Ist "Geistige Brandstiftung" strafbar?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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myLord
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Ist "Geistige Brandstiftung" strafbar?

Beitrag von myLord » 09.02.17, 06:23

Hallo,

ich denke, dass es uns allen bekannt ist, dass Worte und weh tun können. Deshalb gibt es ja im StGB ja auch den Straftatbestand der Beleidigung. Allerdings kann man sich gegen eine Beleidigung auch sehr gut wehren. Die sieht man kommen.

Ich möchte an dieser Stelle mal den Herrn Freud zitieren: "Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos."

In dieser Frage soll es um die sogenannte Geistige Brandstiftung gehen, bzw. um deren Strafbarkeit als "Waffe". Ursprünglich kommt die Geistige Brandstiftung (nach Dirk Kreuter) aus dem Verkauf, kann aber auch eingesetzt werden, um jemanden zu schaden. Rein Formal ist sie ein 4-Stufen Modell:

1. Stufe: Lob und Verständnis
2. Stufe: Anerkennung für die Position
3. Stufe: Verunsicherung in drei Punkten, evtl. mit Zeugenumlastung
4. Stufe: Anerkennung = Position / Erfahrung („…aber das wissen Sie ja wahrscheinlich schon alles“)

Kurzes (und unvollständiges) Beispiel im Fall eines Vollstreckungsbeamten:

1. Stufe: "Schön, dass Sie hier sind. Ich habe Verständnis, dass Sie auch nur Ihren Job machen"
2. Stufe: "Ich habe tatsächlich Respekt vor Ihrem Beruf, ich kann mir vorstellen, dass er nicht immer einfach ist."
3. Stufe: "Ich könnte Ihren Job nicht machen. Da würde ich z.B. vor den ganzen Reichsbürgern und anderen Verrückten Angst haben. Haben Sie keine Angst vor schlechtem Karma? In jeder größeren Religion gibt es die Goldene Regel - Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Und dann noch die ganze negative Energie der Leute, bei denen Sie vollstrecken. Sie kennen es doch ganz sicher, dass sie bei irgendeinem Schuldner vollstreckt haben, gerade die Wohnung verlassen und sich auf einmal krank fühlen. Oder am Abend auf einmal Kopfschmerzen bekommen? (sog. Milton-Modell) Auf Dauer führt diese ganze negative Energie doch ganz sicher zu Krankheiten wie z.B. Krebs!"
4. Stufe: "Aber Sie als langjähriger Vollstreckungsbeamter wissen das wahrscheinlich schon alles. Deshalb habe ich noch mehr Respekt vor Ihrem Job".

Das war jetzt ganz Plump ein möglicher "Monolog", in dem die geistige Brandstiftung als Beispiel gezeigt wird. Ziel des Ganzen ist es, das "Opfer" zu verunsichern.

Wer da noch mehr erfahren möchte, hier ist ein kurzes Video zu dem Thema, allerdings hier aus dem Bereich Verkauf / Vertrieb:
https://www.Internetmusikbörse [Name geändert].com/watch?v=K_yHOW0P5Tc

Mich würde jetzt interessieren, ob das ausgedachte Beispiel oben strafrechtlich irgendwie relevant ist.

BäckerHD
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Re: Ist "Geistige Brandstiftung" strafbar?

Beitrag von BäckerHD » 09.02.17, 06:31

Meines Wissens ist es noch nicht strafbar, jemanden zu verunsichern. Sie sollten Ihre hochinteressanten Überlegungen also Herrn Maas zur Kenntnis bringen, damit dieser sodann die nächste ungeheuerliche Strafbarkeitslücke schließen kann.

SusanneBerlin
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Re: Ist "Geistige Brandstiftung" strafbar?

Beitrag von SusanneBerlin » 09.02.17, 07:15

myLord hat geschrieben:Allerdings kann man sich gegen eine Beleidigung auch sehr gut wehren. Die sieht man kommen.
Ach ja? Weil man hellsehen kann, was der andere als nächstes sagt?

Erklären Sie mal, wie man eine Beleidigung kommen sieht und sich dagegen wehrt.
Ursprünglich kommt die Geistige Brandstiftung (nach Dirk Kreuter) aus dem Verkauf, kann aber auch eingesetzt werden, um jemanden zu schaden.
Falsch. Ursprünglich wurde als "geistiger Brandstifter" jemand bezeichnet, der andere (Personen, Unternehmen, Institutionen, Gemeinschaften) diffamiert und herabwürdigende Unwahrheiten öffentlich verbreitet oder andere auf intellektueller und diskursiver Ebene zu Straftaten anstiftet.
Später wurde diese Bezeichnung auch für eine Manipulationstechnik im Verkauf verwendet, bei der den Leuten Angst gemacht wird, damit sie ein Produkt kaufen. Z.B. was einem alles schlimmes zustoßen kann, damit man eine Versicherung abschließt. Das macht ungefähr jeder zweite Versicherungsvertreter so.
Mich würde jetzt interessieren, ob das ausgedachte Beispiel oben strafrechtlich irgendwie relevant ist.
In Ihrem Beispiel werden angebliche negative Auswirkungen des Berufs als Lob verpackt. Das ist nicht strafbar.
Grüße, Susanne

Townspector
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Re: Ist "Geistige Brandstiftung" strafbar?

Beitrag von Townspector » 09.02.17, 08:13

SusanneBerlin hat geschrieben:In Ihrem Beispiel werden angebliche negative Auswirkungen des Berufs als Lob verpackt. Das ist nicht strafbar.
Und wird im Regelfalle mit einem milden bis mitleidigem Lächeln seitens des Angesprochenen quittiert werden. :mrgreen:
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Re: Ist "Geistige Brandstiftung" strafbar?

Beitrag von rabenthaus » 09.02.17, 08:18

Townspector hat geschrieben:Und wird im Regelfalle mit einem milden bis mitleidigem Lächeln seitens des Angesprochenen quittiert werden. :mrgreen:
....vermutlich verbunden mit dem Gedanken: Was für ein armer Irrer."
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

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