Kinderfreibetrag streichen

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windalf
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von windalf » 16.06.19, 21:51

Verfassungswidrig ist hier allenfalls die Tatsache, dass nicht das Existenzminimum, sondern ein Betrag in Höhe des Existenzminimums von der Spitze des zvE abgezogen wird. Und das führt dazu, dass Spitzenverdiener sich mit dem Kinderfreibetrag besser stellen können, als mit dem Kindergeld. Das BVerfG hat eindeutig vom steuerfreien Existenzminimum gesprochen. Dieses ist nicht an der Einkommensspitze, sondern im unteren Bereich des Einkommens zu finden. Deshalb sollte m. E. bei allen Steuerzahlern die sogenannte Nullzone mit dem Grundfreibetrag einen Kinderfreibetrag, der dem Kind einen angemessenen Unterhalt sichert, erhöht werden. Dies würde allen Steuerzahlern mit gleicher Kinderzahl eine gleich hohe Entlastung bringen. Eltern, die über kein steuerpflichtiges Einkommen verfügen, müsste zur Gleichstellung im Gegenzug ein Kindergeld in Höhe dieser Steuerentlastung zufließen.
Es steht ja jedem frei selbst Spitzenverdiener zu werden um in den Genuß der maximalen Steuerersparnis zu kommen...
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Hanomag
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Hanomag » 17.06.19, 22:54

Evariste hat geschrieben:
15.06.19, 23:20
Nun ja, vor ein paar Jahren hatten ca. 150 Kollegen in unserer Firma mit diesem "unrealisitischen Sondereffekt" zu tun.
Wenn schon, dann hauptsächlich Kolleginnen. Und wenn die dann Abfindungen in sechsstelliger Höhe bekommen, dann haben sie so einen "unrealistischen Sondereffekt" nicht verdient. Zumal dieser Sondereffekt sicher nicht im Sinne des Gesetzgebers ist. Danach sollte mit der Fünftelregelung eigentlich nur die Progression abgemildert werden und nicht die ganze Abfindung steuerfrei gestellt werden.
Evariste hat geschrieben:
15.06.19, 23:20
Die Abschaffung des Kinderfreibetrags würde in vielen Fällen eine massiv stärkerer Besteuerung von Abfindungen bedeuten.
Ich will ihn ja nicht abschaffen, sondern zum einen erhöhen und zum anderen in die Nullzone der Steuertabelle verschieben. Dadurch würde sich an dem "unrealistischen Sondereffekt" nicht einmal etwas ändern. Mit der Abschaffung der Kinderfreibeträge könnte man diesen "unrealistischen Sondereffekt" tatsächlich aufheben, denn eine massiv stärkere Besteuerung wäre in diesem Fall sicher nicht ganz verkehrt.
Evariste hat geschrieben:
15.06.19, 23:20
Hanomag hat geschrieben:
15.06.19, 14:35
Verfassungswidrig ist hier allenfalls die Tatsache, dass nicht das Existenzminimum, sondern ein Betrag in Höhe des Existenzminimums von der Spitze des zvE abgezogen wird. Und das führt dazu, dass Spitzenverdiener sich mit dem Kinderfreibetrag besser stellen können, als mit dem Kindergeld. Das BVerfG hat eindeutig vom steuerfreien Existenzminimum gesprochen. Dieses ist nicht an der Einkommensspitze, sondern im unteren Bereich des Einkommens zu finden. Deshalb sollte m. E. bei allen Steuerzahlern die sogenannte Nullzone mit dem Grundfreibetrag einen Kinderfreibetrag, der dem Kind einen angemessenen Unterhalt sichert, erhöht werden. Dies würde allen Steuerzahlern mit gleicher Kinderzahl eine gleich hohe Entlastung bringen.
Ich habe das jetzt 3mal durchgelesen, ob ich irgendwas missverstehe... Die Nullzone ist nur eine Rechenvorschrift. Ob man nun die Rechenvorschrift so ändert, dass der Kinderfreibetrag mit eingerechnet wird, oder ob man den Kinderfreibetrag vom zu versteuernden Einkommen abzieht, macht im Ergebnis keinen Unterschied, solange man die Progression nicht antastet. Stets wird der "Besserverdienende" die größere Steuerersparnis haben.
Drei mal gelesen und doch nicht verstanden? Bei der Erweiterung der Nullzone um die Kinderfreibeträge hätte jeder *) je Kind die gleiche Entlastung. Natürlich würde aufgrund der Progression die Entlastung je Kind ansteigen, was aber im Sinne der Kindergeldgesetzgebung wäre, weil man heute schon Familien mit mehreren Kindern stärker fördert (Staffelung des Kindergeldes). Zusätzlich *) würden Alleinstehende je Kind über den Grundtarif stärker entlastet als Verheiratete über den Splittingtarif. Auch das wäre im Sinne des Gesetzgebers.
Evariste hat geschrieben:
15.06.19, 23:20
Wenn man das nicht will, muss man halt die Progression abschaffen. (Damit wäre dann auch die ewige DIskussion um das Ehegattensplitting gegenstandslos.)
Das wäre die einfachste Lösung und eine immense Steuervereinfachung. Dann müsste man nicht dem Umweg "Steuerfreistellung des Existensminimums" nehmen und könnte gleich je Kind ein hohes Kindergeld auszahlen.
Evariste hat geschrieben:
15.06.19, 23:20
Hanomag hat geschrieben:
15.06.19, 14:35
Das leuchtet mir jetzt nicht ein. Eine Erhöhung des Kindergrundfreibetrags, der weiterhin die Spitze des zvE mindert, würde die Spitzenverdiener doppelt begünstigen. Mit dem jetzigen Kinderfreibetrag sparen sie bereits 42 % + KSt + Soli und nach Erhöhung des Spitzensteuersatzes zurück auf die früher geltenden 53 % wären es dann schon 53% + KSt + Soli. Und dann soll ein erhöhter Kinderfreibetrag ihnen noch mehr Steuervergünstigung zubilligen?
Gemeint war, dass die Kindergrundsicherung angepasst werden muss. Sie darf nicht niedriger ausfallen, als das, was die Spitzenverdiener durch den Kinderfreibetrag sparen würden. Im Übrigen übersehen Sie, dass der erhöhte "Steuervergünstigung" zunächst einmal eine kräftige Steuererhöhung für die Betroffenen gegenübersteht.
Und Du übersiehst, dass diese kräftige Steuererhöhung nur ein Zurückdrehen der von rotgrün unter Schröder geschaffenen Absenkung auf 42 % wäre. Besserverdienende über sehen gerne mal, dass Schröder ihr größter Heilsbringer war.

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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Hanomag » 17.06.19, 23:00

windalf hat geschrieben:
16.06.19, 21:51
Es steht ja jedem frei selbst Spitzenverdiener zu werden um in den Genuß der maximalen Steuerersparnis zu kommen...
Ich glaube hier verwechselst Du etwas. Spitzenverdiener kommen in den Genuss der maximalen Steuerbelastung. Nur deshalb können sie nach heutigem Recht mit ihren Kindern mehr Steuern sparen, als Kleinverdiener.

Evariste
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Evariste » 18.06.19, 00:02

Hanomag hat geschrieben:
17.06.19, 22:54
Und wenn die dann Abfindungen in sechsstelliger Höhe bekommen, dann haben sie so einen "unrealistischen Sondereffekt" nicht verdient. Zumal dieser Sondereffekt sicher nicht im Sinne des Gesetzgebers ist. Danach sollte mit der Fünftelregelung eigentlich nur die Progression abgemildert werden und nicht die ganze Abfindung steuerfrei gestellt werden.
Die völlige Steuerfreiheit tritt nur ein, wenn der Arbeitnehmer ansonsten keine oder sehr geringe Einkünfte hat. Und der Unterschied in der Besteuerung mit vs. ohne Kinderfreibetrag beginnt bei schon bei einem Abfindungsbetrag von 45.810 Euro, bzw. noch weniger, wenn in dem Jahr weitere Einkünfte angefallen sind, wie z. B. Arbeitslosengeld.
Hanomag hat geschrieben:
17.06.19, 22:54
Mit der Abschaffung der Kinderfreibeträge könnte man diesen "unrealistischen Sondereffekt" tatsächlich aufheben, denn eine massiv stärkere Besteuerung wäre in diesem Fall sicher nicht ganz verkehrt.
Wie meinen Sie das? Arbeitslosen ohne Kinder soll von ihrer Abfindung genausoviel bleiben wie Arbeitslosen mit Kindern? Oder beide sollten Ihre Abfindung ganz normal versteuern, wie laufenden Arbeitslohn?
Hanomag hat geschrieben:
17.06.19, 22:54
Drei mal gelesen und doch nicht verstanden? Bei der Erweiterung der Nullzone um die Kinderfreibeträge hätte jeder *) je Kind die gleiche Entlastung.
Das behaupten Sie, es stimmt aber nicht. Wenn die Steuerbetragsfunktion ab dem Ende der erweiterten Nullzone den gleichen Verlauf nimmt wie heute, dann kommt genau die gleiche Steuerentlastung heraus wie beim derzeitigen Modell, wo der Kinderfreibetrag von dem zu versteuernden Einkommen abgezogen wird. Rechen Sie es einfach mal durch.

windalf
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von windalf » 18.06.19, 09:30

Hanomag hat geschrieben:
17.06.19, 23:00
windalf hat geschrieben:
16.06.19, 21:51
Es steht ja jedem frei selbst Spitzenverdiener zu werden um in den Genuß der maximalen Steuerersparnis zu kommen...
Ich glaube hier verwechselst Du etwas. Spitzenverdiener kommen in den Genuss der maximalen Steuerbelastung. Nur deshalb können sie nach heutigem Recht mit ihren Kindern mehr Steuern sparen, als Kleinverdiener.
Ne dafür muss man nicht Spitzenverdiener sein. Es reicht schon ein Einkommen knapp über 50k zu haben um in den Genuss nahe der maximalen Steuerbelastung zu kommen
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Evariste
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Evariste » 18.06.19, 12:02

windalf hat geschrieben:
18.06.19, 09:30
Ne dafür muss man nicht Spitzenverdiener sein. Es reicht schon ein Einkommen knapp über 50k zu haben um in den Genuss nahe der maximalen Steuerbelastung zu kommen
Genauer gesagt, der "Eckwert", ab dem alle Einkünfte mit dem Spitzensteuersatz besteuert werden, liegt bei 55.961 Euro für Ledige. Zum Vergleich, in den 1990ern lag der Eckwert bei 120.042 DM. Das war damals viel Geld, heute sind die 55.000 Euro ein Facharbeitergehalt...

zimtrecht
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von zimtrecht » 18.06.19, 12:13

Hanomag hat geschrieben:
17.06.19, 23:00
windalf hat geschrieben:
16.06.19, 21:51
Es steht ja jedem frei selbst Spitzenverdiener zu werden um in den Genuß der maximalen Steuerersparnis zu kommen...
Ich glaube hier verwechselst Du etwas. Spitzenverdiener kommen in den Genuss der maximalen Steuerbelastung.
Dann dreht man das eben um: Es steht ja jedem selbst frei, Kleinverdiener zu werden, um in den Genuß der minimalen Steuerbelastung zu kommen.

Hanomag
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Hanomag » 18.06.19, 16:34

Evariste hat geschrieben:
18.06.19, 00:02
Hanomag hat geschrieben:
17.06.19, 22:54
Mit der Abschaffung der Kinderfreibeträge könnte man diesen "unrealistischen Sondereffekt" tatsächlich aufheben, denn eine massiv stärkere Besteuerung wäre in diesem Fall sicher nicht ganz verkehrt.
Wie meinen Sie das? Arbeitslosen ohne Kinder soll von ihrer Abfindung genausoviel bleiben wie Arbeitslosen mit Kindern? Oder beide sollten Ihre Abfindung ganz normal versteuern, wie laufenden Arbeitslohn?
Dass Kinderlose - abgesehen vom Soli und der KSt - genauso besteuert werden wie Kinderreiche, steht auf einem anderen Blatt und hat nichts mit der Fünftelregelung zu tun. Diese soll nur ein - bedingt durch die Abfindung - zu starkes Ansteigen der Steuerprogression abmildern. Bei den Kinderreichen wird die Steuerfreiheit bzw. eine Steuerminderung de facto über das Kindergeld abgesichert. Und wenn dann infolge Hartz4 so richtig Not aufkommt, dann bekommt der Kinderreiche auch entsprechend mehr als der Kinderlose.
Evariste hat geschrieben:
18.06.19, 00:02
Hanomag hat geschrieben:
17.06.19, 22:54
Drei mal gelesen und doch nicht verstanden? Bei der Erweiterung der Nullzone um die Kinderfreibeträge hätte jeder *) je Kind die gleiche Entlastung.
Das behaupten Sie, es stimmt aber nicht. Wenn die Steuerbetragsfunktion ab dem Ende der erweiterten Nullzone den gleichen Verlauf nimmt wie heute, dann kommt genau die gleiche Steuerentlastung heraus wie beim derzeitigen Modell, wo der Kinderfreibetrag von dem zu versteuernden Einkommen abgezogen wird. Rechen Sie es einfach mal durch.
Unsinn! Wenn heute ein Besserverdiener sein zvE in der Proportionalzone 1 von 128.000 € durch Kinderfreibeträge auf 112.000 € reduziert, dann spart er - ohne KSt und Soli - 6.720 € an Einkommensteuern, was einem monatlichem Kindergeld von 280 € je Kind gleichkommt. Reduziert dagegen der Facharbeiter in der Progressionszone 2 sein steuerpflichtiges Einkommen von 55.000 € durch Kinderfreibeträge auf 39.000 €, dann spart er - ohne KSt und Soli - 4.474 € an Einkommensteuern, was einem monatlichem Kindergeld von 186,42 € je Kind entspricht. Und reduziert der Geringverdiener in der Progressionszone 1 und 2 sein steuerpflichtiges Einkommen von 32.000 € durch Kinderfreibeträge auf 16.000 €, dann spart er - ohne KSt und Soli - 2.780€ an Einkommensteuern, was einem monatlichem Kindergeld von 115,83 € je Kind entspricht. Zum überprüfen der Zahlen bitte den Steuerrechner benutzen. Gerechnet wurde mit der für Verheiratete gültigen Splittingtabelle.

Also ich würde den Ehegattensplitting- durch einen Familiensplittingtarif ersetzen und diesen so gestalten, dass die Steuerentlassung pro Kind mindestens auf 300 € beträgt. Und zum Anreiz der Arbeitswilligkeit würde ich davon nur die Hälfte als Kindergeld auszahlen. Wer nichts verdient müsste sich mit der Hälfte begnügen oder Hartz4 beantragen.

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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Hanomag » 18.06.19, 16:41

Evariste hat geschrieben:
18.06.19, 12:02
Genauer gesagt, der "Eckwert", ab dem alle Einkünfte mit dem Spitzensteuersatz besteuert werden, liegt bei 55.961 Euro für Ledige. Zum Vergleich, in den 1990ern lag der Eckwert bei 120.042 DM. Das war damals viel Geld, heute sind die 55.000 Euro ein Facharbeitergehalt...
Damals gab es noch mehr Alleinverdiener. Aber nichts desto trotz habt ihr natürlich recht: Mich stört auch die Tatsache, dass die Steuerfreibeträge immer sehr zögerlich an die Inflation angepasst werden. Eine Anpassung der Progressionsstufen gar, wird dabei sogar noch als große Steuerreform verkauft. Sieht man die jährliche Anpassung der Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung, die den Arbeitnehmern jedes Jahr mehr Geld aus den Taschen ziehen, dann kann man erkennen, dass es auch anders geht.

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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Hanomag » 18.06.19, 16:44

zimtrecht hat geschrieben:
18.06.19, 12:13
Dann dreht man das eben um: Es steht ja jedem selbst frei, Kleinverdiener zu werden, um in den Genuß der minimalen Steuerbelastung zu kommen.
Das lässt sich in der Regel sehr auch viel leichter bewerkstelligen.

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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von windalf » 19.06.19, 07:29

Dann dreht man das eben um: Es steht ja jedem selbst frei, Kleinverdiener zu werden, um in den Genuß der minimalen Steuerbelastung zu kommen.
Genau. Ich mach das jetzt so. Ich gehe nur noch 2 Tage die Woche arbeiten und zahle dann deutlich weniger Steuern und Abgaben. Mein Chef findet das zwar Scheiße aber 2 Tage die Woche fand er besser als 0 Tage die Woche... Mehr arbeiten/verdienen gehe ich erst wieder wenn der Staat mich weniger schröpft.
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Evariste
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Evariste » 19.06.19, 08:43

Hanomag hat geschrieben:
18.06.19, 16:34
Evariste hat geschrieben:
18.06.19, 00:02
Wenn die Steuerbetragsfunktion ab dem Ende der erweiterten Nullzone den gleichen Verlauf nimmt wie heute, dann kommt genau die gleiche Steuerentlastung heraus wie beim derzeitigen Modell, wo der Kinderfreibetrag von dem zu versteuernden Einkommen abgezogen wird. Rechen Sie es einfach mal durch.
Unsinn! Wenn heute ein Besserverdiener sein zvE in der Proportionalzone 1 von 128.000 € durch Kinderfreibeträge auf 112.000 € reduziert, dann spart er - ohne KSt und Soli - 6.720 € an Einkommensteuern, was einem monatlichem Kindergeld von 280 € je Kind gleichkommt. Reduziert dagegen der Facharbeiter in der Progressionszone 2 sein steuerpflichtiges Einkommen von 55.000 € durch Kinderfreibeträge auf 39.000 €, dann spart er - ohne KSt und Soli - 4.474 € an Einkommensteuern, was einem monatlichem Kindergeld von 186,42 € je Kind entspricht. Und reduziert der Geringverdiener in der Progressionszone 1 und 2 sein steuerpflichtiges Einkommen von 32.000 € durch Kinderfreibeträge auf 16.000 €, dann spart er - ohne KSt und Soli - 2.780€ an Einkommensteuern, was einem monatlichem Kindergeld von 115,83 € je Kind entspricht. Zum überprüfen der Zahlen bitte den Steuerrechner benutzen. Gerechnet wurde mit der für Verheiratete gültigen Splittingtabelle.
Schön. Und jetzt bitte noch die hypothetische Vergleichsberechnung, wenn - wie Sie es vorschlagen - der Kinderfreibetrag nicht mehr vom zu versteuernden Einkommen abgezogen wird, sondern statt dessen die Nullzone entsprechend erweitert wird. Die Erweiterung der Nullzone verschiebt die Progressionskurve um x Euro nach rechts, aber dafür hat der Steuerpflichtige ein um x Euro höheres Einkommen, im Ergebnis kommt also genau das Gleiche heraus.

Hanomag
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Hanomag » 19.06.19, 10:22

Evariste hat geschrieben:
19.06.19, 08:43
Die Erweiterung der Nullzone verschiebt die Progressionskurve um x Euro nach rechts, aber dafür hat der Steuerpflichtige ein um x Euro höheres Einkommen, im Ergebnis kommt also genau das Gleiche heraus.
So langsam muss ich weinen :cry: . Ist es denn so schwer zu verstehen, dass nach Erweiterung der Nullzone (Grundfreibetrag) um angemessen hohe Kinderfreibeträge, diese dann auch steuerfrei sind? Im Grunde wäre das das Familiensplitting, bei dem es für jeder zur Familie zählenden Person einen Grundfreibetrag gibt. Im Falle der Kinder sollte der dann so hoch sein, dass für das erste Kind monatlich mindestens 300 Steuern erlassen werden. Bei weiteren Kindern wäre es aufgrund der Progression etwas mehr.

Vielleicht irritiert Dich hier der Begriff Nullzone. Tatsächlich würden die Kinderfreibeträge den Grundfreibetrag nur temporär aufstocken. Ganz im Sinne der Aussage, dass das Existenzminimum steuerfrei bleiben soll, müssen die Kinderfreibeträge nicht über den Grenz- sondern über den Eingangssteuersatz steuerfrei gestellt werden. Nur dadurch gibt es bei gleicher Kinderzahl die gleiche Steuerentlastung.

hambre
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von hambre » 19.06.19, 11:23

hanomag hat geschrieben: Ist es denn so schwer zu verstehen...
Ist es denn so schwer zu verstehen, dass Evariste recht hat?
Ganz im Sinne der Aussage, dass das Existenzminimum steuerfrei bleiben soll, müssen die Kinderfreibeträge nicht über den Grenz- sondern über den Eingangssteuersatz steuerfrei gestellt werden.
Wie das rein praktisch, d.h. wie es mathematisch funktionieren soll leuchtet mir nicht ein.

Hanomag
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Re: Kinderfreibetrag streichen

Beitrag von Hanomag » 19.06.19, 14:23

hambre hat geschrieben:
19.06.19, 11:23
Ist es denn so schwer zu verstehen, dass Evariste recht hat?
Dieses Rechthaben von Evariste führt dazu, dass der eine für sein Kind monatlich 280 € Steuern spart und der andere nur 115 €. Nach eurer Ansicht ist das Existensminimum eines Kindes eher zwischen 120.000 und 128.000 € als zwischen 9.000 und 17.000 Euro anzusiedeln. Wo um Gottes Willen fängt den bei euch die Existenz an :?:
hambre hat geschrieben:
19.06.19, 11:23
Ganz im Sinne der Aussage, dass das Existenzminimum steuerfrei bleiben soll, müssen die Kinderfreibeträge nicht über den Grenz- sondern über den Eingangssteuersatz steuerfrei gestellt werden.
Wie das rein praktisch, d.h. wie es mathematisch funktionieren soll leuchtet mir nicht ein.
Die Steuerfreistellung des Grundfreibetrages funktioniert doch auch, obwohl er zum zvE zählt. Warum sollte das im IT-Zeitalter nicht für die Kinderfreibeträge zu machen sein?
Wie sonst wollte man den schon lange geforderten Familiensplittingtarif realisieren? Denkbar wäre die Einführung von weiteren Steuertabellen in Abhängigkeit der Kinderzahl. Aber noch einfacher wäre natürlich die Auszahlung eines einheitlichen aber auskömmlichen Kindergeldes bei kompletter Abschaffung der Kinderfreibeträge, weil den über die Steuerermäßigung durch Kinderfreibeträge zu kurz gekommenen Geringverdienern ohnehin das Kindergeld aufgestockt werden muss.

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