Quittung Betrug

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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nedora
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Quittung Betrug

Beitrag von nedora » 20.03.15, 00:14

Hallo, folgender fiktiver Fall:

"Mustermann" hat zusammen mit Freundin ein Zimmer für 5 Übernachtungen in einer Pension "Meier" gebucht und in Bar bezahlt.
Er möchte jetzt eher abreisen weil das Zimmer zu kalt ist und daher den Preis von 3 Nächten rückerstattet haben. Pension Meier willigt ein.
Pension Meier füllt einen Quittungsblock aus, notiert darauf die Kontonummer von Mustermann, und sagt die Rückerstattung könne nicht in bar erfolgen, sondern nur aufs Konto.

Pension Meier fordert "Mustermann" auf, die Quittung zu unterschreiben.
"Mustermann" unterschreibt die Quittung.

Als mehrere Tage danach kein Geld auf dem Konto von Mustermann eingeht, ruft er die Pension an.

Die Pension sagt, er habe das Geld bereits in bar erhalten. Sie haben eine unterschriebene Quittung des Gastes, dass er den Betrag dankend erhalten hat.

Die Freundin von Mustermann kann aber bezeugen, dass kein Geld in bar ausbezahlt wurde.

Hat nun die Unterschrift auf der Quittung mehr beweiskraft oder die Zeugenaussage der Freundin, dass eben kein Geld in bar zurückerstattet wurde?

Froggel
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Re: Quittung Betrug

Beitrag von Froggel » 20.03.15, 02:59

Justitia ist bekanntlich blind. Niemand kann sagen, wie das ein Richter beurteilen würde, allerdings hat so eine unterschriebene Quittung schon eine erhebliche Beweiskraft. Warum unterschreibt man so etwas?
Eventuell würde die Aussage der Freundin mehr Beweiskraft haben, wenn auch noch andere Personen gefunden würden, mit denen Pension "Meier" das gleiche abgezogen hat. Allerdings ist die Suche danach vorsichtig zu handhaben. Wenn man nämlich ins Netz einstellt: "Wir wurden von Pension "Meier" betrogen, wem ist das auch passiert oder kennt ihr jemanden, dem das dort auch passiert ist?", kann das ganz schnell zum Bumerang werden, weil die Behauptung beweisbar sein muss, und das ist sie in diesem Fall ja gerade nicht.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

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Re: Quittung Betrug

Beitrag von istdasso? » 20.03.15, 03:27

Naja - ich bin ja auch kein Jurist - würde mir aber in so einem Fall folgendes wünschen...

1.) materiell müsste man prüfen, ob überhaupt ein Betrug vorliegt, wenn es sich wie geschildert zugetragen hat.
Ist wohl nicht völlig banal - denke aber schon.
2.) Die liebe Beweisbarkeit..

Da bin ich nicht ganz so pessimistisch wie Foggel - ganz einfach weil das hier im Strafrecht nicht unbdingt das Problem des Opfers ist sich den Kopf um die Beweise zu machen. Klar kann die Staatsanwaltschaft die Sache sofort einstellen. Was aber hier immer vergessen wird:
Geht gegen die Pension Meier nächste Woche noch eine Anzeige mit dem gleichen Quittungs-Trick ein (oder gab es am ende schon eine Anzeige) wird's schon schwieriger...

Warum eine Quittung unterschreibt wenn man Geld überwisen bekommmen soll - ist mir schon schleierhaft - andererseits lässt mich das auch annehmen, das da beim "betrüger" tatsächlich Vorsatz vorliegen mag ...
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

Tastenspitz
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Re: Quittung Betrug

Beitrag von Tastenspitz » 20.03.15, 06:30

nedora hat geschrieben:Die Pension sagt, er habe das Geld bereits in bar erhalten.
Bei ordentlicher Buchführung hätte man hier ein Kassenplus welches man bei einer Überprüfung feststellen kann.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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Re: Quittung Betrug

Beitrag von istdasso? » 20.03.15, 08:56

Tastenspitz hat geschrieben:
nedora hat geschrieben:Die Pension sagt, er habe das Geld bereits in bar erhalten.
Bei ordentlicher Buchführung hätte man hier ein Kassenplus welches man bei einer Überprüfung feststellen kann.
Stimmt - theoretisch schon...
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

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Re: Quittung Betrug

Beitrag von Tastenspitz » 20.03.15, 09:09

Praktisch auch. Man muß es nur eben machen - also die Kassenbuchführung korrekt handeln und die Prüfung der Anfrage mittels Kassensturz machen.
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Re: Quittung Betrug

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 20.03.15, 09:21

Praktisch dürfte wohl das Geld entnommen worden sein und die Kasse stimmt mit den Belegen überein.

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Re: Quittung Betrug

Beitrag von webelch » 20.03.15, 09:30

Praktisch müsste doch auch Mustermann seine Forderung beweisen und nicht die Pension ihre Unschuld.

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Re: Quittung Betrug

Beitrag von BäckerHD » 20.03.15, 11:43

[quote="Froggel" Warum unterschreibt man so etwas?[/quote]
Auf die Antwort bin ich auch mal gespannt.

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Re: Quittung Betrug

Beitrag von nedora » 20.03.15, 13:31

Froggel hat geschrieben: Warum unterschreibt man so etwas?
Auf die Antwort bin ich auch mal gespannt.
Der Pensionsinhaber hat dem Gast erzählt, dass das Geld überwiesen werde, er hat auf die Quittung auch die Kontoverbindung notiert.
Der Pensionsinhaber forderte den Gast auf, die Quittung zu unterschreiben, sonst kann das Geld nicht überwiesen werden.

Gast bemerkte erst einige Tage später, dass er folgendes unterschrieben hat: "Betrag Dankend erhalten - Unterschrift Empfänger: Gast"

Der Pensionswirt sagt nun er hat schriftlich dass der Betrag ausgezahlt wurde in bar, und dass der Gast mit seiner Freundin Betrüger wären, die das Geld nochmal haben wollen.
Der Pensionswirt gibt zusätzlich an, dass die KTO Verbindung nur notiert wurde, falls er nach Rücksprache und überprüfung mit seinem Anwalt noch weitere Preisminderungen aufgrund der Kälte in dem Zimmer zustehen.

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Re: Quittung Betrug

Beitrag von J.A. » 20.03.15, 13:42

Wenn es so ist (wäre), wie der Wirt sagt, wäre es ja unsinnig (unnötig) die KTO-Nr. des Gastes auf der Quittung zu notieren. Auf die diesbzgl. Erklärung des Wirtes wäre ich gespannt. Ich würde ihn schriftlich zur Zahlung auffordern, anderenfalls mit Strafanzeige drohen ( ...und nein, das ist in dem Fall keine vers. Nötigung/Erpressung, da ein innerer Zusammenhang zwischen Drohung und Forderung besteht)
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Re: Quittung Betrug

Beitrag von Tastenspitz » 20.03.15, 13:53

J.A. hat geschrieben:Wenn es so ist (wäre), wie der Wirt sagt, wäre es ja unsinnig (unnötig) die KTO-Nr. des Gastes auf der Quittung zu notieren.
Dem Gedankengang vermag ich jetzt nicht so ganz zu folgen.
Der Wirt notiert sich die Kt.Nr. um eventuell weitergehende Ansprüche zu überweisen.
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Re: Quittung Betrug

Beitrag von J.A. » 20.03.15, 14:45

Was für weitergehende Ansprüche, wenn er die komplette Summe in bar ausgezahlt hat (angeblich) ? Weitere Ansprüche wurden ja gar nicht geltend gemacht ?!

Da fände ich es noch naheliegender, wenn er behaupten würde, dass es eine "Eselsbrücke" zur Bezugsbuchung (dem ursprünglichen Zahlungseingang des Gastes) sein soll, falls der Gast vorab per Überweisung gezahlt hat. Nach dem Motto: "Vom Zahlungseingang über 250,00 € von Kto. XXX wurden hiermit 150,00 € in bar rückerstattet"
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Re: Quittung Betrug

Beitrag von Newbie2007 » 20.03.15, 16:22

Hier sollte m. E. auf jeden Fall Strafanzeige erstattet werden. Das nützt dem Betroffenen möglicherweise nichts, aber macht es der Pension schwieriger, den gleichen Trick noch einmal zu versuchen. Wenn nämlich mehrere Strafanzeigen zusammentreffen, wird es für die Pension brenzlig. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja schon Strafanzeigen...

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