StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wissen?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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truther
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StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wissen?

Beitrag von truther »

Leider kann ich folgenden allgemeinen Zusammenhang nicht nachvollziehen und bitte um Erhellung:

Zunächst: Es geht hier um Offizialdelikte, keine Antragsdelikte.

Die Staatsanwaltschaft will nach meiner Erfahrung immer alles als (so betitelte) explizite "Strafanzeige" verstanden wissen.
Dabei wird offenbar von der StA vorausgesetzt bzw. erwartet, der Anzeigen-Erstatter habe quasi so eine Art kleines "Rechtsgutachten" der StA zu übermitteln, in der der A-Erstatter nicht bloß den oder die "Beschuldigten", den Sachverhalt, Beweise wie auch die in Frage kommenden etwaigen Straftatbestände explizit zu benennen hätte.

Mal abgesehen davon, dass in diesem Stadium jemand meiner Ansicht nach prinzipiell kein "Beschuldigter", sondern bloß ein "Verdächtigter" sein kann:

Dann entscheidet die StA nach meiner Erfahrung bloß noch anhand dieser vorausgesetzten bzw. erwarteten Angaben darüber, ob diese vom A-Erstatter selbst benannten Straftatbestände erfüllt seien oder eben nicht.
Etwaige sich aus dem Sachverhalt ergebende, aber vom A-Erstatter selbst nicht benannte Straftatbestände, erkennt die StA nach meiner Erfahrung regelmäßig überhaupt nicht, prüft nicht darauf und entscheidet somit auch nicht darüber.

Schickt man der StA hingegen eine reine "Sachverhaltsdarstellung" mit Antrag auf Prüfung auf strafrechtlich relevante Zusammenhänge kann die StA damit irgendwie nicht umgehen und will dann regelmäßig wissen, ob das nun eine explizite "Strafanzeige" sein soll oder nicht und wer der oder die "Beschuldigte(n)" namentlich sein sollen.

Dieses ganze Prozedere verstehe ich leider nicht.

Meiner Ansicht nach ist es offenkundig, dass die StA bzgl. Offizialdelikten von Amtswegen zu Prüfung, ggf. Ermittlung und ggf. Verfolgung verpflichtet ist. Da dies einschließt, dass die StA von sich aus Sachverhalte zu prüfen, ggf. zu ermitteln und ggf. zu verfolgen hat, bedarf es somit überhaupt nicht einer vorherigen "Strafanzeige" mit den oben genanten Angaben von irgendwem (einem A-Erstatter).

Ich sehe meine Ansicht durch folgende Analogie bestätigt:
Würde in der öffentlichen Presse (sagen wir einer Dokumentation oder einer Nachrichtensendung) über etwas berichtet, das offensichtlich strafrechtlich relevant ist oder bloß sein könnte, so hätte die StA von sich aus Weiteres in die Wege zu leiten. Es bedürfte also überhaupt keines A-Erstatters, der eine explizite "Strafanzeige" stellt.

Kann mir also jemand erklären, was dieser von mir so wahrgenommene "Eiertanz" darum soll, ob nun eine "Strafanzeige" gestellt wurde oder nicht?

Will man sich bei der StA damit irgendwie der Verantwortung entziehen?

Danke vorab für Rechtsmeinungen.

FM
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von FM »

Wenn nicht mals ein Beschuldigter benannt wird und die Anfrage entsprechend allgemein ist:

Die StA hat nicht die Aufgabe, Gutachten für Privatpersonen zu erstellen oder Jurastudenten bei den Hausaufgaben zu helfen.

Auf welcher Anzahl von Vorfällen beruht denn die Erfahrung?

SusanneBerlin
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,
Schickt man der StA hingegen eine reine "Sachverhaltsdarstellung" mit Antrag auf Prüfung auf strafrechtlich relevante Zusammenhänge kann die StA damit irgendwie nicht umgehen und will dann regelmäßig wissen, ob das nun eine explizite "Strafanzeige" sein soll oder nicht und wer der oder die "Beschuldigte(n)" namentlich sein sollen.
Dieses ganze Prozedere verstehe ich leider nicht.
Auch wenn es sich um ein Offizialdelikt handelt, möchte die Staatsanwaltsschaft von demjenigen, der den Sachverhalt schildert, wissen, ob er Strafanzeige erstatten möchte oder nicht. Der Mitteiler des Sachverhalts hat anscheinend keine Namen der mutmaßlichen Täter mitgeteilt.
Insofern stellt die Rückfrage der Staatsanwaltschaft eine Nachfrage dar
1. Ob man Strafanzeige erstatten möchte und gegen wen?
2. Ob man die Namen der Täter kennt?

Man könnte diese beiden Fragen der Staatsanwaltschaft beantworten. Frage 2 ist man vermutlich sogar verpflichtet zu beantworten insoweit man wegen verwandtschaftlicher Beziehung zu dem Täter kein Aussageverweigerungsrecht hat.
Grüße, Susanne

truther
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von truther »

Noch mal zum Verständnis:
Die Sachverhaltsdarstellung sei kein abstrakter oder theoretischer sondern ein konkreter Fall (Nein, somit keine "Hausaufgaben von Jurastudenten") und es sind alle Personen (auch die möglichen "Beschuldigten") namentlich in der Sachverhaltsdarstellung benannt.
Es ist insofern auch keine "allgemeine Anfrage", da ja Antrag auf Prüfung auf strafrechtlich relevante Taten gestellt wird.

Es geht somit nicht darum, dass die StA nicht wüßte, um was es konkret geht und wer die Beschuldigten sein könnten, aber trotzdem möchte die StA vom Verfasser der Sachverhaltsdarstellung explizit wissen, ob er eine "Strafanzeige" stellen würde und sie möchte benannt haben, wer der oder die "Beschuldigten" sind und wegen was sie beschuldigt werden.

Was soll das und warum soll es überhaupt wichtig sein, ob der Verfasser nun eine explizite "Strafanzeige" stellt oder nicht?

Durch Übermittlung der Sachverhaltsdarstellung hat die StA über den Sachverhalt Kenntnis erlangt und bei Offizialdelikten dann Weiteres von Amts wegen zu veranlassen.

Im Übrigen wird dann bei weiterer Kommunikation der Betreff von der StA so gewählt, dass impliziert wird, der Mitteilende hätte eine "Strafanzeige" wegen "<Straftatbestand>" gegen "<Beschuldigten>" gestellt, wobei das ja völlig unzutreffend ist.
Der Mitteilende hat
a) weder eine Strafanzeige gestellt (das hat die StA bloß aus der Sachverhaltsdarstellung gemacht) noch
b) den von der StA als "Beschuldigten" ausgewählten tatsächlich selbst als "Beschuldigten" referenziert noch
c) den von der StA als "Beschuldigten" ausgewählten tatsächlich des "<Straftatbestands>" bezichtigt, denn den Straftatbestand hat die StA sich ausgesucht.

Wird es damit klarer?

webelch
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von webelch »

truther hat geschrieben:Wird es damit klarer?
Nein, nicht wirklich.

Deputy
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von Deputy »

@truther
Was willst Du mit dem Schreiben an die StA eigentlich erreichen?

SusanneBerlin
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von SusanneBerlin »

truther hat geschrieben:Es geht somit nicht darum, dass die StA nicht wüßte, um was es konkret geht und wer die Beschuldigten sein könnten, aber trotzdem möchte die StA vom Verfasser der Sachverhaltsdarstellung explizit wissen, ob er eine "Strafanzeige" stellen würde und sie möchte benannt haben, wer der oder die "Beschuldigten" sind und wegen was sie beschuldigt werden.
Wenn der Absender der Mitteilung an die Staatsanwaltschaft, keine Strafanzeige erstatten will und niemand beschuldugen will, sondern lediglich einen Sachverhalt mitteilen wollte, wieso teilt er das auf die schriftliche Rückfrage der Staatsanwaltschaft nicht einfach mit? Er kann natürlich auch einfach gar nichts tun. Falls die Staatsanwaltsschaft seine Zeugenaussage für notwendig hält, wird sie ihn dann schon vorladen. Einer Vorladung der Staatsanwaltschaft wäre dann Folge zu leisten.
Grüße, Susanne

hambre
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von hambre »

Wird es damit klarer?
Nein
Der Mitteilende hat
a) weder eine Strafanzeige gestellt (das hat die StA bloß aus der Sachverhaltsdarstellung gemacht)
Wenn es keine Strafanzeige war, was war es denn dann? Ein Liebesbrief? Eine Bedienungsanleitung? Ein Urlaubsbericht?
Und warum schickt man so etwas an die Staatsanwaltschaft?
b) den von der StA als "Beschuldigten" ausgewählten tatsächlich selbst als "Beschuldigten" referenziert noch
Und warum schickt man ein Schreiben an die Staatsanwaltschaft, mit dem man niemanden beschuldigen will?
c) den von der StA als "Beschuldigten" ausgewählten tatsächlich des "<Straftatbestands>" bezichtigt, denn den Straftatbestand hat die StA sich ausgesucht.
Auch das verstehe ich nicht. Wenn man in der Sachverhaltsdarstellung schreibt, dass Person A der Person B etwas unerlaubt weggenommen hat, dann hat man selbstverständlich die Person A des Diebstahls bezichtigt und zwar auch dann, wenn man selbst den Begriff "Diebstahl" an keiner Stelle selbst verwendet hat.
Mal abgesehen davon, dass in diesem Stadium jemand meiner Ansicht nach prinzipiell kein "Beschuldigter", sondern bloß ein "Verdächtigter" sein kann
Selbstverständlich ist derjenige "Beschuldigter" und nicht nur "Verdächtiger". Ich verstehe jetzt gerade nicht, wie man das anders sehen kann.
Dieses ganze Prozedere verstehe ich leider nicht.
Und ich verstehe nicht, worauf Du hinaus willst.
Würde in der öffentlichen Presse (sagen wir einer Dokumentation oder einer Nachrichtensendung) über etwas berichtet, das offensichtlich strafrechtlich relevant ist oder bloß sein könnte, so hätte die StA von sich aus Weiteres in die Wege zu leiten. Es bedürfte also überhaupt keines A-Erstatters, der eine explizite "Strafanzeige" stellt.
Der Bericht ist dann aber nicht von dem Journalisten mit bitte um Prüfung des Sachverhaltes auf strafrechtlich relevante Dinge an die Staatsanwaltschaft geschickt worden. Sobald der Journalist das macht, handelt es sich wieder um eine Strafanzeige durch den Journalisten.
Will man sich bei der StA damit irgendwie der Verantwortung entziehen?
Das kann ich nicht erkennen.

J.A.
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von J.A. »

Susanne Berlin hat geschrieben: Wenn der Absender der Mitteilung an die Staatsanwaltschaft, keine Strafanzeige erstatten will und niemand beschuldugen will, sondern lediglich einen Sachverhalt mitteilen wollte, wieso teilt er das auf die schriftliche Rückfrage der Staatsanwaltschaft nicht einfach mit?
Weil das kompletter Nonsens wäre. Die Mitteilung eines vermeintlich strafbaren Sachverhaltes ist eine Strafanzeige

@truther

Was ich bei Ihnen nicht verstehe:

Einmal schreiben Sie:
Meiner Ansicht nach ist es offenkundig, dass die StA bzgl. Offizialdelikten von Amtswegen zu Prüfung, ggf. Ermittlung und ggf. Verfolgung verpflichtet ist. Da dies einschließt, dass die StA von sich aus Sachverhalte zu prüfen, ggf. zu ermitteln und ggf. zu verfolgen hat, bedarf es somit überhaupt nicht einer vorherigen "Strafanzeige" mit den oben genanten Angaben von irgendwem (einem A-Erstatter).
Das fettgedruckte ist insoweit völlig richtig. Nur muß der StA ja irgendwie (wie auch immer) erst mal ein Sachverhalt zur Kenntnis gelangen, den es zu prüfen gilt. Zunächst mal darauf, ob dieser Sachverhalt überhaupt einen Anfangsverdacht hergibt. Ist das der Fall ist ein förmliches Ermittlungsverfahren einzuleiten und der bis dahin "Verdächtige" ist nunmehr Beschuldigter.

Ergänzend monieren Sie:
Etwaige sich aus dem Sachverhalt ergebende, aber vom A-Erstatter selbst nicht benannte Straftatbestände, erkennt die StA nach meiner Erfahrung regelmäßig überhaupt nicht, prüft nicht darauf und entscheidet somit auch nicht darüber.

Schickt man der StA hingegen eine reine "Sachverhaltsdarstellung" mit Antrag auf Prüfung auf strafrechtlich relevante Zusammenhänge kann die StA damit irgendwie nicht umgehen

In Ihrem folgenden Beitrag schreiben Sie dann:
Im Übrigen wird dann bei weiterer Kommunikation der Betreff von der StA so gewählt, dass impliziert wird, der Mitteilende hätte eine "Strafanzeige" wegen "<Straftatbestand>" gegen "<Beschuldigten>" gestellt, wobei das ja völlig unzutreffend ist.
Der Mitteilende hat
a) weder eine Strafanzeige gestellt (das hat die StA bloß aus der Sachverhaltsdarstellung gemacht)


Nein, das hat die nicht "daraus gemacht". Er hat Strafanzeige erstattet durch die Mitteilung des Sachverhalts.

b) noch den von der StA als "Beschuldigten" ausgewählten tatsächlich selbst als "Beschuldigten" referenziert
Woraus hat die StA den Beschuldigten denn ausgewählt? Aus dem mitgeteiltem Sachverhalt?
Das ist doch genau das, was A eingangs noch von der StA erwartet und verlangt hat, dass sie selbst die notwendigen Ermittlungen vornimmt und Entscheidungen trifft, aufgrund des mitgeteilten Sachverhalts.

c) noch den von der StA als "Beschuldigten" ausgewählten tatsächlich des "<Straftatbestands>" bezichtigt, denn den Straftatbestand hat die StA sich ausgesucht.
Das selbe wie bei b) Die StA hat in "Eigeninitiative" den von A mitgeteilten Sachverhalt bewertet und offenbar die mögl. Verwirklichung eines bestimmten Straftatbestandes herausextrahiert und -ganz so wie es das Gesetz es vorschreibt- ein Ermittlungsverfahren wegen XY gemacht. Also genau das, was Sie eingangs gefordert haben.

Ihr Problem ist daher nicht ganz nachzuvollziehen, hört sich aber bisher sehr stark nach einer "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" - Problematik an.
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

J.A.
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von J.A. »

ein Ermittlungsverfahren wegen XY gemacht
ein Ermittlungsverfahren wegen XY daraus gemacht...

... sollte es natürlich heißen.
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

Deputy
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von Deputy »

J.A. hat geschrieben:Ihr Problem ist daher nicht ganz nachzuvollziehen, hört sich aber bisher sehr stark nach einer "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" - Problematik an.
Das ist mit Abstand das wahrscheinlichste; truther hat auch immer noch nicht geschrieben, was er mit dem Schreiben erreichen wollte - wenn er es denn selber weiß ...

truther
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von truther »

Ich dachte eigentlich, ich habe meine Fragestellung schon ausreichend klar dargestellt, aber dann mal etwas anders formuliert - vielleicht wird es dadurch klarer:

Das Thema "Rechtsberatung durch die Polizei" wurde ja schon mal in einem anderen Thread diskutiert.
Folgender Ablauf wäre demnach (und was Polizisten dazu so meinten) gar nicht abwegig:
Man ginge zur Polizei und schildere einen Sachverhalt. Daraus mache ein geneignter Polizist (der ja mitunter manchmal der Meinung ist, er habe durch seine Ausbildung auch direkt ein komplettes Strafrechts-Jurastudium mitabsolviert, das quasi die Befähigung zur Strafrechts-Rechtsanwaltstätigkeit beinhaltet - ggf. ohne Abitur und ggf. eben ohne Jurastudium) direkt einen Straftatvorwurf gegen einen Beschuldigten. Und zwar direkt so in der Form: Also dieser Straftatbestand ist erfüllt, dieser andere aber nicht. Ergo: Vorselektion und demzufolge auch insofern quasi vorfilternde "Rechtsberatung".
Der Polizist formuliert es für den Mitteilenden aus und legt dann das Papier hin mit den Worten "Unterschreiben Sie das mal".

Mit der Unterschrift des Mitteilenden wäre folgender Sachverhalt in der Welt: Eine STRAFANZEIGE und keine "Sachverhaltsdarstellung".
A hätte damit direkt behauptet, B hätte eine explizit von A auch benannte Straftat begangen.
A hätte damit nicht bloß einen Verdacht geäußert oder einen Prüfungsantrag gestellt, sondern er hätte damit selbst schon die Erfüllung eines Straftatbestandes durch einen von ihm selbst benannten "Beschuldigten" gegenüber der Polizei / der StA behauptet.

Später stelle sich heraus (z.B. weil es ein komplizierter Strafrechts-Sachverhalt ist, nicht so etwas völlig offensichtlich-einfaches wie "B hat A auf die Nase gehauen" oder "B hat A seinen Geldbeutel gestohlen"), dass B aber diesen Straftatbestand gar nicht erfüllt hat. Und zwar deswegen, weil das zum Beispiel die StA oder ein Gericht anders bewertet.
Und was folgt dann? Natürlich die Frage: Wer hat das eigentlich ursprünglich behauptet?
Und was wird dann die Antwort sein?
Genau: Der A und zwar weil er das in einer von der Polizei so vorformulierten STRAFANZEIGE eben getan hat.
Damit ist Strafrechtsverfolgung gegen A wegen "falscher Verdächtigung" möglich.

Dieses Vorgehen halte ich deswegen für vollkommen falsch.
Hier wird (juristischen) Laien etwas "in den Mund gelegt", dass sie so gar nicht geäußert haben und mangels juristischer Kompetenz (denn ein A ist in der Regel schließlich weder Staatsanwalt noch Richter) auch gar nicht vollständig bewerten können.

Was tatsächlich das richtige (weil nicht haltlose und unqualifizierte Behauptungen enthaltende) Vorgehen aus meiner Sicht ist:

A erstattet überhaupt keine "Strafanzeige", sondern A macht eine reine "Sachverhaltsdarstellung" an die StA, in der er weder selbst behauptet, irgendwer hätte einen von ihm selbst benannten Straftatbestand tatsächlich erfüllt, sondern er schildet bloß nüchtern eben einen "Sachverhalt" = Fakten.

Kommt die StA dann zu der Überzeugung, dass hier Straftatbestände erfüllt wären, hat nicht bloß die StA etwaige Straftatbestände selbst aus der Sachverhaltsdarstellung zu extrahieren und zu benennen, sondern auch etwaige Beschuldigte selbst zu extrahieren und zu benennen.
Und die folgende Strafverfolgung geschieht nicht aufgrund von an A "outgesourcte" Verantwortlichkeit, sondern auf Verantwortung der StA.

Dieser Logik folgend kann es dann auch nicht korrekt sein, wenn die StA dem A zurück schriebe:
"Ihre Strafanzeige wegen [sagen wir mal] Betrug gegen B".

Denn A hat in diesem Fall keine "Strafanzeige gegen B wegen Betrug" gestellt.
Die Einschätzung, dass hier der Straftatbestand des Betruges erfüllt sein könnte, kommt nicht von A. Sondern die StA nimmt das an.
Auch hat A nicht den B des Betruges bezichtigt, sondern die StA ist zu der Überzeugung gekommen, dass B einen Betrug erfüllt haben könnte.

Hier wird also meiner Ansicht nach versucht, irgendwem etwas in den Mund zu legen, dass aber so nicht geäußert wurde.

Denn wenn später ein Staatsanwalt oder ein Richter zu der Überzeugung kommen würde, B hätte gar keinen Betrug begangen, dann war es aber auch nicht der A, der das behauptet hat.
Sondern es war der bearbeitende Staatsanwalt, der zu dieser Überzeugung gekommen ist.
Er könnte den Sachverhalt ja auch schlichtweg falsch bewertet oder die Rechtslage verkannt haben.

Und genau dieser - meiner Ansicht nach - wichtige Zusammenhang wird dabei ständig verwässert, wenn die StA erwartet, man solle eine "Strafanzeige" stellen, Strafparagraphen sowie "Beschuldigte" selbst explizit benennen.

webelch
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von webelch »

Ab hier
truther hat geschrieben:...der ja mitunter manchmal der Meinung ist, er habe durch seine Ausbildung auch direkt ein komplettes Strafrechts-Jurastudium mitabsolviert, das quasi die Befähigung zur Strafrechts-Rechtsanwaltstätigkeit beinhaltet - ggf. ohne Abitur und ggf. eben ohne Jurastudium...
dürfte sich das Lesen und Diskutieren dann auch nicht mehr lohnen.

truther
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von truther »

Warum? Danach wird es erst richtig interessant.
Denn es ist nun mal ein Unterschied, ob man einen reinen "Sachverhalt" nüchtern mitteilt und die StA (die mit dem Jurastudium) sollen bewerten und extrahieren, oder ob man direkt schreibt: "Ich, der A, zeige B wegen <Straftatbestand> hiermit an!".
Das ist ein ganz erheblicher Unterschied, denn das eine ist ein vorsorglich vorsichtiger Weg, das andere kann ziemlich gefährlich werden.
Und bloß weil letzteres (vielleicht protegiert durch vermeintliche Strafrechts-Experten) ständig gemacht wird, wird es dadurch auch nicht richtiger. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Deputy
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Re: StA will alles immer als "Strafanzeige" verstanden wisse

Beitrag von Deputy »

truther hat geschrieben:...
Man ginge zur Polizei und schildere einen Sachverhalt. Daraus mache ein geneignter Polizist (der ja mitunter manchmal der Meinung ist, er habe durch seine Ausbildung auch direkt ein komplettes Strafrechts-Jurastudium mitabsolviert, das quasi die Befähigung zur Strafrechts-Rechtsanwaltstätigkeit beinhaltet - ggf. ohne Abitur und ggf. eben ohne Jurastudium) direkt einen Straftatvorwurf gegen einen Beschuldigten. Und zwar direkt so in der Form: Also dieser Straftatbestand ist erfüllt, dieser andere aber nicht. Ergo: Vorselektion und demzufolge auch insofern quasi vorfilternde "Rechtsberatung".
Der Polizist formuliert es für den Mitteilenden aus und legt dann das Papier hin mit den Worten "Unterschreiben Sie das mal".

Mit der Unterschrift des Mitteilenden wäre folgender Sachverhalt in der Welt: Eine STRAFANZEIGE und keine "Sachverhaltsdarstellung".
A hätte damit direkt behauptet, B hätte eine explizit von A auch benannte Straftat begangen...
Unsinn - denn genau das wird nicht gemacht. Der Anzeigenerstatter unterschreibt die Strafanzeige nicht, höchsten auf dem Formular "Strafanzeige", dass er Strafantrag stellt - aber nicht die Strafanzeige an sich.

Der Anzeigenerstatter unterschreibt nur seine Vernehmung, und in der steht das drin, was er geschildert hat; benutzt er da entsprechende Begriffe von Straftaten, dann steht das drin, ansonsten nicht.

Richtig ist, dass auf dem Vernehmungsformular Tatvorwurf und Beschuldigter stehen; das bedeutet jedoch nicht, dass der Anzeigenerstatter den Tatvorwurf dem Beschuldigten vorwirft, sondern ist § 69 I S. 2 StPO geschuldet.
truther hat geschrieben:Dieser Logik folgend kann es dann auch nicht korrekt sein, wenn die StA dem A zurück schriebe:
"Ihre Strafanzeige wegen [sagen wir mal] Betrug gegen B".

Denn A hat in diesem Fall keine "Strafanzeige gegen B wegen Betrug" gestellt.
Die Einschätzung, dass hier der Straftatbestand des Betruges erfüllt sein könnte, kommt nicht von A.
Doch - denn warum sonst schickt A den Sachverhalt an die StA? Weil er so gern sinnlose Geschichten erzählt? Weil er meint die StA sei unterbeschäftigt und kann deswegen auch ruhig mal einen langweiligen Roman lesen?

Warum schickt A den Sachverhalt an die StA?

Im übrigen hat J.A. schon geschildert, was "Strafanzeige erstatten" bedeutet - einfach nochmal lesen (und verstehen!).

Mal wieder das üblich: viel Lärm / keine Ahnung ...

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