Falsche Angaben im Lexikon

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una
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Falsche Angaben im Lexikon

Beitrag von una » 08.08.11, 11:49

Folgende Frage habe ich:

In einem Künstlerlexikon einer Stadt wurden vor einiger Zeit die Künstler, die in den letzten Jahren am dortigen Landestheater arbeiteten vorgestellt. Dieses Lexikon erschien 2006 in einer Auflage von mehreren 1000 Stück.

Ein Künstler erfuhr erst nach längerer Zeit, daß auch er in dieser Broschüre mit Foto und Biografie vertreten ist.
Er stellt fest, daß sowohl Namensangaben, Geburtsangaben und Biografie nicht den Tatsachen entsprechen als auch ein privates Foto zu sehen ist, dessen Veröffentlichung er nie zugestimmt hätte.
Owohl er ja noch zu den Lebenden gehört und sein Wohnsitz bekannt ist, hat niemand im Vorfeld mit ihm gesprochen.
Der Künstler wendet sich sofort an die entsprechenden Herausgeber und es wird ihm versichert, daß im nächsten Jahr ein neuer Band mit den entsprechenden Änderungen erscheinen wird. Aber außer, daß er jetzt seit 2,5 Jahren vertröstet wird, passiert nichts.
Er befürchtet, daß eine neue Auflage mit den falschen Angaben erscheinen könnten.
Was kann er jetzt noch tun? una

Gerd aus Berlin
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Re: Falsche Angaben im Lexikon

Beitrag von Gerd aus Berlin » 08.08.11, 21:40

Die Stadt denkt natürlich, die Künstler wären froh, in dem Prachtband erwähnt zu werden, den sie als Referrenz vorlegen können bei Bewerbungen um neue Engagements und Stipendien. Und Mutti schicken und Omi, die schon immer stolz waren auf ihren Sohn und noch mehr, wenn sie sehen, was der so macht und welche tolle Bedeutung der hat in der fremden Stadt.

Meckern darf man dennoch. Im Extremfall könnte man die gesamte alte Auflage einstampfen lassen und per Abmahnung oder Unterlassungsklage eine Widerholung der Fehler und Rechts-Verstöße zu verhindern versuchen, in dem man diese vorab schon teuer werden lässt, z. B. durch eine strafbewehrte Unterlassungserklärung.
  • Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie
    § 33
    (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen den §§ 22, 23 ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt. (...)

    § 37
    (1) Die widerrechtlich hergestellten, verbreiteten oder vorgeführten Exemplare und die zur widerrechtlichen Vervielfältigung oder Vorführung ausschließlich bestimmten Vorrichtungen, wie Formen, Platten, Steine, unterliegen der Vernichtung. Das gleiche gilt von den widerrechtlich verbreiteten oder öffentlich zur Schau gestellten Bildnissen und den zu deren Vervielfältigung ausschließlich bestimmten Vorrichtungen. Ist nur ein Teil des Werkes widerrechtlich hergestellt, verbreitet oder vorgeführt, so ist auf Vernichtung dieses Teiles und der entsprechenden Vorrichtungen zu erkennen.

Soweit zum privaten Foto. Möglicherweise greift der Schutz hier aber nicht, wenn es bei einer öffentlichen Aufführung geknipst worden ist oder wenn man sehr bekannt ist ("Persönlichkeit des öffentlichen Lebens", s. § 23 ebd Abs. 1 Nr. 1 und 3). Dann bleibt nur noch der Urheberrechtsschutz des Fotografen:
§ 97 Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz
Er stellt fest, daß sowohl Namensangaben, Geburtsangaben und Biografie nicht den Tatsachen entsprechen (...)
Die Verbreitung von Tatsachenbehauptungen kann man ebenso für die Zukunft untersagen zu lassen versuchen, insbesondere, wenn sie falsch sind*). Ebenso per Abmahnung plus Verlangen einer strafbewehrten Unterlassungserklärung und auch (vor allem, wenn da nichts kommt oder nicht genügend) durch eine Unterlassungsklage beim Zivilgericht - im Eilfalle auch durch Antrag auf eine Einstweilige Anordnung.

Ob das klappt bzw. wie die Chancen stehen, ob der Aufwand lohnt und das Kostenrisiko, kann ein medienrechtlich erfahrener Anwalt am besten einschätzen.

Gruß aus Berlin, Gerd

*) http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlich ... utschland)
Recht beratungsresistant
ist und bleibt der Querulant.

"I’m a poet, and I know it,
hope I don’t blow it." Bob Dylan

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Re: Falsche Angaben im Lexikon

Beitrag von una » 16.08.11, 07:04

...vielen Dank für die ausführliche Auskunft. Nachdem man die Fakten kennt, kann man sich eigentlich nur noch mehr ärgern.....aber ja...... es ist halt eine Abwägung zwischen Kosten-und Nervenaufwand und Erfolgsaussichten....

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