Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

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xxxyyyx
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Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von xxxyyyx »

Hallo,

ich hatte im Zuge meines Studiums eine eigene Wohnung am Studienort. Dort habe ich Miete gezahlt und mich zusätzlich zu Hause bei meinen Eltern an den Haushaltskosten beiteiligt (da ich auch relativ oft zu Hause bei meinen Eltern war).
Allerdings hatte ich dabei meinen Hauptwohnsitz am Studienort angemeldet, um die Zweitwohnsitzsteuern zu umgehen.

Meine Farge ist nun: Wie ist die Rechtslage? Kann man trotzdem in der Steuererklärung die Adresse bei den Eltern als Erstwohnsitz angeben und damit die Studentenwohnung bei der doppelten Haushaltsführung angeben (mein Lebensmittelpunkt hat sich zumindest bei den Eltern befunden)?

Danke vorab :)
Hertha1892
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von Hertha1892 »

Kniffelig. Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass insbesondere ältere Kinder bei den Eltern einen doppelten Haushalt haben können, wenn sie sich dort finanziell beteiligen und das mit mehr als 10 % der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung (BMF-Schreiben vom 24.10.2014, BStBl. 2014 I S. 1412, Tz. 100).

Das muss in der Regel nachgewiesen werden, zB durch regelmäßige Überweisungen.

Dagegen spricht, dass der Wohnsitz dort angemeldet wurde. Meldung ist zwar nur ein Indiz, jedoch kann das den Ausschlag geben, wenn die Summe der Nachweise auf der Kippe steht.

Grüße Hertha1892
xxxyyyx
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von xxxyyyx »

Danke für deine Rückmeldung,

Kann das Finanzamt die angemeldeten Wohnsitze überhaupt nachschauen?

EDIT:
Ich bin während meines Masterstudiums auch an eine andere Hochschule gewechselt und dementsprechend umgezogen (nennen wir es mal Ort C). Da ich am Ort C nicht mehr als 6 Monate gewohnt habe, habe ich keinen Zweitwohnsitz angemeldet (sondern den Erstwohnsitz wieder von Ort B zurück bei meinen Eltern angemeldet (Ort A)). Im Grunde stehen da ja die Chancen dann besser. Allerdings bin ich mir bei 2 Sachen unsicher: 1. Kann ich doppelte Haushaltsführung auch angeben, wenn ich nicht am Zweitwohnsitz (Ort C) gemedet war?, 2. Wenn das Finanzamt sieht, dass ich meinen Erstwohnsitz zuvor nicht bei meinen Eltern angemeldet hatte (war ja am Ort B), könnte meine Chancen für eine Anerkennung des Hauptwohnsitzes bei meinen Eltern (Ort A) sinken?

(Ort A -> Wohnung Eltern / Ort B -> Wohnung zu Beginn meines Masterstudiums, der als Hauptwohnsitz gemeldet war / Ort C -> Wohnung am Ende meines Masterstudiums wo kein Wohnsitz gemeldet war)

Frage natürlich wieder nach der Rechtslage. ;)
Hertha1892
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von Hertha1892 »

Ja, das Finanzamt sieht, wo man von wann bis wann gemeldet war.

Wenn man für beide Haushalte die Existenz nachweisen kann (Mietvertrag, Mietzahlungen) und diese Doppelhaushalte beruflich notwendig sind, gibt es idR unabhängig von der melderechtlichen Erfassung unproblematisch.

Die letzte Frage ist Glaskugellesen. Die Frage ist, wie gut du durch Fakten den Sachbearbeiter überzeugen kannst.

Grüße Hertha1892
xxxyyyx
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von xxxyyyx »

Ok, danke. Dann versuche ich es einfach mal :)
hambre
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von hambre »

Die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung wird hier schon daran scheitern, dass man gar keine zwei Hausstände hatte.
Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass insbesondere ältere Kinder bei den Eltern einen doppelten Haushalt haben können, wenn sie sich dort finanziell beteiligen und das mit mehr als 10 % der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung (BMF-Schreiben vom 24.10.2014, BStBl. 2014 I S. 1412, Tz. 100).
Ja, jedoch gelten Studenten nicht als ältere Kinder in diesem Sinne. Wenn ein Kind älter als 40 Jahre alt ist und das Studium schon seit längerer Zeit beendet hat, dann kommt die genannte Regelung ggf. in Betracht.
xxxyyyx
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von xxxyyyx »

hambre hat geschrieben: 18.04.21, 17:43 Die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung wird hier schon daran scheitern, dass man gar keine zwei Hausstände hatte.
Hm, das ist halt die Frage. Ich meine objektiv gesprochen: Warum sollen die Eltern nach Volljährigkeit noch für die Kinder Strom / Wasser / Heizung ... zahlen?
Und wenn man da dann einen Beitrag leistet um die Kosten aufzuteilen, kann man doch formal von doppelter Haushaltsführung sprechen, oder?
Froggel
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von Froggel »

xxxyyyx hat geschrieben: 18.04.21, 18:35 Und wenn man da dann einen Beitrag leistet um die Kosten aufzuteilen, kann man doch formal von doppelter Haushaltsführung sprechen, oder?
Da ich annehme, dass die Eltern die vom Kind geleisteten Beiträge nicht bei der Steuer angeben, eher nicht. Es wäre etwas anderes, wenn sie regulär Miete kassieren würden (und das dann auch regulär versteuern).
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -
hambre
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von hambre »

Und wenn man da dann einen Beitrag leistet um die Kosten aufzuteilen, kann man doch formal von doppelter Haushaltsführung sprechen, oder?
Nein, das ist regelmäßig nicht der Fall.

Eine Haushaltsführung eines Studenten im Haushalt der Eltern liegt regelmäßig nur dann vor, wenn die Eltern z.B. aufgrund von Pflegebedürftigkeit den Haushalt nicht mehr selbst führen können.
Da ich annehme, dass die Eltern die vom Kind geleisteten Beiträge nicht bei der Steuer angeben, eher nicht. Es wäre etwas anderes,


Eine Angabe der Einnahmen durch die Eltern bei der Steuer ändert daran nichts.
Hertha1892
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von Hertha1892 »

So pauschal kann man es auch nicht sehen. Es spricht nichts dagegen, wenn sich ein erwachsenens Kind an den Kosten der gemeinsamen Lebensführung beteiligt. Das hat auch nichts mit zu versteuernden Einkünften zu tun.

Zu belegen wäre die ernsthafte Beteiligung am Haushalt.

Grüße Hertha1892
winterspaziergang
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von winterspaziergang »

xxxyyyx hat geschrieben: 18.04.21, 18:35
hambre hat geschrieben: 18.04.21, 17:43 Die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung wird hier schon daran scheitern, dass man gar keine zwei Hausstände hatte.
Hm, das ist halt die Frage. Ich meine objektiv gesprochen: Warum sollen die Eltern nach Volljährigkeit noch für die Kinder Strom / Wasser / Heizung ... zahlen?
weil sie im Falle eines Erststudiums unterhaltspflichtig sind/sein können (je nach Start des Studiums)
xxxyyyx hat geschrieben: 18.04.21, 18:35Und wenn man da dann einen Beitrag leistet um die Kosten aufzuteilen, kann man doch formal von doppelter Haushaltsführung sprechen, oder?
kann man, man kann sich auch an drei Haushalten beteiligen (Eltern, Partner/in und der eigene) aber man wird sich schwer tun, die Notwendigkeit zu belegen.
hambre
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von hambre »

Zu belegen wäre die ernsthafte Beteiligung am Haushalt.
Es geht dabei aber nicht um die Beteiligung an den Kosten, sondern um eine Beteiligung an der Haushaltsführung der Eltern. Ein solcher Nachweis ist nach meiner Kenntnis noch keinem Studenten gelungen, es sei denn die Eltern sind selbst nicht mehr in der Lage, den Haushalt zu führen.

Mir sind zwar Urteile bekannt, bei denen einem Kind zugestanden wurde, dass es sich an der Haushaltsführung beteiligt. In den Fällen waren die Kinder aber schon 50 Jahre oder älter.
Christian_K
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Re: Doppelte Haushaltsführung auch für Erstwohnsitz?

Beitrag von Christian_K »

Auch die Beteiligung an der Haushaltsführung ist nicht ausreichend.
Vielmehr muss die Haushaltsführung maßgeblich mitbestimmt werden.

Den beiden Urteilen, die @hambre wohl im Kopf hat, lagen jeweils Steuerpflichtige jenseits der 40 zu Grunde, die im gleichen Haushalt mit den Eltern wohnten und dort mehr oder weniger die Führung alleine inne hatten. Da haben die Gerichte geurteilt, dass es sich hier mehr um den Haushalt des "Kindes" handelt und die Eltern dort mit wohnen.

Ich kenne auch keinen Fall, bei dem einem Studenten dies gelungen wäre.
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LG
Chris

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