Stalking * Feststellungsmerkmale

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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helmes63
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Stalking * Feststellungsmerkmale

Beitrag von helmes63 » 02.10.19, 17:00

Guten Tag,

... ich habe schon oft gesehen wie rasch man mit der Bewertung Stalking bei der Hand ist, selbst wenn es sich nur um eine energische Meinungsäußerung handelt. Auf Grund dieser teilweise doch schlechten Informationslage hätte ich gerne gewusst, woran denn Stalking konkret zu erkennen ist.

a> Es bedarf neben einer klaren Abgrenzungsbekundung ja auch ein wiederholt gezeigter fehlender Respekt. Das allein ist jedoch immer noch etwas zu dürftig um von Stalking sprechen zu können. Ich bitte mal die Kriterien konkret aufzuführen.

b> Ich denke es ist schwierig zu beweisen, wenn Stalking nicht übers Handy läuft. Außerdem kann man Telefonate ja auch bei einfachen Geräten doch nicht so ohne weiteres protokollieren.

Gammaflyer
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Re: Stalking * Feststellungsmerkmale

Beitrag von Gammaflyer » 02.10.19, 18:28

Stalking ist kein juristischer Begriff.

Im Strafrecht gibt es den Tatbestand der Nachstellung.
Merkmale finden Sie im §238 StGB.

Es braucht weder eine "Abgrenzungsbekundung" noch "wiederholt gezeigter fehlender Respekt".

Evariste
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Re: Stalking * Feststellungsmerkmale

Beitrag von Evariste » 02.10.19, 22:49

Gammaflyer hat geschrieben:
02.10.19, 18:28
Es braucht weder eine "Abgrenzungsbekundung" noch "wiederholt gezeigter fehlender Respekt".
Wobei die Nachstellung natürlich schon etwas mit "fehlendem Respekt" zu tun hat. Es ist aber nicht erforderlich, dass der Täter das selbst so sieht.

Zu Punkt 2, das ist der übliche Irrtum, eine Straftat muss nicht "objektiv", durch technische Aufzeichnungen o. ä., beweisbar sein. Auch die glaubwürdige Zeugenaussage des Opfers "X hat mich immer wieder angerufen" kann zu einer Verurteilung führen.

Pünktchen
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Re: Stalking * Feststellungsmerkmale

Beitrag von Pünktchen » 05.10.19, 12:12

Evariste hat geschrieben:
02.10.19, 22:49
Wobei die Nachstellung natürlich schon etwas mit "fehlendem Respekt" zu tun hat.
Was heißt Respekt? Wenn man unsterbblich in jemand verliebt ist, hat man dann keinen Respekt vor dieser Person?
Es ist aber nicht erforderlich, dass der Täter das selbst so sieht.
Soll das etwa ein Außenstehender besser beurteien können, wen man respektiert und wen nicht?

Fehlenden Respekt kann man auf jede Straftat übertragen. Zumindest wenn es um fehlenden Respekt zum Gesetz geht.

Aber das ist überhaupt kein Tatbestandsmerkmal.
Evariste hat geschrieben:
02.10.19, 22:49
Auch die glaubwürdige Zeugenaussage des Opfers "X hat mich immer wieder angerufen" kann zu einer Verurteilung führen.
Anruf dürften i. d. R. durch Protokolle der TK-Anbieter beweisbar sein.

helmes63
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Re: Stalking * Feststellungsmerkmale

Beitrag von helmes63 » 16.10.19, 11:53

Viele die sich bedrängt fühlen wissen ja auch um die Norm der Nachweispflicht.
Vor diesem Hintergrund sind persönliche Belästigungen ja anders zu sehen als Nachrichten welche man als Beleg anführen kann.

Es fehlt hier so etwas wie ein Mediator den man alternativ einschalten kann um dem Stress einer polizeilichen Anzeige zu vermeiden.

Ich kenne jedoch Leute die Belästigung und Stalking gleich setzten und meinen dass man hierunter fast alles subsumieren kann.
Daher ist die (Definitionsfrage juristische) auch so wichtig.

J.A.
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Re: Stalking * Feststellungsmerkmale

Beitrag von J.A. » 16.10.19, 17:17

Es fehlt hier so etwas wie ein Mediator den man alternativ einschalten kann um dem Stress einer polizeilichen Anzeige zu vermeiden.
Da fehlt nix. Es gibt in fast jedem Bundesland gemeindliche Schiedsstellen/Schiedspersonen (auch bei Ihnen in NRW), die in solchen Fällen angerufen werden können. Die Frage ist nur, ob das Opfer Interesse daran hat, das "alternativ zur Anzeige" zu tun. Im Normalfall durfte das Opfer einer Nachstellung dem Nachsteller im Vorfeld einer Anzeige bereits mehrfach deutlich gemacht haben, dass es keinerlei Kontaktaufnahme wünscht.

Auch eventuell (und auch real nicht selten) vorhandene Befindlichkeiten eines Nachstellers, alles bis zum Erbrechen auszudiskutieren und noch meilenweit darüber hinaus, muss ein Opfer keine Rücksicht nehmen. Es muss keine dutzendfachen "letzte Aussprachen" usw. hinnehmen, nur weil der Nachsteller meint, dass es noch irgendetwas zu besprechen gäbe.
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

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