Urheberrecht an Sachbuch

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miriamW
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Urheberrecht an Sachbuch

Beitrag von miriamW »

Hi,

ein Freund hatte damals ein Startup gegründet, das inzwischen nicht mehr so neu ist. Er vertreibt ein digitales Internetprodukt. Dafür habe ich zum Thema ein mehrteiliges Sachbuch geschrieben. Die Kunden sollten es kostenlos als Dreingabe zum Download (ebook und PDF) erhalten. Das Buch wird zwei mal pro Jahr von mir auf den aktuellen Wissensstand gebracht.

Entgegen der Planung hat er die Downloadfunktion zwar implementiert, jedoch im Hintergrund nie die aktuellste Buchversion hochgeladen, so dass Kunden immer nur die erste Version des Buchs downloaden konnten. Ich hatte das Gefühl, für den Mülleimer zu arbeiten.

Also bin ich ausgestiegen. Daraufhin hat er mir den Zugriff auf alle Buchdateien verwehrt. Zur Erklärung: Es handelt sich um Fahrschullehrbücher. Das Zusatzwissen B ist dasjenige, das bisher zum Download bereitstand (in der veralteten Version). Das Grundwissen für alle Klassen habe ich zu etwa 80% fertiggestellt. Ebenso die Bände Mofa und Moped. Das große LKW-Buch ist zur Hälfte fertig.

Texte und Layout stammen allesamt von mir. Er hat lediglich das Zusatzwissen B Korrektur gelesen und hier und da ein paar Änderungswünsche geäußert. Die gekauften Bilder gehören ihm. Hat die Firma bezahlt. Die möchte ich auch gar nicht haben. Als Autoren stehen sein Vater und der Vater eines anderen Bekannten drin, weil beide Diplom-Ingenieure sind (wir dachten, die Kunden halten das für seriöser), mein Bekannter selbst, und ich werde als "freie Mitarbeiterin" genannt (damit es nicht so aussieht, als wäre ich bei ihm angestellt oder so).

Er gibt zu, dass er die Bücher nicht mehr benötigt und auch nicht mehr aktualisieren wird, möchte mir aber die texte nicht geben. Ich hätte sie dagegen schon gerne wieder. Zumindest die, die eh nie für die Firma verwendet wurden.

Wie ist die Rechtslage?

LG Miri
Gerd aus Berlin
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Re: Urheberrecht an Sachbuch

Beitrag von Gerd aus Berlin »

miriamW hat geschrieben:Er gibt zu, dass er die Bücher nicht mehr benötigt und auch nicht mehr aktualisieren wird, möchte mir aber die texte nicht geben. Ich hätte sie dagegen schon gerne wieder. Zumindest die, die eh nie für die Firma verwendet wurden.
Was heißt hier "wieder haben wollen"? Möchtest du die Texte lesen, selber verbreiten oder Nutzungsrechte daran vergeben?

Oder möchtest du seine Nutzungsrechte zurückrufen? Dann lies mal UrhG § 41 Rückrufsrecht wegen Nichtausübung. Dazu gibt es auch eine Handlungsanleitung irgendwo in meiner Schublade.

Ansonten wäre die Frage interessant, ob du ihm bislang ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt hattest oder lediglich ein einfaches, siehe UrhG § 31 Absatz 2,3 und 5. Falls es nur ein einfaches war - was sich evtl. aus Absatz 5 und dem darin beschriebenen Vertragszweck ergeben könnte -, kannst du dein Werk ohnehin selbst verwerten.

Gruß aus Berlin, Gerd
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miriamW
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Re: Urheberrecht an Sachbuch

Beitrag von miriamW »

Wow, das ist ja mal eine Info! Danke!

Es ging mir darum herauszufinden, wem die Texte gehören, weil er ja auch als Autor genannt wurde.

Ich möchte die Texte weiterverarbeiten und in meinem Blog für Fahrschüler veröffentlichen. Das hätte ich nicht gemacht, wenn er die Texte selbst für sein Projekt gebraucht hätte. Aber so dachte ich, es ist eine gute Möglichkeit, sie zu verwursten. Sonst bleiben sie nur ungenutzt.

Ich werde ihn auf der Grundlage dieser Information davon versuchen zu überzeugen, dass ich das machen kann.

Danke, Gerd aus Berlin.
Gerd aus Berlin
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Re: Urheberrecht an Sachbuch

Beitrag von Gerd aus Berlin »

miriamW hat geschrieben:Es ging mir darum herauszufinden, wem die Texte gehören, weil er ja auch als Autor genannt wurde.
Dadurch wird der Auftraggeber eines Textes, eines Werkes, nicht zum Urheber des Werkes.

Aber üblicherweise wird er dabei (nicht dadurch) zum Inhaber der ausschließlichen Nutzungsrechte. Denn ein Auftraggeber eines Ghostwriters sichert sich in der Regel diese Rechte, um sich dann selbst als Urheber auszugeben - etwa Promis mit fremd-verfassten "Auto"-Biografien.

Hier wurde dies aber augenscheinlich nicht vereinbart. Dennoch könnten sich ausschließliche Nutzungsrechte aus dem Vertragszweck ergeben - auch wenn es nur ein mündlicher Vertrag war.

Dies kann man nun freundlich korrigieren bzw. präzisieren. etwa mit der Bitte um eine Erklärung: "Alter Kumpel, klar darfst du deine Werke ab sofort frei nutzen - sogar ausschließlich!" Mit dem Zusatz wäre es sogar noch besser.

Wenn er nicht will, kann es komplizierter werden und etwas dauern - aber spätestens in zwei Jahren sollten sämtliche Rechte wieder beim Urheber liegen. Wenn er das weiß, wird der bisherigte Nutzer sicher gleich eine solche Erklärung unterschreiben.

Gruß aus Berlin, Gerd
Recht beratungsresistant
ist und bleibt der Querulant.

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