Kann ein Autor eines Romans Volksverhetzung begehen ?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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Lederbeutel100
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Kann ein Autor eines Romans Volksverhetzung begehen ?

Beitrag von Lederbeutel100 »

Liebe Forumsteilnehmer,

nehmen wir einmal folgenden frei erfundenen Fall / Sachverhalt:

Person A schreibt einen Roman. Der Roman spielt in etwa im Jahr 2050, also in der Zukunft.
In diesem Roman gibt es mehrere Protagonisten. Zwei der Protagonisten, unterhalten sich in diesem Roman. Während der Protagonist X geringfügig zuwanderungsskeptisch ist und sich im Roman dementsprechend vorsichtig äußert, ist Protagonist Y offen feindselig gegenüber Flüchtlingen, Asylbewerbern und Ausländern im Allgemeinen.

Protagonist Y, der in diesem Roman primitiv rüberkommt, nimmt hierbei Wörter und Ausdrücke in den Mund, welche, würden Sie im realen Leben des Jahres 2022 von einer natürlichen Person gesagt werden, eindeutig ausreichen um wegen Volksverhetzung verurteilt zu werden.

Nun stellt sich Person A (also der Autor des Romans) aber besorgt die Frage, ob er persönlich, nach der Veröffentlichung des Romans, wegen Volksverhetzung verurteilt werden könnte.

Wie ist die Rechtslage ?


Danke im voraus für euere Antworten.


P.S.: ....oder wäre es eine Lösung, zu Beginn des Romans so eine Art "Disclaimer" einzufügen, dass sich der Autor des Romans die politischen oder weltanschaulichen Positionen und Meinungen der einzelnen Protagonisten sich nicht zu eigen macht.
GS
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Re: Kann ein Autor eines Romans Volksverhetzung begehen ?

Beitrag von GS »

Hallo Lederbeutel100
Lederbeutel100 schreibt:
nehmen wir einmal folgenden frei erfundenen Fall / Sachverhalt:
ja klar
Person A schreibt einen Roman. Der Roman spielt in etwa im Jahr 2050, also in der Zukunft.
In diesem Roman gibt es mehrere Protagonisten. Zwei der Protagonisten, unterhalten sich in diesem Roman. Während der Protagonist X geringfügig zuwanderungsskeptisch ist und sich im Roman dementsprechend vorsichtig äußert, ist Protagonist Y offen feindselig gegenüber Flüchtlingen, Asylbewerbern und Ausländern im Allgemeinen.
Beispielsweise heißt Y mit vollem Namen Yeats und reagiert allergisch auf die 5-stellige Anzahl von Deutschen, die sich vor dem tschechichen Usurpator Schweijk auf die grüne Insel geflüchtet hatte.
Protagonist Y, der in diesem Roman primitiv rüberkommt, nimmt hierbei Wörter und Ausdrücke in den Mund, welche, würden Sie im realen Leben des Jahres 2022 von einer natürlichen Person gesagt werden, eindeutig ausreichen um wegen Volksverhetzung verurteilt zu werden.
Kommt darauf an, was dazu im Vorhinein (s. u. Disclaimer) geschrieben wird.
Nun stellt sich Person A (also der Autor des Romans) aber besorgt die Frage, ob er persönlich, nach der Veröffentlichung des Romans, wegen Volksverhetzung verurteilt werden könnte.
So weit wird es allenfalls dann kommen, wenn der Lektor, der Verleger und vor allem dessen Syndikus entweder geschlafen oder voll dahinter gestanden haben.
Wie ist die Rechtslage ?
m. E. ungeklärt. Es reicht m. E. nicht für einen Freispruch , wenn ein angerufenes Gericht zur Überzeugung kommt, dass der anerkannte Volksverhetzer zwar der böse Bube im Spiel sein soll, aber es dem lieben Autor mutmaßlich vor allem darum ging, diese Wörter und Ausdrucke straffrei unters Volk zu bringen.
Danke im voraus für euere Antworten.
Gern geschehen. Ist aber keine juristische Expertise, sondern allenfalls zur Herauskitzelung einer solchen geeignet - wenn überhaupt.
P.S.: ....oder wäre es eine Lösung, zu Beginn des Romans so eine Art "Disclaimer" einzufügen, dass sich der Autor des Romans die politischen oder weltanschaulichen Positionen und Meinungen der einzelnen Protagonisten sich nicht zu eigen macht.
Daran sollte es nicht fehlen, und zu dessen Formulierung am besten auch gleich einen Rechtsbeistand hinzuziehen. Möglicherweise rät der dann nicht nur von diesem Disclaimer ab, sondern gleich vom ganzen Roman, nachdem er die Druckvorlage gebührenwirksam durchgelesen hat.
Dies ist keine Linksberatung und erst recht keine Rechtsberatung - wie käme ich dazu? Einzig verbindlicher Ratschlag: Lesen Sie von links oben nach rechts unten.
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