Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

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Pittil
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Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von Pittil »

Wie kann man das Überschreiten der Haltefrist nachweisen, wenn man keinen Kaufbeleg mehr hat vom Erwerbszeitpunkt der Ware, die verkauft werden soll?
fodeure
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von fodeure »

Im Zweifelsfall gar nicht. Man könnte sich auch an den Verkäufer wenden und um ein Belegduplikat bitten.
FM
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von FM »

Das wird man ohnehin brauchen, um den Einkaufspreis nachzuweisen.
Pittil
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von Pittil »

fodeure hat geschrieben: 02.11.21, 12:31 Im Zweifelsfall gar nicht. Man könnte sich auch an den Verkäufer wenden und um ein Belegduplikat bitten.
Das ist kaum möglich, da der Kauf über 10 Jahre her ist.

Könnte man nicht jetzt irgendwie ein neues Datum setzen und dokumentieren und dann erst nach weiteren 12 Monaten verkaufen? Dann ist die Haltefrist ja sicher auch abgelaufen?
Zuletzt geändert von Pittil am 02.11.21, 13:51, insgesamt 2-mal geändert.
Pittil
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von Pittil »

FM hat geschrieben: 02.11.21, 12:36 Das wird man ohnehin brauchen, um den Einkaufspreis nachzuweisen.
Nun, wenn die Haltefrist abgelaufen ist, ist der Einkaufspreis ja wohl unerheblich, da keine Steuer mehr anfällt.
ktown
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von ktown »

Der Kauf muss doch bei der Finanzbehörde ersichtlich sein. Oder?
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Pittil
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von Pittil »

ktown hat geschrieben: 02.11.21, 13:53 Der Kauf muss doch bei der Finanzbehörde ersichtlich sein. Oder?
Den Hinweis verstehe ich nicht. Der Kauf ist über 10 Jahre her und damals sicher für die Finanzbehörde nicht ersichtlich gewesen - warum auch. Ein Verkauf hat auch noch nicht stattgefunden und ist auch kurzfristig nicht geplant.

Ich habe allerdings bei einer kürzlichen Aufräumaktion alter Akten die damaligen Kaufbelege versehentlich vernichtet. Und somit ergibt sich eben die Frage, wie ich bei einem zukünftigen Verkauf das Überschreiten der Haltefrist nachweise um steuerfrei verkaufen zu können.

Ich könnte z.B. heute den Besitz der Ware dem Finanzamt anzeigen, falls so etwas hilfreich ist. Oder was sonst? Auch möglich: Foto der Ware auf einer Tageszeitung von heute - das kann man ja beliebig fälschen?

Für so etwas müßte es doch Präzedenzfälle geben!?
ktown
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von ktown »

und ich verstehe jetzt erst recht die Frage nicht. Tafelpapiere hätte man bis Ende 2016 eh bei einer Bank einlösen müssen um sie dann elektronisch in einem Depot zu verwahren.
Selbst wenn man sowas noch hätte, Sie sind ja nicht danach wertlos,.so ist jedoch, aufgrund der jetzt fast 5 Jahre, sicher, dass die Haltefrist bei weitem überschritten wurde.
Wenn man jedoch vor 2016 (hier wohl 2011)elektronisch Aktien gekauft hat, dann liegen der depotführenden Bank eh die Kaufdaten vor und wird, automatisch nach den gültigen Gesetzen handeln.
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von Tom998 »

Der Kauf ist über 10 Jahre her und damals sicher für die Finanzbehörde nicht ersichtlich gewesen - warum auch.
Um welches Wirtschaftsgut geht es überhaupt? Da nur bei Grundstücken und Rechten, die den Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke unterliegen, eine 10-Jahres-Frist im § 23 EStG existiert, ist die Frage etwas verwunderlich.
Pittil
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von Pittil »

Tom998 hat geschrieben: 02.11.21, 16:23
Der Kauf ist über 10 Jahre her und damals sicher für die Finanzbehörde nicht ersichtlich gewesen - warum auch.
Um welches Wirtschaftsgut geht es überhaupt? Da nur bei Grundstücken und Rechten, die den Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke unterliegen, eine 10-Jahres-Frist im § 23 EStG existiert, ist die Frage etwas verwunderlich.
Ok, da liegt wohl ein Missverständnis vor!

Ich rede von physischem Edelmetall, also z.B. Goldbarren. Die Haltefrist beträgt dort ja ein Jahr. Die "über 10 Jahre" habe ich nur erwähnt, weil der Kauf so lange zurück liegt und daher kaum eine Chance besteht, nachträglich Belege vom Verkäufer (keine Bank) zu erhalten. An dem Geschäft ist alles legal. Nur kann ich derzeit, falls ich das Edelmetall irgendwann mit ordentlichen Kursgewinn verkaufen will, das Überschreiten der einjährigen Haltefrist mangels Kaufbeleg nicht nachweisen, bzw. ich weiß nicht wie.
FM
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von FM »

Wenn die Goldbarren eine Seriennummer haben, könnte man sie einem Notar vorlegen, der das dann dokumentiert.

Sollten sie keine haben, nützt es wenig - denn dann ist beim Verkauf nicht nachweisbar, dass es um genau diese ging.
steuerhaft
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von steuerhaft »

Möglicherweise ein Scheinproblem. M. E. muss das Finanzamt im Streitfall nachweisen, dass "der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt" (§ 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG) und nicht der Steuerpflichtige, weil dies steuerbegründend ist. Man muss sicherlich als Steuerpflichtiger mitwirken und aus seiner Sphäre vortragen, was man dazu vortragen kann. Wenn das aber am Ende nicht aufklärbar ist, trägt das Finanzamt die sog. Feststellungslast. Das Finanzamt würde also den Prozess verlieren.
ktown
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Re: Nachweis Haltefrist bei privatem Veräußerungsgeschäft

Beitrag von ktown »

Ich zitiere:
hat geschrieben:Zwar muss die Behörde von Amts wegen einen Sachverhalt ermitteln, § 88 AO. Dabei muss sie alles Zumutbare unternehmen, um den Sachverhalt zu ermitteln. Wenn aber der Sachverhalt unklar bleibt, muss die Behörde und auch das eventuell angerufene Finanzgericht eine Entscheidung nach der Beweislast (Feststellungslast) treffen.


Dabei gilt der Grundsatz, dass derjenige, der sich auf einen für ihn positiven Umstand beruft, dafür auch die Beweislast trägt, wenn nicht ausnahmsweise im Gesetz etwas anderes geregelt ist. Bei Auslandssachverhalten ist diese Regelung zugunsten des Finanzamts verschärft. Der Steuerpflichtige hat hier eine erhöhte Mitwirkungspflicht.

Gemäß diesen Grundsätzen muss z. B. das Finanzamt steuererhöhende Sachverhalte (Einnahmen) beweisen, während der Steuerpflichtige die Beweislast für die steuermindernden Ausgaben trägt.
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