Nachbarin wird beleidigend

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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AnjaBo
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Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von AnjaBo »

Einen schönen guten Abend

Da ich aktuell eine Frage habe, habe ich mich soeben angemeldet und wüsste gern eure Meinung dazu ggf. wie die rechtlichen Wege zu dem Fall aussehen könnten.

Vor ca. 20 Minuten kam ich mit meiner Tochter nach Hause. Diese ließ aus Versehen Ihren Roller im Treppenhaus kurz fallen, was natürlich Lärm mit sich brachte, aber erstens war es weder beabsichtigt noch steht es in meinen Augen zur Relation zu dem was folgte.

Eine Nachbarin aus dem Hause riss die Wohnungstür auf, schrie meine 9 Jährige Tochter an "sei sofort leise oder es gibt Ärger" (ich war in dem Moment im Keller das Fahrrad wegstellen). Als sie mich zu sehen bekam fing sie einen riesigen Streit an. Es wäre zu laut, sie habe eine 5 Jährige Tochter. Auf den Einwand, das nur der Roller umfiel, dies mal passieren könnte und nicht mal 22 Uhr ist ging sie garnicht ein. Sie drohte mit den "Bullen", wenn wir wieder laut werden würden, woraufhin ich lediglich meinte das wir uns dann ebenfalls über sie beschweren würden (nachts um 2 lautes Gequatsche/Gelache auf dem Balkon unter uns als Beispiel), aber Sie keifte einfach weiter und als ich in der Wohnung verschwinden wollte kam auf meine Erklärungsversuche nur noch ein "Schnauze du Fot.." (ich schreibs mal nun nicht ganz aus). Wirklich nett... und das vor meinem Kind :shock: Meinen letzten Kommentar, "danke das gibt ne Anzeige" konnte ich mir dann doch nicht verkneifen, weiß jedoch nicht ob sie es überhaupt gehört hat.
Meckern ist eine Sache, aber mich beleidigen muss ich nun wirklich nicht lassen :x
Das geht eindeutig zu weit meiner Meinung nach.

Wie würdet ihr vorgehen, weil reden scheint nicht zu fruchten :roll:
Ist das ein Fall für die Polizei und wenn ja, wie geht man dann genau vor?

Viele Grüße
Anja

hws
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von hws »

AnjaBo hat geschrieben:... Wie würdet ihr vorgehen, weil reden scheint nicht zu fruchten :roll:
Praktisch: Die Nachbarin keifen lassen, die Kalte schuter zeigen und ihr die Türe vor der Nase zumachen.
Juristisch: § 185 StGB (Beleidigung), vorausgesetzt, daß sie die Worte der Nachbarin beweisen können.
Bisher hat sie das Gequatsche auf dem Balkon doch nicht gestört - jetzt auf einmal?
Sie können wegen dem Lärm "die Bullen rufen", wenn dieser tatsächlich ruhestörend ist.

Das ist ein üblicher sich aufschaukelnder Nachbarschaftsstreit, wo keiner mehr überlegt und nur an Rache denkt. Einziges Ergebnis: ein Rechtsanwalt wird reich.

hws

Hanomag
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von Hanomag »

hws hat geschrieben: § 185 StGB (Beleidigung), vorausgesetzt, daß sie die Worte der Nachbarin beweisen können.
Da die 9jährige Tochter als Zeugin nicht zählt, schließe ich mich der Empfehlung von HWS an.

AnjaBo
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von AnjaBo »

hws hat geschrieben: Bisher hat sie das Gequatsche auf dem Balkon doch nicht gestört - jetzt auf einmal?
Sie können wegen dem Lärm "die Bullen rufen", wenn dieser tatsächlich ruhestörend ist.
Das nächtliche Gequatsche/Gelache hat durchaus gestört. Es war nachts um 2 Uhr, mein Mann musste um 4 Uhr aufstehen und wollte schon die Polizei anrufen, da es durch die geschlossenen Fenster noch deutlich zu hören war.
Jedoch war ich es, die das nicht wollte, will man ja mit den Nachbarn keinen Ärger :roll:

Edit:
Hanomag hat geschrieben:Da die 9jährige Tochter als Zeugin nicht zählt, schließe ich mich der Empfehlung von HWS an.
Und was ist mit "Auch ein Minderjähriger kann Zeuge sein, sofern er nur die erforderliche Verstandesreife besitzt"? Wenn ich das richtig gelesen habe (Wiki), ist das die derzeitige Rechtslage in Deutschland, insofern sich daran nichts geändert hat.

hws
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von hws »

AnjaBo hat geschrieben:..Das nächtliche Gequatsche/Gelache hat durchaus gestört.

Dann rufen sie beim nächsten ähnlichen Vorfall die Polizei. Aber dieses - im nachhinein - für den Streit im Treppenhaus zu verwenden, ist sinnfrei, da die beiden Sachen nichts miteinander zu tun haben.
AnjaBo hat geschrieben:Jedoch war ich es, die das nicht wollte, will man ja mit den Nachbarn keinen Ärger :roll:
Also vergessen sie den Vorfall, jetzt können sie daraus keinen Vorteil mehr ziehen.
AnjaBo hat geschrieben:Und was ist mit "Auch ein Minderjähriger kann Zeuge sein, sofern er nur die erforderliche Verstandesreife besitzt"?
Ja, ist ok, aber wenn sie einen Nachbarschaftsstreit anfangen wollen, dann bitte mit mehr Substanz.
Beleidigungen der Nachbarin (besser) nachweisbar, Lärmprotokoll, bei Lärmbelästigung jedesmal die Polizei rufen (und wenn die die Lautstärke anders einschätzen, wars das dann)

Wollen sie einen Nachbarschaftskrieg, werden sie das mit einer solchen Gegnerin sicher erreichen. (falls sie das notwendige Geld ausgeben wollen) beauftragen sie einen Rechtsanwalt.
Haben sie - nach einer Nacht überschlafen - immer noch diese Rachegelüste?
Und man kann natürlich umziehen (wen man sicher ist, daß es in der neuen Hausgemeinschaft solche Probleme nicht hat)

Also bei der nächsten Ruhestörung Polizei rufen. Anzeige wegen Beleidigung erstatten und die 9jährige als einzigen Zeugen angeben. Meine Vermutung: der Staatsanwalt wird sie auf den Privatklageweg verweisen. Kostet - aber bringt vermutlich nicht viel.

hws

nordlicht02
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von nordlicht02 »

Auch wenn ich persönlich den ersten Rat von hws bevorzugen würde:
Hanomag hat geschrieben:Da die 9jährige Tochter als Zeugin nicht zählt, ...
Wie kommen Sie auf diesen Holzweg?
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

JuraPunk
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von JuraPunk »

hws hat geschrieben:Einziges Ergebnis: ein Rechtsanwalt wird reich.

hws
Schön wär's. Das sind doch üblicherweise die Mandate, die erst über Beratungshilfe laufen, jedoch enormen Aufwand verursachen, um dann über PKH (wenn man Glück hat) vor Gericht zu landen. Anschließend gibt's dann wahrscheinlich noch diverse (fruchtlose) Vollstreckungsversuche auf PKH und dann geht das Spiel von vorne los...

JuraPunk

hws
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von hws »

JuraPunk hat geschrieben:
hws hat geschrieben:Einziges Ergebnis: ein Rechtsanwalt wird reich.
Schön wär's. Das sind doch üblicherweise die Mandate, die erst über Beratungshilfe laufen....
Zugegeben, wenn es sich um Plattenbausiedlung mit ausschließlich Hartz4 Empfängern handelt ... :twisted:
Ansonsten wird der Staatsanwalt auf den Privatklageweg verweisen und ob es dann PKH gibt?
Und nochmal zugegeben: bei "Nachbarschaftskrieg" denke ich zuerst an 2 Grundstücksbesitzer, die wegen Laubeintrag, Schatteneinfall, überhängende Hecke und sonstwas jahrelang Prozesse führen.

hws

Cicero
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von Cicero »

hws hat geschrieben: Zugegeben, wenn es sich um Plattenbausiedlung mit ausschließlich Hartz4 Empfängern handelt ... :twisted:
Wenn nicht, dann sind es eben die Mandate, die bei minimalem Gegenstandswert maximalen Aufwand verursachen, so dass eine kostendeckende Bearbeitung aussichtslos ist.

Hanomag
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von Hanomag »

nordlicht02 hat geschrieben:
Hanomag hat geschrieben:Da die 9jährige Tochter als Zeugin nicht zählt, ...
Wie kommen Sie auf diesen Holzweg?
Ich war bisher der Meinung, daß nahe Angehörige als Zeugen ausscheiden. Sie könnten ja geneigt sein, Ihren Angehörigen helfen zu wollen. Oder: Auf diese Art könnte man unliebsamen Nachbarn mit Falschaussagen erfolgreich eine Beleidigungsklage anhängen.

Gammaflyer
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von Gammaflyer »

Ein Richter mag das in seine Beweiswürdigung mit einbeziehen. Ein pauschaler Ausschlussgrund ist es jedoch keinesfalls.

Oktavia
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von Oktavia »

Hanomag hat geschrieben:
nordlicht02 hat geschrieben:
Hanomag hat geschrieben:Da die 9jährige Tochter als Zeugin nicht zählt, ...
Wie kommen Sie auf diesen Holzweg?
Ich war bisher der Meinung, daß nahe Angehörige als Zeugen ausscheiden. Sie könnten ja geneigt sein, Ihren Angehörigen helfen zu wollen. Oder: Auf diese Art könnte man unliebsamen Nachbarn mit Falschaussagen erfolgreich eine Beleidigungsklage anhängen.
Was ist denn das für eine Betrachtungsweise? Der Gesetzgeber geht erst Mal davon aus dass Zeugen vor Gericht nicht lügen :wink:
So und nun verrate ich ein Geheimnis :mrgreen: So wie es in manchen Ländern schon Automatenscheidungen gibt, wäre das ja auch für alle Urteile eine Option. Roboter prüfen und sprechen dann Recht. Allerdings ist dafür die Richterlobby zu stark :(
Ne Quark, Richter haben die Möglichkeit den Zeugen zu glauben - oder eben nicht. Wär ja auch blöd sonst. Und selbst wenn Zeugen kein Motiv zum Lügen haben tun sie es gelegentlich und sie täuschen sich oft genug.
Das 9 Jährige Mädchen in diesem Bespielfall könnte sehr wohl als Zeugin geladen werden. Auch wenn sie straflos lügen könnte, darf sie es ja nicht und der Richter kann sich ein Bild machen von Wortwahl und Auftreten des Kindes. Ein Staatsanwalt wäre jedoch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er hier die eine, einzige Verfehlung der Nachbarin verfolgt (die auf wackeligen Füßen steht). Gab es allerdings schon mehr Vorfälle könnte es sein, dass dieser eine die Teetasse zum Überlaufen bringt.

Es würde zwar schon vor Nachbarschaftsscharmützeln gewarnt aber Wiederholung kann ja nicht schaden :wink:
Manchmal hilf es, wenn man sich vorstellt dass das Gegenüber eben einen grottenschlechten Tag hatte und dann eine Sicherung durchgeknallt ist. das Kind war den ganzen Tag unausstehlich, beim Einkaufen würde man angepampt, der Tag war stressig. Dann ist man Zuhause, das Kind hat sich hingelegt und man hat grad mal einige Minuten Ruhe. Dann poltert es im Flur, das Kind wacht auf und plärrt - wutsch Überspannung, Sicherung raus.
Es gibt einen Konflikt und den muss man eigentlich selbst lösen. Da wir Menschen uns ungern unbeliebt machen, suchen wir einen Stellvertreter der den Konflikt für uns löst. Nur, das funktioniert meisst nicht. Der "Gegner" sinnt auf Rache und findet oft irgendwas. Das ist dann der Einstieg in die Eskalationsspirale.
Am Besten versuchen die Konflikte auf einer Sachebene selbst zu lösen und erst wenn das nicht funktioniert jemanden dazu holen (hier vielleicht Vermieter, andere Nachbarn...)
Ganz wichtig, mit dem Kind darüber sprechen dass es nicht in Ordnung ist jemanden zu beleidigen aber dass man auch über den Dingen steht und erwachsen genug ist damit umzugehen ohne einen Gegeangriff.
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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chora
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von chora »

Wow, Oktavia, du bist ja ziemlich schmerzfrei. Soo schlecht kann kein Tag sein, dass jemandem das F-Wort rausrutscht, da ist dann schon im Ansatz was falsch.

Es ist auf alle Fälle eine Beleidigung und somit eine Straftat, welche auch bei der Polizei anzeigefähig ist, egal, ob man es beweisen kann. Das objektiv zur Frage, ob es ein Fall für die Polizei ist.
Zur Frage, wie man dabei vorgeht: Man geht zur nächsten Polizeidienststelle und schildert den Fall.

Allerdings befürchte auch ich, dass es hier nicht dabei bleibt und eine Spirale der "Nettigkeiten" heraufbeschwört, daher:
Zur Frage, wie ich vorgehen würden bzw. in einem ähnlichen Fall vorgegangen bin: Zur Nachbarin sagen: Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Tag und ohne weitere Worte oder Reaktionen samt Kind in meiner Wohnung verschwinden. Bei mir hat's Wunder gewirkt, der Effekt war verblüffend. Ob's bei dir auch klappt, wer weiß...

Dummerchen
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von Dummerchen »

Ach du je, chora, wohlbehuetet aufgewachsen, wie?
The nine most terrifying words in the English language are, 'I'm from the government and I'm here to help.'
Ronald Reagan
40th president of US (1911 - 2004)

Oktavia
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Re: Nachbarin wird beleidigend

Beitrag von Oktavia »

chora hat geschrieben:Wow, Oktavia, du bist ja ziemlich schmerzfrei. Soo schlecht kann kein Tag sein, dass jemandem das F-Wort rausrutscht, da ist dann schon im Ansatz was falsch.
Hm, ist eines der wenigen Worte die nicht zu meinem Repertoire gehören, "das F-Wort" so als Frau :mrgreen: aber ansonsten würde da schon was gehen...
Hab mich aber sehr unter Kontrolle und wenn ich jemals Jemanden beleidige, dann wäre das nicht anzeigefähig aber es träfe hart :wink:
Beliebt macht man sich aber auch damit nicht also beschränke ich mich darauf Siri zu beleidigen wenn ich das Bedürfnis dazu habe. Sehr empfehlenswert, übrigens weil die auch irgendwann sauer wird :engel:
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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