Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Moderator: FDR-Team

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Hanomag
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Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von Hanomag »

Sechs WEG-Eigentümer lassen das Haus zum Jahresende renovieren. Die Rechnung kommt am 30.12. und wird zum 31.12.2019 beglichen.

Vier Eigentümer haben ihren Anteil rechtzeitig bereitgestellt. Zwei weitere zahlen erst im neuen Jahr.

Wie ist die Rechtlage für nachfolgende Annahmen:

1. Können die zwei Nachzügler auch Abschreibungen für das abgelaufene Jahr vornehmen?

2. Können die vier pünktlichen Zahler Abschreibungen für das abgelaufene Jahr vornehmen, wenn die Rechnung wegen der zwei Nachzügler erst im neuen Jahr beglichen werden kann?

Opa
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von Opa »

"Abschreibungen" ist hier wohl das verkehrte Wort. Entweder es sind Erhaltungsaufwendungen bei VuV (Vermietung der Wg.), oder Aufwendungen n. § 35a EStG (Selbstnutzer).
Wenn die WEG die Rg. im alten Jahr begleicht wird sie dies auch in der Abrechnung des alten Jahres ausweisen, egal wann die einzelnen Eigentümer Ihren Anteil zahlen.

Hanomag
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von Hanomag »

Opa hat geschrieben:
30.12.19, 13:01
"Abschreibungen" ist hier wohl das verkehrte Wort. Entweder es sind Erhaltungsaufwendungen bei VuV (Vermietung der Wg.), oder Aufwendungen n. § 35a EStG (Selbstnutzer).
Da hast Du natürlich recht, wobei man höhere Erhaltungsaufwendungen auch über mehrere Jahre verteilt abschreiben kann.
Opa hat geschrieben:
30.12.19, 13:01
Wenn die WEG die Rg. im alten Jahr begleicht wird sie dies auch in der Abrechnung des alten Jahres ausweisen, egal wann die einzelnen Eigentümer Ihren Anteil zahlen.
Das ist eigentlich ein schlagendes Argument, zumal das Finanzamt die Kontoauszüge der einzelnen Eigentümer nicht sehen will. Aber, will sie die der Hausverwaltung sehen? Oder, könnte die Hw, nachdem sie erst nach Geldeingang in den ersten Tagen des neuen Jahres überweisen konnte, die Aufwendungen dennoch den Jahresabrechnungen der des alten Jahres zuordnen?

hambre
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von hambre »

Oder, könnte die Hw, nachdem sie erst nach Geldeingang in den ersten Tagen des neuen Jahres überweisen konnte, die Aufwendungen dennoch den Jahresabrechnungen der des alten Jahres zuordnen?
Wieso könnte? Nach dem Sachverhalt wurde die Rechnung am 31.12. bezahlt, also bevor die beiden Nachzügler bezahlt haben. Die Rechnung muss zwingend in dem Jahr gebucht werden, in dem sie von der Hausverwaltung bezahlt wurde. Auf den Zeitpunkt der Zahlung durch die einzelnen Eigentümer kommt es nicht an.

Viele Wohnungseigentümer unterliegen übrigens dem Irrtum, dass für den Abfluss die eigene Zahlung auf das Hausgeldkonto relevant ist. Tatsächlich entstehen die Aufwendungen für die Wohnungseigentümer mit der Bezahlung der Rechnungen durch die Hausverwaltung.

Da das Geld auf dem Wohngeldkonto der Eigentümergemeinschaft immer noch den Eigentümern gehört ist eine Einzahlung auf dieses Konto kein Abfluss, sondern lediglich eine Vermögensumschichtung.

Hanomag
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von Hanomag »

hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Wieso könnte? Nach dem Sachverhalt wurde die Rechnung am 31.12. bezahlt, also bevor die beiden Nachzügler bezahlt haben.
Wenn wir von diesem Jahreswechsel ausgehen würden, dann ist heute erst der 30. Es wäre also noch alles offen.
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Die Rechnung muss zwingend in dem Jahr gebucht werden, in dem sie von der Hausverwaltung bezahlt wurde.
Wenn nun ein Eigentümer der Eigentümergemeinschaft die Funktion des Hw ausführt, könnte der sich mal ein um ein paar Tage verhauen.
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Viele Wohnungseigentümer unterliegen übrigens dem Irrtum, dass für den Abfluss die eigene Zahlung auf das Hausgeldkonto relevant ist. Tatsächlich entstehen die Aufwendungen für die Wohnungseigentümer mit der Bezahlung der Rechnungen durch die Hausverwaltung.
Danke für die kompetente Klarstellung.
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Da das Geld auf dem Wohngeldkonto der Eigentümergemeinschaft immer noch den Eigentümern gehört ist eine Einzahlung auf dieses Konto kein Abfluss, sondern lediglich eine Vermögensumschichtung.
Es gibt familiäre Eigentümergemeinschaften, bei denen die Tätigkeiten des Hw von einem Eigentümer unentgeltlich erledigt werden. Da wird vieles großzügiger gehandhabt, oft gibt es da keine Rückstellungen und notwendiges Kapital muss kurzfristig eingesammelt werden.

fodeure
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von fodeure »

hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Viele Wohnungseigentümer unterliegen übrigens dem Irrtum, dass für den Abfluss die eigene Zahlung auf das Hausgeldkonto relevant ist.
Das ist kein Irrtum, sondern absolut richtig.
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Tatsächlich entstehen die Aufwendungen für die Wohnungseigentümer mit der Bezahlung der Rechnungen durch die Hausverwaltung.
Nein.
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Da das Geld auf dem Wohngeldkonto der Eigentümergemeinschaft immer noch den Eigentümern gehört
Nein, das Geld gehört der WEG und nicht dem einzelnen Eigentümer.

hambre
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von hambre »

Das ist kein Irrtum, sondern absolut richtig.
Da ist jedenfalls der BFH anderer Aufassung.
BFH, Beschluss vom 9.12.2008, Az. IX B 124/08, BFH/NV 2009 S. 571

Der Beschluss bezieht sich zwar auf die Instandhaltungsrücklage. Es gibt aber keinen Grund, dass es für das normale Wohngeldkonto anders zu sehen ist.
Nein, das Geld gehört der WEG und nicht dem einzelnen Eigentümer.
Das spielt aber nach Auffassung des BFH für die Instandhaltungsrücklage keine Rolle. Warum es für das Wohngeld anders sein sollte, leuchtet nicht ein.

fodeure
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von fodeure »

hambre hat geschrieben:
31.12.19, 17:21
Warum es für das Wohngeld anders sein sollte, leuchtet nicht ein.
Weil es sich bei dem Wohngeld um eine reine Forderung handelt und keine Rücklage ist. Auch wird die Rücklage bei einer Veräußerung anders behandelt als das Wohngeld. Die Rücklage hat regelmäßig einen Einfluß auf die Kaufpreisbestimmung während z.B. ein Rückstand von Wohngeldzahlungen ausschließlich dem Alteigentümer zuzuordnen ist.

Hanomag
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Re: Abflussprinzip bei WEG-Eigentumswohnung

Beitrag von Hanomag »

fodeure hat geschrieben:
31.12.19, 14:29
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Viele Wohnungseigentümer unterliegen übrigens dem Irrtum, dass für den Abfluss die eigene Zahlung auf das Hausgeldkonto relevant ist.
Das ist kein Irrtum, sondern absolut richtig.
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Tatsächlich entstehen die Aufwendungen für die Wohnungseigentümer mit der Bezahlung der Rechnungen durch die Hausverwaltung.
Nein.
hambre hat geschrieben:
30.12.19, 22:39
Da das Geld auf dem Wohngeldkonto der Eigentümergemeinschaft immer noch den Eigentümern gehört
Nein, das Geld gehört der WEG und nicht dem einzelnen Eigentümer.
Aus meiner Sicht klingt Deine Darstellung überzeugender.

Weil am 31. kein Bankarbeitstag war, konnte das Geld nicht zum Konto des Hw durch gereicht werden, deshalb hat der vermögende Sohn des Wohnungseigentümers (und gleichzeitig Hw), dem an einer Zahlung im abgelaufenen Jahr gelegen war, die gesamte Summe an den Handwerker angewiesen. Die Zahlung wird zwar erst im neuen Jahr ankommen, aber sie wurde im alten Jahr beauftragt und der betr. Eigentümer hat ein Schriftstück aus welchem hervorgeht, dass sein Sohn für ihn überwiesen hat.

Wie ist dazu die Rechtslage?

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