Unterlassene Hilfeleistung bei der Leitstelle

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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Deputy
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Re: Unterlassene Hilfeleistung bei der Leitstelle

Beitrag von Deputy » 18.03.19, 21:44

myLord hat geschrieben:
Deputy hat geschrieben:Man kann Leute nur sehr eingeschränkt zwingen, sich behandeln zu lassen. Wenn jemand keine Behandlung will, dann ist das grundsätzlich zu akzeptieren - egal wie schlecht es demjenigen geht.
Voraussetzung ist, dass die Person in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen, was die gestürzte Frau wohl nicht war.
Das ist völliger Unsinn. Sie war bei Bewusstsein; darüber hinaus konnte sie sich äußern. Wenn dann keine Geisteskrankheit/-schwäche oder Rausch vorliegt, dann ist die Frau sehr wohl in der Lage, eine Entscheidung zu treffen - auch mit gebrochener Nase und ausgeschlagenen Zähnen. Und wenn sie nicht will, dann will sie nicht. Punkt!
myLord hat geschrieben:
Deputy hat geschrieben:Was lag dem zu Grunde? Grundsätzlich ist man hier im Bereich Freiheitsberaubung / Körperverletzung - weder kann noch darf man Leute einfach so behandeln, wenn sie es nicht wollen. Wie wurde der Transport durchgeführt (gefesselt, mit Gewalt usw.) - und in wie weit warst Du dabei?
Die Frau wollte nicht mit, die Sanitäter haben die Polizei dazu geholt und die Polizei hat die Frau dann in den Rettungswagen gebracht. Nicht mit Gewalt sondern mit Nachdruck. Ich selbst stand daneben, nachdem die Sanitäter kamen.
Und selbst das kann schon rechtlich kritisch sein. Wenn jemand nicht behandelt werden will, dann darf das nur in sehr engen Grenzen gegen seinen Willen geschehen (s.o.).
myLord hat geschrieben:
Deputy hat geschrieben:Hohes Fieber ist nichts, was automatisch einen medizinischen Notfall oder eine Indikation für einen RTW darstellt. Für so etwas ist grundsätzlich der Ärztliche Bereitschaftsdienst da.
Offensichtlich ja doch. Ich persönlich behaupte an der Stelle, dass die Leitstelle nicht einfach davon ausgehen kann, dass es nur Fieber ist.
Sie geht vom üblichen aus, und nicht vom worst-case - ansonsten müsste bei jedem Anruf direkt RTW / NEF / RTH alarmiert werden. Wie oft gibt es Leute mit hohem Fieber - und wie oft endet das tödlich?

myLord
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Re: Unterlassene Hilfeleistung bei der Leitstelle

Beitrag von myLord » 18.03.19, 22:54

FM hat geschrieben: Es kann auch das Ergebnis sein, dass der Anrufer sich der unterlassenen Hilfeleistung (oder falls er Garant, z.B. Ehepartner, ist) der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat, weil er auch laienhaft erkennbare Umstände falsch geschildert hatte. "Meine Frau fühlt sich unwohl" reicht eben nicht als Notruf, wenn sie erkennbar fast am Ersticken ist.
Wie ich schon geschrieben habe, kamen die Sanitäter. Deren primäres Ziel nach einer leichten Begutachtung war, dass die Frau ins Krankenhaus transportiert werden soll. Die sahen auf den ersten Blick auch keine akute Lebensgefahr. Erst als sie die Frau an die Messgeräte im Fahrzeug hängten, wurde die Situation klar. Erst dann wurde Gas gegeben.
Deputy hat geschrieben: Voraussetzung ist, dass die Person in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen, was die gestürzte Frau wohl nicht war.
Das ist völliger Unsinn. Sie war bei Bewusstsein; darüber hinaus konnte sie sich äußern. Wenn dann keine Geisteskrankheit/-schwäche oder Rausch vorliegt, dann ist die Frau sehr wohl in der Lage, eine Entscheidung zu treffen - auch mit gebrochener Nase und ausgeschlagenen Zähnen. Und wenn sie nicht will, dann will sie nicht. Punkt![/quote]
Das ist jetzt zwar jetzt am eigentlichen Thema voll vorbei, aber dennoch:
Ich halte dagegen, dass wenn eine Person mit dem Kopf voll gegen den Boden knallt, sie nicht klar denken kann und den eigenen Zustand nicht einschätzen kann. Was wäre denn in dem Fall die Alternative? Ok sagen, die Frau auf dem Boden liegen zu lassen und dann zurück in mein Haus zu gehen, da sie keine Hilfe will?!?
Ich weiß nicht mehr wo das war, ich finde die Stelle nicht wieder. Dort ging es um das Thema "Selbstmörder aufhalten". Und wenn ich mich jetzt nicht irre hieß es, dass das Recht auf Leben das Recht auf freie Selbstentfaltung (hier Selbstmord) überwiegt. Und man deshalb einen Selbstmörder von dem Suizid abhalten darf - wenn nicht muss.
Deputy hat geschrieben:Sie geht vom üblichen aus, und nicht vom worst-case - ansonsten müsste bei jedem Anruf direkt RTW / NEF / RTH alarmiert werden. Wie oft gibt es Leute mit hohem Fieber - und wie oft endet das tödlich?
Wenn es wirklich so ist, dann ist es ein Fehler im System. Ich persönlich bin der Meinung, dass der von Ihnen bezeichnete RTW / NEF (RTH vll. nicht gerade) Einsatz quasi der Standard sein soll und der Disponent anhand seiner Fragen an den Anrufer herausfindet, ob auch weniger dringende Mittel geeignet sind.

hawethie
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Re: Unterlassene Hilfeleistung bei der Leitstelle

Beitrag von hawethie » 19.03.19, 11:53

Ich frag mich die ganze Zeit, wie man nach einem Notruf geschlagene sechs Stunden warten kann, ohne nochmal dort anzurufen.
Dann hätte man die Sache so schildern können, wie sie vorliegt.
Ein "hat Fieber, fühlt sich nicht wohl" - ist mir im Januar auch passiert (Männergrippe halt) - da ist noch nicht mal in Erwägung gezogen worden, einen Arzt anzurufen. Und wenn der TE sich mal erkundigt, warum die Rettungsdienste manchmal gerufen werden, dann würde er auch keinen Krach schlagen (wie gesagt: bei der Schilderung der Umtände).
Auch kann den Sanis vor Ort sicher nichts vorgeworfen werden - die haben auch nur gehört, dass da jemand nach sechs Stunden nochmal angerufen hat - und wer sechs Stunden sich nicht rührt, hat auch noch länger Zeit.
Ein lebensbedrohlicher Zustand war sicher weder für den Disponenten (der sitzt hier ca. 30 km entfernt) noch für die Sanis erkennbar.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

Dummerchen
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Re: Unterlassene Hilfeleistung bei der Leitstelle

Beitrag von Dummerchen » 19.03.19, 21:45

hawethie hat geschrieben:Ein "hat Fieber, fühlt sich nicht wohl"
Damit bin ich gestern zu Fuß zum Arzt und zu Fuß wieder nach Hause. Wenn der wegen Fieber den Rettungsdienst gerufen hätte, hätte ich den für ziemlich bekloppt gehalten und würde mir heute einen neuen Hausarzt suchen.
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