Photovoltaik Vorsteuer

Moderator: FDR-Team

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Steuerpilot22
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Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Steuerpilot22 »

X erwirbt in 2018 eine Photovoltaikanlage. Er nutzt die Anlage zum Teil für die Einspeisung ins Netz und zum Teil für den eigenen Verbauch.
X gibt monatlich Umsatzsteuervoranmeldungen ab und gibt dort 0 Euro als Umsatz an; die Vorsteuer aus der Anschaffung der Anlage meldet X nicht an.

In der Umsatzsteuerjahreserklärung 2018 (eingereicht im Oktober 2019) gibt X dann zum ersten mal die Vorsteuer an .

Das Finanzamt erkennt die Vorsteuer nicht an. X hat die Zuordnungsentscheidung zu spät getroffen ... Kann das richtig sein?? X bekommt nun keinen Cent der Vorsteuer aus der Anschaffung der Anlage??

Hertha1892
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Hertha1892 »

Hat X denn auch Umsätze in der Jahreserklärung?

Grüße Hertha1892

ExDevil67
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von ExDevil67 »

Ich hoffe doch nicht.
Wer monatlich in 2018 bei der Voranmeldung 0 € an Umsatz ausweist, der kann dann ja schlecht in der Steuererklärung für 2018 plötzlich umsatzsteuerpflichtige Umsätze angeben. Da dürfte das Finanzamt not amused sein.

Steuerpilot22
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Steuerpilot22 »

X hat geringe Umsätze in der Umsatzsteuerjahreserklärung erklärt. Die Umsätze wurden auch angesetzt. Die Vorsteuer wurde nicht anerkannt, weil X die "Zuordnungsentscheidung" wohl zu spät getroffen hat/dokumentiert hat (mit Abgabe der Erklärung)

Froggel
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Froggel »

ExDevil67 hat geschrieben:
10.12.19, 07:53
Ich hoffe doch nicht.
Wer monatlich in 2018 bei der Voranmeldung 0 € an Umsatz ausweist, der kann dann ja schlecht in der Steuererklärung für 2018 plötzlich umsatzsteuerpflichtige Umsätze angeben. Da dürfte das Finanzamt not amused sein.
Wenn man denn sein Geld vom Energieunternehmen, dem man seinen Strom verkauft, monatlich abrechnen lässt. Unsere Anlage hatten wir 2013 erbauen lassen, aber eine jährliche Vergütung gefordert. Folglich kam das erste Geld für 2013 erst 2014, womit für 2013 der Umsatz 0 Euro betrug. Allerdings hatten wir uns von vornherein entschieden, wie wir das Ganze steuerlich händeln wollen, nicht erst bei der Steuererklärung.

Wichtig für den TE ist jetzt, dass er diese Änderung nun auch dem Energieunternehmen mitteilt, von dem er das Geld für seinen erzeugten Strom bekommt, denn wenn er keine Umsatzsteuer abführen kann/darf, muss er statt dem Netto-Betrag den Brutto-Betrag für die Einspeisung vergütet bekommen.
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Tom998
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Tom998 »

Bei Anschaffung eines nur teilweise unternehmerisch genutzten Gegenstandes muss die Zuordnungsentscheidung tatsächlich spätestens bis zum 31.05. des auf die Anschaffung folgenden Jahres dokumentiert werden.
https://www.steuertipps.de/haus-wohnung ... age-gebaut

ExDevil67
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von ExDevil67 »

Froggel hat geschrieben:
10.12.19, 10:39
Wenn man denn sein Geld vom Energieunternehmen, dem man seinen Strom verkauft, monatlich abrechnen lässt. Unsere Anlage hatten wir 2013 erbauen lassen, aber eine jährliche Vergütung gefordert. Folglich kam das erste Geld für 2013 erst 2014, womit für 2013 der Umsatz 0 Euro betrug.
Aber dann doch auch mit einem gesamt Umsatz in 2013 von 0 € und in 2014 entsprechendem Umsatz. Oder kann man auch bei der Umsatzsteuer das ganze nachträglich einer anderen Periode zuordnen?

Opa
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Opa »

Wer zu spät kommt...
X gibt monatlich Umsatzsteuervoranmeldungen ab und gibt dort 0 Euro als Umsatz an; die Vorsteuer aus der Anschaffung der Anlage meldet X nicht an.
Warum gibt er denn 0.-an, wenn er die Vorsteuer haben will? Nun muss er damit leben.

Froggel
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Froggel »

ExDevil67 hat geschrieben:
10.12.19, 13:12
Froggel hat geschrieben:
10.12.19, 10:39
Wenn man denn sein Geld vom Energieunternehmen, dem man seinen Strom verkauft, monatlich abrechnen lässt. Unsere Anlage hatten wir 2013 erbauen lassen, aber eine jährliche Vergütung gefordert. Folglich kam das erste Geld für 2013 erst 2014, womit für 2013 der Umsatz 0 Euro betrug.
Aber dann doch auch mit einem gesamt Umsatz in 2013 von 0 € und in 2014 entsprechendem Umsatz. Oder kann man auch bei der Umsatzsteuer das ganze nachträglich einer anderen Periode zuordnen?
Nein, das Zuordnen zu einer anderen Periode funktioniert nicht. Es wird dann versteuert, wenn das Geld eingeht. Von daher stimmt Ihre Vermutung, dass der Umsatz erst 2014 angegeben wurde. Das weiß das FA aber 2013 noch nicht und die Irritation war beim FA erst einmal da, weil wir 2013 zwar Kosten, aber keine Einnahmen hatten. Der Sachbearbeiter hat sogar extra bei uns angerufen und nachgefragt :)
Ich bin kein Jurist.
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Steuerpilot22
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von Steuerpilot22 »

Tom998 hat geschrieben:
10.12.19, 12:40
Bei Anschaffung eines nur teilweise unternehmerisch genutzten Gegenstandes muss die Zuordnungsentscheidung tatsächlich spätestens bis zum 31.05. des auf die Anschaffung folgenden Jahres dokumentiert werden.
https://www.steuertipps.de/haus-wohnung ... age-gebaut

Kann das denn wirlich die Lösung sein? X hat nun ohnehin schon länger auf sein Geld verzichtet, da er die Vorsteuer in den Umsatzsteuervoranmeldungen nicht angegeben hat. Weil er nun seine Umsatzsteuerjahreserklärung zu spät eingereicht aht, bekommt er überhaupt keine Vorsteuer??

Dem Finanzamt ist ja bekannt, dass X eine Anlage angeschafft hat; er wird ja bereits steuerlich für diese Anlage geführt.

bavarian tax collector
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Re: Photovoltaik Vorsteuer

Beitrag von bavarian tax collector »

Steuerpilot22 hat geschrieben:
11.12.19, 07:13
X hat nun ohnehin schon länger auf sein Geld verzichtet, da er die Vorsteuer in den Umsatzsteuervoranmeldungen nicht angegeben hat.
Nein, er hat eine unternehmerische Entscheidung getroffen, mi tder er jetzt leben muss!
Steuerpilot22 hat geschrieben:
09.12.19, 17:39
X erwirbt in 2018 eine Photovoltaikanlage. Er nutzt die Anlage zum Teil für die Einspeisung ins Netz und zum Teil für den eigenen Verbauch.
Damit ist X zum Unternehmer geworden und es gelten für ihn alle Rechte und Pflichten, auch die steuerlichen. Man kann also erwarten, dass X zum einen sich über seine rechtlichen Möglichkeiten im klaren ist, sich informiert oder eine Fachperson damit betraut! Außerdem wird man unterstellen dürfen, dass X seine unternehmerischen Entscheidung nicht erst Jahre nach Verwirklichung des Sachverhaltes entscheidet!
Steuerpilot22 hat geschrieben:
09.12.19, 17:39
Er nutzt die Anlage zum Teil für die Einspeisung ins Netz und zum Teil für den eigenen Verbauch.
Bei einer so genutzten Anlage hat X nun einmal das Wahlrecht, diese Anlage ganz, teilweise oder gar nicht dem Unternehmnsvermögen (NICHT Betriebsvermögen!) zuzuordnen. Man kann ohne weiteres Erwarten, dass X dieses Wahlrecht zeitnah ausübt, also soweit UStVAs abgegeben werden in der UStVA, in der der VoSt-Anspruch entsteht, da er ja die unternehmerische Entscheidung schon lange getroffen ahben sollte! Das hat X offenbar dem FA gegenüber auch gemacht ...
Steuerpilot22 hat geschrieben:
09.12.19, 17:39
X gibt monatlich Umsatzsteuervoranmeldungen ab und gibt dort 0 Euro als Umsatz an; die Vorsteuer aus der Anschaffung der Anlage meldet X nicht an.
X hat nun nur begrenzten Zeitraum, sein Entscheidung hinsichtlich des Wahlrechtes zu überprüfen, eben bis zum 31.05. des Folgejahres! Es ist rechtlich vollkommen egal, ob sich X bei Abgabe der UStVA bewußt war, das er hier ein steuerliches Wahlrecht ausübte, denn das zu Wissen gehört zu den steuerlichen Pflichten!

Grundsätzlich geht die Problematik von X natürlich sogar weiter, denn ...
Steuerpilot22 hat geschrieben:
09.12.19, 17:39
X gibt monatlich Umsatzsteuervoranmeldungen ab und gibt dort 0 Euro als Umsatz an
... in Verbindung mit ...
Steuerpilot22 hat geschrieben:
10.12.19, 08:31
X hat geringe Umsätze in der Umsatzsteuerjahreserklärung erklärt.
... bedeutet, dass der Starftatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt ist und die USt-Jahreserklärung eine -hoffentlich!- strafbefreiende Selbstanzeige darstellt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass X mit einer Erstattung des VoSt-Überhnges rechnete, denn maßgeblich für die Hinterziehung ist die festgesetzte USt VOR Anrechnung der VoSt!

Ein klassisches Beispiel. dass Sparen an der steuerlichen Beratung sehr teuer werden kann! Aber dann ist natürlich immer das böse FA schuld!
Froggel hat geschrieben:
11.12.19, 00:50
Es wird dann versteuert, wenn das Geld eingeht.
Nein, grundsätzlich gilt die Versteuerung der VEREINBARTEN Entgelte, §16 UStG! Nur auf Antrag, §20 UStG, kann nach VEREINNAHMTEN Entgelten die USt abgeführt werden! Und auf Grund der Nachfrage durch das FA gehe ichg davon aus, dass sie eben diesen ANtrag nicht gestellt haben!

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