Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Moderator: FDR-Team

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Nicole74
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Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von Nicole74 »

Habe eine knifflige Verständnisfrage, die ich Anhang des nachfolgenden fiktiven Beispiels stellen möchte:

Herr Müller ist ein Einzelunternehmen mit "Ist-Besteuerung".
Das Unternehmen ABC bei dem Herr Müller als Einzelunternehmen Internetdienstleistungen bezieht hat ein virtuelles Guthabenbasis-Konto-Bezahlsystem. Her Müller muss darauf einen XX Euro-Betrag im Voraus durch Banküberweisung "aufladen".
Da nur bestimmte Anzahl an solchen Aufladungen pro Monat gebührenfrei ist und nicht immer im Voraus cent-genau abzuschätzen ist wie viel demnächst fällig sein wird, überweist Herr Müller regelmäßig vorsorglich ein bisschen mehr.

Bei Fälligkeit für tatsächlich bezogene Dienstleistung wird der entsprechende Betrag von diesem aufgeladenen Guthaben durch Unternehmen ABC automatisiert abgezogen.

Für das Aufladen gibt es vom Unternehmen ABC keine Rechnung.
Erst bei Fälligkeit für bezogene Dienstleistungen des Vormonats gibt es vom Unternehmen ABC am Anfang jeden Monats eine Rechnung mit dem fälligen Betrag.
Auf der Rechnung steht jedoch "Zahlung fällig nach Rechnungserhalt, spätestens jedoch bis ...."
Es ist also nicht erkennbar, dass der fällige Betrag bereits beglichen ist.

(Der Restbetrag, sprich im Voraus aufgeladener höhere Betrag - minus - tatsächlich fälligen Betrag - bleibt somit rechnungstechnisch ganz unberücksichtigt.)

Durch die Ist-Besteuerung muss Herr Müller als Unternehmen die tatsächliche Zahlung an dem Zahlungszeitpunkt berücksichtigen an dem diese rausgegangen ist (Überweisungszeitpunkt).

Wie werden solche Überweisungen auf das virtuelle Guthabenbasis-Konto bzw. solche Zahlungen tatsächlich steuer-rechtlich konform in der Regel in der Praxis berücksichtigt?
Tastenspitz
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von Tastenspitz »

Das Guthabenkonto bei dem Dienstleister wird genau so geführt wie ein Geschäftskonto bei der Bank. Wenn also ein Kauf/Dienstleistung/wasweißich auf dem Konto am 28.02. gebucht wird, wird der Beleg auch am 28.02. gebucht.
Aufladungen sind uninteressant. Das ist Geldtransit. Soll auf dem Einen = Haben auf dem anderen Konto.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
Nicole74
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von Nicole74 »

Vielen dank für Ihre Antwort. Ich kann Ihnen leider nicht ganz folgen.
Es sind in Grunde zwei Aspekte, die Fragen aufwerfen:

Für den tatsächlichen Geldabgang (Überweisung vom Bankkonto des Herrn Müllers zwecks Aufladung des Guthabendkontos bei dem Unternehmen ABC) hat Herr Müller keinen Beleg in Form von Rechnung, Quittung etc.
Verstehe ich es richtig, dass dieser Abgang in EÜR des Herrn Müllers gar nicht verbucht/berücksichtigt wird und das trotz „Ist-Besteuerung“?

Für den Rechnungsbetrag den im vorangegangenen Monat fähigen Dienstleistungen hat Herr Müller keinen tatsächlichen Geldabgang (jedenfalls nicht für diesen konkreten Rechnungsbetrag). Aus dem Rechnungsschreiben ist auch keinen Zahlungseingang beim Unternehmen ABC ohne weiteres ersichtlich.
Wie bzw. auf welcher Grundlage kann dieser Rechnungsbetrag von Herrn Müller in EÜR verbucht / berücksichtig werden?
ExDevil67
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von ExDevil67 »

So wie ich das verstanden habe führt Herr Müller für das Finanzamt neben seinem "normalen" Bankkonto noch ein weiteres "Konto", nämlich das Guthabenkonto bei seinem Dienstleister. Die Zahlungen zwischen diesen beiden Konten sind aus Sicht des Finanzamtes egal, da beide Konten dem Kunden zuzurechnen sind. Dem Finanzamt ist es ja auch egal ob das Firmengeld nun auf einem Giro- oder Festgeldkonto liegt.
Kommen jetzt die Rechnungen vom Dienstleister werden die jetzt nicht als Belastung auf dem Bankkonto verbucht, sondern als Belastung auf dem Guthabenkonto beim Dienstleister.

Wobei ich natürlich verstehen kann das die fehlenden Hinweise auf das Guthaben durchaus suboptimal sind, da das möglichweise zu größeren Diskussionen mit dem Finanzamt führen kann.

Und wenn ich Herr Müller wäre, würde ich zusehen das ich einen anderen Dienstleister finde. Im Falle einer Insolvenz des Dienstleisters dürfte nämlich das Guthaben weg und als Forderung gegen die Insolvenzmasse anzumelden sein.
Nicole74
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von Nicole74 »

Danke für Ihre Antwort.
Dieser Vergleich mit einem Bankkonto ist irgendwie ungünstig... Es handelt sich viel mehr um ein überaus gängiges Prepaid- Bezahlverfahren eines Dienstleistungsanbieter... Dieses virtuelles Guthaben-Konto kann Herr Müller nur insofern benutzen, um daraus die in Anspruch genommen Dienstleistungen zu bezahlen.
Müsste da dementsprechend nicht auch eine steuerkonforme Lösung des Verbuchens für die bestehende Ist-Versteuerung von solchen Ausgaben für Herrn Müller geben?
ExDevil67
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von ExDevil67 »

Welche Ausgabe will Herr Müller da korrekt besteuert wissen? Ausgabe dürften hier nur die tatsächlichen, per Rechnung geforderten Beträge sein. Nicht aber die Vorauszahlungen.
Im Extremfall könnte ja sonst Herr Müller den kompletten Jahresgewinn im Dezember als Vorauszahlung für die nächsten Jahre an den Dienstleister "ausgeben" und so die Steuerlast künstlich senken.
Nicole74
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von Nicole74 »

Verstehe, also sind Ausgaben in dem Fall nur die die tatsächlichen, per Rechnung geforderten Beträge.
Welche Relevanz hat in dem Fall steuerrechtlich die Tatsache, dass außer dem Rechnungsschreiben selbst keinen Beleg der Zahlung über diesen Rechnungsbetrag vorliegt?
Bzw. wie kann der im Voraus per Prepaid- Bezahlverfahren überwiesene höhere(!) Betrag mit dem niedrigeren Rechnungsbetrag in EÜR in Verbindung gebracht werden?
lottchen
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von lottchen »

Das Geld gehört doch immer noch Herrn Müller. Es ist ja (noch) nicht ausgegeben und er kann es sich ja auch zurückholen auf sein normales Konto, wenn er will.
Nicole74 hat geschrieben: 01.03.21, 14:46 wie kann der im Voraus per Prepaid- Bezahlverfahren überwiesene höhere(!) Betrag mit dem niedrigeren Rechnungsbetrag in EÜR in Verbindung gebracht werden?
Na die tatsächlich gezahlten Beträge (wo es auch eine Rechnung gibt) werden als Ausgaben gerechnet, das noch übrige Geld nicht. Wo ist da das Problem? Man hat eben 100€ auf dem Prepaid-Konto rumliegen statt auf dem Girokonto. Statt 2000€ Guthaben auf dem Girokonto zum Tag X hat man eben 1900€ Guthaben Girokonto + 100€ Guthaben Prepaid-Konto.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
Nicole74
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Re: Ist-Besteuerung & Guthabenbasis-Bezahlsystem

Beitrag von Nicole74 »

lottchen hat geschrieben: 01.03.21, 14:57 Na die tatsächlich gezahlten Beträge (wo es auch eine Rechnung gibt) werden als Ausgaben gerechnet, das noch übrige Geld nicht. Wo ist da das Problem?
Danke für Ihre Antwort. Ich habe diese Verständnisfrage gestellt, weil ich davon ausging, dass Herr Müller als Unternehmer für jede geltend gemachte und in EÜR erfasste Ausgabe einen gültigen Beleg benötigt, der genau darlegt, dass das Geld tatsächlich rausging.
Ein Rechnungsschreiben ist in meinem Verständnis noch kein solcher Beleg, da es bloß eine Aufforderung zur Zahlung sei, die ja nicht zwangsläufig einen tatsächlichen Zahlungsfluss mit sich bringt. Liege ich da etwa falsch ?

Zumal wir in diesem konkreten Beispiel davon ausgehen, wie oben erwähnt, dass auf der Rechnung "Zahlung fällig nach Rechnungserhalt, spätestens jedoch bis ...." steht, womit ja keine tatsächliche Zahlung erkennbar sei.
Liege ich richtig in der Annahme, dass dieser Satz vom dienstleistenden Unternehmen ABC faktisch korrigiert werden muss in etwa „Zahlung am … dankend erhalten / mit Prepaid-Guthaben verrechnet“, damit dieses Rechnungsschreiben gleichzeitig als Zahlungsbeleg gilt?
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