PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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HYALURON
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PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von HYALURON »

Fiktiver Fall:

Nehmen wir mal an:

In einer Wohngemeinschaft, hier 2 Personen, wird ein PC gemeinschaftlich genutzt. Der PC ist grundsätzlich nach dem Einschalten sofort für jeden nutzbar. Ein Konto für jeden Benutzer bestehe nicht. Emails werden über Mail Programm XY abgerufen wo jeder Nutzer der WG seine Nutzerdaten hinterlegt hat. Der Hauptmieter dieser WG ist zugleich die Person auf welche der Anschluss läuft.

Das Mail Programm XY ist so eingerichtet das es beim Start alle Emails der jeweiligen eingestellten Konten abruft. In der Regel hat jeder Mitbewohner mehrerer Emailacounts welche er für diverse Anwendungen nutzt. In der Praxis ist es jedoch auch möglich auf die Emails des jeweils anderen zuzugreifen was gelegentlich erforderlich ist bei Bestellungen über Verkaufsplattform Y oder der Abruf einer Benachrichtigung über die Zustellung an eine Packstation welche den generierten Code an diese Email schickt. Dies nur zwei Beispiele wieso diese eine E-Mail von mehreren benutzt wird. Für das Login in diversen Spielcasinos und Versandhäusern wird die E-Mail ebenfalls von beiden genutzt. Die Vertrauensbasis ist jedenfalls gegeben und hat bis zum genannten Zeitpunkt auch wunderbar geklappt, es gab keine Vorkommnisse.

Jetzt zum Problem:

Der Bewohner auf welchen der Anschluss registriert hat eine Vorladung der Polizei erhalten worin ihm mitgeteilt wird, dass er Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung ist die per Mail verschickt werden ist. Die E-Mail welche gelegentlich gemeinschaftlich genutzt wir gehört dem Mitbewohner dieser WG, diese Email wird auf der Vorlandung genannt in Zusammenhang mit der angeblichen Beleidigung. Defacto wird der Anschlussinhaber beschuldigt wobei die E-Mail dem Mitbewohner gehört.

Auf Anfrage des Mitbewohners teilt dieser mit, eine solche Email über seinen Account nie verschickt zu haben. Der Anschlussinhaber habe ebenfalls keinerlei Kenntnis über das Versenden einer solchen Email.
Ausgangssituation ist die: Beide Bewohner teilen sich diese Email für die oben genannten Zwecke. Eine E-Mail wird aus diesem Account verschickt mit entsprechenden offensichtlichen Beleidigungen an eine für beide unbekannte Person. Die Schuldfrage wird von beiden bestritten.

Wie sehe die weitere Feststellung des Urhebers dieser Email aus, wie wird die Staatsanwaltschaft oder die ermittelnde Polizei diese klären können? Nach welchen Kriterien stellt die Staatsanwaltschaft die Schuldfrage fest. Sind jetzt beide verdächtigt oder zunächst erstmal nur der Anschlussinhaber?

Vielen Dank
Zuletzt geändert von HYALURON am 29.08.20, 16:52, insgesamt 2-mal geändert.

ktown
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von ktown »

Liebes FDR-Mitglied,

wie Sie sicher in unserer Juriquette (=Forenregeln) gelesen haben, darf hier keine individuelle Rechtsberatung in einem konkreten Fall erfolgen. Sie helfen dem Forum und erleichtern dem Moderatoren-Team die Arbeit, wenn Sie eine Fragestellung zur allgemeinen Rechtslage herausarbeiten, die für Sie von Relevanz ist.

Weitere Konkretisierungen zur unseren Forenregeln finden sich neben der Juriquette in der Moderationsleitline oder in dem Beitrag "Was ist erlaubt"?

Fragen dazu können Sie jederzeit im Forum für Mitgliederinformation u. Support stellen.

Wenn sie eine individuelle Beratung wünschen, dann hilft ihnen diese Seite.

HYALURON
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von HYALURON »

Vielen Dank für den Hinweis. Bei der Fragestellung handelt es sich um einen fiktive Frage zu einem fiktiven Fall.

2 Personen einer Wohngemeinschaft teilen sich einen Computer und haben Zugriff auf die Emails des jeweils anderen wodurch eine unterschiedliche Nutzung mit Einverständnis des anderen erfolgt. Erfolgt aus einer dieser Emails eine strafbare Handlung zb. eine Beleidigung per Email, sehe die Beweisführung wie aus insb. wenn beide abstreiten der Urheber dieser Email zu sein. Kann im konkreten Fall eine Täterschaft ermittelt werden wenn keine weiteren Indizien dafürsprechen und keiner sich einer Schuld bewusst ist?

FM
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von FM »

Anhand der Auswertung der Festplatte kann man evtl. schon sehen, wer den PC unmittelbar vorher und nachher benutzt hat. Und da eine Beleidigung meist nicht aus heiterem Himmel losgelassen wird, können auch die Beziehungen der beiden Personen zum Beleidigtem relevant sein. Wenn das jetzt jemand ist mit dem der eine jahrelang Streit hatte und den der andere gar nicht kennt, wäre das schon ein deutlicher Hinweis.

Aber ob wegen so einer Tat bei der meist ohnehin wegen fehlendem öffentlichen Interesse eingestellt wird die Polizei so einen Aufwand macht, ist fraglich.

HYALURON
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von HYALURON »

Vielen Dank für die Wortmeldung.

Wenn beide abstreiten mit der Person in Kontakt zu stehen und auch der Empfänger der Email "beide" nicht kennt, keine weiteren Indizien ermittelt werden, ist die Beweislast auf den Urheber welche, abgesehen von einer unmittelbaren Konfiszierung des PC's und einer möglichen Konkretisierung der Schuldfrage.

Deputy
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von Deputy »

Es wird eine Vernehmung des Anzeigenerstatters bzw. Geschädigten geben; auf diesen Angaben baut die Polizei die Ermittlungen auf.

Wie so ein Fall weitergeht hängt davon ab, ob die Personen doch miteinander bekannt sind, was der Anzeigenerstatter genau gesagt hat, ob sich noch Hinweise, Indizien / Beweise anderer Art ergeben oder nicht undundund.

Insofern: der Blick in die Ermittlungsakte hilft (erstmal) weiter. Den wird man frühestens nach Abschluss der Ermittlungen bekommen (zumindest bei so einer Sache). Nach den hier vorliegenden Infos ist grundsätzlich alles möglich - von einer Einstellung bis zu einer Verurteilung.

hawethie
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von hawethie »

Abgesehen davon, dass man vor der Polizei (solange es sich nicht um eine Vorladung auf Veranlassung der StA handelt) gar nichts sagen muss, würde ich einen Anwalt einschalten, wenn mir jemand eine Straftat vorwürfe.

Dann, in dem Falle, wäre mein nächster Schritt die Einrichtung von Benutzerkonten auf dem PC und Änderung meiner Zugangsdaten für meinen E-Mail-Account.
Dazu die Aufforderung an den Mitbewohner, seine Daten ebenfalls zu ändern
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

Celestro
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von Celestro »

Da man die Absendeadresse sehr einfach fälschen kann, sollte man auch durchaus in Betracht ziehen, dass wirklich beide nicht Urheber der Mail sind.

Evariste
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von Evariste »

Die Frage, die sich her stellen, sind eigentlich weniger rechtliche Fragen, als vielmehr "taktische" Fragen.

Momentan wird wohl nur der Anschlussinhaber verdächtigt, weil das der Einzige ist, den man kennt. Wenn der nun angibt, andere haben auch Zugriff, erweitert sich der Kreis der Verdächtigen und man schaut sich auch den Mitbewohner an. Die Frage ist, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Es kann sinnvoll sein, den Mitbewohner gleich zu nennen, wenn man dadurch das Ermittlungsverfahren los wird. Oder man nennt den Mitbewohner erst im Prozess, so dass die Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit mehr hat, dessen Täterschaft auszuschließen. Oder man nennt ihn gar nicht, wenn man davon ausgeht, dass die Polizei sowieso nicht genug Beweise hat (*). Das alles können wir von hier aus nicht beurteilen.

(*) So eine Vorladung kann auch ein Versuch der Polizei sein, sich überhaupt erst diese Beweise zu verschaffen. Wie schon geschrieben, eine Absenderadresse allein ist wenig aussagekräftig.

hawethie
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Re: PC in einer Wohngemeinschaft - Ermittlungsverfahren

Beitrag von hawethie »

Celestro hat geschrieben:
31.08.20, 11:04
Da man die Absendeadresse sehr einfach fälschen kann, sollte man auch durchaus in Betracht ziehen, dass wirklich beide nicht Urheber der Mail sind.
Dafür sind Ermittlungen ja da.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

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