Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

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derrick
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Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von derrick »

Aus Sicht des FG Baden-Württemberg bleibt der Veräußerungsgewinn steuerfrei, soweit er auf ein häusliches Arbeitszimmer innerhalb einer selbst genutzten Wohnung entfällt
siehe hierzu:
https://rsw.beck.de/cms/?toc=BC.5210&docid=422915

Müsste angesichts der o.g. Rechtsauffassung dann nicht auch ein evt. Verkaufserlös von betr. häuslichen Arbeitszimmern, die sich im Betriebsvermögen befinden, steuerfrei sein?

mfg
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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von bavarian tax collector »

derrick hat geschrieben: 26.10.20, 20:53 Müsste angesichts der o.g. Rechtsauffassung dann nicht auch ein evt. Verkaufserlös von betr. häuslichen Arbeitszimmern, die sich im Betriebsvermögen befinden, steuerfrei sein?
Zunächst einmal bleibt abzuwarten, was der BFH (AZ.: IX R 27/19) dazu sagt, den anders als beim Urteil des FG Köln wurde hier Revision eingelegt.

Das eigentliche Problem hat das FG dabei noch gar nicht angesprochen! Das zivilrechtliche einheitliche Grundstück zerfällt steuerrechtlich in mindestens zwei eigenständige Wirtschaftgüter, den grund und Boden und das Gebäude. Diese wiederung können -je nach Nutzung- wieder in bis zu vier unterschiedliche Wirtschaftsgüter zerfallen: Nutzung zu eigenen Wohnzwecken, Nutzung zu fremden Wohnzwecken, eigenbetriebliche und fremdbetriebliche Nutzung.

Das häusliche AZ eines ArbN wird definitiv nicht zu fremden Wohnzwecken, eigen- oder fremdbetrieblich genutzt. Es verbleibt daher im Bereich der Nutzung zu eigenen Wohnzwecken. Insoweit irrt das FG darin, dass es auf die Einzelveräußerbarkeit eines Wirtschaftsgutes abstellt, da aus steuerrechtlicher Sicht gar kein eigenes Wirtschaftsgut in Form des häuslichen AZ vorliegt. Bleibt für den BFH die Frage, ob er einer partiellen Steuerpflicht beim Verkauf eines einheitlichen, aber unterschiedlich genutzten Wirtschaftsgutes zustimmt und ob er ggf. Bagatellgrenzen für die Nutzung aufzeigt.

Beim häuslichen AZ innerhalb der Gewinneinkünfte sieht es natürlich ganz anders aus! Hier liegt aus steuerrechtlicher Sicht ein eigenes Wirtschaftsgut vor. Es bleibt abzuwarten, ob der BFH mit seiner Entscheidung diesen Fall auch abdecken wird!

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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von Zafilutsche »

Da von "Arbeitszimmer" geschrieben wird, würde ich unterstellen wollen das eben keine Mobil Arbeit gemeint ist, sondern "Home-office".
Das Bedeutet in der Konsequenz, das der Arbeitgeber den Arbeitsplatz (Betriebsmittel) gem. den gesetzlichen Vorschriften dem AN kostenfrei bereit stellen muß.
Ergo wird auch der Wert dieser Einrichtung (ich denke bei einer späteren Veräußerung) dem bereitstellendem Unternehmen zu zurechnen sein und nicht dem AN.
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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von derrick »

Zafilutsche hat geschrieben: 27.10.20, 10:19 Da von "Arbeitszimmer" geschrieben wird, würde ich unterstellen wollen das eben keine Mobil Arbeit gemeint ist, sondern "Home-office".
Das Bedeutet in der Konsequenz, das der Arbeitgeber den Arbeitsplatz (Betriebsmittel) gem. den gesetzlichen Vorschriften dem AN kostenfrei bereit stellen muß.
Ergo wird auch der Wert dieser Einrichtung (ich denke bei einer späteren Veräußerung) dem bereitstellendem Unternehmen zu zurechnen sein und nicht dem AN.
In dem von mir angesprochenen Fall ging ich von einem häuslichen Arbeitszimmer Im Betriebsvermögen eines Selbstständigen aus.

Daher:
Beim häuslichen AZ innerhalb der Gewinneinkünfte sieht es natürlich ganz anders aus! Hier liegt aus steuerrechtlicher Sicht ein eigenes Wirtschaftsgut vor. Es bleibt abzuwarten, ob der BFH mit seiner Entscheidung diesen Fall auch abdecken wird!
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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von bavarian tax collector »

Zafilutsche hat geschrieben: 27.10.20, 10:19 Das Bedeutet in der Konsequenz, das der Arbeitgeber den Arbeitsplatz (Betriebsmittel) gem. den gesetzlichen Vorschriften dem AN kostenfrei bereit stellen muß.
Ein steuerlich anerkanntes AZ heißt noch lange nicht, dass der ArbG irgend etwas zur Verfügung stellen muss!

Im entschiedenen Fall ging es um einen Lehrer, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weder Schreibtisch, Stuhl oder PC von seinem Dienstherrn zur Verfügung bereitgestellt bekommen hat. Außerdem erschließt sich mir nicht ganz, was diese Aussage über die Ausstattung des häuslichen AZ mit dem Grundstücksteil "häusliches AZ", der hier zur Debatte steht, zu tun hat. Das kann gar nicht vom ArbG zur Verfügung gestellt werden, da es im EIgentum des ArbN steht.

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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von Zafilutsche »

derrick hat geschrieben: 27.10.20, 12:13 In dem von mir angesprochenen Fall ging ich von einem häuslichen Arbeitszimmer Im Betriebsvermögen eines Selbstständigen aus.
Dann würde ich denken, das der Teilwert ermittelt und analog wie die Veräußerung eines Firmenfahrzeugs die Umsatzsteuer abgeführt werden muß.
Im Zweifel würde ich die Thematik aber mit dem Steuerberater besprechen.
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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von Zafilutsche »

bavarian tax collector hat geschrieben: 27.10.20, 12:22 Ein steuerlich anerkanntes AZ heißt noch lange nicht, dass der ArbG irgend etwas zur Verfügung stellen muss!
Ein "Arbeitszimmer" unterliegt m.E. der ArbStättV. Eine gewisse Einschränkung könnte sich ergeben, wenn dort ein "Telearbeitsplatz"
ist.
In diesem Fall wäre nach §1 Abs (3) § 3 und § 6 (ArbStättV) einschlägig. D.h. die üblichen Schutzmaßnahmen wie u.a. Hygiene, Licht, Ergonomie Temperatur Strahlung sowie die notwendigen Voraussetzungen wie Telefon, Datenverbindungen bzw Netzzugang u.ä müssen schon vom Unternehmer bereit gestellt werden. Genauso wie die dokumentierte regelmäßige Unterweisung und regelm. überprüften ortsfesten und ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel. Halt das ganze Programm!
bavarian tax collector hat geschrieben: 27.10.20, 12:22 Im entschiedenen Fall ging es um einen Lehrer, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weder Schreibtisch, Stuhl oder PC von seinem Dienstherrn zur Verfügung bereitgestellt bekommen hat.
Mag sein, das die Uhren im öffentlichen Dienst (Beamte/in) etwas anders ticken. Das wird der Dienstherr aber bestimmt genauer wissen :mrgreen:
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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von bavarian tax collector »

Zafilutsche hat geschrieben: 27.10.20, 13:41 Ein "Arbeitszimmer" unterliegt m.E. der ArbStättV. Eine gewisse Einschränkung könnte sich ergeben, wenn dort ein "Telearbeitsplatz"
ist.
Bei einem Lehrer, der die Mathe-Klausuren lieber daheim am Küchentisch statt im Lehrerzimmer korrigiert, dürfte kaum ein klassischer Telearbeitplatz vorliegen! Aber das ist Thema für ein anderes Forum!

Mir erschließt sich nur immer noch nicht, was die Ausstattung -egal wer dafür aufkommt- mit der Veräußerung des AZ zu tun haben soll!
Zafilutsche hat geschrieben: 27.10.20, 12:28 Dann würde ich denken, das der Teilwert ermittelt und analog wie die Veräußerung eines Firmenfahrzeugs die Umsatzsteuer abgeführt werden muß.
Kann es sein, dass Du das Urteil gar nicht gelesen hast undd adurch die Problem-/Fragestellung nicht verstanden hast?

1. Es geht dem FG um die fehlende Einzelveräußerbarkeit des Wirtschaftsgutes "häusliches AZ". Wird diese verneint, stellt sich automatisch die Frage, ob das nur PV oder auch BV betrifft!

2. Es geht hier immer um einen tatsächlichen Veräußerungstatbestand! Warum sollte man da einen Teilwert, §6 Abs.1 Nr.1 Satz 3 EStG, ermitteln müssen?

3. Warum um Himmels Willen bringt man hier die USt ins Spiel, §4 Nr.9 lit. a) UStG!

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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von Zafilutsche »

Wir haben hier im Beispiel ja keinen Lehrer sondern
derrick hat geschrieben: 27.10.20, 12:13 ... Arbeitszimmer Im Betriebsvermögen eines Selbstständigen ...
Vielleicht darf ich als "Arbeitszimmer" (bzw den Plural) nicht so verstehen, das möglicherweise nur das Mobiliar
veräußert werden soll? Zumindest hätte ich erwartet das die mal angeschafften Büromöbel zum
Betriebsvermögen gehören (insbesondere dann wenn der Unternehmer die Anschaffungskosten
von Schreibtisch, Arbeitsstuhl, Leuchtmittel uvm abgeschrieben hatte.
Vielleicht soll das Wort "Häusliche" nur den Hinweis geben, das die eingesetzten
Betriebsmittel nicht zum Betriebsvermögen gehören sollen und daher nie eine "Abschreibung" gemacht worden ist?
Hinweisen möchte ich aber auch an dieser Stelle, das Private Veräußerungsgeschäfte ggf. auch der Steuerpflicht
unterliegen könnten. Je mehr Arbeitszimmer verkauft werden, desto weniger wahrscheinlich sind das "Privatverkäufe".
Das kann erklärungsbedürftig werden.
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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von bavarian tax collector »

Zafilutsche hat geschrieben: 27.10.20, 15:31 Vielleicht darf ich als "Arbeitszimmer" (bzw den Plural) nicht so verstehen, das möglicherweise nur das Mobiliar
veräußert werden soll?
Nein darf man nicht, es sei denn, Du willst jedweden Kontext zur Ausgangsfrage ignorieren!

Das verlinkte Urteil betrifft den Verkauf einer Wohnung, in der sich ein steuerlich anerkanntes (§4 ABS.5 Nr.6b EStG) häusliches AZ befand. Der steuerliche Begriff „häusliches AZ“ umfasst dabei ausschließlich den Anteil am Grundstück (Grund und Boden und Gebäude) der nahe ausschließlich einer betrieblichen oder beruflichen Nutzung unterliegt. Die Ausstattung (Möbel, Teppich, Lampen, etc) sind mit dem Begriff nie erfasst.

Wenn Du dir die Mühe gemacht hättest das verlinkte Urteil zu lesen, wäre auch Dir das klar gewesen und Du hättest keine unnötigen, da für die Beantwortung nicht zielführende Nebenkriegsschauplätze aufgemacht.

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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von derrick »

Hallo,

in diesem Zusammenhang:
4) 1Hat der Steuerpflichtige das 55. Lebensjahr vollendet oder ist er im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dauernd berufsunfähig, so wird der Veräußerungsgewinn auf Antrag zur Einkommensteuer nur herangezogen, soweit er 45 000 Euro übersteigt. 2Der Freibetrag ist dem Steuerpflichtigen nur einmal zu gewähren. 3Er ermäßigt sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn 136 000 Euro übersteigt.
Quelle:
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__16.html

Gilt denn dieser § 16 Abs. 4 eigentlich auch für Arbeitszimmer-Veräußerungen bei Betriebsaufgaben nur für "reine Gewerbetreibende"? Dies würde ja bedeuten, dass sonstige Selbständige oder Freiberufler ihre betr. Arbeitszimmer-Veräußerungsgewinne bei Aufgabe ihrer Tätigkeit - im Gegensatz dazu - versteuern müssten, oder?

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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von bavarian tax collector »

Ein Blick ins Gesetz erspart jahrelanges Studium!

Kuckst Du https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html und hier Abs.3!

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Re: Veräußerungsgewinne von Arbeitszimmern

Beitrag von derrick »

Danke für die Info, taxpert. :!: Die steuerrechtlichen Begriffe und Defintionen sind gelegentlich (für Laien) halt schon verwirrend.
M.E. wird auf den o.g § 16 Abs. 4 - zumindest bei den gängigen Internetseiten zu diesem Thema - gar nicht so hingewiesen.

mfg
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