Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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turboman2
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Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von turboman2 » 16.09.19, 19:33

Hallo,

Mir geht es darum, OB, und wenn ja WAS einem WANN "rechtlich" (auf das Fahren im Straßenverkehr, ggf. in einen Unfall verwickelt) passieren kann, wenn man selbst ein Fahrrad mittels überall erhältlichem Elektromotor-Umbaukit (das auch die CE-Norm einhält) umrüstet?

Ich spreche von einem sogenannten "Pedelec" bis max. 25 km/h Geschwindigkeit bei max. 250 W Motorleistung. Diese beiden Bedingungen machen es zu einem "Pedelec" und noch nicht zu einem wirklichen E-Bike, dass sich eigentlich erst so nennt wenn die Leistung höher ist (und dann ein Kennzeichen braucht), und dann die Sache mit dem TÜV (erst recht beim Eigenbau) eine Hürde wird, die man nur mit teurer Einzelabnahme bewältigen kann.

Also davon ausgegangen dass man diese Grundbedingung erfüllt (als Pedelec), und ohne dass eine Fachwerkstatt daran beteiligt ist, und davon ausgegangen dass man das handwerklich selbst hinbekommt, bewegt man sich damit dennoch irgendwie auf rechtlich dünnem Eis? Oder ist es unter diesen Bedingungen tatsächlich möglich damit am Strassenverkehr bedenkenlos teilzunehmen?

Und was wäre im Falle eines Unfalls an dem man beteiligt ist (egal ob schuld oder nicht schuld) und egal mit welcher Art von Unfallgegner (wie Auto, anderes Fahrrad oder gar Fussgänger)?

Vielen Dank vorab für Antworten.

Lg

Dig
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von Dig » 16.09.19, 19:54

Siehe dazu §1, Abs3 StVG:
(3) Keine Kraftfahrzeuge im Sinne dieses Gesetzes sind Landfahrzeuge, die durch Muskelkraft fortbewegt werden und mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer Nenndauerleistung von höchstens 0,25 kW ausgestattet sind, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und

1. beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h oder früher,
2. wenn der Fahrer im Treten einhält,

unterbrochen wird. Satz 1 gilt auch dann, soweit die in Satz 1 bezeichneten Fahrzeuge zusätzlich über eine elektromotorische Anfahr- oder Schiebehilfe verfügen, die eine Beschleunigung des Fahrzeuges auf eine Geschwindigkeit von bis zu 6 km/h, auch ohne gleichzeitiges Treten des Fahrers, ermöglicht. Für Fahrzeuge im Sinne der Sätze 1 und 2 sind die Vorschriften über Fahrräder anzuwenden.
Es sind also Fahrräder....
Viele Grüße Dig

ChrisC
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von ChrisC » 16.09.19, 20:00

So ist es, wenn das Ding also einen Gasgriff hat und auch ohne treten mehr als 6 km/h läuft, dann ist es auch dann ein Mofa wenn die Leistung 250 W oder weniger beträgt. Wenn man also schon keine Ahnung von den gesetzlichen Bestimmungen hat sollte man so einen Eigenbau lassen, sonst wird das Eis ganz schnell sehr dünn.

FM
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von FM » 16.09.19, 21:50

Die Begrenzung auf 25 km/h scheint nicht zu reichen, auch eine auf 10 km/h nicht, meinte kürzliche die bayerische Polizei:
https://www.nordbayern.de/region/fuerth ... -1.9280624

Falls die Frage der Watt relevant sein sollte: das wird die Polizei kaum sofort messen können und ggf. ein SV-Gutachten verlangen müssen.

ChrisC
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von ChrisC » 16.09.19, 22:02

Die Wattzahl ist bei dem Ding völlig egal, da es nicht mal theoretisch die Möglichkeit gibt das Ding mit Muskelkraft zu betreiben hat es mit der oben zitierten Ausnahmeregelung mal gar nichts zu tun.

FM
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von FM » 16.09.19, 22:41

Doch, die Möglichkeit gibt es, ähnlich wie beim Bobby-Car (das übrigens keine 20 km entfernt von dem Zirndorfer Vorfall erfunden wurde und vielleicht die Anregung war). Also wie bei einem Tretroller, aber dank Sitz sogar beidbeinig.

turboman2
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von turboman2 » 17.09.19, 08:42

Dig hat geschrieben:
16.09.19, 19:54
Siehe dazu §1, Abs3 StVG:
(3) Keine Kraftfahrzeuge im Sinne dieses Gesetzes sind Landfahrzeuge, die durch Muskelkraft fortbewegt werden und mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer Nenndauerleistung von höchstens 0,25 kW ausgestattet sind, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und

1. beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h oder früher,
2. wenn der Fahrer im Treten einhält,

unterbrochen wird. Satz 1 gilt auch dann, soweit die in Satz 1 bezeichneten Fahrzeuge zusätzlich über eine elektromotorische Anfahr- oder Schiebehilfe verfügen, die eine Beschleunigung des Fahrzeuges auf eine Geschwindigkeit von bis zu 6 km/h, auch ohne gleichzeitiges Treten des Fahrers, ermöglicht. Für Fahrzeuge im Sinne der Sätze 1 und 2 sind die Vorschriften über Fahrräder anzuwenden.
Es sind also Fahrräder....
Also für mich scheint das jetzt die verwertbartste Antwort zu sein, also zusammenfassend:

- max. 0,25 kW = 250 Watt
- max. 25 km/h
- Elektr.Hilfsantrieb (für die anderen Antworten: von einem Gasgriff war nicht die Rede)

Allerdings..... gibt es jetzt rechtlich noch einen Unterschied, ob man sich ein Pedelec (oder Fahrrad mit Hilfsmotor) fertig im Handel kauft, oder sich ein Fahrrad "selbst" nachrüstet?

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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von Zafilutsche » 20.09.19, 01:19

turboman2 hat geschrieben:
16.09.19, 19:33

(das auch die CE-Norm einhält)
Offtopic: Eine CE -Norm als solche gibt es nicht! Gemeint ist ein Konformitätsbewertungsverfahren, welches im Ergebnis eine Konformitätserklärung des Herstellers ergibt. Daraus erkennt man welche Richtlinien und welche Normen (einschließlich. Normenstand) der Hersteller angewendet hat um Teile/Komponenten in den Markt (Verkauf) bringen zu dürfen.
Frage: Ich kaufe Bauteile und montiere diese. Danach verkaufe ich dieses gebrauchte "Pedelec"! Bin ich ein Hersteller?

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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von hambre » 20.09.19, 10:07

gibt es jetzt rechtlich noch einen Unterschied, ob man sich ein Pedelec (oder Fahrrad mit Hilfsmotor) fertig im Handel kauft, oder sich ein Fahrrad "selbst" nachrüstet?
Da so ein Pedelec keine Betriebserlaubnis benötigt macht es keinen Unterschied. Wichtig neben den Leitingsbegrenzungen ist eben, dass lediglich die Pedalkraft unterstützt wird und das Pedelec somit nicht alleine ohne Pedalkraft fahren kann.

Man übernimmt allerdings die Produkthaftung, d.h. wenn es durch unsachgemäßen Einbau zu einem Unfall kommt, dann haftet derjenige, der den Motor eingebaut hat für die Unfallfolgen.

turboman2
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von turboman2 » 22.09.19, 08:51

hambre hat geschrieben:
20.09.19, 10:07
Man übernimmt allerdings die Produkthaftung,
Also die "Produkthaftung" wäre mir zunächst mal völlig egal. Es handelt sich um ein gebrauchtes Fahrrad mit abgelaufener Garantiezeit, und es da sowieso keine Ansprüche mehr gibt.
hambre hat geschrieben:
20.09.19, 10:07
d.h. wenn es durch unsachgemäßen Einbau zu einem Unfall kommt, dann haftet derjenige, der den Motor eingebaut hat für die Unfallfolgen.
Das widerrum wäre mir nicht egal. Aber die Frage ist, warum sollte man bei einem möglichen Unfall dann automatisch aufgrund einer Motornachrüstung für die ganzen Unfallfolgen haften müssen? Ich meine, vielleicht habe ich einfach nicht nach links geschaut vor einem Linksabiegen oder dies nicht mit den Händen angezeigt, in dem Moment wo mich ein Auto überholt? Was hätte in dem Fall eine Hilfsmotornachrüstung damit zu tun, dass ich zu blöd oder zu abgelenkt war (weil in dem Moment hätts dann auch ohne Motor geknallt)? Spielt da nicht auch noch eine Art Ermittlung des Unfallhergangs eine Rolle?

Also wenn es so sein sollte, dass man im Falle einer selbstdurchgeführten Nachrüstung komplett haftbar ist, egal wie ein Unfall zustande kommt, dann ok. Aber steht das irgendwo? Ich finde die mir oben geschilderte Begründung (oder Fallbeispiel) nicht so daneben (wahrscheinlich gibt es auch weitere ähnliche Beispiele/Situationen, in denen ein Unfall absolut Null vom verwendeten Motor abhängig ist?)

Wenns mir den Antrieb zerreisst wegen Materialüberbeanspruchung und ich dadurch mit meinem ganzen Krempel auf den Boden falle und alles mögliche an Knochen breche, und im Extremfall dadurch andere noch zu Schaden kommen, ok.

SusanneBerlin
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von SusanneBerlin » 22.09.19, 10:51

turboman2 hat geschrieben: Also die "Produkthaftung" wäre mir zunächst mal völlig egal. Es handelt sich um ein gebrauchtes Fahrrad mit abgelaufener Garantiezeit, und es da sowieso keine Ansprüche mehr gibt.
Produkthaftung hat absolut nichts mit Garantie zu tun.
Die Produkthaftung bezieht sich nicht auf Mangelbeseitigung am Produkt, sondern auf Schäden an Menschen oder Sachen, die durch das fehlerhafte Produkt verursacht wurden.

Siehe exemplarisch § 1 des Produkthaftungsgesetzes:
ProdHaftG hat geschrieben:§ 1 Haftung

(1) Wird durch den Fehler eines Produkts jemand getötet, sein Körper oder seine Gesundheit verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Hersteller des Produkts verpflichtet, dem Geschädigten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. (...)
Und das gilt bis 10 Jahre nach dem In-Verkehr-Bringen des Produkts (§ 13 ProdHaftG), nicht nur 2 Jahre wie bei Gewährleistung oder Garantie.

https://www.gesetze-im-internet.de/prodhaftg/
Grüße, Susanne

hambre
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von hambre » 23.09.19, 11:55

Aber die Frage ist, warum sollte man bei einem möglichen Unfall dann automatisch aufgrund einer Motornachrüstung für die ganzen Unfallfolgen haften müssen?
Ich habe nicht geschrieben, dass man automatisch für alle Unfälle haftet. Man haftet aber, wenn der Unfall durch unsachgemäßen Einbau verursacht wurde und zwar auch dann, wenn man selbst gar nicht mit dem Fahrrad gefahren ist.

Zafilutsche
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von Zafilutsche » 23.09.19, 12:29

Es leuchte doch ein, wenn man selbst ein Elektroantrieb "nachrüstet" und man sich z.B. nicht an die Anforderungen hält (z.B. die Einbauvorschriften nicht beachtet)
das kein Anderer zur Verantwortung herangezogen werden kann als der Erbauer und Nutzer sich selbst das auf die Fahne zu schreiben hat.
Erhöhe ich das (Gesamt-Gewicht) müssen Rahmen, Reifen, Felgen, Bremsen ausreichend dimensioniert sein.
Verlege ich Stromleitungen, so müssen diese einen ausreichenden mechanischen/elektrischen Schutz aufweisen.
Wenn die Leistung eines S-Pedelecs erreicht wird, wird das Pedelec bei einer Anerkannten Stelle vorgeführt. Möglicherweise wird das dann für den Strassenverkehr zugelassen oder auch nicht. (Abhängig von den Anforderungen)

turboman2
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von turboman2 » 23.09.19, 13:25

hambre hat geschrieben:
23.09.19, 11:55
Man haftet aber, wenn der Unfall durch unsachgemäßen Einbau verursacht wurde und zwar auch dann, wenn man selbst gar nicht mit dem Fahrrad gefahren ist.
Ja prima. Wenn ich einen Umbaukit "sachgemäß" einbaue, dann wäre ja alles in Ordnung...

Ich meine, es gibt eine "Anleitung" (die Umbauten sind teilweise recht einfach, vor allem bei Front- und auch
Hinterradantrieben, nur die Sache mit dem Mittelmotor scheint schwierig zu sein),

Wenn das zusätzliche Gewicht des Umbaus noch eine Rolle spielt, dann würde doch ein Fahrrad das nicht
für eine "nachträglich angebrachte" Elektroumrüstung vorgesehen, "zwangsläufig" den höheren Anforderungen
ausgesetzt sein.

Aber dann würde auch eine Fachwerkstatt das Problem haben, wenn ein Kunde mit seinem Drahtesel kommt,
dass auch dieses Fahrrad höheren Belastungen ausgesetzt ist. Es gibt auch deutsche Hersteller für diese Umbaukits /
oder Nachrüstungen. Wie bringen die das auf den Markt mit diesen Bedingungen? Das würde einen Umbau
fast schon von vornerein ausschließen.

Und dennoch gibt es zahlreiche Fahrradfahrer die mit einem nachgerüsteten Fahrrad umherfahren.

Dig
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Re: Pedelec Elektro-Umbaukit selbst nachrüsten

Beitrag von Dig » 23.09.19, 13:57

Es ist immer eine Abwägungsfrage. Die Mehrbelastung liegt bei ~10 kg. Das sollte ein Rad schon aushalten. Ob nun eine zierliche Person mit 60 kg oder eine kräftige Person mit 110 kg auf dem Rad sitzt - die Bremse muss halten. Auch die gefahrenen Geschwindigkeiten sind ähnlich: bis 25 km/h mit Unterstützung. Als Normalradler fährt man 30 km/h auf gerader Strecke oder auch über 50 km/h bergab. Auch das muss die Bremse bremsen können.
Hast Du auch mal den wirtschaftlichen Aspekt betrachtet? Ein X Jahre altes Rad mit einem 1.000 € teuren Nachrüstsatz aufzuwerten? In den preislichen Regionen bekommt man auch schon Pedelecs. Aber das ist eher ein technisches oder finanzielles Problem - kein rechtliches. ;)
Viele Grüße Dig

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