Körperverletzung / Falschaussage

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

Moderator: FDR-Team

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Tjeridan
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Körperverletzung / Falschaussage

Beitrag von Tjeridan »

Mal angenommen die Person "Kalle" begeht an der Person "Norbert" eine Körperverletzung. Zeuge des Vorfalls ist "Willi". Es geht erst mal alles seinen Gang. Norbert erstattet Anzeige, Willi und er machen ihre Zeugenaussage bei der Polizei und nach einigen Monaten kommt die Ladung zur Verhandlung.

Nun ist es so, dass es a) einen weiteren Zeugen des Vorfalls gibt, der die Zeugenaussagen von Norbert und Willi bestätigen kann, der aber der Polizei namentlich nicht genannt wurde. Außerdem gibt es ein Foto der Verletzung und einen ärztlichen Befund. Beides liegt ebenfalls nicht der Polizei, bzw. der Staatsanwaltschaft vor.

Nun steht wie gesagt die Verhandlung bevor und Norbert bekommt Bedenken, Kalle könne vor Gericht irgendwelche erfundenen Dinge erzählen, die von seinem Freund, der zur Tat ebenfalls dabei war, in vorheriger Absprache (falsch) bezeugt werden könnten. Zum Beispiel er habe gar nicht zugeschlagen. Oder zum Beispiel von Norbert sei ebenfalls eine Körperverletzung ausgegangen oder eine andere Straftat.

Mal angenommen Kalle und sein Freund sind so dreist... Und mal angenommen, der Richter entschließt sich daraufhin Kalle nicht zu verurteilen. Was stehen Norbert nach der Verhandlung noch für Möglichkeiten offen? Gibt es bei einem Strafprozess für das Opfer die Möglichkeit Berufung einzulegen? Ist es nach mehreren Monaten trotzdem noch möglich vom Täter Schadenersatz einzufordern? Könnte man den Täter ggf. wegen Verleumdung anklagen, wenn er im Prozess die Unwahrheit gesagt hat und der weitere Zeuge dies in einem weiteren Prozess durch seine Aussage bezeugen kann?
Toleranz sollte immer vom eigenen Willen getragen werden. Aufgezwungene Toleranz ohne Aufbegehren ist Feigheit. Anerkennung nur allein der Toleranz wegen ist Gleichgültigkeit.
Mangelnde Toleranz ist keine Intoleranz, sondern einfach nur Ehrlichkeit!

Anwärter
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Re: Körperverletzung / Falschaussage

Beitrag von Anwärter »

Wenn die Beiden vor Gericht falsch aussagen, ist es eine uneidliche Falschaussage und wir mit mindestens 3 Monaten Freiheitsstrafe bestraft.

Ein Zivilgericht ist nicht an das Urteil eines Strafgerichts gebunden.
PS: Vorgenannte Aussage stellt nur eine Meinung dar und ist wie immer in diesem Forum nicht verbindlich. ;-)

Michael A. Schaffrath
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Re: Körperverletzung / Falschaussage

Beitrag von Michael A. Schaffrath »

Tjeridan hat geschrieben:Gibt es bei einem Strafprozess für das Opfer die Möglichkeit Berufung einzulegen?
Nur als Nebenkläger.
Tjeridan hat geschrieben:Ist es nach mehreren Monaten trotzdem noch möglich vom Täter Schadenersatz einzufordern?
Schadensersatzforderungen aus Körperverletzung verjähren 3 Jahre ab Kenntnis des Täters, spätestens nach 30 Jahren (§§195, 199 BGB).
Tjeridan hat geschrieben:Könnte man den Täter ggf. wegen Verleumdung anklagen, wenn er im Prozess die Unwahrheit gesagt hat und der weitere Zeuge dies in einem weiteren Prozess durch seine Aussage bezeugen kann?
Wenig erfolgversprechend. Der "weitere Zeuge" hat doch schon im ersten Prozeß ausgesagt und ihm wurde nicht geglaubt. In einem weiteren Prozeß wird kaum ein Richter ein effektiv umgekehrtes Urteil bei gleicher Lage ("ach, ich glaube aber dem A und nicht dem B wie im ersten Prozeß") fällen.
Abgesehen davon liegt auch keine Verleumdung vor, sondern Falschaussage. Verleumdung ist für Äußerungen vor Gericht fast ausgeschlossen als Tatbestand.
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Klimaanlage

Re: Körperverletzung / Falschaussage

Beitrag von Klimaanlage »

Anwärter hat geschrieben:Wenn die Beiden vor Gericht falsch aussagen, ist es eine uneidliche Falschaussage und wir mit mindestens 3 Monaten Freiheitsstrafe bestraft.
Kalle kann sich als Angeklagte nicht wegen uneidlicher Falschaussage strafbar machen.

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