Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Moderator: FDR-Team

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lerchenzunge
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Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von lerchenzunge »

Hallo

mich interessiert die steuerliche Behandlung der folgenden Konstellationen ausgehend von den immer gleichen Grundbedingungen:

Konstante ist: Arbeitnehmer AN ist bei Arbeitgeber AG an dessen Stammsitz beschäftigt, im gleichen Ort hat der AN auch seinen Hauptwohnsitz. Der AN wird oft, aber unregelmäßig bei dem immer gleichen Kunden K in einem Ort im europäischen Ausland eingesetzt. In Summe verbringt AN etwa ein Viertel seiner Jahresarbeitstage bei K, zumeist nur für ein oder zwei Wochen am Stück, nie über mehr als vier Wochen am Stück dort ist und auch mal ganze Kalendermonate nicht, eine Vorausplanbarkeit ist nicht gegeben, die Einsätze werden mit etwa einer Woche Vorlauf geplant.

Fall 1: der AN kommt am Ort des K in einem Hotel unter. Sehe ich es richtig, dass in diesem Fall der AN als Werbungskosten ansetzen bzw. der AG steuerfrei dem AN erstatten kann die folgenden Posten:
- Fahrkosten gemäß Nachweis oder (bei PKW) Pauschale von 30ct pro gefahrenem Kilometer
- Übernachtungskosten gemäß Nachweis oder Übernachtungspauschale (darf man das immer frei wählen?)
- Verpflegungsmehraufwandpauschale

Fall 2: der AG mietet am Ort des K eine Wohnung an und stellt die dem AN jeweils für die Dauer der Einsätze bei K zur Verfügung. Sehe ich es richtig, dass in diesem Fall der AN weiterhin als Werbungskosten ansetzen bzw. der AG steuerfrei dem AN erstatten kann die folgenden Posten:
- Fahrkosten gemäß Nachweis oder (bei PKW) Pauschale von 30ct pro gefahrenem Kilometer
- Verpflegungsmehraufwandpauschale
Übernachtungskosten fielen für AN ja nicht an
Hier jedoch die Frage: könnte dies bereits als dienstlich bedingter Zweitwohnsitz betrachtet werden mit entsprechend anderer steuerlicher Behandlung?

Fall 3: der AN mietet selbst am Ort des K sich eine Wohnung an.
Fahrkosten dürfte unverändert behandelt werden?
Wird dies dann als dienstlicher Zweitwohnsitz gerechnet? Kann der AN steuerlich nun die gesamten Mietkosten ansetzen, also auch für die Monate, in denen er gar nicht bei K ist? Oder kann er alternativ nur für die Tage der tatsächlichen Anwesenheit und Arbeit bei K die Übernachtungspauschale ansetzen?
Wie wirkt sich das auf die Verpflegungsmehraufwandpauschale aus? Läuft die dann nach drei Monaten aus und startet nicht wieder neu, wenn der AN mehr als einen Monat nicht vor Ort war?

Fall 4: der AG kauft am Ort des K eine Wohnung und stellt die dem AN zur Verfügung für die Dauer der Einsätze bei K. Gehe ich recht in der Annahme, dass sich AN gegenüber dem Fall 2 dadurch nichts ändert?

Fall 5: der AN kauft sich selbst am Ort des K eine Wohnung.
das dürfte erstmal Fall 3 entsprechen. Aber was ist hier statt der Miete anzusetzen? Nur Wohnnebenkosten wie Strom und Wasser? Wie steht es mit Zinsen auf den Kredit für die Wohnung? WIe steht es mit Rücklagen für Renovierungskosten? Wie mit tatsächlich anfallenden Extrakosten für die Wohnung, zB. für Reparaturen?

lerchenzunge
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Re: Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von lerchenzunge »

leider noch keine Antwort, ich versuche es mal mit einer Vereinfachung oder Verallgemeinerung meiner Fragen:

was sind die Entscheidungskriterien, anhand derer zwischen Dienstreise und Zweitwohnsitz unterschieden wird? Inwieweit gehen dabei neben der Aufenthaltsdauer am Einsatzort die Art der Unterkunft am Einsatzort (Hotel, Wohnung) und die Besitzverhältnisse (Miete, Eigentum) ein?

SusanneBerlin
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Re: Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von SusanneBerlin »

Na, einen Zweitwohnsitz hat man das ganze Jahr. Das kann zur Miete sein oder Eigentum.

Eine Dienstreise ist davon geprägt, dass die Unterkunft nur für den Zeitraum angemietet wird, den man am anderen Ort verbringt.

Da es meist günstiger ist eine Wohnung ganzjährig zu mieten (Zweitwohnsitz), als jeden zweiten Monat 14 Tage im Hotel unterzukommen, akzeptiert das FA selbstverständlich, dass die Wohnungsmiete weiterläuft auch wenn der Mieter nicht ganzjährig anwesend ist.
Grüße, Susanne

lerchenzunge
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Re: Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von lerchenzunge »

@SusanneBerlin

Vielen Dank für Deine Antwort

Als erstes halte ich also fest: solange die Kosten für eine dauerhafte Zweitwohnung am Einsatzort über das gesamte Jahr nicht höher als die Kosten eines Hotelzimmers am Einsatzort nur in den Zeiten des Einsatzes vor Ort liegen, akzeptiert das Finanzamt die Kosten der Zweitwohnung auch für die Monate, in denen kein Einsatz vor Ort stattfindet.

Daran schliesst sich die Frage an: was ist der "Vergleichspreis" eines Hotels am EInsatzort in diesem Fall? Kann man als Vergleich einfach die Unterkunftspauschale ansetzen?

Und zum nächsten Fragekomplex:
Welche Auswirkungen auf die Verpflegungspauschale hat die Einstufung als dienstliche Zweitwohnung, sofern die Voraussetzungen dafür im Falle einer Einstufung als Dienstreise erfüllt wären (also Einsatzdauer vor Ort unter 3 Monaten und Pausen von mehr als vier Wochen dazwischen)? Gilt das dann einfach ganz analog, oder gelten hier andere Bedingungen?

SusanneBerlin
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Re: Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von SusanneBerlin »

Daran schliesst sich die Frage an: was ist der "Vergleichspreis" eines Hotels am EInsatzort in diesem Fall? Kann man als Vergleich einfach die Unterkunftspauschale ansetzen?
Wenn Sie in dem Ort ein Hotel für 20€ pro Nacht bekommen, können Sie natürlich so rechnen.

Eine Verpflegungspauschale kann man m.W. höchstens für die ersten 3 Monate ansetzen, wenn der Einsatzort sich nicht ändert.
Grüße, Susanne

lerchenzunge
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Re: Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von lerchenzunge »

SusanneBerlin hat geschrieben:
10.10.19, 09:27
Daran schliesst sich die Frage an: was ist der "Vergleichspreis" eines Hotels am EInsatzort in diesem Fall? Kann man als Vergleich einfach die Unterkunftspauschale ansetzen?
Wenn Sie in dem Ort ein Hotel für 20€ pro Nacht bekommen, können Sie natürlich so rechnen.
im Ausland sind die Pauschalen ja oft höher, in Spanien (um das es mir hier konkret geht), sind es in den meisten Regionen 105 EUR/Tag, da könnte man das schon sinnvoll ansetzen.
die Alternative wäre dann der Nachweis konkreter Hotelpreise vor Ort? Oder wie wäre sonst nachzuweisen, dass eine dauerhaft gemietete Wohnung billiger ist als ein Hotel nur in den Tagen, wo man vor Ort ist?
SusanneBerlin hat geschrieben:
10.10.19, 09:27
Eine Verpflegungspauschale kann man m.W. höchstens für die ersten 3 Monate ansetzen, wenn der Einsatzort sich nicht ändert.
bei Dienstreisen startet diese Frist von drei Monaten neu, wenn man erneut zum Einsatzort abgeordnet wird, aber zwischen dem letzten und dem neuen Einsatz mehr als vier Wochen Pause lag, in der man zB. wieder am Stammsitz der Firma oder an anderem dritten Ort eingesetzt war. Meine Frage ist nun, gilt dies in gleicher Weise auch bei einem dienstlichen Zweitwohnsitz? Oder gilt dort der Einsatzort als nicht geändert, selbst wenn man zwischendurch mehr als vier Wochen nicht am Ort der Zweitwohnung eingesetzt wurde?

SusanneBerlin
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Re: Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von SusanneBerlin »

Oh, den Auslandsbezug habe ich im Eingangsbeitrag überlesen. Damit kenne ich mich nicht aus. :oops:
Grüße, Susanne

lerchenzunge
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Re: Dienstreisekosten vs. Zweitwohnsitz

Beitrag von lerchenzunge »

SusanneBerlin hat geschrieben:
10.10.19, 10:28
Oh, den Auslandsbezug habe ich im Eingangsbeitrag überlesen. Damit kenne ich mich nicht aus. :oops:
kein Problem, daran sollte es auch nicht scheitern, das ist ja nur ein Randaspekt. Die für Inland wie Ausland gültige Frage ist: wie kann man das Finanzamt davon überzeugen, dass Miete günstiger als Hotel ist, auch wenn die Zweitwohnung nur zum kleineren Teil des Jahres genutzt wird. Speziell wenn man eine Mietwohnung angemietet hat und das FA behauptet, das sei zu teuer gewesen. Der Vergleich mit der Übernachtungspauschale für die tatsächlich vor Ort verbrachten Tage könnte meiner Ansicht nach ein Weg sein (der einfachste vermutlich?), dh. zB., wenn man 80 Tage im Jahr vor Ort übernachtet hat (das würde dem konkreten Fall entsprechen), und die Übernachtungspauschale 105 EUR beträgt, dass dann Mietkosten für eine Zweitwohnung bis rund 8000 EUR pro Jahr anerkannt werden können ohne weitere Nachweise? Wenn das ganze aber in Deutschland sich abspielt, bei 80 Tagen vor Ort bereits ab Mietkosten von 1600 EUR pro Jahr ein konkreterer Nachweis erfolgen muss, warum die Mietwohnung trotzdem günstiger als ein Hotel war? Und wie müsste ein solcher konkreter Nachweis aussehen? Angebote von Hotels zu den jeweiligen Einsatzzeiten sammeln? Oder gibt es andere Wege oder andere Pauschalen, die man da ansetzen kann?

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