bewährungs strafen über 2 jahre möglich?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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tomspot
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bewährungs strafen über 2 jahre möglich?

Beitrag von tomspot » 28.06.12, 14:05

hallo!
ich habe tasächlich eine rein theoretisch frage,da ich gestern eine diskussion mit einem angehenden juristen hatte!
da meine infos zu dieser frage schon mindestens25 jahre alt sind,bin ich mir nicht sicher,was nun richtig(der gesetzlichen lage entsprechend)!
mein gesprächspartner behauptete,das nach deutschem recht es unmöglich sei,eine bewährung für eine freiheitsstrafe über 2 jahren zu bekommen-er verwies mich dabei auf irgend einen pragraphen der stpo!
meiner erinnerung nach ist(oderwar)es so,das auch freiheitsstrafen über insgesamt 2jahren möglich sind,z.b.dduch strafzusammenzug o.ä.!
ok diese frage ist zwar nicht wirklich lebendswichtig,aber ich wüsste schon gerne,ob mich mein erinnerungsvermögen so täuscht,oder wer von uns beiden nun näher an der realität ist,bzw wer recht hat.
mfg, tomspot

Gammaflyer
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Re: bewährungs strafen über 2 jahre möglich?

Beitrag von Gammaflyer » 28.06.12, 14:27

Das wäre dieser hier: http://dejure.org/gesetze/StGB/56.html

Eine einzelne Bewährungsstrafe darf nicht über 2 Jahre betragen.

Also entweder muss man aus zwei Einzelstrafen von z.B. einem und eineinhalb Jahren eine bewährungsfähige Gesamtstrafe von max. 2 Jahren bilden(sofern das in diesem Fall möglich bzw. vorgesehen ist).
Oder es gibt zwei parallele Bewährungen. Dann drohen bei einem weiteren Verstoß ggf. insgesamt auch mehr als 2 Jahre, wenn beide widerrufen werden.

Luzibel
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Re: bewährungs strafen über 2 jahre möglich?

Beitrag von Luzibel » 15.08.12, 21:46

Grundsätzlich können Freiheitsstrafen pro Urteil von über 2 Jahren nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

1) Diese Schranke kann aber in der Praxis indirekt überlaufen werden, wenn anteilig bereits
eine Haft aus dem Urteil (U-Haft) verbüßt wurde und (manchmal im Zusammenhang mit Therapien und veränderter Sozialprognostik usw.) die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, obwohl der größte Teil der Freiheitsstrafe noch nicht verbüßt ist.
Das ist nicht kongruent mit einer ordinären vorzeitigen Entlassung aus einer Haft.

2) Auch können manchmal erlittene Haft aus einem anderen Verfahren auf eine Strafe angerechnet werden, wenn die in dem anderen Verfahren erlittene Haft aus einem Urteil herrührt, wo die
Strafverfahren gesamtstrafenbildungsfähig gewesen wären.
Sogenannte nachträgliche Gesamtstrafenbildung per Beschluß.
(Zumindest muß eine Gesamtstrafenbildung möglich gewesen sein v.d.Bedingung her, aber ich will es nicht zu kompliziert machen)
D.h., sich somit die ausstehende Strafe von über 2 Jahren durch erlittene Haft in anderem Verfahren
im Rahmen mögl.Gesamtstrafenbildungsfähigkeit sich so verringert, daß der Rest wie unter Punkt 1) nun unterhalb 2 Jahre fällt.
Auch dann kann u.U. (!) bei günstiger Sozialprognostik die Strafe doch noch zur Bewährung ausgesetzt werden.

Allerdings macht in solchen Sachen jedes OLG, was es will - und skurriler Weise ist die bayerische Justiz da z.T. milder, weil einfach gründlicher im anwenden und erkennen von Gesetz und Gesetzeslage. (Wertekonservativ, etwas mehr Akribi- etwas weniger Pfusch wie im Norden,
aber auch viel Mauschel)

Matthias05
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Re: bewährungs strafen über 2 jahre möglich?

Beitrag von Matthias05 » 31.08.12, 09:04

Laut deutschen Gesetz könne Bewährungsstrafen nur bis zu 2 Jahren verhängt werden.

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