Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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Hochseefischer
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Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Hochseefischer »

Eine Freundin von mir hatte es beruflich mit einem Kirchenmitarbeiter zu tun. Nach gewisser Zeit verübte sie einen Selbstmordversuch. Sie hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem sie erwähnte, dass sie von diesem Kirchenmitarbeiter massiv sexuell belästigt wurde und nicht mehr leben möchte. Sie war dann etwa zwei oder drei Tage auf der Intensivstation.

Gegen den Kirchenarbeiter wurde nie richtig ermittelt. Zum einen versuchte die Kirche wohl, es so gut wie möglich unter den Teppich zu kehren. Zum anderen hatte auch meine Freundin damals nicht die nötige Kraft entsprechend nachzuhaken. Hauptsächlich wurde auch nicht ermittelt, weil der Kirchenmitarbeiter kurz darauf mit etwa 50 Jahren starb. Ob er sich selber das Leben genommen hat, weiß ich nicht. Es war alles recht komisch.

Meine Freundin belastete der Sachverhalt aber weiterhin enorm. Sie rief zwei Mal bei der Witwe an und sagte ihr, dass ihr Mann sie richtig gehend kaputt gemacht hat. Der Witwe ist enorm stur und möchte alles nicht wahrhaben. Sie zeigte daraufhin meine Freundin bei der Polizei wegen Verunglimpfung des Andenken Verstorbener an. Dies hatte zur Folge, dass meine Freundin einen Strafbefehl mit 30 Tagessätzen bekam. Sie hätte sich entsprechend wehren sollen, was sie aber nicht gemacht hat.

Nun hat meine Freundin eine Überdosis Schlaftabletten genommen und sich vor das Kirchen- beziehungsweise Diakonie-Gebäude gelegt (die beiden Einrichtungen sind unter einem Dach und die Witwe arbeitet bei der Diakonie). Der Witwe hat sie einen Brief geschrieben, dass sie sich wegen ihr und ihrem Mann umgebracht hat. Sie war dann wieder einige Zeit auf der Intensivstation.

Es ist nun die Frage, ob de Witwe wieder gegen meine Freundin irgendwie vorgehen kann. Meine Freundin hat nur Schlaftabletten genommen, sich vor das Gebäude gelegt und der Witwe einen Abschiedsbrief geschrieben. Das Ganze belastet sie eben enorm. Wie gesagt, ist aber die Witwe überaus stur und möchte alles nicht wahrhaben. Kann es sein, dass sie meine Freundin wieder anzeigt oder eine Unterlassungsklage beantragt? Einen Selbstmordversuch verübt man ja nicht aus Jux und Tollerei und das Ganze belastet meine Freundin wirklich sehr.

Ich glaube jedenfalls meiner Freundin. Und so was gemunkelt wird, hatte der Kirchenarbeiter auch eine entsprechende Vorgesichte und sich deswegen das Leben genommen. Die Witwe möchte dies alles nicht wahrhaben und schaltet richtig auf stur.

Wäre nett, wenn jemand antworten könnte. Danke!

Gammaflyer
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Gammaflyer »

Hochseefischer hat geschrieben:Kann es sein, dass sie meine Freundin wieder anzeigt oder eine Unterlassungsklage beantragt?
Ja, das kann sein.
Mehr kann man dazu nicht sagen.

nordlicht02
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von nordlicht02 »

Selbst wenn der Kirchenmitarbeiter Ihre Bekannte belästigt haben sollte, was ja nicht absolut sicher ist - was hat dessen Witwe damit zu tun?
Richtig: Gar nichts. Deshalb kann ich deren Reaktion, Ihre Bekannte anzuzeigen, durchaus nachvollziehen. Mit Sturheit hat das m. E. nichts zu tun.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

Hochseefischer
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Hochseefischer »

Vielen Dank für die Antworten.

Ich kann meine Freundin schon verstehen. Sie leidet eben unter dem Vorfall und das Ganze nimmt sie ziemlich mit. In diesem Fall trifft man teilweise Entscheidungen, die nicht ganz richtig sind.

Auch hat sich der Hauptschuldige (also der Kirchenmitarbeiter) der Verantwortung entzogen, indem er sich wohl selber das Leben genommen hat. Er ist somit nicht mehr greifbar und man wendet sich in diesem Fall an den nächstbesten.

Der Fehler war wohl, dass meine Freundin nach dem Vorfall nicht massiv gegen den Kirchenmitarbeiter vorgegangen ist. Dadurch hätte sie mit dem Fall geistig sowie seelisch abschließen beziehungsweise zur Ruhe kommen können. Irgendwie war sie hierfür aber zu gutmütig, ängstlich und hatte auch nicht die entsprechende Kraft. Ein Fehler den die Witwe nicht gemacht hat. Und jetzt hat meine Freundin den ganzen Schaden.

nordlicht02
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von nordlicht02 »

Hochseefischer hat geschrieben: Auch hat sich der Hauptschuldige (also der Kirchenmitarbeiter) der Verantwortung entzogen, indem er sich wohl selber das Leben genommen hat.
Was lediglich eine Vermutung Ihrerseits ist.
Hochseefischer hat geschrieben:Er ist somit nicht mehr greifbar und man wendet sich in diesem Fall an den nächstbesten.
An jemanden, der damit gar nichts zu tun hat. Zur Info: Sippenhaft gibt´s nicht.
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Klein-Fritzchen
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Klein-Fritzchen »

Hochseefischer hat geschrieben: ...
Auch hat sich der Hauptschuldige (also der Kirchenmitarbeiter) der Verantwortung entzogen, indem er sich wohl selber das Leben genommen hat. Er ist somit nicht mehr greifbar und man wendet sich in diesem Fall an den nächstbesten...
Warum wendet sie sich nicht an den Kioskbesitzer um die Ecke?
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen." (Theresa von Avila (1515-1582) Spanische Mystikerin und Heilige)

hawethie
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von hawethie »

Sie leidet eben unter dem Vorfall und das Ganze nimmt sie ziemlich mit.
mal dumm gefragt: warum wendet sie sich nicht an einen Psychiater/Psychologen?
Dem "Täter" kann man nichts mehr wollen - der ist tot.
Die Witwe hat sicher genug zu tun und ist für das Verhalten des Mannes sicher nicht zur Verantwortung zu ziehen.

Da ist nun professionelle Hilfe nötig.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

lerchenzunge
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von lerchenzunge »

wie hier schon ausgeführt wurde, hat die Ehefrau des Toten keinerlei Verantwortung für dessen Taten, das Verhalten Deiner Freundin ist nicht nur falsch, sondern auch völlig unverständlich. Dein Mitgefühl in allen Ehren, aber Dein Verständnis hilft Deiner Freundin nicht, Du solltest Deiner Freundin unbedingt klarmachen, dass das, was sie da macht, Straftaten sind, neudeutsch nennt man das Stalking!
Es spielt in dem Kontext übrigens auch keinerlei Rolle, ob der Mann sich nun nachgewiesenermassen an Deiner Freundin vergangen hat oder nicht, ob er sich selbstgetötet hat oder nicht. Dass also damals der Mann nicht verurteilt wurde, ist irrelevant, mit seinem Tod ist die Sache zuende!
Auch hätte es daher nichts genutzt, wenn sich Deine Freundin gegen die erste Anzeige der Ehefrau gewehrt hätte, sie hätte keinerlei Erfolgschancen gehabt.
Die Ehefrau ist nicht "stur", die Sache hat schlicht nichts mit ihr zu tun und niemand lässt sich Probleme aufdrängen, die schlicht mit ihm/ihr nichts zu tun haben.

Deine Freundin braucht dringend professionelle Hilfe, ich halte es aber auch für nicht unwahrscheinlich, dass nach diesem Vorfall eine solche Hilfe zwangsangeordnet wird. Das wäre für Deine Freundin jedenfalls das Beste!

Newbie2007
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Newbie2007 »

lerchenzunge hat geschrieben: Auch hätte es daher nichts genutzt, wenn sich Deine Freundin gegen die erste Anzeige der Ehefrau gewehrt hätte, sie hätte keinerlei Erfolgschancen gehabt.
So absolut würde ich das nicht sehen. Laut Sachverhalt erging der Strafbefehl nicht wegen Stalking, sondern wegen §189 StGB (Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener), also ein der Verleumdung ähnliches Delikt. Hier hätte die Freundin eine Verurteilung u. U. abwenden können, wenn es ihr gelungen wäre, dem Gericht die vom Verstorbenen begangenen Straftaten glaubhaft zu machen. Aber auch wenn das nicht geklappt hätte (schwierige Beweislage und so), hätte sie möglicherweise, in Anbetracht der Vorgeschichte, wenigstens eine Verringerung des Strafmasses erreichen können.

Allem anderen stimme ich aber zu. Die Ehefrau kann nichts für die Taten ihres Mannes und sie hat auch das Recht, ihren Mann für unschuldig zu halten (dies selbst dann, wenn er rechtskräftig verurteilt worden wäre).

all-in
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von all-in »

dass sie von diesem Kirchenmitarbeiter massiv sexuell belästigt wurde und nicht mehr leben möchte.
Wie soll man sich das denn vorstellen? Hat er sie ständig angegraben und sich unzüglich verhalten, und sie wusste das nicht abzuwehren, oder gab es da vielleicht ein Verhältnis zwischen den beiden?

FelixSt
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von FelixSt »

Hochseefischer hat geschrieben:Ich kann meine Freundin schon verstehen.
Als Freund ist das ja auch Deine Aufgabe, aber dennoch steht es Deiner Freundin nicht zu, die Witwe zu belästigen. Jede weitere Bestrafung ist daher ausdrücklich zu befürworten, so wie auch die hier bereits angeratene psychologische Behandlung...
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

Oktavia
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Oktavia »

all-in hat geschrieben:Wie soll man sich das denn vorstellen? Hat er sie ständig angegraben und sich unzüglich verhalten, und sie wusste das nicht abzuwehren, oder gab es da vielleicht ein Verhältnis zwischen den beiden?
Hier ging es doch wohl um massive sexuelle Belästigung, oder? Darunter verstehe ich Anzüglichkeiten, körperliche Übergriffe bis zur Vergewaltigung.
So blöde subtile Unterstellungen und Bagatellisierungen unterlass in Zukunft wenn es keine Hinweise gibt. Jemand der belästigt wird muss nicht wissen wie er sich wehrt, manchmal ist das eben auch nicht möglich. Es macht bei Opfern aber ein "Selbstschuld-Gefühl" und entlastet die Täter
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
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Ronny1958
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Ronny1958 »

Du hast Recht, aber wohin zuviel Verständnis führen kann, zeigt der Fall auch.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Oktavia
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von Oktavia »

Ronny1958 hat geschrieben:Du hast Recht, aber wohin zuviel Verständnis führen kann, zeigt der Fall auch.
Aber hier scheint es keine Verarbeitung der Geschehnisse gegeben zu haben. Zu viel Verständnis kann es mE nicht geben. Es scheint jedoch eine psychische Störung vorzuliegen die nicht behandelt wurde/wird.
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
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BäckerHD
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Re: Selbstmordversuch - eventuelle Konsequenzen

Beitrag von BäckerHD »

Oktavia hat geschrieben: So blöde subtile Unterstellungen und Bagatellisierungen unterlass in Zukunft wenn es keine Hinweise gibt.
Wenn es keine Hinweise gibt, ist also zunächst mal das Schlimmste zu Ungunsten des vermeintlichen Belästigers anzunehmen? Aha... Wohl zu viel Emma gelesen? :shock:

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