Nötigung - wie übel muss das Übel sein?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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istdasso?
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Re: Nötigung - wie übel muss das Übel sein?

Beitrag von istdasso? »

...ich hab mir das hier jetzt nochmal durchgelesen...

@J.A
Wenn er den Anspruch "guten Gewissens" bestreitet, läge keine Nötigung vor, auch wenn er ankündigt, dieses Bestreiten im Zivilprozess beizubehalten, für den Fall, dass der Vergleich abgelehnt wird.
Von "gutem Gewissen" kann ja schwerlich die Rede sein, wenn Ra den Vergleichsbetrag entsprechend seiner Einschätzung der Rechstslage selbst errechnet hat. Sprich selbst nach seiner Auslegung der Rechtslage, wie sie von seinem Mandanten ihm vorgetragen wurde ergäbe eben mindestens diesen Betrag ca. 40.000€.
Der aber eben nur auf Raten angeboten wird! (Ausserdem liefe durch diese Variante der Interpretation ein möglicher Betrugsvorwurf ins leere... aber bitte da jetzt nicht dran versuchen hochzuziehen) ...

Im Prozess würde er aber eben genau diese Forderung bzw. die dem zugrundeliegenden Vorgänge/Tatsachen bei Nichtannahme bestreiten. (-> Wahrheitspflicht -> Prozessbetrug)
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

Loanstar
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Re: Nötigung - wie übel muss das Übel sein?

Beitrag von Loanstar »

Wie schon gesagt wurde, es kommt konkret drauf an.

Es ist nicht undenkbar, dass die Gegenseite tatsächlich davon ausgeht, dass der Anspruch nicht besteht z.B. weil beide Parteien ganz ohne böse Absicht eine unterschiedliche Erinnerung an den tatsächlichen Geschehensablauf bzw. Gesprächsinhalt haben.

Da in einem solchen Fall keine Seite genau weiß, was in einem Prozess herauskommt, gehört es zur anwaltlichen Pflicht, gegenüberzustellen, was im schlimmsten und im besten Fall passiert und so gut wie möglich zu erraten, was das wahrscheinlichere Ergebnis sein dürfte. Das was dem Kläger zustände - gesetzt den Fall, dass seine Sachverhaltsdarstellung am Ende des Prozesses zur Überzeugung des Gerichts feststeht -, kann dann ein Ausgangspunkt für Vergleichsverhandlungen sein nach dem Schema:

A: Ich fordere wegen Sachverhalt X 50.000 €

B: Selbst, wenn X tatsächlich zuträfe, stünden Ihnen nur 40.000 € zu. Die wäre mein Mandant bereit zu bezahlen aber nur in Raten. Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie klagen. Wenn Sie klagen, müssen Sie X beweisen. Wenn Sie X nicht beweisen können, gehen Sie leer aus und denken Sie nicht, dass wir Ihnen dabei helfen, X zu beweisen, da müssten wir ja schön blöd sein.

Wenn A dann klagt und B bestreitet, sehe ich hier keinen Anhaltspunkt für eine strafbare Handlung weder im Vorfeld noch im Prozess solange nicht X zur völligen Überzeugung des B zutreffend ist. B wäre auch nicht verpflichtet, in Höhe von 40.000 € anzuerkennen, weil das Angebot nicht impliziert, dass B überzeugt davon ist, die 40.000 tatsächlich zu schulden. Er ist lediglich bereit, sich so zu stellen als sei er dazu verpflichtet bzw. die Verpflichtung erst durch den Vergleich zu begründen, um nicht das Risiko einzugehen, vielleicht doch 50.000 zahlen zu müssen und/oder die Möglichkeit der Ratenzahlung zu verlieren.

istdasso?
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Re: Nötigung - wie übel muss das Übel sein?

Beitrag von istdasso? »

Wenn A dann klagt und B bestreitet, sehe ich hier keinen Anhaltspunkt für eine strafbare Handlung weder im Vorfeld noch im Prozess solange nicht X zur völligen Überzeugung des B zutreffend ist.
wie heißt es so schön: Hätte hätte Fahrradkette... X ist zur völligen Überzeugung aller beteiligten zutreffend. B selber hat seinen Anwalt (und das dem A so geschrieben) zunächst beauftragt für ihn Einigung über einen Betrag zu treffen.

Erst der Anwalt ist auf die Idee gekommen überhaupt etwas zu bestreiten!! Nicht weil er der Meinung ist es träfe nicht zu - sondern weil er eine Chance sieht, dass A nach den strengen Regeln des Prozesstheaters Beweisschwierigkeiten hat.


Warum sollte er das riskieren (Vermutung): Er kann den Sachverhalt X auch deshalb nicht einräumen, weil er dann auch einen wesentlichen Teil (Vermögensschaden) für einen bereits vollendeten Betrug bestätigen würde...
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

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