Sind Forenbeiträge Werke im Sinne des UrhG?

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Cogi
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Sind Forenbeiträge Werke im Sinne des UrhG?

Beitrag von Cogi »

Hallo Gesetzesexperten,

ich hab gleich mehrere Fragen:

1. Sind Forenbeiträge in Form von Erlebnisberichten (Reisen, Vorkommnisse usw.) Werke im Sinne des UrhG, also urheberrechtlich geschützt? Gibts da Urteile?

2. Wenn ja, wer hat die Nutzungsrechte? Der Forenbetreiber (weil die Autoren sie durch die Veröffentlichung implizit übertragen haben?) und wenn ja, für wie lange?

3. Wenn ja (1.) und man zitiert in einem eigenen Werk aus einem anonymen Foren-Beitrag, muss dann der Autor (Nickname) als Urheber genannt werden oder genügt das Forum (URL)?

Für Antworten Danke im voraus.

Gammaflyer
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Re: Sind Forenbeiträge Werke im Sinne des UrhG?

Beitrag von Gammaflyer »

1. Sie können es sein, wenn die nötige Schöpfungshöhe erreicht ist. Das Medium(Internetforum
, Leserbrief, Flugblatt, Buchveröffentlichung...) ist egal.

2. Wenn sich der Forenbetrieber diese Nutzungsrechte explizit erteilen lässt, hat er sie. Wenn nicht bleibt es bei den Rechten des Urhebers. Über das "implizite Übertragen" müsste man sich wohl den Einzelfall ansehen. Ich würde zum Nein tendieren.

3. Das kommt auf die genaue Konstellation an.

Hafish
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Re: Sind Forenbeiträge Werke im Sinne des UrhG?

Beitrag von Hafish »

Ergänzung zu 1: In aller Regel dürfte die notwendige Schöpfungshöhe nicht erreicht sein.
Kritik kann subjektiv als verletzend empfunden werden und ist daher generell zu unterlassen. - jaeckel
;)

nordlicht02
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Re: Sind Forenbeiträge Werke im Sinne des UrhG?

Beitrag von nordlicht02 »

I. d. R. wird dem Forenbetreiber ein einfaches Nutzungsrecht erteilt - wenn nicht anders vereinbart zeitlich unbeschränkt.
Und ein einmal erteiltes Nutzungsrecht kann im Regelfall nicht oder nur in ganz seltenen Fällen widerrufen werden - Stichwort: Wandel der inneren Einstellung. Selbst bei berechtigtem Widerruf macht sich der Widerrufende der Gegenseite gegenüber unter Umständen schadensersatzpflichtig.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

Gerd aus Berlin
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Re: Sind Forenbeiträge Werke im Sinne des UrhG?

Beitrag von Gerd aus Berlin »

Cogi hat geschrieben:3. Wenn ja (1.) und man zitiert in einem eigenen Werk aus einem anonymen Foren-Beitrag, muss dann der Autor (Nickname) als Urheber genannt werden oder genügt das Forum (URL)?
  • UrhG § 13 Anerkennung der Urheberschaft
    Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk. Er kann bestimmen, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen und welche Bezeichnung zu verwenden ist.
Wenn Günter Grass in einem Forum als "Plumsklo" postet, dann hat er klar bestimmt, "welche Bezeichnung zu verwenden ist": Plumsklo. Das musst du dann auch in deinem Zitat - genauso, wie du ansonsten Günter Grass nennen musst, wenn er als Günter Grass postet (falls du ein geschütztes Werk von ihm zitierst und kein ungeschütztes Blabla.)

Mehr Angaben als man weiß muss man aber nicht machen: "Die Verpflichtung zur Quellenangabe entfällt, wenn die Quelle weder auf dem benutzten Werkstück oder bei der benutzten Werkwiedergabe genannt noch dem zur Vervielfältigung Befugten anderweit bekannt ist." UrhG § 63 Quellenangabe.

Gruß aus Berlin, Gerd

PS. Im Gegensatz zu anderen Postern hier halte ich die Schilderung persönlicher Ferienerlebnisse in den meisten Fällen für geschützte Textwerke. Ich orientiere mich dabei gerne an diesem Text aus Rostock: "Stichworte sind hier eine individuelle Gedankenführung hoher Individualität und Einzigartigkeit eines Textes, Phantasie und Gestaltungskraft."

("Die Ostsee war kalt." muss nicht reichen. Reicht "Ilsebill salzte nach."?)
Recht beratungsresistant
ist und bleibt der Querulant.

"I’m a poet, and I know it,
hope I don’t blow it." Bob Dylan

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