Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was tun?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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tom10
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Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was tun?

Beitrag von tom10 » 08.03.19, 16:24

Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was tun?

Verkehrsunfall mit einem Hund: 2 Personen lassen einen Hund unangeleint frei über einen Radweg laufen und bringen einen Radfahrer zu Fall. Dieser wird mit diversen Abschürfungen, Prellungen und einer Kopfverletzung mit dem Rettungswagen eingeliefert.
Der/die Geschädigte erstattet Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverlerletzung. Die zuständige Polizei sowie die Staatsanwaltschaft ermitteln aber nur gegen eine Person, obwohl beide am Unfall beteiligt waren und eine Hundeanmeldung beim Ordnungsamt angeblich nicht vorliegt. Eine Aussage der einen beschuldigten Person liegt nach 4 Monaten noch immer nicht vor (weil der Anwalt angeblich Akteneinsicht verlangt hat), so daß es nicht mal eine Begründung geben könnte, warum die andere Person nicht auch verantwortlich ist.
Mir "riecht" das ganze etwas nach "Beziehungen", da man schon bei der telefonischen Auskunft bei der Polizei versuchte, dem/der Geschädigten eine Anzeige auszureden.

Wie muß man als Geschädigte/r weiter vorgehen?
Vielen Dank

SusanneBerlin
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von SusanneBerlin » 08.03.19, 16:31

Wie muß man als Geschädigte/r weiter vorgehen?
Man muss als Geschädigter nur als. Zeuge aussagen, alles andere muss man nicht. Die Frage nach dem Vorgehen ist etwas vage, wenn man nicht weiß, was der Geschädigte erreichen möchte.
Grüße, Susanne

J.A.
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von J.A. » 08.03.19, 17:54

obwohl beide am Unfall beteiligt waren
Das heißt konkret??

Wie war denn der, gegen den nicht ermittelt wird, beteiligt?
Die zuständige Polizei sowie die Staatsanwaltschaft ermitteln aber nur gegen eine Person
Vermutlich weil sich gegen den anderen kein ausreichender Anfangsverdacht begründen ließ, [§ 152, Abs. 2 StPO -Umkehrschluss]
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

SusanneBerlin
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von SusanneBerlin » 08.03.19, 18:16

Wenn eine zweite Person einen Hundebesitzer beim Gassigehen begleitet, trägt die Begleitperson deswegen keine Verantwortung für den Hund.

Dass die zweite Person nicht zugleich zweiter Hundebesitzer ist, ergibt sich z.B. daraus: die Personen wohnen in unterschiedlichen Haushalten, der Hund "wohnt" nur bei einer Person, die 1. Person gibt auch an, Eigentümer des Hundes zu sein. Damit ist die 2. Person raus aus der Verantwortung.
Grüße, Susanne

ChrisC
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von ChrisC » 08.03.19, 20:47

Eine Aussage der einen beschuldigten Person liegt nach 4 Monaten noch immer nicht vor (weil der Anwalt angeblich Akteneinsicht verlangt hat),
Es ist das Recht eines Beschuldigten sich nicht zur Sache zu äußern, oder auch erst nachdem der Anwalt Akteneinsicht hatte.

hambre
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von hambre » 08.03.19, 21:48

Die zuständige Polizei sowie die Staatsanwaltschaft ermitteln aber nur gegen eine Person,
Und zwar gegen den Halter des Hundes. Was die zweite Person außer ihrer Anwesenheit mit dem Unfall zu tun hat, erschließt sich mir nicht.
so daß es nicht mal eine Begründung geben könnte, warum die andere Person nicht auch verantwortlich ist.
Es müsste schon eine sehr ungewöhnliche Konstellation vorliegen, damit beide Personen verantwortlich sind.

Celestro
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von Celestro » 09.03.19, 01:49

hambre hat geschrieben:Es müsste schon eine sehr ungewöhnliche Konstellation vorliegen, damit beide Personen verantwortlich sind.
Person A und Person B werfen sich einen Ball zu, der Hund versucht ihn zu schnappen und "rennt" dabei den Radfahrer um. Sehr ungewöhnliche Konstellation ? Finde ich nicht .... :roll:

J.A.
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von J.A. » 09.03.19, 04:15

In solch einem Fall ist die Strafbarkeit beider sicherlich nicht völlig ausgeschlossen (je nach konkretem Fall), primär ist jedoch auch dort der Halter des Hundes verantwortlich, da er dafür zu sorgen hat, dass das Hündchen derartiges unterlässt.

Ohne nähere Angaben des TE über den Ablauf werden wir hier aber kaum weiterkommen.
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winterspaziergang
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von winterspaziergang » 09.03.19, 08:29

tom10 hat geschrieben:Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was tun?

Verkehrsunfall mit einem Hund: 2 Personen lassen einen Hund unangeleint frei über einen Radweg laufen und bringen einen Radfahrer zu Fall.
Ein Hund, der über einen Radweg läuft, bringt nicht automatisch einen Radfahrer zu Fall (so wie ein Radfahrer beim beliebten bei rot quer über die Kreuzung weiter fahren, nicht zwingend einen Schaden erleidet). Darum wird es bei der Klärung, die auch der Anwalt einsehen möchte, auch gehen. Wie der Unfall sich ereignet hat.
Der/die Geschädigte erstattet Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverlerletzung. Die zuständige Polizei sowie die Staatsanwaltschaft ermitteln aber nur gegen eine Person, obwohl beide am Unfall beteiligt waren und eine Hundeanmeldung beim Ordnungsamt angeblich nicht vorliegt. Eine Aussage der einen beschuldigten Person liegt nach 4 Monaten noch immer nicht vor (weil der Anwalt angeblich Akteneinsicht verlangt hat), so daß es nicht mal eine Begründung geben könnte, warum die andere Person nicht auch verantwortlich ist.
wie schon gesagt, weil nur einer der Halter sein dürfte
Mir "riecht" das ganze etwas nach "Beziehungen", da man schon bei der telefonischen Auskunft bei der Polizei versuchte, dem/der Geschädigten eine Anzeige auszureden.
hier "riecht" es danach, dass es dem Radfahrer weniger oder nicht nur um seine eventuell durchaus berechtigte Ansprüche geht und mehr darum, beide Personen verurteilen zu lassen, die es gewagt haben, mit dem Hund unterwegs zu sein, ohne, dass deutlich wird, was der Radfahrer davon hat.

Zivilrechtliche Ansprüche z.B. nach Schmerzensgeld kann er so oder so geltend machen, dafür benötigt er neben dem Halter keinen weiteren Angeklagten.

tom10
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von tom10 » 09.03.19, 14:58

a) Laut Aussage der Polizei ist der Hund beim Ordnungsamt nicht angemeldet.
b) Beide beteiligten Personen wohnen nach Augenschein und Aussage der Frau ("hier ist unsere Adresse" sagte sie am Tatort) in dem selben Haushalt (Ehepaar/Lebenspartner). Aber die Polizei weigert sich, die Personalie der zeiten Person zu ermitteln.
c) Der Hund ist ohne Leine von der einen Person zu der anderen Person gerannt. Wer in diesem Fall der "Hundeverantwortliche" ist, wurde noch nicht festgestellt und wird wohl das Problem werden, wen der Hund nirgends angemeldet ist. Der Hund ist von dem Mann zu der Frau gerannt (wie er selbst sagt), er hat ihn also laufen lassen. Gegen ihn wird nicht ermittelt.
d) Der Radfahrer benutze eine extrem viel befahrenen Rad-Fernweg, was den Personen aufgrund ihrer Ortsansässigkeit bekann war. Der Hund war vom Radfahrer nicht zusehen, da er zwischen den radwegbegleitenden Büschen hervorsprang und der Radfahrer ca. 30km/h schnell war.
e) Wenn ein Hund (ein kleiner fetter Mops mit ~10kg) im vollen Gallop plötzlich einen Meter am Radwegrand erscheint und 90° rüberrennt und direkt das Vorderrad erwischt, hat selbst der erfahrenste sportlichste Radfahrer keine Chance. Die Geschwindigkeit spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Auch viele ältere Personen fahren heute mit E-Bikes über 20km/h, und wenn diese stürzen, kann das schnell zu Tod führen.
f) Falls eine Zivilverfahren (Schmerzensgeld) notwendig wird, ist sehrwohl wichtig, gegen wen ermittelt wurde. Einerseits können wohl Straf- und Zivilverfahren zusammengelegt werden (richtig?) und andererseits könnte sich die strafrechtlich beschuldigte Person als schuldunfähig herausstellen, was für das Ehepaar recht günstg wäre.
Viele Grüße

Deputy
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von Deputy » 09.03.19, 15:46

a) Das ist für den Vorfall irrelevant.

b) Unwahrscheinlich; da gibts nicht viel zu ermitteln und die Person ist auf jeden Fall Zeuge. Allerdings als Ehepartner mit Zeugnisverweigerungsrecht.

c) Verantwortlich ist der Hundehalter; wenn der Hund erst zu dir gerannt wäre und hätte anschließend einen Radfahrer umgerannt würdest Du dich ja auch nicht als verantwortlichen sehen, oder?

d / e) Ein Unfall eben.

f) Nochmal: verantwortlich ist der Hundehalter, nicht der Ehepartner, Freund oder sonstwer. Ist der Hundehalter schuldunfähig (was eher theoretisch ist), dann tritt nicht automatisch der Ehepartner in die strafrechtliche Verantwortung. Dann ist der Beschuldigte schuldunfähig und das Verfahren damit erledigt. Zivilrechtlich kann dann je nach Schaden immer noch was geholt werden.

Hier scheints es nach dem Motto zu gehen: die müssen am besten beide bestraft werden, aber auf jeden Fall einer der beiden. Und wenn der Verantwortliche schuldunfähig ist, dann eben als Ersatz der Partner. So läuft das aber nicht.

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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von WHKD2000 » 09.03.19, 20:27

Deputy hat geschrieben:a)
b) Unwahrscheinlich; da gibts nicht viel zu ermitteln und die Person ist auf jeden Fall Zeuge. Allerdings als Ehepartner mit Zeugnisverweigerungsrecht.
:shock: :shock:
dieses Recht haben aber nicht nur Ehepartner............

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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von WHKD2000 » 09.03.19, 20:45

Deputy hat geschrieben:Hier scheints es nach dem Motto zu gehen: die müssen am besten beide bestraft werden, aber auf jeden Fall einer der beiden. Und wenn der Verantwortliche schuldunfähig ist, dann eben als Ersatz der Partner. So läuft das aber nicht.
:shock: :shock:
was gibts daran zu mäkeln?
der TE -fiktiv wie immer- kam durch den "steuerbefreit" gehaltenen Hund zu Fall mit entsprechenden Verletzungen und Fahrt im RTW.Da hätten Sie sicher auch entsprechende Freude.
Wetten? :lachen:

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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von Dieter_Meisenkaiser » 09.03.19, 20:50

tom10 hat geschrieben:Der Hund ist von dem Mann zu der Frau gerannt (wie er selbst sagt)
:lachen: Ich schlage vor, die Zeugenbefragung zu intensivieren. Wer weiß, was die Töle noch so alles ausplaudert!

WHKD2000
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Re: Staatsanwalt verfolgt Straftat nicht vollständig - was t

Beitrag von WHKD2000 » 09.03.19, 20:57

Dieter_Meisenkaiser hat geschrieben:
tom10 hat geschrieben:Der Hund ist von dem Mann zu der Frau gerannt (wie er selbst sagt)
:lachen: Ich schlage vor, die Zeugenbefragung zu intensivieren. Wer weiß, was die Töle noch so alles ausplaudert!
Problem wird hier das Zeugnisverweigerungsrecht sein.
Wer weiß.in welchem Verhältnis die alle zueinander stehen?? :lachen:

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