"Falsche" Person angezeigt

Moderator: FDR-Team

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Benutzer50
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"Falsche" Person angezeigt

Beitrag von Benutzer50 »

2 Leute haben einen Onlineshop bei einer Seite eines großen Unternehmens erstellt. Person A steht mit Namen im Impressum und hat die Bankverbindung eingetragen. Person B hat den Shop dauerhaft alleine verwaltet und irgendwann etwas zum Verkauf angeboten, an dem sie keine Nutzungsrechte hat. Person A wurde dafür nun, weil der Name im Impressum steht, außergerichtlich von einem Anwalt durch den Urheber zu Schadensersatz aufgefordert.

Kann die Anzeige nochmal neu aufgesetzt werden, sodass Person B angesprochen wird, wenn sich beide einig sind, dass Person B die gesamte Schuld trifft? Reicht hierfür der Kontakt zu dem entsprechenden Anwalt, oder wäre diese Umänderung ein größeres Verfahren, oder ist es gar nicht möglich, dass noch zu ändern?

FM
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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von FM »

Die Abmahnung durch einen Anwalt ist keine "Anzeige". Sollte eine Anzeige ebenfalls erfolgt sein, wäre es angebracht die neue Erkenntnis der ermittelnden behörde (Polizei, Staatsanwalt) mitzuteilen.

Hat der beauftragte Anwalt denn nicht gewusst, wie er dann reagieren sollte, wenn er die neue Info bekommt? So ganz sicher ist es nicht, ob wirklich nur der eine haftbar ist. Aber man wird doch wohl einen Anwalt genommen haben, der im Urheberrecht versiert ist und weiß, was er zu tun hat?

ExDevil67
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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von ExDevil67 »

Also für mich ist die Frage wer haftbar ist recht eindeutig. A als derjenige der im Impressum als Verantwortlicher genannt wird, wird dafür seinen Kopf hinhalten müssen.
Was ggf A und B untereinander im Innenverhältnis dazu vereinbart haben, braucht in meinen Augen den Abmahner nicht interessieren.
Wobei ich als A zusehen würde das ich hier einen eigenen Anwalt einschalte. Ob B klar ist was ihm da "blüht"? Aus viewtopic.php?f=3&t=286054 setzt der Anwalt des Abmahners den Streitwert auf 50.000 € fest, das macht mal eben ~1800 € allein Anwaltskosten für die Abmahnung. Dazu ggf Schadensersatz, die Unterlassungserklärung und eigene Anwaltskosten.
Da würde es mich nicht wundern wenn B das dann plötzlich doch nicht so einhellig sieht das ihn die Schuld trifft.

Benutzer50
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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von Benutzer50 »

Der Fall ist so, dass nur der Name im Impressum stimmt. Dass das Schreiben überhaupt bei Person B ankam lag daran, dass es gleichzeitig auch per E-Mail geschickt wurde und der E-Mail-Account, über den das Konto lief, gehört wiederum Person B.

A wird sowieso abstreiten, dass er ins Impressum wollte und da gibt es dann keine weiteren Beweise.

FM
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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von FM »

Der Sinn und Zweck eines Impressums ist es, dass Dritte wissen wen sie verklagen können. Da falsche Angaben eine Ordnungswidrigkeit sind, wird dann auch ein Bußgeldverfahren stattfinden. Und da es sich bei dem Anbieter offenbar um ein Handelsunternehmen handelt, wird schon auch feststellbar sein, wer da das Sagen hat. Grundsätzlich haftet auch der Inhaber eines Unternehmens, nicht nur derjenige der rein praktisch den Verstoß begeht.

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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von Benutzer50 »

Danke für die Antworten.

Ich hätte noch eine Frage zu dem Teil des Schadenersatzes, der durch den Verkauf entstanden ist.

Zählen dazu nur die Provisionen, die der Verkäufer Anteilig erhalten bzw. verdient hat (10% des Artikels), oder der Gesamtwert/preis, den der Käufer gezahlt hat (Worunter auch die Herstellungskosten und der Anteil des Verkaufsplattform fällt)?

Und welcher Fachanwalt ist für so ein Fall der Richtige?

FM
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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von FM »

Geht es überhaupt um Urheberrecht?

Also z.B. um ein Buch, ein Foto, ein Gemälde usw? "Herstellungskosten" paßt da nur manchmal.

Urheberrechtsverletzungen können diverse sein, z.B. die Nutzung ohne Erlaubnis, das Weglassen des Namens des Urhebers, die Angabe des Namens des Urhebers, die unerlaubte Veränderung - je nachdem ist der Schaden unterschiedlich zu bemessen.

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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von Benutzer50 »

Es geht um die Nutzung ohne Erlaubnis. Das Original wurde leicht abgewandelt und der Anwalt des Geschädigten erklärt in dem Schreiben, dass der Vergleich zu dem Original unverwechselbar ist. Die Grafik wurde auf der Onlineplattform hochgeladen und von dort aus, wenn etwas gekauft wurde, auf T-Shirts gedruckt.

Der angeklagte Verkäufer hat von den T-Shirts je nach Exemplar 10-20% abbekommen. In dem Gesamtpreis (100%, welche die Käufer zahlen mussten) waren auch die T-Shirt-Kosten, die Arbeit usw. berechnet.

Unter anderem muss nun jeglicher finanzieller Schaden, der durch den Verkauf gegenüber dem Geschädigten entstanden ist, beglichen werden. Und da frage ich mich, ob in so einem Fall 10%-20% oder 100% beglichen werden müssen. Denn wenn der Geschädigte die Sachen dort selbst verkauft hätte, hätte er auch nur 10% erhalten.

ExDevil67
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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von ExDevil67 »

Der Schaden der dem Urheber entstanden ist, ist unabhängig vom Verkaufspreis zu sehen. Eigentlich hätte man sich vorher vom Urheber, bzw dem den die entsprechenden Rechte gehören, vorher eine Lizenz geben lassen müssen um das Bild auf T-Shirts drucken zu dürfen. Diese Lizenzkosten werden separat ermittelt und hätten dann von einem in den Verkaufspreis des T-Shirts eingerechnet werden müssen.

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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von Benutzer50 »

Danke für die Antwort. Das mit der Linzensvereinbarung ist mir bewusst, oder alternativ etwas Eigenes schaffen, dass genügend von der Anspielung abweicht.

Die Schuldigen haben in dem Fall alles falsch gemacht, was man falsch machen kann und das auch nach dem Erhalt des Anwaltschreibens. Denn der Shop mit Verkaufsinformationen wurde daraufhin voreilig gelöscht (es wurde in dem Schreiben dazu aufgefordert den Verkauf zu stoppen, nicht das Konto zu löschen) und es macht den Anschein, dass er auch nicht von der Plattform wiederhergestellt werden kann, was sich an dem nächstmöglichen Arbeitstag endgültig klären wird. Bleibt abzuwarten, wie das Gericht in so einem Fall vorgehen wird.

Alles was noch da ist, sind monatliche Belege der Provision, also die Kontoauszüge, aber daraus geht nicht hervor, was verkauft wurde. Denn in dem Shop waren noch andere Sachen und die besagte Grafik war nur ein Bruchteil davon ...

ExDevil67
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Re: "Falsche" Person angezeigt

Beitrag von ExDevil67 »

Benutzer50 hat geschrieben:
28.06.20, 22:06
Danke für die Antwort. Das mit der Linzensvereinbarung ist mir bewusst, oder alternativ etwas Eigenes schaffen, dass genügend von der Anspielung abweicht.

Die Schuldigen haben in dem Fall alles falsch gemacht, was man falsch machen kann ...
Denn in dem Shop waren noch andere Sachen und die besagte Grafik war nur ein Bruchteil davon ...
Nochmal, der Schaden der dem Urheber entstanden ist muss nicht zwingend von der Verkaufszahl abhängen. Schon durch das reine anbieten des Motivs entsteht ein Schaden. Und als Urheber würde ich keine Lizenzvereinbarungen anbieten die auf Verkaufszahlen basieren, der Aufwand das zu prüfen dürfte sich im Regelfall nicht lohnen.

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