Milde Strafen für Millionbetrüger

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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Zafilutsche
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Milde Strafen für Millionbetrüger

Beitrag von Zafilutsche » 15.04.19, 15:27

Die Angeklagten halfen laut Urteil dabei, rund 30.000 Kunden um insgesamt elf Millionen Euro zu bringen.
Angeklagt war jedoch nur ein Teil, weil lediglich 8.900 Kunden Anzeige erstattet hatten. Ihnen war ein Gesamtschaden von rund 3,9 Millionen Euro entstanden. Weil die Hintermänner nicht zu greifen waren und die in Frankfurt Angeklagten nur Helfer waren, war bei ihnen nur ein Bruchteil der ergaunerten Summe zurückzuholen: rund 150.000 Euro.
Aktuell wollte ich am Wochenende einen solchen "Fake Shop Betreiber/Betrüger" selber anzeigen, der aktuell die Nummer noch mit einer gestohlener Identität am laufen hat.
Die Diskussion auf der Polizeiwache lief darauf hinaus, ob ein (noch nicht) Geschädigter eine Anzeige erstatten darf :x . Nach einer hitzigen Diskussion und nach Rücksprache mit dem leitenden Wachhabenden Vorgesetzten wurde man zumindest als "Zeuge" protokolliert. Immerhin :wink:
Nach einem darauf folgendem Telefonat war klar, dass tatsächlich schon mehrere Anzeigen von "Betrogenen" die bereits Geld überwiesen hatten bei der Polizei (Bundeslandweit) eingegangen waren.
Nur der vermeintliche Shop läuft weiterhin (Überregional!). :twisted:
Natürlich wird das Geld in's Ausland transferiert (Spanien). Irgendwas stimmt im System nicht, wenn nur in einem Fall 30.000 Kunden zu blöd (weil im Tenor taucht das immer hier im Forum auf a la selbst schuld Schnäppchen Jäger, was kaufst du auch im Internet u.v.m) sind sicher einzukaufen.
3,9 Millionen Euro sind schon nicht von schlechten Eltern. Wenn dann nur 3 Jahre im Falle eines Falles gegenüberstehen, ist das doch faktisch eine Einladung Fake Shops zu gründen.
Wo liegt also der Fehler? Der Shop war fast perfekt (mit Impressum usw) in Szene gesetzt.

J.A.
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Re: Milde Strafen für Millionbetrüger

Beitrag von J.A. » 19.04.19, 19:51

Die Diskussion auf der Polizeiwache lief darauf hinaus, ob ein (noch nicht) Geschädigter eine Anzeige erstatten darf
Erschreckend
3,9 Millionen Euro sind schon nicht von schlechten Eltern. Wenn dann nur 3 Jahre im Falle eines Falles gegenüberstehen
Wer hat denn die 3 Jahre bekommen? Die Tathelfer? Bei denen ist zwingend zu mildern, so dass hier ein Strafrahmen von 3 Monaten bis 7,5 Jahren eröffnet war (pro Fall des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs, der wohl angeklagt war, also im Normalfall 1 bis 10 Jahre). Durch die Gesamtstrafenbildung relativiert sich das alles natürlich wieder.

Wir wissen auch nichts über Vorstrafen, ggf. weitere Milderungsründe, die genaue Tatbeteiligung usw.

Und die Helfer haben anscheinend ja auch nicht 3,9 Mio. eingesackt (für sich selbst), sondern einiges weniger...
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"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

Zafilutsche
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Re: Milde Strafen für Millionbetrüger

Beitrag von Zafilutsche » 23.04.19, 08:22

J.A. hat geschrieben: Wer hat denn die 3 Jahre bekommen? Die Tathelfer?
...
Und die Helfer haben anscheinend ja auch nicht 3,9 Mio. eingesackt (für sich selbst), sondern einiges weniger...
Der Tathelfer wurde zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt.
Ist doch geil, oder? Jedenfalls ist das mit der Eintrittswahrscheinlichkeit ein krasses Missverhältnis zum Lottospielen mit der Eintritts Wahrscheinlichkeit "Lottomillionär" zu werden. :oops:
Bekommt der 30.000 Geschädigte eigentlich eine "Urkunde"?
Wieso kann so ein "Spielchen" überhaupt sooo lange laufen und solche immense Schadenssummen anhäufen?

J.A.
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Re: Milde Strafen für Millionbetrüger

Beitrag von J.A. » 29.04.19, 01:40

Der Tathelfer wurde zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt.
Ist doch geil, oder?
Laut dem verlinkten Zeitungsartikel waren alle drei Angeklagten Tathelfer. Einer von denen wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil sein Beihilfebeitrag offenbar einiges geringerer war, als der der beiden anderen.
Wieso kann so ein "Spielchen" überhaupt sooo lange laufen und solche immense Schadenssummen anhäufen?
Wie lange lief es denn? 30.000 Bestellungen bekommt man locker in einem Monat zustande, wenn genug Kunden dem Schnäppchen-Wahn verfallen ( ich gehe mal davon aus, dass dort bestimmte Dinge relativ günstig angeboten wurden) . Bis die ersten dann angezeigt haben, wird es auch sicherlich zwei Wochen gedauert haben. Bearbeitungszeit u.s.w.... wenn Server und Konten dann gegebenenfalls noch im Nicht-EU-Ausland (bspw. Türkei) waren...
Jedenfalls ist das mit der Eintrittswahrscheinlichkeit ein krasses Missverhältnis zum Lottospielen mit der Eintritts Wahrscheinlichkeit "Lottomillionär" zu werden.
Wieviel Geld jeweils auf die 3 Tathelfer entfallen ist geht aus dem Artikel nicht hervor. Nur, dass offensichtlich bei allen dreien zusammen noch 150.000 € sichergestellt werden konnten. Selbst wenn die 2 Haupthelfer zwischenzeitlich jeder schon z.B. 200.000 € verprasst (oder auf der sicheren Seite) haben sollten, möchte ich dafür keine 3 Jahre und neun Monate, oder 3 Jahre im Gefängnis verbringen. Abgesehen davon werden natürlich irgendwelche angeschafften Werte, wie Autos, als Tatertrag eingezogen. Ferner haften sie gesamtschuldnerisch gegenüber den Geschädigten. Der Rest des offiziellen Lebens dürfte daher an der Pfändungsgrenze verlaufen, zumindest in Deutschland.

Und wie gesagt, wie viel Geld jeweils auf die Tathelfer entfallen ist und wie viel sie davon noch im Trockenen haben ist ja völlig unbekannt.

Das angenehme Leben des Lotto-Millionärs werden daher eher die Hintermänner in der Türkei haben, aber sicher nicht die Verurteilten aus Frankfurt
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