Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Moderator: FDR-Team

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Ninou11
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Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Ninou11 »

Guten Tag!


Ich weiß nicht, ob mein Thema hier thematisch richtig angesiedelt ist - aber ich habe nach dem Suchen zumindest gehofft, dass wenn, dann hier... kann aber auch total falsch liegen. Entschuldigung für diesem Fall!

Angenommen, es passiert Folgendes: Die Verfasserin einer Kurzgeschichte schickt ihr Manuskript ab, und es kommt prompt ein Vertrag zurück für die Kurzgeschichte, worin auch was von Soft- und Hardcover steht, was die Verfasserin anzukreuzen hat und wo gewisse Summen drunter stehen.
Gleichzeitig vermerkt der Verlag, dass ein persönliches Gespräch gewünscht würde, da die Novitäten abgeschlossen sein wollen.
Angenommen weiter, die Verfasserin führt nun ein persönliches Gespräch, wo die Summe von über 8000,- Euro nicht erwähnt wird, sondern bei dem die Autoren-Betreuerin sagt, der Verlag übernähme die ganze Feinarbeit bis zur Veröffentlichung. Von Geld keine Silbe.

Die Verfasserin unterschreibt. Aus der Kurzgeschichte soll ein Roman werden und sie wurde zum Schreiben motiviert.
Schließlich erhält sie einige Tage später eine Rechnung. Sie habe die über 8000,- Euro zu tragen, die zur Produktion des Buches dienen, und dieser Betrag sei sofort fällig.

Angenommen, die Verfasserin möchte den Vertrag zurückziehen. Reicht da die Angabe von §35 VerlG, oder soll erwähnt werden, dass im Gespräch nur gesagt wurde, der Verlag übernähme... s.o.!

Besten Dank für hilfreiche Antwort

SusanneBerlin
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,

steht denn in dem schriftlichen Vertrag, den die Autorin unterschrieb, dass die Autorin 8.000€ zahlen soll, oder nicht? Das wird nicht klar.

Tipp: Verträge immer vollständig durchlesen bevor man unterschreibt.
was die Verfasserin anzukreuzen hat und wo gewisse Summen drunter stehen.
Sollte die Autorin diese Summen als Honorar bekommen oder sollten diese Summen an den Verlag bezahlt werden?
Grüße, Susanne

Ninou11
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Ninou11 »

Ja, die Autorin hat sowas gelesen, jedoch hatte die Autorenbetreuerin bei einem langen, sehr sympathischen (klar, bei einem Inkasso von 8000,-!) Gespräch eben gemeint, der Verlag übernähme die Feinarbeit bis zur Veröffentlichung und eben NICHTS weiter, nichts von den 8000...
Wie da rauskommen?
Mit dem erwähnten Paragraphen? Damit, dass man mir das nicht gesagt hat? Wie??

Ninou11
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Ninou11 »

SusanneBerlin hat geschrieben:Hallo,

steht denn in dem schriftlichen Vertrag, den die Autorin unterschrieb, dass die Autorin 8.000€ zahlen soll, oder nicht? Das wird nicht klar.

Tipp: Verträge immer vollständig durchlesen bevor man unterschreibt.
was die Verfasserin anzukreuzen hat und wo gewisse Summen drunter stehen.
Sollte die Autorin diese Summen als Honorar bekommen oder sollten diese Summen an den Verlag bezahlt werden?
die Summe soll von der Autorin sofort gezahlt werden. Der Verlag hat bereits eine ISBN-Nummer geschickt

Elektrikör
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

Was steht denn nun in besagtem Vertrag?

So ganz hab ich das in deiner Antwort nicht gefunden

MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet

Ninou11
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Ninou11 »

"Die Parteien vereinbaren folgende Eckdaten: Das Buch erscheint als Taschenbuch

Produktionsvergütung: 8.636,03 Euro

Die Vergütung ist mit Abschluss dieser Vereinbarung fällig und an den Verlag zu zahlen."

Die Autorin hatte das gelesen, wurde jedoch durch das Gespräch manipuliert.

webelch
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von webelch »

Ich kann noch nicht erkennen, ob hier überhaupt ein Verlagsvertrag vorliegt. Nur auf diesen wäre das VerlG anwendbar. Hingegen scheint mir eher der Druck einer bestimmten Auflage zu bestimmten Kosten in Auftrag gegeben worden zu sein. An wen sollte denn die gedruckten Bücher ausgeliefert werden? Wer übernimmt den Vertrieb?

Ninou11
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Ninou11 »

"Gegenstand dieses Vertrages ist die Herstellung etc. an einem Buchwerk.
Der Verlag übernimmt die Herstellung, Vervielfältigung etc. für die erste und für sämtliche weitere Auflagen.
Die Vertriebskosten trägt der Verlag."

webelch
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von webelch »

Und was soll der Autor wann verdienen? So ganz klar wird mir der Sachverhalt leider immer noch nicht.

Sinnvoll wäre es wohl, wenn der Autor mitsamt dem Vertrag einen Anwalt aufsucht. Eine Erstberatung ist auch nicht so kostenintensiv.

gzs
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von gzs »

Ich würde in diesem Fall zum Anwalt raten. Das klingt für mich wie eine dieser mehr oder weniger bekannten Abzocke-Maschen. Ein Pseudo-Verlag ködert Autoren indem man ihnen erzählt wie toll doch ihr Geschreibsel ist und vor lauter Eitelkeit lesen die dann den Vertrag nicht. Diese "Verlage" nehmen dann einen Haufen Geld für eine ISBN-Nummer und wenn man Glück hat, drucken sie einem noch ein paar billigst gemachte Bücher die man dann erst mal verkaufen muss.

Ob man aus so einem Vertrag wieder rauskommt kann ich nicht sagen, ich würde mal vermuten eher nicht ... die rechnen ja mit Gegenwind ...

Das nächste Mal einfach vorher Hirn einschalten, nicht alles was geschrieben wird, will auch wirklich jemand lesen ...

SusanneBerlin
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von SusanneBerlin »

Sinnvoll wäre es wohl, wenn der Autor mitsamt dem Vertrag einen Anwalt aufsucht. Eine Erstberatung ist auch nicht so kostenintensiv.
Noch sinnvoller wäre gewesen, dass man sich beraten lässt, bevor man einen Vertrag unterschreibt den man nicht versteht. Oder zumindest die sympathische Autoren-Betreuerin danach fragt, was es mit den 8.636,03 Euro Produktionsvergütung auf sich hat.

Sorry, aber man sollte doch wissen, dass das zählt was im schriftlichen Vertrag steht, und wenn da was steht von 8.000€ und "sofort fällig" dann spreche ich das doch an statt einfach zu unterschreiben?! Zumal sie den Vertrag vorab zugeschickt bekam und sich auf das Gespräch vorbereiten konnte.

Der Verlag wird wohl freiwillig nicht akzeptieren, dass die Autorin nicht bezahlen möchte. Also kann man nur raten: ab zum Anwalt, der soll die Möglichkeiten prüfen und wenn möglich, einen Rücktritt formulieren.
Grüße, Susanne

Ninou11
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Ninou11 »

Ja, das ist alles richtig, und die Autorin hat diese große Summe wohl gelesen.
Als im Verlagshaus jdann jedoch die Worte fielen, der Verlag übernähme erstmal alles, da machte sie sich keine Sorgen mehr - und ließ sich halt einlullen während 90 Minuten über dies und das und das und jenes. Besagte Autorin muss sehr sauer auf sich selbst sein.

Froggel
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Froggel »

Das ist die typische Masche, mit der Druckkostenzuschussverlage arbeiten. Das, was solche "Verlage" (die eigentlich keine sind) übernehmen, ist, gewisse Arbeiten in Auftrag zu geben, nicht jedoch die Bezahlung. Die hat man als Autor zu leisten. Wenn man Pech hat, stehen in solch einem Vertrag noch weitere Klauseln, mit denen der Autor gewaltige Probleme bekommen wird. Es ist unbedingt anzuraten, hierzu einen Anwalt aufzusuchen.

Ein Tipp für die Zukunft: Niemals einen Vertrag mit einem Verlag abschließen, wenn man selber dafür zur Kasse gebeten wird oder aber ein gewisser Mindestumsatz erwartet wird, bevor man als Autor Geld zu sehen bekommt. Immer vor dem Unterschreiben den Vertrag gut durchlesen und verstehen. Da allerdings oftmals unverständliche Klauseln in solche Verträge eingebaut werden, ist es sinnvoll, den Vertrag vor der Unterschrift noch von einem Anwalt prüfen zu lassen. Das kostet dann zwar ein paar Euro, aber man erspart sich eventuellen Ärger, der zu noch mehr Kosten führen kann.
Merke: Ordentliche Verlage verlangen kein Geld, sondern geben einen Vorschuss auf erwartete Verkäufe. Ordentliche Verlage lassen sich auch Korrektur und Lektorat nicht vom Autor bezahlen. Ebenso machen ordentliche Verlage vernünftige Werbung und verlangen das nicht als alleinige Leistung vom Autor.

Wie viel solche Verlage wert sind, lässt sich im Übrigen oftmals an den bei ihnen angebotenen Büchern erkennen. Ist ein Verlag absolut unkritisch, hat er viele Bücher im Programm, die mit schlechtem Stil, falscher Rechtschreibung und Grammatik zu einem überhöhten Preis daherkommen. Bei einem solchen Verlag würde ich meine Bücher bestimmt nicht verkaufen wollen, denn der schlechte Ruf eines Verlages wirkt sich auch auf die darin verkauften Bücher aus. Also erst einmal Erkundigungen einziehen, kann mit Sicherheit nicht schaden :roll:
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

Ninou11
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Ninou11 »

Angenommen der Verlag erhält binnen 14 Tagen eine Kündigung per Einwurf und auch die Bitte, binnen 2 Tagen zu reagieren, worauf nichts passiert. Die Autorin hatte auch angekündigt, dann im Ausland zu sein und erhält prompt eine Reaktion, jedoch per Email, in der steht, dass eine Kündigung von beiden Seiten nicht vorgesehen ist und dass die Autorin 20 % Schadenersatz zahlen muss oder aber den Text schreibt - es fehlten 70 Seiten.
Was hat die Autorin in diesem Fall zu befürchten?
Ist es richtig, dass sie gegen den Verlag eine Anzeige bei der Polizei wegen Täuschung machen kann?

Gammaflyer
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Re: Rücktritt von Vertrag mit Verlag

Beitrag von Gammaflyer »

Wenn keine Kündigung des Vertrages vorgesehen ist, ist er eben einzuhalten.
Und das mit der Täuschung wird man schwer beweisen können, wenn auf der einen Seite dieses Gespräch mit seinen unklaren Inhalten und Zusagen steht und auf der anderen Seite ein unterschriebener Vertrag, bei dem es eben ungünstig ist, wenn man ihn nicht richtig gelesen hat.

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