Frage bzgl. Strafrecht

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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harry01
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Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von harry01 » 21.05.19, 15:02

Hallo,

wenn jemand einen Rechtsstreit verliert, kann er in Berufung gehen.

Was ist, wenn jemand betrogen wird und stellt gegen den Betrüger Strafanzeige, der Staatsanwalt sieht das jedoch falsch und weist die Strafanzeige zurück.
Der Anzeigeerstatter ist aber nachweisbar voll im Recht. Welche Möglichkeit hat Letzterer dann? Gibt es da auch so etwas wie Berufung?

lottchen
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Re: Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von lottchen » 21.05.19, 15:07

Worum wurde denn jemand betrogen? Um Geld? Um Wertgegenstände / Häuser / Autos? Man kann den Schädiger auf Schadensersatz verklagen oder Herausgabe oder ähnliches. Dann kann man zumindest zivilrechtlich ein Urteil bekommen. Wenn die Beweise doch so klar sind wird das doch kein Problem sein.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

SusanneBerlin
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Re: Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von SusanneBerlin » 21.05.19, 15:34

Auch wenn der Betrüger sich vor dem Strafgericht verantworten müsste, bekommt der Geschädigte sein Geld nicht automatisch zurück.

Der Geschädigte kann seine Forderung vor dem zuständigen Zivilgericht einklagen. Die Einstellung des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens hindert ihn daran in keiner Weise. Wenn er in der 1. Instanz verliert, dann kann er auch in Berufung gehen.

Ich empfehle, einen Anwalt mit dem Durchsetzen der Forderung zu beantragen.
Grüße, Susanne

J.A.
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Re: Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von J.A. » 21.05.19, 21:44

Um mal die eigentliche Frage zu beantworten:

Es kommt immer auf die Art des Deliktes und die Art der Einstellung an. Falls in dem hier vorliegenden Fall nach Paragraph 170 II StPO eingestellt wurde, kann der Geschädigte (und zwar NUR der) Einstellungsbeschwerde einlegen. Frist: 2 Wochen ab Mitteilung der Einstellungsverfügung.

Bleibt die Einstellungsbeschwerde erfolglos, kann er Antrag auf gerichtliche Entscheidung stellen (sog. Klageerzwingungsverfahren). Das bleibt aber erfahrungsgemäß zu 95% ebenfalls erfolglos, wenn die Einstellungsbeschwerde zurückgewiesen wurde. Außerdem wird es relativ teuer, da zwingend ein Anwalt notwendig ist.

Wurde das Verfahren nach einer anderen Vorschrift eingestellt als § 170 II StPO, also z.b. 153, 153a, 154 StPO, kann die Einstellung nicht mit einem formellen Rechtsmittel angegriffen werden.
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

FM
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Re: Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von FM » 21.05.19, 22:19

Da der Fragesteller lt. eigener Aussage sich im Strafrecht besser auskennt als der zuständige Staatsanwalt, sollte ihm das alles eigentlich schon bekannt sein.

J.A.
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Re: Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von J.A. » 22.05.19, 07:39

:devil:

Tja... Man müsste natürlich den Sachverhalt kennen. Aber grds. ist eine Beschwerde bei der GStA auch schon mal erfolgreich, insbesondere wenn es um die Beurteilung des Vorsatzes beim Betrug geht.
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Pünktchen
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Re: Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von Pünktchen » 22.05.19, 19:41

SusanneBerlin hat geschrieben:
21.05.19, 15:34

Der Geschädigte kann seine Forderung vor dem zuständigen Zivilgericht einklagen. Die Einstellung des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens hindert ihn daran in keiner Weise. Wenn er in der 1. Instanz verliert, dann kann er auch in Berufung gehen.
Ja, sofern der Streitwert 600 Euro übersteigt oder eine Berufung im erstinstazlichen Urteil ausdrücklich zugelassen wurde.

Chavah
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Re: Frage bzgl. Strafrecht

Beitrag von Chavah » 25.05.19, 06:48

Das strafrechtliche Ermittlungsverfahren ist primär dazu da, den Strafanspruch des Staates zu befriedigen. Nicht den zivilen Anspruch des Anzeigenerstatters.

Chavah

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