400 000 Euro aus der Portokasse verschenken können, jede Menge weiterer Steuerzahler, die durchaus was davon haben, weil sie ein entsprechendes Steueraufkommen haben

Lars-Daniel
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von Lars-Daniel » 09.04.19, 23:53

Danke für eure Rückantworten. Ihr werdet lachen, wie viele meiner Kommilitonen noch u25 hier im Master sind. Die haben direkt zum 18. Geburtstag ein Auto bekommen, die Eltern zahlen Miete, Krankenkasse und überweisen das Kindergeld an der Kinder. Einige können sogar trotzdem noch mit BAföG etwas aufstocken, was die Eltern aber nicht wollen und dann den Betrag selbst aufbringen. Dank des Semestertickets hier in NRW ist jedoch deutlich zu beobachten, dass sehr viele Studierenden inzwischen lieber pendeln und zuhause wohnen bleiben (dazu gab es kürzlich eine nicht repräsentative Untersuchung einiger Verkehrsunternehmen).

Sorry, aber irgendwie scheine ich auf dem Schlauch zu stehen. Ich gucke mir mal meine ESt. von 2016 an:
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb: + 1350 Euro
  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit: + 4791 Euro
  • Arbeitnehmer-Pauschbetrag: - 1.000 Euro
  • Summe der Einkünfte: 5.321 Euro
  • Sonderausgaben (inkl. Krankenkasse): -2.100 Euro
  • unbechränkt abziehbare Sonderausgaben: -36 Euro
  • zu versteuerndes Einkommen: 3.185 Euro
Ergibt: 0 Euro Einkommensteuer, 0 Euro Solidaritätszuschlag

Wie soll denn ein Student jemals da mit einem 450 Euro Job eine negative Summe hinbekommen? 450 * 12 = 5.400 Euro. Normale Studenten außerhalb der Familienkasse zahlen 924 Euro im Jahr für die studentische Krankenkasse. Selbst dann ist man noch bei fast 4.500 Euro.

Und ja, von den 400 Euro im Monat habe ich Miete, Verpflegung und alles andere 2016 selbst gestemmt. Aus 2012-2015 hatte ich noch Guthaben, um die Krankenkasse zu bezahlen.

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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von muggl » 10.04.19, 05:23

Ein pauschal besteurtes Arbeitsverhältnis ist in der Steuererklärung nicht anzugeben. Anders würde es aussehen, wenn das Arbeitsverhältnis über Lohnsteuerkarte abgerechnet wird.

Vielleicht sollten Sie sich im Leben darauf konzentrieren, was Sie haben und erreichen können und von der "die Wiese bei denen ist grüner".

Mal ganz davon abgesehn würde der Verlustvortrag nicht nur für Studenten erfunden, die Mama und Papa auf der Tasche liegen.

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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von ktown » 10.04.19, 06:02

muggl hat geschrieben:Ein pauschal besteurtes Arbeitsverhältnis ist in der Steuererklärung nicht anzugeben.
Wo sehen sie hier solche Einkünfte?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

SusanneBerlin
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von SusanneBerlin » 10.04.19, 06:18

ktown hat geschrieben:
muggl hat geschrieben:Ein pauschal besteurtes Arbeitsverhältnis ist in der Steuererklärung nicht anzugeben.
Wo sehen sie hier solche Einkünfte?
Sie können wieder mal nicht folgen....

Der TE hat kein pauschal besteuertes Arbeitsverhältnis (=450€-Job). Er bekommt keinen Verlustvortrag hin, weil seine zu versteuerndes Einkommen höher ist als was er von der Steuer absetzen kann.

Der TE fragte:
Wie soll denn ein Student jemals da mit einem 450 Euro Job eine negative Summe hinbekommen?
Und muggl antwortete:
Ein pauschal besteurtes Arbeitsverhältnis ist in der Steuererklärung nicht anzugeben.
Grüße, Susanne

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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von ktown » 10.04.19, 06:24

:oops: Noch früh am Morgen. Hab die Aussage von muggl auf die Aufstellung bezogen. Sorry.
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