Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Moderator: FDR-Team

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Andreas_Kiel
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Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von Andreas_Kiel »

Moin moin,
folgender hypothetischer Fall:
- A ist Fotoamateur und veröffentlicht seine Fotos im Netz.
- Nach einiger Zeit wird eine Zeitschrift darauf aufmerksam und erwirbt die Nutzungsrechte an einigen Bildern einer Serie. Die Serie ist heute noch im Netz zu finden.
- Vier Jahre später stellt A zufällig fest, daß B eine Aufnahme davon einschließlich noch lesbarem Wasserzeichen (in etwa: (C) 2009 by *Fotograf*, *www.domain**) in einen vertonten Videoclip von 8 Minuten, bestehend ausschließlich aus aneinandergereihten Standbildern eingebaut hat. Wahrscheinlich stammt die Aufnahme von der Website der Zeitschrift, aber das ist unwichtig.
- A recherchiert die Erreichbarkeit des B (z.B. über Gesichtsbuch), schreibt ihn dort per PN an und fordert von ihm nachdrücklich, den Clip umgehend zu löschen, und dann seine Anschrift zwecks Zustellung einer Schadensersatzforderung zu übermitteln. B reagiert innerhalb der Frist nicht, obwohl er mehrmals nachweisbar in Gesichtsbuch online ist und die Nachricht damit zumindest sehr wahrscheinlich erhalten hat. Auch Tage später keine Reaktion.
- A beantragt daraufhin mit Schriftsatz bei zuständigen Amtsgericht eine einstweilige Verfügung gegen B mit dem Ziel der Löschung dieses Clips (sofern das Bild dort enthalten ist). Anschrift hat er über EMA erhalten. Das Verfügungsverfahren ist also wegen Nicht-Reaktion eingeleitet.

Die Frage ist nun:
Wenn A schließlich seine Rechte auf Schadensersatz geltend machen wird: wie hoch wäre das Honorar /im Rahmen der Lizenzanalogie? Eine bloße Veröffentlichung, nach A's Erinnerung sind das 340 € zzgl. 100% wegen fehlender Urhebernennung scheidet ja vielleicht aus. Zu denken wäre noch an eine Entstellung des Werkes, weil es in einer Sammlung von ebenfalls geklauten (ja, nachweisbar) Bildern mit selbstgemachter Musik zu sehen war. Oder gilt ein Videoclip bei "DeineRöhre" als Filmwerk?

A entdeckt des weiteren bei einer TanteGugel-Suche, daß dieser Clip auch auf weiteren Portalen eingebunden ist. Es gibt über 500 Treffer bei der Suche nach dem eindeutigen Titel. A wird ganz sicher nicht 500*340*2 Euro verlangen können (na ja: verlangen schon mit ordentlicher Bauchlandung). Aber wie erhöht sich der Lizenzschaden bei einer privaten Mehrfachnutzung? A geht davon aus, daß B nicht gewerblich handelte, obwohl durch solche Clips ja auch Werbung generiert werden kann und dann die Gerichte oft gewerbliche Handlungen unterstellen.

A würde mit einer Forderung von 500 Euro plus 100% Verletzerzuschlag ins Rennen wollen. Ist das realistisch?

Danke fürs Lesen bis hierhin, und nun die Bonusfrage:
A will dem B eine kleine Entscheidungshilfe geben, um sich schnell auf eine streßfreie außergerichtliche Zahlung zu einigen. A hat 5 weitere Bilder von anderen Fotografen in demselben Clip gefunden (d.h., vermutlich alles geklaut darin ...) , die sicherlich ebenfalls Honorare fordern würden - wenn sie denn davon wüßten.
A möchte sich keiner Nötigung strafbar machen und fragt sich, ob er die Screenshots einfach ausdruckt und mit seiner Honorarforderung mitschickt - und B mal ganz unschuldig pfeifend fragen soll, ob er "gegebenenfalls" mit einer Weiterleitung an die Urheber (sind bekannt) einverstanden wäre.

(Ich kann A übrigens gut verstehen, der wird im Jahr zwei bis dreimal als Fotograf "beklaut" und anschließend noch wüst beschimpft.)

Ich danke für Hinweise zu diesem konstruierten Fallbeispiel. :D
besten Gruß,
Andreas

nordlicht02
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von nordlicht02 »

Andreas_Kiel hat geschrieben:..wie hoch wäre das Honorar /im Rahmen der Lizenzanalogie?
Das kann pauschal niemand beantworten. Dazu sollte man sich der jährlich erscheinenden Honorarübersicht der "Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing" bedienen, an die sich auch die Gerichte halten.
Klick
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Froggel
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von Froggel »

Da A sicherlich vorhat, das Ganze auch durchzuziehen, sollte A sich besser mit einem Anwalt in Verbindung setzen, der ihm dann sagen kann, was realistisch ist und was nicht. Die Kosten für den Anwalt könnte A dann auch gleich noch von B einfordern.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

Andreas_Kiel
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von Andreas_Kiel »

Bis hierhin schon mal vielen Dank!
Einen Rechtsanwalt braucht A nicht, im übrigen sind die Kosten eines Anwalts nicht durch den Verletzer zu tragen, wenn z.B. ein Fotograf schon mehrfach abgemahnt hat. Dann kann es sein, daß man diese Kosten nicht zugesprochen bekommt. Ein Urteil las A dazu am Montag bei juris.
Die Einschaltung eines Anwalts - so die Erfahrung von Fotograf A - bedeutet auf der Gegenseite sofort auch einen Anwalt und dann dauert und dauert und dauert es. Die Bereitschaft, schnell mal ein paar Hunderter rüberwachsen zu lassen, sich in den A.... zu beißen aber dann auch gut sein zu lassen, wird bei B deutlich gesteigert, wenn A zunächst selber bestimmt, aber freundlich schreibt.
Meine eigenen Erfahrungen decken sich zufällig mit dieser hypothetischen Konstruktion :lol:

Soweit A sich erinnert, ist der Fall des eingebauten Fotos in eine "Diashow" irgendwie in den MFM-Tabellen nicht drin. A hat nur ein sehr, sehr altes Exemplar - das Geld lohnt sich ja nicht auszugeben, wenn da für sowas eh nur 50 Euro ausgeworfen werden. Dann ist die schöne Arbeit ja für die Katz ...

also erneuere ich mal die Frage in die Runde: was könnte A aus B rausquetschen?

bis denn
Andreas

nordlicht02
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von nordlicht02 »

Andreas_Kiel hat geschrieben: Soweit A sich erinnert, ist der Fall des eingebauten Fotos in eine "Diashow" irgendwie in den MFM-Tabellen nicht drin.
Dann muss man halt das nehmen, was der Diashow am nächsten kommt.
Andreas_Kiel hat geschrieben:also erneuere ich mal die Frage in die Runde: was könnte A aus B rausquetschen?
Da Gerichte sich i. d. R. an den MFM-Honoraren plus der dort genannten Zuschläge orientieren, wird mehr als dort veranschlagt mit Sicherheit nicht drin sein. Im Gegenteil: Bei Amateuren wird oftmals noch ein Abschlag vorgenommen.

Und wozu "etwas rausquetschen"? Letztendlich geht es darum, dass es dem Verletzer zumindest etwas wehtut und er aus der Sache lernt. Und da kann es auch vorkommen, dass man, obwohl man nicht aus dem Amateurbereich kommt, einem Studenten statt der eigentlich knapp vierstelligen Summe gerade mal 120 Euro abnimmt, die dieser noch in Raten zahlen musste - man kann sich aber sicher sein, dass der so schnell nicht nochmal Bilder "klaut".
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Cesar01
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von Cesar01 »

Ein Guter Anwalt der auf Künstler und Urheberrecht spezielisiert ist wird A sagen ob es sich lohnt hier gegen B vorzugehen und wieviel Geld er da im Ernstfall erwarten dürfte.

Der würde auch nicht einfach so losziehen wenn die ganze Angelegenheit keine Aussicht auf Erfolg hat, und für die erste Einschätzung wo der Anwalt A sagt welche Chancen er hat kostet ja in der Regel nichts, also warum nicht einfach doch mal den Profi fragen? ;)
Zudem kann es manchmal wahre Wunder wirken wenn der Brief, den A gedenkt zu schreiben von einem Fachmann verfasst wird.
Das kostet nicht so wahnsinnig viel und untermauert B gegenüber das A es ernst mit der Sache meint.
Zudem, würde der Anwalt B eine Frist setzen innerhalb der B zu reagieren hat und B seine Kosten ebenfalls in Rechnung stellen wenn B eindeutig im Unrecht ist.

Zumindest "meiner" zufälligen Erfahrung nach dauert sowas nicht besonders lange und kann eine Menge Ungewissheit - und auch Stress - von einem nehmen. ;)

webelch
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von webelch »

Cesar01 hat geschrieben:...die erste Einschätzung wo der Anwalt A sagt welche Chancen er hat kostet ja in der Regel nichts...
seit wann sind erstberatungen bei anwälten gratis?

Cesar01
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von Cesar01 »

Bezogen auf den Anwalt: Ich kann nicht für alle Anwälte sprechen.

Bei meinem ist es jedenfalls so das ich alles kompakt zusammenfasse, ihm zB als Email sende und er mir dann sagt ob wirs angehen oder besser lassen sollten. Im Fall das ich ihm das Go geben möchte sagt er mir vorher noch, was mich das Ganze ggf kosten würde.
Er muss mich also nicht zeitaufwändig "betreuen" oder der Gleichen, da ich nur hingehe und sage "Ich brauche das, was kostet es?" und mehr nicht.
Wenn ich eindeutig im Recht bin muss die Gegenseite sowieso für ihn aufkommen. (So auch schon geschehen.)

Natürlich muss man dazu auch sagen das ich meinen Anwalt auch generell nicht alle 5 Minuten belästige und ihn auch nicht pausenlos wegen irgendwelchen Kleinigkeiten ausfrage.
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In einem Fall wie dem hier oben wo eindeutig meine Urheberrechte verletzt wurden, die Person gegen die ich vorgehen möchte in Deutschland lebt und ich ihre Adresse auch schon kenne - und ich aber nicht genau weiß, was und wieviel ich nun verlangen kann, würde ich also definitiv zu meinem Anwalt gehen, denn der könnte mich da schnell drüber aufklären und ggf die Sache dann für mich erledigen, und ich habe wieder den Kopf für die Arbeit frei.

Abgesehen davon würde ich in diesem Fall zB A auch davon abraten B nochmal anzuschreiben und ihm wie oben beschrieben mitzuteilen, dass man wenn B nicht reagiert den anderen Fotografen "petzen" würde, denn das könnte ganz schnell als Drohung ausgelegt werden.

===========
Hier nochmal ein generelles Beispiel in Bezug auf die "Erstberatung":
Würde ich das Ganze jetzt mit anderen Branchen vergleichen würde ich sagen, der Kunde beschreibt kurz was er braucht
(zB: "Was würde es kosten wenn ich diese 4 blauen Reifen da kaufen und von Ihnen montiert bekommen möchte? Sollte ich die blauen Reifen nehmen oder würden Sie mir eher die roten Reifen empfehlen?")
und bekommt dann einen Kostenvoranschlag.
Dann entscheidet der Kunde in der Regel ob er das Ganze in Auftrag gibt - und dann auch bezahlt - oder nicht.

Nur dafür abzurechnen dem Kunden zu sagen ob er die blauen oder roten Reifen nehmen sollte kann man natürlich versuchen... würde in der Branche in der ich mich bewege aber auf sehr viel Widerstand und Unmut durch die Kunden führen, die daraufhin garantiert nie wieder zu mir ins Geschäft kommen würden.
Die Betonung liegt auf kurz.
Ich spreche nicht davon das der Kunde die Firma, die er beauftragen will wochenlang beschäftigt, die Firma zB die blauen und die roten Reifen erst herstellen muss bevor der Kunde sich entscheidet diese vielleicht zu buchen. In diesem Falle hätte die Firma bereits Zeit und Aufwand in den Kunden investiert und das geht über eine einfache Beratung zum Thema "Sollte ich die roten oder doch die blauen Reifen kaufen?" weit hinaus.

Es ist für mich wie gesagt schwer einzuschäzen, da ich in einer anderen Branche tätig bin. Wahrscheinlich habe ich mit meinem Anwalt einfach einen guten Griff getan, es wird allerdings aber auch von Vorteil sein, dass ich jeder Zeit bereit bin den guten Mann aus eigener Tasche zu bezahlen wenns drauf ankommt, ich bin also kein "Windowshopper" der Leuten nur die Zeit stielt und dann einfach wieder geht. ;)

Andreas_Kiel
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Re: Einbau Foto in Videoclip (Diashow), Lizenzgebühren?

Beitrag von Andreas_Kiel »

moin,
nur mal so für künftige Maßstäbe:
der hypothetische Verletzer zahlte 562.20 € außergerichtlich ohne jede Anwälte. Das fiktive Geld juckte den nicht mal ..
bg, Andreas

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