Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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Caesar
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Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von Caesar » 21.09.19, 09:17

Bei dieser Fallbetrachtung seien folgende Personen gegeben:

1. Der Eigentümer, der das Fahrrad bei einem Fahrradhändler gekauft hat und dem es einige Zeit später gestohlen wurde. Die Rahmennummer des Fahrrads steht auf der Rechnung, die der Eigentümer noch hat.
2. Der Besitzer des Fahrrads, der das Fahrrad gestohlen oder von einem Dieb gegen Geld erworben hat.
3. Der Polizist der nicht weiß, wer der Eigentümer des Fahrrads ist.

Der Eigentümer findet ein paar Monate oder Jahre nach dem Diebstahl seines Fahrrads sein Fahrrad an einer Straße, angekettet an ein Straßenschild, wieder.
Der Eigentümer erkennt sein Fahrrad an eindeutigen Merkmalen wie Kratzer oder Lackierungen am Rahmen oder nicht serienmäßige Anbauten wieder und ruft daher die Polizei.
Der Polizist trifft ein und der Eigentümer schildert ihm den Sachverhalt. Zur gleichen Zeit kommt auch der Besitzer und behauptet, dass dies sein Fahrrad wäre.
Darauf möchte der Polizist die Rahmennummer aufschreiben, allerdings wurde diese abgeschliffen, daher sagt der Polizist er könne nichts machen, weil diese fehlt und eine Prüfung im Labor tausende Euro kosten würde. Die anderen Merkmale des Fahrrads, die der Eigentümer angibt, reichen dem Polizist nicht als Beweis aus, dass dieses Fahrrad dem Eigentümer gehört. Der Besitzer möchte nun das Fahrradschloss aufschließen und wieder weiterfahren. Das Fahrrad ist noch angekettet.
Der Eigentümer fragt sich nun, was er machen kann?

Ab hier teile ich die Fallbetrachtung mal in zwei verschiedene Handlungsstränge auf:

1. Fall
Der Eigentümer erstattet beim Polizisten Strafanzeige gegen den Besitzer wegen Diebstahls seines Fahrrads.
Frage: Ist der Polizist nun verpflichtet das Fahrrads zwecks Beweissicherung zu sichern bzw. kann er das überhaupt?
Immerhin steht die Möglichkeit im Raum, dass der Besitzer am Tag der Gerichtsverhandlung behauptet, dass ihm das Fahrrad jetzt gestohlen worden sei.
In dem Fall wäre dann auch keine Recherche im Labor nach der Rahmennummer mehr möglich und die Strafanzeige würde zu Gunsten des Besitzers ausfallen, da man ihm mangels Beweise nicht nachweisen kann, dass er das Fahrrad gestohlen oder ein geklautes Fahrrad erworben hat.

2. Fall
Der Eigentümer weiß nicht was er tun soll und der Polizist sagt ihm auch nicht die Möglichkeiten auf.
Daher beschließt er kurzerhand das Fahrrad an sich zu nehmen.
Hier teile ich den Fall in zwei Unterfälle auf.
a) der Eigentümer bricht das Fahrradschloss in Anwesenheit des Besitzers und Polizisten auf und will mit dem Fahrrad wegfahren. Wie er das macht und woher das Werkzeug ist, sei für die Fallbetrachtung mal dahin gestellt, gehen wir einfach davon aus, dass er zufällig einen großen Bolzenschneider dabei hatte. :)
b) der Eigentümer wartet, bis der Besitzer das Schloss aufschließt, danach greift er sich das Fahrrad und versucht damit wegzufahren.

Nach a) oder b) stoppt der Polizist den auf dem Fahrrad gerade davon fahrenden Eigentümer und sagt ihm nun, dass er nun Strafanzeige wegen versuchten Diebstahls gegen ihn erstattet müsste. Der Besitzer betont dabei, dass er auch Anzeige gegen den Eigentümer erstatten möchte.

Wie würde nun dieser 2. Fall vor Gericht behandelt werden?
Kann ein Eigentümer Diebstahl begehen, wenn er seine eigene Sache wieder in Besitz nimmt?

Wenn er dem Polizisten sagt, dass dieser das Fahrrad zwecks Beweissicherung sichern soll, kann der Polizist diese Bitte verweigern?
c) Mal angenommen der Polizist sichert den Beweis nicht und der Besitzer sagt bei der Gerichtsverhandlung, dass ihm das Fahrrad gestohlen worden sei,
dann könnte die Rahmennummer nicht mehr festgestellt werden, in dem Fall hätte man nur die Zeugenaussage des Polizisten und Besitzers, die gesehen haben, wie der Eigentümer versucht hat, das Fahrrad zu "stehlen". Würde er dann wegen Diebstahl schuldig gesprochen werden können oder würden die Beweise nicht ausreichen, da nicht klar ist, ob der Eigentümer Eigentümer des Fahrrads war, so das Freispruch aufgrund von Mangel an beweisen gelten würde?

d) mal angenommen der Polizist sichert den Beweis und es stellt sich im Labor heraus, dass die Rahmennummer eine andere ist?
Wäre das dann seitens des Eigentümers Diebstahl oder würde der Vorwurf Diebstahl wegen Irrtums eingestellt werden?

e) mal angenommen der Polizist sichert den Beweis oder der Besitzer schafft das Fahrrad nicht weg, so dass im Labor die Rahmennummer ermittelt werden kann
und die Rahmennummer entspricht der, des Fahrrads des Eigentümers. Es kann also bewiesen werden, dass der Eigentümer der Eigentümer ist, wäre
es dann noch Diebstahl oder irgendwas anderes im Sinne von eigenmächtiges Handeln gegen irgendein Gesetz, gegen das er rechtlich verstoßen hätte?
Und wie würde der Fall dann ablaufen, wenn das Fahrradschloss, wie in a) beschrieben, aufgebrochen worden wäre? Wäre das Sachbeschädigung durch den Eigentümer oder wäre das Nötigung durch den Besitzer, da er den Eigentümer am wegfahren gehindert hat?

f) mal angenommen der Polizist sichert den Beweis nicht, kommt es dann bei der Gerichtsverhandlung überhaupt zu der Anordnung, dass die Rahmennummer festgestellt werden soll, damit klar ist, wer der Eigentümer ist?
Was wäre, wenn dies nicht geschehen würde? Dann hätte man nur die Aussage des Polizisten und Besitzer wie der Eigentümer versucht hat, das Fahrrad mitzunehmen.
Könnte er dann wegen versuchten Diebstahls schuldig gesprochen werden?

g) Wäre es nicht auch verdächtig, dass die Rahmennummer überhaupt abgeschliffen ist? Müsste der Polizist dann nicht von sich aus, davon ausgehen, dass das Rad gestohlen
wurde und Anzeige gegen den Besitzer erstatten und das Fahrrad zwecks Überprüfung im Labor sichern? Würde das überhaupt gehen, wenn der Besitzer behaupten würde, dass es sein Fahrrad sei und er die Rahmennummer aus irgendeinem Grund oder Spaß am Schleifen abgeschliffen hätte?


Ich danke schon einmal für die Antworten, falls ich irgendeine Konstellation übersehen habe, bitte darauf hinweisen.

Dieter_Meisenkaiser
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von Dieter_Meisenkaiser » 21.09.19, 10:48

Warum treibt Sie dies um und warum schreiben Sie deshalb solch eine Textwand inkl. alternativer Verläufe hier rein? Ich sehe folgende Möglichkeiten:

1.) Sie sind Betroffener und haben die Situation so oder sehr ähnlich erlebt.
2.) Sie sind Schüler/Student und haben keine Lust, Ihre Hausaufgabe allein zu erledigen.
3.) Sie haben öfters mal etwas Langeweile, dafür aber umso mehr Phantasie.

J.A.
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von J.A. » 21.09.19, 11:26

1. Fall.
Ob er es kann, weiß ich nicht. Er darf es jedenfalls und sollte es auch, wenn das Anzeige Vorbringen des Eigentümers plausibel ist.

2a) Sachbeschädigung und was danach noch so kommt, denn Besitzer und Polizist werden dem wohl kaum tatenlos zusehen.

Wie es hinsichtlich eines Eigentumsdeliktes aussieht, kommt darauf an, ob die Eigentümerschaft letztendlich geklärt werden kann, oder nicht. Im Zweifelsfall ist natürlich eine Verurteilung wegen versuchten Diebstahls, oder je nach dem wegen Raubes oder räuberischen Diebstahls möglich.

2b) siehe 2a, Abs. 2
Kann ein Eigentümer Diebstahl begehen, wenn er seine eigene Sache wieder in Besitz nimmt?

Nein, de jure kann das Objekt eines Diebstahls nur eine fremde Sache sein. Wenn die Sache aber bis vor Gericht kommt, ist die Staatsanwaltschaft der Überzeugung gewesen, dass die Sache für den Wegnehmenden fremd ist, sonst hätte sie es gar nicht angeklagt.
Wenn er dem Polizisten sagt, dass dieser das Fahrrad zwecks Beweissicherung sichern soll, kann der Polizist diese Bitte verweigern?


Siehe Fall 1.

c) bei welcher Gerichtsverhandlung?

d) Hellsehen kann ich leider nicht. Kommt auf die Überzeugung des Gerichts an.

e) Diebstahl wäre es dann nicht. Andere Delikte könnten verwirklicht sein.

f) ja könnte er, wenn das Gericht zu der Überzeugung kommt, dass er einen versuchten Diebstahl begangen hat.

g) wäre im Gesamtkontext sicherlich verdächtig. Die Anzeige hat ja schon der Eigentümer erstattet, so dass es einer weiteren Anzeige von Amts wegen durch den Polizisten nicht mehr bedarf.
falls ich irgendeine Konstellation übersehen habe, bitte darauf hinweisen.
Du setzt in Fall 2 ständig voraus, dass es irgendeine Gerichtsverhandlung, gegen wen auch immer, wegen was auch immer, geben würde.

Damit es zu einer Gerichtsverhandlung kommt, muss es erst einmal ein Ermittlungsverfahren gegen irgendjemanden geben, an dessen Ende die Staatsanwaltschaft davon überzeugt ist, diesem jemand irgendeine Tat nachweisen zu können, Anklage erhebt und diese Anklage vom Gericht zugelassen wird.
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

FM
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von FM » 21.09.19, 11:51

Man beachte, dass selbst eine noch vorhandene oder wieder hergestellte Rahmennummer kein absoluter Beweis sind. Denn:

a) der auf der Rechnung genannte war dann zwar wohl damals Eigentümer, könnte es aber inzwischen legal abgegeben haben. Zumindest ein weiteres Indiz wäre, ob er den Diebstahl damals angezeigt hatte (und ob damals die individuellen Merkmale auch so genannt wurden).

b) der jetzige Besitzer könnte es auf einer öffentlichen Versteigerung und somit wirksam erworben haben. Gerade bei wirklich gestohlenen Fahrrädern durchaus naheliegend, da diese vom Dieb oft nur für eine Fahrt benutzt und dann abgestellt werden, was im weiteren zur Fundsachenversteigerung führt.

Die abgeschliffene Nr. deutet natürlich auf einen Diebstahl hin. Dass der vermeintliche Dieb sich in die Situation einmischt wenn schon ein Polizist da steht spricht sehr dafür, dass zumindest er nicht der Dieb ist, denn seine Personalien wird der Polizist jedenfalls feststellen.

Die Sache ist also nicht so klar wie der (frühere?) Eigentümer meinen mag. Da kann die Polizei schon zu dem Ergebnis kommen, reicht nicht für eine Zwangsmaßnahme (außer eben Personalien festhalten), den Rest soll das Gericht klären.

SusanneBerlin
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von SusanneBerlin » 21.09.19, 12:08

3. Fall:
Der Bestohlene ergreift die Optionen 3a und 3b:

a) Der Bestohlene erstattet eine Diebstahlanzeige gegen Unbekannt, falls er es noch nicht getan hat. Er ergänzt die Anzeige mit dem Aktenzeichen, das der hinzugerufene Polzist über den Vorfall anlegte.

b) Der Bestohlene erhebt eine zivilrechtliche Herausgabeklage gegen den Besitzer des Fahrrads, legt als Beweismittel seinen Kaufvertrag vor und beantragt den Polizisten als Zeugen zu laden. Dann ist es an dem Fahrradbesitzer, darzulegen wie er Besitz an dem Fahrrad erlangte und wer Eigentümer des Fahrrads mit der abgeschliffenen Rahmennummer ist.
Grüße, Susanne

karli
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von karli » 21.09.19, 13:05

Grundproblem dürfte sein, daß der rechtmäßige Eigentümer nicht klar feststeht.
FM hat geschrieben:
21.09.19, 11:51
der jetzige Besitzer könnte es auf einer öffentlichen Versteigerung und somit wirksam erworben haben
Das würde mich genauer interessieren.
Ich war immer der Ansicht, daß ein rechtmäßiger Erwerb an einer gestohlenen Sache nicht möglich ist.
Falls der Bestohlene nachweisen kann daß es sich um sein Fahrrad handelt, wird der aktuelle Besitzer es meiner Ansicht nach rausrücken müssen.
Meiner Ansicht nach wäre es auch gut möglich, daß der aktuelle Besitzer für Ermittlungsaufwand aufkommen müsste.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

Caesar
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von Caesar » 21.09.19, 13:09

Dieter_Meisenkaiser hat geschrieben:
21.09.19, 10:48
Warum treibt Sie dies um und warum schreiben Sie deshalb solch eine Textwand inkl. alternativer Verläufe hier rein? Ich sehe folgende Möglichkeiten:

1.) Sie sind Betroffener und haben die Situation so oder sehr ähnlich erlebt.
2.) Sie sind Schüler/Student und haben keine Lust, Ihre Hausaufgabe allein zu erledigen.
3.) Sie haben öfters mal etwas Langeweile, dafür aber umso mehr Phantasie.
Keines trifft zu.
4.) Es interessiert mich einfach. Für mich sind Themen des Rechts und das Aneignen von Wissen darüber auch Hobby. Mein Fahrrad habe ich auch noch und das, welches mir mal gestohlen wurde, habe ich nie wieder gesehen.

J.A. hat geschrieben:
21.09.19, 11:26
c) bei welcher Gerichtsverhandlung?
Das bezieht sich auf Fall 2, wenn der Eigentümer versucht hat das Fahrrad mitzunehmen, aber der Besitzer das Fahrrad zur Seite geschafft hat,
bevor in einem Ermittlungsverfahren die Rahmennummer im Labor ermittelt werden konnte.
d) Hellsehen kann ich leider nicht. Kommt auf die Überzeugung des Gerichts an.
Ist das so zu verstehen, dass die Möglichkeit des Irrtums hier möglich wäre?
Wenn das Gericht dem dann Nicht-Eigentümer glauben würde, dass er glaubte, es sei sein Fahrrad, weswegen er versucht hat es mitzunehmen und es nun ein Irrtum wäre,
wäre dann auch ein Freispruch möglich oder wie geht ein Richter in solchen Fällen dann vor?
e) Diebstahl wäre es dann nicht. Andere Delikte könnten verwirklicht sein.
Wäre auch Nötigung durch den Besitzer gegeben, da er den Eigentümer durch das Schloss am wegfahren gehindert hat?
f) ja könnte er, wenn das Gericht zu der Überzeugung kommt, dass er einen versuchten Diebstahl begangen hat.
Hätte der Anwalt des Eigentümers die Möglichkeit die Überprüfung der Rahmennummer einzuklagen?
falls ich irgendeine Konstellation übersehen habe, bitte darauf hinweisen.
Du setzt in Fall 2 ständig voraus, dass es irgendeine Gerichtsverhandlung, gegen wen auch immer, wegen was auch immer, geben würde.

Damit es zu einer Gerichtsverhandlung kommt, muss es erst einmal ein Ermittlungsverfahren gegen irgendjemanden geben, an dessen Ende die Staatsanwaltschaft davon überzeugt ist, diesem jemand irgendeine Tat nachweisen zu können, Anklage erhebt und diese Anklage vom Gericht zugelassen wird.
Ah, okay. Verstehe. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann würde die Prüfung der Rahmennummer, wenn, dann zuerst während dem Ermittlungsverfahren durchgeführt werden und erst dann würde es, sofern der Vorwurf des Diebstahls noch zutrifft, überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kommen.
Es ist also nicht so etwas wie ein Freispruch des Eigentümers notwendig, wenn festgestellt werden kann, dass es sein Fahrrad war, da es erst gar nicht zu einer Gerichtsverhandlung kommen würde. Danke für den Hinweis, in 2 c) habe ich das jetzt in diesem Kommentar berücksichtigt.
Und natürlich auch Danke für alle anderen Punkte.
FM hat geschrieben:
21.09.19, 11:51
a) der auf der Rechnung genannte war dann zwar wohl damals Eigentümer, könnte es aber inzwischen legal abgegeben haben. Zumindest ein weiteres Indiz wäre, ob er den Diebstahl damals angezeigt hatte (und ob damals die individuellen Merkmale auch so genannt wurden).
Danke für den Hinweis.
b) der jetzige Besitzer könnte es auf einer öffentlichen Versteigerung und somit wirksam erworben haben. Gerade bei wirklich gestohlenen Fahrrädern durchaus naheliegend, da diese vom Dieb oft nur für eine Fahrt benutzt und dann abgestellt werden, was im weiteren zur Fundsachenversteigerung führt.
Wie würde das aussehen, wenn der Eigentümer damals das Fahrrad als gestohlen gemeldet hätte, der Dieb die Rahmennummer abgeschliffen und später weggeworfen hätte und dann das Fahrrad irgendwo gefunden und bei der Polizei abgegeben worden wäre?
Ist diese verpflichtet, die Rahmennummer im Labor feststellen zu lassen, sofern es möglich ist, bevor sie das Fahrrad versteigert oder wird das aus z.B. Kostengründen erst gar nicht gemacht?
Die abgeschliffene Nr. deutet natürlich auf einen Diebstahl hin. Dass der vermeintliche Dieb sich in die Situation einmischt wenn schon ein Polizist da steht spricht sehr dafür, dass zumindest er nicht der Dieb ist, denn seine Personalien wird der Polizist jedenfalls feststellen.
Wobei er natürlich auch Bluffen könnte.

Danke für ihre Antworten.
SusanneBerlin hat geschrieben:
21.09.19, 12:08
3. Fall:
Der Bestohlene ergreift die Optionen 3a und 3b:

a) Der Bestohlene erstattet eine Diebstahlanzeige gegen Unbekannt, falls er es noch nicht getan hat. Er ergänzt die Anzeige mit dem Aktenzeichen, das der hinzugerufene Polzist über den Vorfall anlegte.

b) Der Bestohlene erhebt eine zivilrechtliche Herausgabeklage gegen den Besitzer des Fahrrads, legt als Beweismittel seinen Kaufvertrag vor und beantragt den Polizisten als Zeugen zu laden. Dann ist es an dem Fahrradbesitzer, darzulegen wie er Besitz an dem Fahrrad erlangte und wer Eigentümer des Fahrrads mit der abgeschliffenen Rahmennummer ist.
Stimmt, ja, das wäre natürlich auch noch eine Möglichkeit, dass der Bestohlene (also der Eigentümer) erst im Revier die Anzeige aufgibt.
Was würde hier im Fall 3 b) geschehen, wenn der Besitzer das Fahrrad zur Seite schaffen würde, z.B. in dem er angibt, dass es ihm gestern gestohlen wurde? Dann könnte ja nicht mehr die Rahmennummer ermittelt werden und somit auch nicht mehr festgestellt werden, dass die Anzeige des Eigentümers berechtigt ist.
Müsste der Eigentümer dann mit einer Einstellung des Verfahrens gegen den Besitzer rechnen?

FM
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von FM » 21.09.19, 13:39

Zum Thema Versteigerung:
§ 935 BGB Kein gutgläubiger Erwerb von abhanden gekommenen Sachen

(1) 1Der Erwerb des Eigentums auf Grund der §§ 932 bis 934 tritt nicht ein, wenn die Sache dem Eigentümer gestohlen worden, verloren gegangen oder sonst abhanden gekommen war. 2Das Gleiche gilt, falls der Eigentümer nur mittelbarer Besitzer war, dann, wenn die Sache dem Besitzer abhanden gekommen war.

(2) Diese Vorschriften finden keine Anwendung auf Geld oder Inhaberpapiere sowie auf Sachen, die im Wege öffentlicher Versteigerung oder in einer Versteigerung nach § 979 Absatz 1a veräußert werden.
Der Ersteigerer ist dann Eigentümer, muss es also nicht mehr herausgeben. Der frühere Eigentümer hat aber einen Ersatzanspruch gegen den Dieb.

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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von karli » 21.09.19, 13:46

FM hat geschrieben:
21.09.19, 13:39
:)
Der Ersteigerer ist dann Eigentümer, muss es also nicht mehr herausgeben. Der frühere Eigentümer hat aber einen Ersatzanspruch gegen den Dieb.
:) Besten Dank!
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von J.A. » 21.09.19, 14:05

Das bezieht sich auf Fall 2, wenn der Eigentümer versucht hat das Fahrrad mitzunehmen, aber der Besitzer das Fahrrad zur Seite geschafft hat,
bevor in einem Ermittlungsverfahren die Rahmennummer im Labor ermittelt werden konnte.
Dann gilt das selbe wie bei d)
Ist das so zu verstehen, dass die Möglichkeit des Irrtums hier möglich wäre?
... Usw.
Es müsste dann (für einen Freispruch) ein unvermeidbarer Verbotsirrtum vorgelegen haben.
Wäre auch Nötigung durch den Besitzer gegeben, da er den Eigentümer durch das Schloss am wegfahren gehindert hat?
Theoretisch ja, wobei das dann Gegenstand eines separaten Verfahrens wäre und der Besitzer wissen müsste, dass er fehlerhaften Besitz ausübt, etwa weil er selbst der Dieb oder Hehler ist.
Hätte der Anwalt des Eigentümers die Möglichkeit die Überprüfung der Rahmennummer einzuklagen?
Nein. Er kann einen Beweisantrag stellen . Das Gericht kann diesen Beweisantrag ablehnen.
Ah, okay. Verstehe. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann würde die Prüfung der Rahmennummer, wenn, dann zuerst während dem Ermittlungsverfahren durchgeführt werden und erst dann würde es, sofern der Vorwurf des Diebstahls noch zutrifft, überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kommen


Ja
Es ist also nicht so etwas wie ein Freispruch des Eigentümers notwendig, wenn festgestellt werden kann, dass es sein Fahrrad war, da es erst gar nicht zu einer Gerichtsverhandlung kommen würde.


Richtig
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

Caesar
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Re: Darf ein Eigentümer sein gestohlenes Fahrrad eigenmächtig wieder in Besitz nehmen ("klauen")?

Beitrag von Caesar » 22.09.19, 17:20

Vielen Dank, das beantwortet dann alle meine Fragen.

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