Semesterbeitrag als Verlustvortrag

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bavarian tax collector
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von bavarian tax collector » 10.04.19, 15:28

Lars-Daniel hat geschrieben:Wie soll denn ein Student jemals da mit einem 450 Euro Job eine negative Summe hinbekommen? 450 * 12 = 5.400 Euro. Normale Studenten außerhalb der Familienkasse zahlen 924 Euro im Jahr für die studentische Krankenkasse. Selbst dann ist man noch bei fast 4.500 Euro.
Ihr Problem ist nicht das sie Einkünfte haben, sondern wie sie diese erzielt haben!

Ein klassischer Minijob nach SGB IV mit 450 € im Monat wird vom Arbeitgeber pauschal versteuert und auch pauschale SozVers abgeführt. Für den Arbeitnehmer stellen diese Zahlungen keine Einkünfte im Sinne der ESt dar!

Sprich
- Einnahme 0 €
- Ausgaben Studiengebühren, Fahrten Wohnung-Uni mit 0,30 € je Entfernungs-km, ggf. Fachliteratur, etc.
- ergibt Einkünfte im Sinne §19 EStG minus x €!

Erzielt man natürlich wie sie "reguläre" Einkünfte im Sinne §19 EStG und zusätzlich noch gewerbliche Einkünfte, dann gehen diese Ausgaben im Normlfall im Grundfreibetrag unter!

@SusanneBerlin und @muggl:
Für einen Verlustvortrag braucht man einen negativen Gesamtbetrag der Einkünfte! Ein negatives zu versteuerndes Einkommen führt nicht zwangsläufig zu einem Verlustvortrag!

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SusanneBerlin
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von SusanneBerlin » 10.04.19, 15:32

Lars-Daniel hat geschrieben: Man muss also so wenig verdienen, dass man sich verschuldet... das dürfte nur einen Bruchteil der Studierenden betreffen.
Ich hab weiter oben noch an meinem Beitrag gebastelt (geändert) als Sie schon geantwortet hatten, da ist das wahrscheinlich untergegangen:

Beispiel Bafög-Empfänger, gut die haben nach dem Studium 10.000€ Schulden und diese Schulden wirken sich übrigens nicht auf die zu zahlende Einkommensteuer aus.

Beispiel Eltern-Gesponsorte Studenten.

Beispiel pauschalversteuerter 450-Euro-Job.

Dazu kämen noch Stipendiaten aber die sind in Deutschland noch seltener.

Tatsächlich sind m.E. diejenigen Studenten, die mit einem Verlustvortrag aus dem Studium raukommen, in der Minderzahl. Genau das ist doch mein Reden: es wirkt sich bei den wenigsten Studenten steuerlich aus, dass studieren Geld kostet. Bislang ist es so, dass sich die Kosten des Studiums nur absetzen lassen, wenn es sich um eine Zweitausbildung handelt (z.B. Zweitstudium, aufgesatteltes Masterstudium nach Bachelorabschluss und Studium nach abgeschlossener Berufsausbildung). Das Erststudium ist "Privatvergnügen" und kann nicht steuerlich abgesetzt werden.
bavarian tax collector hat geschrieben:@SusanneBerlin und @muggl:
Für einen Verlustvortrag braucht man einen negativen Gesamtbetrag der Einkünfte! Ein negatives zu versteuerndes Einkommen führt nicht zwangsläufig zu einem Verlustvortrag!
Okay.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 10.04.19, 15:58, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

Lars-Daniel
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von Lars-Daniel » 10.04.19, 15:58

@bavarian tax collector: Vielen Dank. Also muss ich die Semestergebühren gar nicht angeben, hat ja keinen Sinn.

@SusanneBerlin: Vielen Dank. Das meinte ich übrigens mit "Schmu". Ich vielen Studierendenzeitungen wird gesagt, man solle auf jeden Fall immer eine Steuererklärung abgeben, um die Vorteile geltend zu machen. Aber davon hat halt nicht jeder was.

Gut, dann habe ich die Bescheinigungen von der Uni umsonst besorgt...

SusanneBerlin
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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von SusanneBerlin » 10.04.19, 16:44

Lars-Daniel hat geschrieben:Das meinte ich übrigens mit "Schmu". Ich vielen Studierendenzeitungen wird gesagt, man solle auf jeden Fall immer eine Steuererklärung abgeben, um die Vorteile geltend zu machen. Aber davon hat halt nicht jeder was.
Was stand denn da genau, hast du auch genau hingesehen und alle gegebenen Informationen gelesen? Vorteile hat es meistens, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben, aus diesem Grund ist diese allgemeine Info meistens nützlich für fast alle Studenten, das schrieb ich dir bereits in meiner ersten Antwort und du hast immer noch nicht präzisiert was diese Zeitungen falsches schreiben.

Ich habe gerade die Probe aufs Exempel gemacht bei den ersten 8 Suchergebnissen einer Suchmaschine mit "Steuervorteil Studium". Auf 5 der Infoseiten befand sich der Hinweis, dass ein Verlustvortrag nur bei keinem (oder allenfalls geringen) Einkommen möglich ist, bei einer Seite fehlte diese Info (man sollte sich registrieren und nach Registrierung wäre die Nutzung eines Steuerrechners möglich) und auf 2 Seiten ging es um berufsbegleitendes Studium, da wurde kein Verlustvortrag erwähnt.
Grüße, Susanne

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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von muggl » 10.04.19, 18:08

Nix passiert. :)

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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von Evariste » 10.04.19, 20:24

Lars-Daniel hat geschrieben: Die Krankenkasse macht es aber genauso? Deren Jahr endet anscheinend im November, für Dezember wird ein Monatsbetrag angegeben und dann der Gesamtbetrag bis zum kommenden November.
Wenn SIe erklären, was Sie meinen - ich kann hier kein "genauso" erkennen?

Generell gelten für die Sozialversicherung aber andere Regeln, sogar für die Versteuerung - z. B. wird Krankengeld, das Anfang Januar für Dezember gezahlt wird, zu den steuerfreien Einkünften des Vorjahres dazugerechnet (Stichwort "Progressionsvorbehalt").

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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von bavarian tax collector » 11.04.19, 12:56

SusanneBerlin hat geschrieben:bei keinem (oder allenfalls geringen) Einkommen möglich ist,
Geh doch mal davon aus, dass @Lars-Daniel davon ausgegangen ist, dass sein geringes Einkommen hierfür "ausreicht"!
Lars-Daniel hat geschrieben:[*]zu versteuerndes Einkommen: 3.185 Euro[/list]
Ergibt: 0 Euro Einkommensteuer, 0 Euro Solidaritätszuschlag
Außerdem verkauft sich wie gesagt eine Zeitung mit Schlagzeile "Steuern sparen für Studenten leicht gemacht!" besser, als mit der Schlagzeile "Steuersparen im Studium funktioniert fast nie!"!

Außerdem haben die entsprechenden Redakteure zumeist vom Steuerrecht nur rudimentäre Ahnung, was man bereits an der Wortwahl ...
SusanneBerlin hat geschrieben:... dass ein Verlustvortrag nur bei keinem (oder allenfalls geringen) Einkommen...
... erkennen kann, den da hat wohl jemand die §§2 und 10d EStG nicht gelesen oder verstanden!

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Re: Semesterbeitrag als Verlustvortrag

Beitrag von bavarian tax collector » 11.04.19, 13:05

Evariste hat geschrieben:Generell gelten für die Sozialversicherung aber andere Regeln, sogar für die Versteuerung - z. B. wird Krankengeld, das Anfang Januar für Dezember gezahlt wird, zu den steuerfreien Einkünften des Vorjahres dazugerechnet (Stichwort "Progressionsvorbehalt").
Nein, grade eben für die Versteuerung nicht! Es handelt sich beim Krankengeld um eine Lohnersatzleistung, die daher natürlich auch dem Zuflussprinzip für Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit folgt, §§11 Abs.1 Satz 4 i.V.m. 38 Abs.1 Satz 2 u. 3 EStG.

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