Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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Derrick288
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Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von Derrick288 » 24.09.18, 21:11

Folgender fiktiver Fall:

A: Käufer
B: Verkäuferin

B stellt bei Internetauktionshaus [Name geändert] Kleinanzeigen einen Fernseher im Wert von 100,00€ ein. In der Artikelbeschreibung wird als Versandart der versicherte Versand für 6,99€ angeboten.

A meldet sich daraufhin und möchte den TV kaufen. Man einigt sich auf den angegebenen Kaufpreis in Höhe von 100,00€ zzgl. der 6,99€ Versandkosten, also insgesamt 106,99€. Diese werden von A dann auch überwiesen.

A fragt dann in regelmäßigen Abständen bei B nach, ob sie das Geld schon erhalten habe. B schreibt immer wieder, dass sie sich melden wird, sobald das Geld auf ihrem Konto ist. A genügt dies aber nicht und fragt weiter in regelmäßigen Abständen nach und wird dann auch etwas deutlicher, da A hier schon vermutet, einer Betrügerin auf den Leim gegangen zu sein.

Schließlich erhält A eine Nachricht von B, in welcher diese dem A mitteilt, dass sie ihn nicht weiter nerven und belästigen soll, sie würde sich melden, wenn das Geld drauf ist. Daraufhin blockiert die B den A.

A lässt dies natürlich nicht auf sich sitzen, erstellt einen neuen Account, um mit B wieder in Kontakt treten zu können. A findet daraufhin eine von B angebotene Handtasche, auf welche er sich fälschlicherweise als Interessent ausgibt, um so an die Adresse von A zu gelangen, was ihm auch gelingt, denn B fällt darauf rein.

Dann schickt A der B folgende Nachricht (zitiert):

""Super hab jetzt deine Adresse, komme mal morgen mit der Polizei vorbei bei dir betrügerin. Ich werde dich anzeigen und vor Gericht ziehen du kannst mich nicht veraschen"

"Wie unverantwortlich als Mutter so ekelhaft und betrügerisch zu sein"

Die Tatsache, dass die B Mutter ist, schließt A daraus, dass B diverse Babyartikel bei Internetauktionshaus [Name geändert] Kleinanzeigen anbietet.

A möchte nun natürlich, dass B die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommt. Denn der Fernseher ist nach wie vor bei A nicht eingetroffen und wird dies mit Sicherheit auch nicht mehr. Dessen ist sich A sicher.

Fragen:

1. Was kann A nun bestenfalls machen, damit B mit aller rechtlichen Härte bestraft wird?

2. Was kann der B im - aus Sicht des A - besten Fall passieren?

3. Aufgrund der Tatsache, dass B offensichtlich Mutter eines Kleinkindes ist, wird A auch das Jugendamt über den Vorfall informieren. Wird das Jugendamt hier tätig werden?

4. Wie kann A sein Geld zurück erhalten, dass er vollkommen umsonst überwiesen hat?

5. Ist der A berechtigt, mitsamt Polizei bei der B vorstellig zu werden, und dass eine Hausdurchsuchung stattfindet, um den Fernseher sicherzustellen bzw. zu beschlagnahmen?
Bitte um Hilfe!

Möglichst unter Angabe von Gesetzestexten oder ähnlichen Quellen/Belegen

Liebe Grüße

FM
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von FM » 24.09.18, 21:22

Derrick288 hat geschrieben: 5. Ist der A berechtigt, mitsamt Polizei bei der B vorstellig zu werden, und dass eine Hausdurchsuchung stattfindet, um den Fernseher sicherzustellen bzw. zu beschlagnahmen?
Bitte um Hilfe!
Bitten kann er schon, aber stattfinden würde das ganze erst nach einem Zivilprozess und falls der denn überhaupt so ausgeht, was eher unwahrscheinlich ist. Anschließend müsste dann noch in einem weiteren Verfahren, der Zwangsvollstreckung, ein Richter die Durchsuchung anordnen und durchgeführt wird sie dann immer noch nicht von der Polizei, sondern vom Gerichtsvollzieher. Ganz selten hält dieser es mal für nötig, die Polizei mitzunehmen.

Also: hilfreich ist jetzt nicht der Weg zu Polizei, Jugendamt oder Vereinten Nationen, sondern zum Rechtsanwalt. Geld parat halten, Anwalt und Gericht wollen einen Vorschuss.

Man kann's auch ohne Anwalt versuchen, davon ist hier aber dringend abzuraten. Das führt dann nur zu Ordnungsmaßnahmen des Gerichts, bei gezeigter Verhaltensweise, und kostet extra.

Derrick288
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von Derrick288 » 24.09.18, 21:44

FM hat geschrieben:Also: hilfreich ist jetzt nicht der Weg zu Polizei, Jugendamt oder Vereinten Nationen, sondern zum Rechtsanwalt. Geld parat halten, Anwalt und Gericht wollen einen Vorschuss.
Also muss A dann alles an Kosten aus eigener Tasche vorstrecken? Und was ist, wenn bei B hinterher nichts zu holen ist? Bleibt A dann auf seinen Kosten sitzen?
Man kann's auch ohne Anwalt versuchen, davon ist hier aber dringend abzuraten. Das führt dann nur zu Ordnungsmaßnahmen des Gerichts, bei gezeigter Verhaltensweise, und kostet extra.
Welche Verhaltensweise? A ist ja wohl berechtigt, mit einer Anzeige zu drohen bzw. mit einem Hausbesuch in Begleitung der Polizei. Schließlich liegt hier offensichtlich ein Betrug vor.

Celestro
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von Celestro » 24.09.18, 23:41

Derrick288 hat geschrieben: 3. Aufgrund der Tatsache, dass B offensichtlich Mutter eines Kleinkindes ist, wird A auch das Jugendamt über den Vorfall informieren. Wird das Jugendamt hier tätig werden?
Nein, warum auch ? Allerdings sollte meiner Meinung nach A mal ganz dringend einen Arzt konsultieren und sich auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Jugendamt informieren ... ziemlich lächerlich ....
Derrick288 hat geschrieben:Schließlich liegt hier offensichtlich ein Betrug vor.
So offensichtlich finde ich das gar nicht. Allerdings scheint A ein ziemlich ungeduldiger Zeitgenosse zu sein und die Verkäufer geradezu zu stalken. Da würde ich auch nicht gerade sehr feinfühlig mit so einem Vollhorst umgehen.

Schon mal mit vernünftiger zwischenmenschlicher Kommunikation versucht ?

Evariste
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von Evariste » 25.09.18, 07:59

Celestro hat geschrieben: So offensichtlich finde ich das gar nicht. Allerdings scheint A ein ziemlich ungeduldiger Zeitgenosse zu sein und die Verkäufer geradezu zu stalken. Da würde ich auch nicht gerade sehr feinfühlig mit so einem Vollhorst umgehen.
Man müsste wissen, was der TE meint, wenn er "in regelmäßigen Abständen" schreibt: jede Stunde? jeden Tag? jede Woche? Wenn nach einer Woche das Geld angeblich immer noch nicht eingetroffen ist, wäre ich auch etwas ungehalten. Eine paar Tage Zeit muss man aber einem Verkäufer schon lassen. Und am besten spricht man das _vor_ der Überweisung ab, wie lange es ungefähr dauern wird.

Die Bestrafungsfantasien (Jugendamt, Hausdurchsuchung und so) gehen natürlich ins Leere. Was man tun kann:
- Anzeige wegen Betrugs erstatten. Ob wirklich ein Betrug vorliegt, kann dann die Staatsanwaltschaft ermitteln.
- Frist für die Lieferung bzw. die Rückerstattung setzen und wenn die abgelaufen ist, einen Anwalt einschalten.

...

Was mich allerdings verwirrt, in der Überschrift steht, die Ware wäre verschickt worden. Davon steht aber nichts im Beitrag.

J.A.
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von J.A. » 25.09.18, 11:18

Was mich allerdings verwirrt, in der Überschrift steht, die Ware wäre verschickt worden. Davon steht aber nichts im Beitrag


Derrick 228 ist ein(e) kleine(r) Schelm(in) der/die den Sachverhalt in einem anderen Form genau andersherum gepostet hat, nämlich aus Sicht der armen Mutter die den Fernseher ganz redlich verschickt hat, nachdem sie vom bösen Käufer mit der Polizei bedroht worden ist, der übrigens ständig nachgefragt hat ob das Geld schon eingegangen wäre, und diesen Unhold dann selbstverständlich im Kommunikationssystem geblockt hat. Der Käufer behauptet nun der Fernseher sei nie eingetroffen und die arme Mutter hat dummerweise einen Tag nach Absendung schon den Einliferungsbeleg für das Paket verloren, kann also den Versand nicht nachweisen.


@Derrick

1. Er kann Anzeige wegen Betruges erstatten.

2. Dass sie wegen Betruges verurteilt wird.

3. Nein, A kann zwar das Jugendamt informieren, was ihn selbst allerdings in ein merkwürdiges Licht rücken wird, sollte sich aber hüten der B mit der Informierung des Jugendamtes zu drohen für den Fall, dass Sie irgendetwas tut oder nicht tut, z.B. das Geld nicht zurück sendet.

4. Wenn B, wie in dem anderen Forum angegeben, den versand tatsächlich nicht nachweisen kann, wäre es schlau wenn sie dem A den Kaufpreis zurückerstatten würde. Ansonsten müsste a zivilrechtlich vorgehen, oder hoffen dass die Staatsanwaltschaft möglicherweise 153a StPO mit Schadenswiedergutmachungsauflage in Betracht zieht, was bei dem (lt. anderem Forum) nicht vorbestraften Mütterlein durchaus in Betracht kommen könnte. Insofern wäre es natürlich auch für B vorteilhaft dementsprechend zu verfahren.

5.Nein. Vielleicht wird aber die Polizei ohne die Begleitung des A vorstellig.
Aus "Stilblüten der Justiz":
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von FM » 25.09.18, 11:53

J.A. hat geschrieben: 5.Nein. Vielleicht wird aber die Polizei ohne die Begleitung des A vorstellig.
Sehr unwahrscheinlich. Es gibt in Deutschland nur etwa 275.000 Polizeibeamte, aber wohl jeden Tag zigtausende Vorfälle der Art, dass jemand an einen Unbekannten im voraus Geld schickt für eine noch nicht erhaltene Leistung, und es dann eben Meinungsverschiedenheiten gibt. Wollt man da immer vor Ort ermitteln, hätte die Polizei für nichts anderes mehr Zeit.

J.A.
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von J.A. » 25.09.18, 13:22

Sehr wahrscheinlich ist es nicht, das ist richtig. Auf kleineren Dienststellen in kleineren Orten mit geringerer Auslastung kommt es schon mal vor. Nicht mal primär zur Hausdurchsuchung, sondern zur "schnellen Befragung" (statt Ladungen zu versenden) und ggf. der Frage: Sie haben doch sicher nichts dagegen, wenn wir uns mal kurz umsehen?"

Ich habe mal ein Praktikum auf so einer kleinen KASt (Kriminalpolizeiaußenstelle) gemacht. Da kam das schon regelmäßig vor, wenn sonst nicht viel zu tun war.
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Klemi74
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von Klemi74 » 25.09.18, 18:08

Mal zu Punkt 5:

Hausdurchsuchung nach was? Der Tatbeute, also dem Bargeld? Schwierig, da das ja überwiesen wurde...

Nach dem Fernseher? Sicher nicht, das ist keine Beute und kein Beweismittel!

Vor allem: Sie hat ja vielleicht das Gerät mehrfach 'verkauft', welchem Käufer sollte man es also geben?

Somit bleibt eines: Anzeige wegen des Verdachts auf einen Betrug UND Hinzuziehung eines Fachmannes, auch Anwalt genannt.

J.A.
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von J.A. » 25.09.18, 18:47

Selbstverständlich wäre der Fernseher ein Beweismittel, wenn sie angegeben hat ihn verschickt zu haben und er plötzlich noch in ihrer Wohnung steht.
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von Klemi74 » 26.09.18, 18:44

Aber wie oft wird etwas verkauft, dass man eh nicht hat? Oder mehrfach verkauft?
Zumal man ja immer sagen könnte, dass der verkaufte Fernseher ein baugleicher ist, schließlich werden solche Geräte ja nicht mit Individualnummer angeboten.

Ich bleib somit dabei, keine Durchsuchung nach dem Fernseher!

J.A.
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Re: Verkäuferin hat Waren angeblich verschickt! Betrügerin!

Beitrag von J.A. » 27.09.18, 21:37

Aber wie oft wird etwas verkauft, dass man eh nicht hat? Oder mehrfach verkauft?
Mit der Begründung bräuchte man überhaupt keine Hausdurchsuchung mehr durchzuführen, weil man nie vorher weiß ob man die entsprechenden Beweismittel dort vorfindet.
Zumal man ja immer sagen könnte, dass der verkaufte Fernseher ein baugleicher ist,
Könnte man, dann könnte man aber auch nach den zwei Rechnungen für die zwei Fernseher gefragt werden. Natürlich muss man die nicht unbedingt haben, das wäre dann sicherlich kein Schuldbeweis, könnte aber Teil einer Indizienkette werden.

Wir hatten hier vor 2-3 Jahren mal einen Fall, da wurde eine Hausdurchsuchung wegen einem Skateboard durchgeführt, dass ein Finder unterschlagen hat.
Ich bleib somit dabei, keine Durchsuchung nach dem Fernseher!
Kann sein, ich sagte ja selbst auch, dass es nicht sonderlich wahrscheinlich ist, dass eine Durchsuchung stattfindet. Es ging in der letzten Antwort aber darum, ob der Fernseher überhaupt ein Beweismittel ist oder wäre. Und das ist er. Auch wenn nicht nach ihm durchsucht wird.
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